Früher war sie ein 60-Stunden-Workaholic, heute ist sie Hausfrau und Mutter von vier Kindern: N. (Mama-Maus-Blog) erzählt, wie zufrieden sie mit ihrem aktuellen Leben ist und warum sie nicht mehr beleidigt ist, wenn keiner die sechsköpfige Familie einlädt. 

 

Heute hast Du vier Kinder: Welchen beruflichen Alltag und welche Ambitionen hattest Du vor den Kindern?

 

Vor den Kindern hatte ich einen sehr ambitionierten Werdegang. Ich bin sehr zielstrebig. War ich schon immer: Abitur als Jahrgangsbeste mit Auszeichnung, anschließend Duales Studium der Wirtschaftsinformatik.

 

Gleich auf der ersten Firmen-Veranstaltung vor dem Jobbeginn habe ich meinen Mann kennengelernt, der in derselben Firma arbeitete. Das sorgte privat für unendliches Glück, viele Stunden des Pendelns und im Studium nur für den zweitbesten Abschluss. Schließlich hatte ich keine Zeit zum Lernen.

 

Nach einem Zwischenstopp im Vertriebsinnendient, wurde ich ein halbes Jahr nach dem Ende des Studiums von einer anderen Firma abgeworben und begann ein Trainee-Programm als Account Manager (Vertrieb im Außendienst). Ein Jahr später schloss ich mein Trainee-Programm vorzeitig ab und hatte einen eigenständigen Kundenkreis.

 

Ich liebte meine Arbeit und war erfolgreich – auch finanziell.

 

Mein Mann bezeichnete mich als Workaholic. Keine Woche endete unter 60 Arbeitsstunden plus den Dingen, die ich im Homeoffice erledigte.

Wer mich damals gekannt hat, wäre nie darauf gekommen, dass ich nicht mal neun Jahre später vier Kinder haben würde.

 

 

Aktuell bist Du nicht berufstätig: War das so geplant? 

 

 

Kurz nach der Hochzeit im Jahr 2008 kam das Thema Kinder auf. Wir wollten junge Eltern sein. Wir hatten gute Jobs und waren finanziell unabhängig. Wann wenn nicht jetzt?

Ich reduzierte meine Arbeitszeit und konnte kurze Zeit später den positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten.

Mit dieser Schwangerschaft änderte sich mein komplettes Leben. Plötzlich war mein Mann Alleinverdiener und verlor pünktlich einen Monat vor der Geburt betriebsbedingt seinen Job. Dieses Gefühl wünsche ich keinen werdenden Eltern. Glücklicherweise fand er zügig eine neue Anstellung und ich war alleine auf mich gestellt als Hausfrau mit drei Kilogramm purem Glück in den Armen.

 

Wir kauften ein Haus in der Nähe meiner Eltern und zogen während der fast 3-jährigen Sanierungszeit zu ihnen. Meinen Mann sah ich nur noch am Wochenende, weil er keinen Job vor Ort fand.

 

Parallel dazu entscheiden wir uns für ein 2. Kind und waren uns einige, dass wir einen kurzen Altersabstand zwischen den Geschwistern haben wollten. Das klappte auch, und im Laufe der nächsten Jahre durften wir noch unsere Tochter und unsere beiden kleinen Söhne begrüßen.

Durch die rasche Geburtenfolge bin ich seit fast acht Jahren durchgängig in Elternzeit.

Wenn mich jemand fragt, ob ich von Anfang an das Ziel hatte vier Kinder zu bekommen würde ich „definitiv nein“ antworten.

 

Ich bin in einer liebevollen Familie als Einzelkind aufgewachsen. Ich vermisste keine Geschwister, aber mir war immer klar, dass ich irgendwann Kinder haben wollte. Zumindest eins. Erst als unsere erstes Kind da war, kam schnell der Wunsch nach einem Geschwisterchen auf. Dieses Gefühl nicht komplett zu sein als Familie entstand schrittweise.

 

Dass wir jetzt ein klassisches Familienmodell leben war ehrlich gesagt nicht geplant. Bevor wir Kinder hatten, hatten wir den Plan, dass ich in Elternzeit gehen würde und dann mein Mann zuhause bleiben wollte. Da ich am Ende der 1. Elternzeit bereits wieder schwanger war, änderten wir diesen Plan. Danach war ich bereits eingespielt als Hausfrau und der Mann verdiente mehr als ich, sodass wir diesen Plan verworfen.

 

Ich war und bin nicht unglücklich darüber. Im Gegenteil ich liebe mein aktuelles Leben und ich würde nichts anders machen, wenn ich die Wahl hätte.

 

Hausfrau und Mutter: Erfüllen Dich diese beiden Rollen vollständig, oder denkst Du öfter wieder über den beruflichen Wiedereinstieg nach? 

 

Ehrlich gesagt, weiß ich nur, dass ich nicht wieder in meinen alten Job zurückkehren kann. Unter Vollzeit und einigen Überstunden kann man dort nicht so erfolgreich sein, wie ich es gerne bin. Mit vier Kindern ist das realistisch gesehen unmöglich, außer mein Mann würde komplett zuhause bleiben oder nur noch wenige Stunden in Teilzeit arbeiten.

 

Ich weiß, dass er das gerne tun würde, aber ich möchte nicht 60 Stunden in der Woche arbeiten und meine Kinder nur noch am Wochenende sehen. Dazu bin ich zu gerne mit ihnen zusammen und möchte sie bei ihrem Weg begleiten.

 

Konkrete Gedanken oder Sorgen über den Wiedereinstieg mache ich mir aktuell noch nicht. Ich habe noch ein paar Jahre Elternzeit und die werde ich auch ausschöpfen. Wir gönnen uns als Familie den Luxus, dass ein Elternteil immer verfügbar ist.

 

Neben den Kindern habe ich theoretisch keine Zeit für ein Hobby. Trotzdem habe ich vor einigen Jahren den Blog gestartet. Ich wollte Erlebnisse aus dem Alltag mit unseren Kindern festhalten und vielleicht auch andere Familien zu Kindern ermutigen. Da mir die steigenden Besucherzahlen zeigen, dass die Menschen an unserem Leben und auch an meinen Tipps interessiert sind, wird er mehr und mehr zu einem regelmäßigen und auch recht zeitintensiven Hobby. Ein Hobby, das mich mehr bereichert als ich am Anfang gedacht hätte.

 

Was ich an Dir so mag: Du wirkst auf allen Kanälen so ausgeglichen. Hast Du für Dich den idealen Lebensweg gefunden?

 

Ausglichen, ich? Eher weniger. Ich bin sehr impulsiv und temperamentvoll. Allerdings habe ich gelernt das nur im Kreise meiner Liebsten zu zeigen.

 

Diese Kontrolliertheit im Geschriebenen und auch im Mündlichen gegenüber Familienfremden habe ich mir im Rahmen meiner Karriere genauso wie selbstbewusstes Auftreten hart antrainiert.

 

Und es stimmt, ich bin mit Leib und Seele Mutter. Ich würde alles für meine Kinder tun und kämpfe wie eine Löwin für sie. Es ist mir wichtig, dass sie immer auf mich vertrauen können.

 

Deshalb stört es mich auch nicht im Geringsten, dass ich aktuell keine beruflichen Erfolge feiere. Dafür feiere ich neue Dinge, die die Kinder lernen und Entdeckungen, die wir gemeinsam machen.

 

Musst Du Dich oft erklären, dass Du zur Zeit “zuhause” bist? 

Anfangs waren meine Eltern schon etwas entsetzt, als die Kinder immer mehr wurden und damit meine Chance beruflich wieder genauso erfolgreich zu sein geringer wurden. Mittlerweile wissen sie, dass ich unendlich glücklich bin und sie sind es mit mir.

 

Meine Bekannten loben meine Gelassenheit und die Kreativität, die ich meinen Kindern zuteilwerden lasse. Vor allem Bekannte mit Kindern wissen, dass es nicht so trivial ist vier Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen glücklich zu machen.

 

Fremde sind da eher mit Vorurteilen belastet. So durfte ich mir im Fastfood-Restaurant auch schon mal anhören, dass es wohl scheinbar wieder Stütze gegeben hätte und ich deshalb die Brut ausführen könnte.

 

Außerdem denken viele Leute, wenn sie mich sehen, dass ich keine Ausbildung hätte. Ich wäre zu jung für eine Ausbildung und vier Kinder. Mir wurde sogar bereits vorgeworfen vom Kindergeld leben zu wollen. Wer selber Kinder hat, weiß welcher Idiotie das gleicht.

Ich nehme das meistens mit Humor. Ich weiß, wer ich bin und was ich kann. Ich habe in meinem kurzen Berufsleben mehr geleistet als viele der Menschen, die Vorurteile mir gegenüber haben.

 

Vor einiger Zeit hast Du getwittert, dass Euch mit vier Kindern keiner mehr einlädt. Das klingt krass. Und diskriminierend. Und doch ein wenig nachvollziehbar, wenn Leute ganz enge Wohnverhältnisse haben. Wie geht Ihr damit um?

 

Wir hatten noch nie einen riesengroßen Freundeskreis.

 

Viele Freundschaften haben unsere rasanten Ortswechsel quer durch Deutschland nicht überstanden. Andere haben sich auseinander gelebt, weil wir als erstes Kinder bekommen haben und dadurch unterschiedliche Interessen aufgekommen sind.

 

Erst nach und nach haben wir uns wieder einzelne Freundschaften mit anderen Eltern aufgebaut. Mit jedem weiteren Kind wurden aber auch dort die Einladungen immer seltener. Es ist eben doch etwas anderes, ob 3 oder gleich 6 Personen zu Besuch kommen.

 

Anfangs haben wir immer eingeladen, um diesem Problem entgegen zu wirken. Irgendwann haben wir gemerkt, dass es eher lästige Pflicht war und uns nicht mehr glücklich machte.

Mittlerweile treffen wir uns wieder sporadisch mit neuen Bekannten. Bisher ohne Gegeneinladung. Ich bin gespannt, wie sich diese Beziehung entwickelt.

Ich habe mich mit der Situation abgefunden und bin zufrieden wie es ist. So abgedroschen es auch klingen mag, mein Mann war und ist mein bester Freund und alles Wichtige kann ich mit ihm besprechen.

 

Wie schaut Dein Alltag aus?

 

Im August wurde unsere Tochter eingeschult. Deshalb haben wir aktuell zwei Schulkinder im Haus. Die beiden Jüngsten sind aktuell noch nicht in der Kita und das streben wir für die nähere Zukunft auch nicht an.

Da die großen Kinder jeden Tag pünktlich den Schulbus erreichen müssen, stehen wir kurz nach 6 Uhr auf.

Meistens werden die beiden Kleinen durch das Gewusel im Haus mit munter und wir frühstücken alle gemeinsam. Wenn die beiden Schulkinder um 7:30 Uhr das Haus verlassen haben, können wir den Vormittag frei gestalten.

Wir gehen spazieren, basteln oder spielen.

Nach dem Mittagessen dürfen die beiden Kleinen zum Mittagsschlaf in ihre Zimmer.

Um 13 Uhr kommt das erste Schulkind nach Hause, um 14 Uhr das Zweite. Nach Mittagessen und Hausaufgaben nutzen wir die gemeinsame Zeit am Nachmittag im Sommer um im Garten zu spielen, im Winter wird meist gemeinsam gespielt oder gebastelt.

Gegen 18 Uhr machen wir Abendbrot (im Sommer auch später). Anschließend dürfen die Kinder noch eine Serie sehen und die beiden Großen gehen selbstständig ins Bett. Die beiden Kleinen bringt meist mein Mann ins Bett.

Oft ist eins der Kinder länger wach, aber solange nicht die komplette Mannschaft munter gehalten wird ist das für uns kein Problem. Spätestens um 21 Uhr schlafen alle Kinder. Der Mann und ich kuscheln uns aufs Sofa und schauen etwas fern.

Jetzt kommt der ausgefallene Teil. Wenn mein Mann ins Bett gegangen ist, hole ich meistens den Computer raus und schreibe an einem Blogartikel. Früher habe ich das oft bereits nachdem die Kinder im Bett waren gemacht, aber mir ist aufgefallen, dass dadurch die gemeinsame Zeit mit meinem Mann eingeschränkt wird. Das wollte ich nicht. Deshalb habe ich das verschoben.

Vielen lieben Dank für die Antworten.

 

Aus einer sehr kinderreichen Familie kommt auch Sarah, die in den Familienrollen schon mal davon erzählt hat.

Wenn Ihr selbst eine Geschichte habt, die ihr einmal in den Familienrollen erzählen wollt, dann schreibt mir doch bitte eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.