Elternfragen, Kultur mit Kind

Conni-Erfinderin Liane Schneider im Elternfragen-Interview

Alle Eltern kennen “Conni”: Das Mädchen mit dem Ringelshirt ist bei Kindern ziemlich beliebt, Eltern sind nicht immer so begeistert. Im Elternfragen-Interview verrät Conni-Erfinderin Liane Schneider, wie es zu “Conni” gekommen ist, warum Connis Mutter so entspannt ist und wie politisch die Kinderbücher eigentlich sein wollen.  

 

 Vor 25 Jahren haben Sie unverlangt die erste Folge Conni zum Verlag geschickt: Wie kam es dazu und wie ging es dann weiter? 

Das erste Buch habe ich geschrieben, als meine Tochter in den Kindergarten kam, weil ich dieses zwar alltägliche, für uns aber besondere Ereignis nicht nur in einem Foto festhalten wollte. Der Carlsen Verlag hat den Text (Conni kommt in den Kindergarten (LESEMAUS, Band 28) zunächst für ein Pixi angenommen und neu illustrieren lassen. Danach kam eine Anfrage aus dem Lektorat, ob ich ein Buch zum Schwimmen lernen( Conni macht das Seepferdchen. Von) schreiben könnte.

 

Da die ersten beiden ersten Geschichten bei den Kindern sehr gut ankamen, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Lektorat weitere Titel und allmählich die Conni-Reihe. Später kamen Hörspiele, Buchreihen für ältere Kinder von anderen Autorinnen, Beschäftigungsbücher, Filme und sogar Musicals dazu. Erwartet habe ich nichts von alledem, es überrascht mich immer noch.

 

Conni erlebt viele Alltagssituationen: Was inspiriert Sie und die anderen Autorinnen, die mittlerweile für Conni schreiben?

 

Inspiriert wurde ich am Anfang vor allem von den Erlebnissen meiner eigenen Tochter. Viele der Buchgeschichten haben wir selbst so ähnlich erlebt, zum Beispiel „Conni im Krankenhaus“(Conni im Krankenhaus. Lesemaus). Daneben fließen Beobachtungen, die ich in meiner Umgebung oder bei Kindern von Freunden mache, immer wieder in Geschichten ein. Ich werde also von der Realität inspiriert und ich denke, den anderen Conni-Autorinnen geht es ähnlich. Auch sie haben Kinder und gehen mit offenen Augen durch die Welt.

 

Auf Twitter sehe ich häufig, dass Kinder Conni lieben und Eltern häufig genervt sind von dem Blondschopf. In einem Artikel habe ich gelesen, dass es vielleicht daran liegen kann, dass Connis Mutter immer so entspannt ist. Was ist der pädagogische Anspruch der Conni-Folgen, die es ja mittlerweile für fast alle Altersstufen gibt? 

Wenn die Kinder Conni lieben, habe ich alles richtig gemacht 😉, für sie schreibe ich, sie sind meine Zielgruppe. Dass Eltern manchmal genervt sind von Conni, liegt wohl vor allem daran, dass sie die Geschichten wieder und wieder vorlesen und hören müssen. Kleine Kinder lieben und brauchen Wiederholungen, Erwachsene eher nicht.

 

Aber Conni-Bücher helfen ja auch. Sie nehmen Ängste und bereiten Kinder auf neue Situationen vor, wie den Arztbesuch oder den ersten Schultag.

 

Dass Connis Mutter so gelassen und entspannt im Umgang mit Kindern ist, liegt sicher auch an ihrem Beruf als Kinderärztin, bei dem sie ähnlich viel zu diesem Thema gelernt hat wie ich in meiner Ausbildung und Arbeit als Lehrerin. Obwohl ich da unter anderem auch Pädagogik und Psychologie studierte, will ich mit den Conni-Büchern aber kein bestimmtes Erziehungskonzept vermitteln, es sind keine Erziehungsratgeber für Erwachsene. Das Wichtigste ist wohl, einfach die Kinder zu mögen und zu lieben. Sie stehen in den Conni-Büchern im Mittelpunkt.

 

Conni wächst in liebevoller Geborgenheit auf, mit zugewandten, humorvollen, gelassenen Eltern, die auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen und gesprächsbereit sind. Connis Eltern hören ihr zu, gehen auf sie ein, schimpfen nur selten, respektieren ihre Kinder und erziehen gewaltfrei. So erlebe ich es auch immer wieder bei den jungen Eltern in meinem Freundeskreis.

 

Die Bücher sollen den Kindern Sicherheit und Geborgenheit vermitteln, ihnen Mut machen und Selbstvertrauen geben. Ich denke, so eine positive Grundstimmung ist gut für kleine Kinder, gerade auch in Gute-Nacht-Geschichten und auch dann, wenn es zu Hause nicht so gut läuft.

 

Die Leser begleiten Conni bei allen möglichen Alltagsdiskussionen: Allerdings sind mir bisher keine alternativen Familienmodelle begegnet: Habe ich die dazu passenden Folgen noch nicht gefunden, oder kommen bin den Conni-Folgen keine alternativen Familienrollen vor?

Auch in den Conni-Büchern gibt es in Alleinerziehende. Simon zum Beispiel (aus Conni backt Pizza) lebt bei seiner Mama, hat aber auch Papa-Zeiten. Seine Eltern sind geschieden, deshalb ist beim Grillfest in „Conni hilft Papa (Conni-Bilderbücher) auch Simons Vater nicht dabei. Die Mama von Julia, Connis bester Freundin in der Kindergartenzeit, erzieht ihre beiden Kinder ebenfalls weitgehend allein, wie man in dem Buch „Conni übernachtet bei Julia (LESEMAUS, Band 115)“ sehen kann. Diese Familienmodelle werden in den Büchern nicht weiter thematisiert, weil sie für die Kinder genauso normal sind, wie Eltern, die als Ehepaar zusammen leben, wie Connis Eltern.

 

In den Conni-Büchern für Ältere, in denen Conni schon 15 ist, hat sie eine Freundin (Lena) mit einem gleichgeschlechtlichen Elternpaar.

 

Wie politisch und aktuell ist Conni und wird diese in Zukunft sein? 

Conni ist natürlich aktuell, denn auch heute finden sich kleine Kinder in meinen Geschichten wieder. Ich denke, das wird auch in Zukunft so sein. Dafür wird Conni ja auch immer wieder überarbeitet und Veraltetes ersetzt. So spielt der Vater in den neueren Büchern eine prominentere Rolle und ich zeige mehr, dass auch er in die Erziehung-und Hausarbeit involviert ist.

 

Kinder mit Migrationshintergrund gibt es in den Conni-Büchern schon seit sehr vielen Jahren, fast von Anfang an und lange vor der gerade aktuellen Flüchtlingsdebatte. In der Neuauflage von „Conni kommt in den Kindergarten“ Conni kommt in den Kindergarten (LESEMAUS, Band 28)gibt es auch ein Inklusionskind und männliche Erzieher bzw. Praktikanten.

Ich denke aber, dass es auf gerade aktuelle politische Probleme und Zeitfragen nicht in jedem Bilderbuch für Zwei- bis Sechsjährige Antworten geben muss. Daraus resultierende gesellschaftliche Veränderungen finden dann aber durchaus auch in Conni-Büchern statt (siehe oben).

Es ist auch zu bedenken, dass der Vorlauf bei Bilderbüchern von der ersten Idee bis zum fertig illustrierten Buch oft etwa zwei Jahre umfasst und das Buch dann vielleicht viele Jahre im Handel bleibt. Deshalb schreibe ich gerne über Themen, die jüngere Kinder in ihrem Alltag immer wieder beschäftigen und bewegen, wie zum Beispiel zuletzt in Conni ist wütend (Conni-Bilderbücher).

 

Vielen lieben Dank für das Interview.

 

Erzählt doch mal, wie steht Ihr zu Conni?

 

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Ein Conni Paket zum Testen für die Kinder wurde uns vom Carlsen Verlag zur Verfügung gestellt: Herzlichen Dank dafür, die Kinder lieben Conni und auch als Eltern haben wir schon nervigere Gestalten in Büchern getroffen.

 

Die Conni Illustrationen stammen von Janina Görrissen.

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6 Kommentare

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    Reply Jasmin 20. Februar 2018 at 12:23

    Ich hab dieses Interview ganz ohne große Erwartungen zu lesen begonnen – und bin jetzt echt angehender Liane Schneider-Fan. Tolle Ansichten. So ernsthaft und positiv, wie sie über das bei Conni transportierte Familienbild spricht. Danke dafür!

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    Reply Martina von Jolinas Welt 23. Februar 2018 at 12:20

    Puhhh, ich fand Conni vor 11 Jahren genial, ich glaube die CDs und DVDs haben dafür gesorgt, dass ich sie nicht mehr mag. Wenn meine Kinder mal nicht Mama rufen, dann Conni, grrr, ja sehr lebensecht und gerade auf den Sachen zum sehen und hören kommt diese tiefenentspannte Mutter die nie was falsch macht und die tatsächlich zusammen mit dem Baby Mittagsschlaf macht und Conni wurschteln lässt…warum hab ich das nie gemacht, ach so, ich bin nicht so entspannt….., sehr nervig für uns Mütter rüber die wir auf dem Zahnfleisch laufen. Vielleicht ein paar Augenringe auf den Bildern würden uns versöhnen 😉

    • Bettina Apelt
      Reply Bettina Apelt 23. Februar 2018 at 20:42

      Jetzt wo Du es sagst: In einer Folge hatte ich mich auch gewundert, wie sie mit Jakob pennen kann, während Conni da rumwuselt. 😉

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    Reply Sahra 10. Mai 2018 at 11:49

    Was mich (und meine Töchter) an Conni nervt ist, dass bei ihr so vieles schnell und super klappt. Conni beginnt Fußball zu spielen und schießt innerhalb kürzester Zeit das entscheidende Tor, beim Ballett kann sie sofort Pirouetten drehen und Spagat, im Schwimmkurs ist Seepferdchen nach einem Kurs kein Problem – sogar Radfahren kann sie bald besser als ihre Freundin und freut dich als diese hinfällt.

    Conni kann nicht nur alles (!!!) innerhalb kürzester Zeit – sie ist auch fast immer die Beste, kommt in die Zeitung oder bekommt einen Preis.

    Das geht mit der Zeit einfach auf die Nerven und entspricht nicht dem was Kinder erleben.

    Wir haben Conni manche Conni-Geschichten deshalb aus dem Kinderzimmer verbannt.

    Gruß Sahra

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    Reply KK 7. Oktober 2018 at 16:13

    Vorlesen müssen wir auch alle Buecher mehrmals. Aber es gibt Buecher, die mögen wir auch. Conni geht uns auf die Nerven, sorry. Sie kann alles, ihre Mutter weiß alles. Der Vater ist trottelig.
    Irgendwie ist DAS eben nicht unser Familienalltag. Und der unserer Freunde auch nicht.

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