Katha hat mit ihrem Mann bereits zwei wunderbare Kinder, aber ihr sehnlichster Wunsch ist ein drittes Kind. Wie es ihr und ihrem Mann nach einer Fehlgeburt geht, wie sie mit dem Wunsch umgehen und was sie anderen Eltern mit auf den Weg geben möchte, das erzählt sie in den Familienrollen und natürlich auch auf ihrem Blog

Dein Partner und Du habt gemeinsam zwei Töchter: Wann kam der Wunsch zu Kind Nummer 3?

Ich fühlte eine Leere. Mir ganz persönlich fehlte etwas. Es kam schleichend und ich verdrängte dieses Gefühl. Wir waren schließlich komplett und glücklich. Verheiratet, haben gute Jobs, haben unseren Rhythmus und haben zwei wundervolle Kinder. Dennoch nagte diese Leere, dieses „unvollständig“ fühlen an mir und irgendwann wurde mir zunehmend bewusst: Ich habe einen weiteren Kinderwunsch. Ich möchte noch ein weiteres Kind.

Ich weiß, dass das total überzogen klingt und eigentlich sind wir uns einig gewesen, dass unsere Familienplanung mit unserer zweiten Tochter abgeschlossen ist. Ich habe auch immer gedacht, dass ich nur zwei Kinder haben möchte, aber jetzt ist er da, der Wunsch. Ich muss gestehen, dass ich sehr lange nicht den Mumm hatte mit meinem Mann darüber zu sprechen, weil wir eigentlich alle glücklich sind bzw. sein sollten.

Aber irgendwann rede ich mit ihm. Das erste Gespräch führten wir im Winter 2016. Er wirkte wie vor den Kopf geschlagen und ich musste ihm immer wieder bestätigen: „Ja ich habe diesen unerfüllten Kinderwunsch, auch wenn ich bereits zwei Kinder habe.“ Wir haben ewig gesprochen und dann machte mein Mann das ganze eine lange Weile mit sich selbst aus, bis er einige Monate später, wo ich bereits dabei war den Wunsch zu verdrängen, kam und sagte, dass wir das mit dem 3. Kind machen könnten, allerdings wird es wirklich und absolut das letzte Kind sein. Er habe zwar noch immer ein paar Zweifel, aber eigentlich wäre ein weiteres Kind ja schon was Schönes. Und so ließ ich mir die Kupferspirale entfernen und wir genossen unsere Zweisamkeit.

Es ist ein Kinderwunsch, der sich bis jetzt noch nicht erfüllt hat. War das neu für Euch oder kanntet ihr das schon?

Also, ich muss gestehen, dass der noch immer nicht erfüllte Wunsch manchmal mehr als an mir nagt. Mein Mann geht damit ganz anders, viel rationaler (er ist der Kopfmensch und ich der Bauchmensch) um. Ich habe 2017, nachdem ich einfach nicht positiv testen wollte begonnen ewig viele Ovulationstests zu machen.

Habe Kinderwunschtee getrunken, Mama- Vitamine geschluckt, nach dem Geschlechtsverkehr die Kerze gemacht usw. Es war mir so nicht bekannt dieses Warten.

Dabei muss man sagen, dass A. (unsere große Tochter) damals unerwartet da war. Ich habe die Pille wohl nicht vertragen und zack schwanger. Ein Wunschkind mit dem Mann, mit dem ich immer Kinder haben wollte, allerdings wählte A. sich ihren Zeitpunkt selbst. Bei L., unserer jüngsten habe ich damals im März die Pille abgesetzt und konnte im August positiv testen. Aber jetzt…. Es blieb immer nur ein Strich auf dem SS-test. Bis Silvester 2017. Es war absolut überraschend. Ich wollte, aus einer Laune heraus, nur wissen, ob ich was trinken könnte und plötzlich leuchtete der SS-Test positiv. Gott, was war ich am heulen. So viele Strapazen, so viele Lasten, so viele Steine, so viel Stress…. Alles purzelte von meinen Schultern. Das ganze Tee trinken, Ovulationstesten und auf den Körper horchen hatte ein Ende. Das ganze Drama, welches ich mir selbst gemacht habe, hatte sich endlich bezahlt gemacht. Leider blieb es aber nicht lang so schön. (Mein Artikel dazu. )

Vergangenen Winter bist du schwanger geworden. Leider hattest du eine Fehlgeburt: Wie ging es Euch damit?

Genau 4 Wochen, nach dem positiven Test, stellt man fest, dass das Herz nicht mehr schlägt und ich hatte bereits das Kind verloren. (Über die ganze Tortur schrieb ich hier: https://kurmelmal5.de/2018/05/31/sternengeburtstag-ausschabung-nach-missed-abortion-fehlgeburt-mein-erfahrungsbericht/) Nach all der Mühe, all den Anstrengungen ist unser Krümel bereits von uns gegangen, ohne, dass wir ihn richtig kennenlernen durften.

Für mich brach eine Welt zusammen. Ich funktionierte einige Wochen einfach nur und igelte mich zu Hause einfach nur ein. Ich wurde von meiner Ärztin krankgeschrieben und war fast 4 Wochen nicht auf der Arbeit. Ich hatte dann den Drang darüber zu sprechen und suchte immer mehr Menschen, mit denen ich dieses auch tat.

Ich habe darüber auf dem Blog geschrieben und je öfters ich meine/unsere Geschichte erzählte, desto besser kam ich damit zurecht. Jetzt gehört es einfach zu uns und das ist völlig okay so. Allerdings wissen unsere Töchter nichts von der Fehlgeburt. Irgendwann werden wir es ihnen erzählen, aber noch nicht.

Rückblickend muss ich sagen, dass ich ganz schön bekloppt war. Was ich nicht alles angestellt habe, um schnell schwanger zu werden. Natürlich war die Fehlgeburt ein übler Rückschlag und Verlust, aber mittlerweile habe ich das hinter mir gelassen. Mein Mann und ich waren uns sehr schnell einig, dass wir es weiter versuchen wollen. Ich habe radikal umgedacht und mir den Stress genommen. Ich gehe deutlich entschleunigter an die Sache Kind 3 ran. Nix mehr mit Tee usw. Natürlich horche ich auf meinen Körper und beobachte zumindest grob mein fruchtbares Fenster. Aber dieses „Oh Gott wir müssen jetzt unbedingt, sonst ist alles vergebens“ habe ich nicht mehr im Kopf.

Mein Mann geht mit der gesamten Situation sehr entspannt um. Ihn hat die FG zwar getroffen und er hat getrauert, aber anders. Bei weitem nicht so sehr wie ich. Ihn beschäftigte diese Thematik bei weitem auch nicht so sehr. Er sagt immer, dass er ja ein Mann sei und noch nicht so eine Bindung gehabt hätte, wie ich es habe.

Du schreibst über deinen unerfüllten Kinderwunsch und deine Fehlgeburt, bestimmt redest Du auch über diese zwei, oft tabuisierten, Themen. Wie begegnet man Euch?

Ja ich rede und schreibe sehr offen darüber. Natürlich fragen unsere Freunde und Familie immer mal wieder nach, was Kind drei den machen würde oder ob wir nur zu viert blieben. Sie erkundigen sich und das ist okay. Fremde wirken eher schockiert oder überfordert. Sie wissen nicht, wie sie mit mir umgehen sollen. Es ist nun mal eine Thematik, die in der Öffentlichkeit tabu ist.

Aber ich möchte weder das Thema mehrere Kinder, noch die Thematik Fehlgeburt verschweigen. Beides sind Themen, die weiter in die Öffentlichkeit müssten. Das hätte mir wahrscheinlich deutlich mehr geholfen. Ich habe nach meiner Fehlgeburt zum Beispiel erst erfahren, wie viele aus unserem Umfeld dasselbe Schicksal haben und war wirklich überrascht. Daher gehe ich damit sehr offen um. Ich stehe Frage und Antwort und versuche zu vermitteln, dass dies etwas Normales ist und dass viel mehr Frauen davon betroffen sind, als man eigentlich glaubt.

Solche Aussagen wie „Ach das war natürliche Selektion“, „Wer weiß, wozu es gut war“ oder „Ihr habt doch zwei Kinder, reicht das nicht!?“ sind absolut deplatziert und überaus verletzend. Da schaltet man direkt in der Verteidigungsmodus oder man zieht sich sofort zurück. Es ist mehr als verletzend. Dann lieber einfach mal nix sagen.

Auch nach der Fehlgeburt ist der Kinderwunsch da, wie geht ihr heute damit um?

Wie gesagt, wir haben für uns sehr schnell nach dem Sternengeburtstag die Entscheidung getroffen, dass wir trotz allem ein weiteres Kind möchten. Wir gehen deutlich entspannter an die Sache ran. Ich trinke keinen Kinderwunschtee mehr und setze mich deutlich weniger unter Druck. Ja, ich beobachte meinen Zyklus weiter, aber setze meinem Mann nicht die Pistole auf die Brust, wenn ich feststelle, dass mein fruchtbares Fenster da ist.

Mein Nachtdienst fungiert auch sehr gut als Alternative zu Verhütungsmittel, was leider nur den Arbeitgeber erfreut. Natürlich frustriert es mich/uns manchmal, dass wir noch immer nicht schwanger sind, aber wenn es nicht so sein soll, dann ist es so. Wir haben dennoch unsere beiden tollen Mädchen und sind mit ihnen glücklich. Man kann nicht immer die Kirsche auf dem Sahnehäubchen haben, auch wenn es sehr schön wäre und wir uns diese Kirsche wünschen. Ich habe für mich, trotz allem, ein Zeitfenster gesetzt. Ich möchte mit 35 meine 4. Schwangerschaft, also mein 4. Kind in mir tragen. Ich möchte mein 3. Kind, welches ich an der Hand halte, gesund gebären und dem Geschwisterchen in den Wolken, zuwinken können.

Dieses Zeitfenster ist aber sehr variabel. Es ist auch nur von mir persönlich gesetzt und schwankt immer mal mehr und mal weniger nach Hinten. Wir verhüten einfach nicht mehr und hoffen auf ein Folgewunder. Allerdings steht für uns absolut sicher feste, dass sollten wir ein drittes Kind an die Hand bekommen, mein Mann sich sterilisieren lässt, da wir kein viertes Kind an der Hand möchten.

Was willst du anderen mit auf den Weg geben?

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann einen mürbe machen. Egal ob es das erste oder das zehnte Kind ist. Dieser Wunsch kann einen ans zweifeln bringen und einen ewig viele Dinge machen lassen. Aber das Ganze stresst genauso sehr, wie es sich anhört. Wenn man das Gefühl hat, dass man das machen möchte, dann soll man es machen. Auch wenn andere einen für bekloppt erklären. Ob es wirklich etwas nützt oder nicht, dass steht hier nicht zur Debatte. Jeder sollte frei für sich entscheiden, ob und wie er schwanger werden möchte und mit dem wievielten Kind.

Denn auch das ist jedem seine Entscheidung, ob man nur ein Kind, eine Großfamilie oder eine kinderlose Familie sein möchte und es hat absolut niemand das Recht dazu, irgendjemanden dafür zu verurteilen.

Wenn man eine Fehlgeburt hat ist es eine absolut schreckliche Sache. Mir hat reden und schreiben sehr geholfen. Ich bin recht offen mit dieser Thematik, nur nicht meinen Kindern gegenüber. Ich finde, dass dies kein Tabu mehr sein sollte in der Gesellschaft. Man darf sich nicht dafür schämen müssen, dass man ein Kind verloren hat. Man darf aber auch nicht darüber belächelt werden, weil das Kind „ja noch nicht mal das erste Trimester überlebt hat und somit nicht mal ein richtiges Kind war“. Für die Eltern ist dieses Ungeborenen, bereits ein Kind und man trauert darüber.

Jeder muss diese Trauer akzeptieren und sollte nicht irgendwelche unüberlegten Aussagen darüber fällen. Eine Fehlgeburt ist ein schmerzhafter Verlust. Meistens wünschte man sich zuvor ein Kind, ist dann glücklich, wenn man schwanger ist und zutiefst getroffen, wenn man es verloren hat. Egal wie weit man schwanger war. Es ist ein Verlust und dieser sollte in der Gesellschaft als ein solcher verstanden werden. Man darf um sein ungeborenes Kind weinen und man darf erzählen, dass man ein Kind in den Wolken hat. Es ist etwas Normales und genauso sollte man es in der Gesellschaft auch sehen.

Egal wie lange und wie Mühsam der Weg zu einem Kind ist, man soll nicht aufgeben. Wenn es so sein soll, dann wird es so passieren und wenn nicht, aber man sollte nicht aufgeben. Wir geben nicht auf und hoffen weiter.

Vielen lieben Dank für Deine Offenheit. 

Über ihre Fehlgeburt berichtet hier auch Katarina.

Zum Thema Kinderwunsch gibt es hier auch noch viel.