“Wie kann man eigentlich Kinder stark machen?” darum geht es in den heutigen Elternfragen. Zum dritten Mal beantwortet mir die Familienberaterin Julia hier eine Frage: Julia schätze ich für ihre Reflexion, sie ist mir eine liebe Freundin und ich danke ihr für diese kleine Reihe. 

Wie Du ja weißt, lese ich kaum Ratgeber, schätze aber die Meinung von Experten sehr. Deshalb bitte klär mich über den Satz auf, über den ich immer wieder stolpere: “Kinder stark machen.”. Außer dass man Kindern auch mal was zu trauen soll, habe ich bisher null verstanden, was das eigentlich bedeuten soll: Kannst Du diese Phrase mal mit Leben füllen?

 

Hm, ich bin unsicher, was das für andere Menschen heißt. Vielleicht etwas im Sinne von: „Die Welt ist ein harter und ungerechter Ort und darauf muss das Kind vorbereitet werden, damit es nicht unter die Räder kommt?“

Letztendlich steht dahinter in meinem Augen die Sorge, dass das Kind verweichlicht, zu ängstlich wird, sich nicht durchsetzen kann, wenn es zum Beispiel immer getröstet wird, bei den Eltern im Bett schläft oder nicht dazu gezwungen wird, sich etwas zu trauen. Dahinter steht ein sehr veraltetes Bild von Kindern und Erziehung, das hoffentlich nach und nach durch Aufklärung verschwinden wird.

 

Ich selbst kenne den leisen Vorwurf, meine Kinder zu sehr zu behüten, weil sie nicht gegen ihren Willen bei anderen Menschen bleiben müssen oder weil sie lange gestillt werden oder mit uns in einem Bett schlafen. Am meisten geärgert hat mich mal die Leiterin des Kinderturnens, zu dem meine damals Dreijährige nicht ohne mich gehen wollte.

 

„Trauen Sie Ihrem Kind doch mal etwas zu!“, war ihre Aufforderung an mich. Und das habe ich gemacht. Ich habe meiner Tochter zugetraut, entscheiden zu können, ob da Menschen sind, denen sie genug vertraut, um ohne mich dort zu bleiben. Und das war nicht der Fall.

Heute, rund 2,5 Jahre später geht sie alleine zum Reiten, besucht Freunde und Kindergeburtstage und läuft samstags alleine zum Bäcker, um dort unsere Brötchen zu kaufen. Alles selbst entschieden.

Ich kann Dir gerne sagen, was es für mich bedeutet, meine Kinder stark zu machen. Für mich steckt hinter diesem Ausdruck der Wunsch, dass mein Kind zu einem eigenständigen Leben befähigt wird, in dem es weiß, was es will und was es gut kann, in dem es für sich und seine Ziele einstehen kann und resilient genug ist, auch schwere Zeiten und Krisen zu meistern.

Ich möchte dazu beitragen, dass mein Kind lernt, in der Gesellschaft mit ihren Regeln zurecht zu kommen, aber auch, diese Regeln zu reflektieren und ggf. anzupassen.

Ich wünsche mir, dass es seine Beziehungen bewusst gestalten kann, dass es streiten kann und sich traut, mit ganzem Herzen zu lieben.

Vielen lieben Dank für Deine Antwort, Julia. 

Julia ist selbst Mutter von zwei Kindern (2 und 6) und bloggt zudem auf Gute Kinderstube.

Zum Nachlesen: Hier der Beitrag zum “Härter durchgreifen: Wie gegen den Vorwurf wehren” und zum Geschwisterstreit

 

Wie macht Ihr Eure Kinder stark?