In den Elternfragen stelle ich hier regelmäßig Fragen, die mich beschäftigen und die auch für andere Eltern interessant sind. Für die kommenden drei Wochen konnte ich die Familienberaterin Julia dafür gewinnen: Julia schätze ich für ihre Reflexion, sie ist mir eine liebe Freundin und beantwortet mir heute die Frage: “Was tun gegen Tipps, die ein Plädoyer fürs härter durchgreifen beinhalten.” 

 

“Du musst härter durchgreifen, das kannst Du Dir ja nicht gefallen lassen und überhaupt das dürfte mein Kind ja nicht”. Klingt furchtbar, oder? Das hat eine junge Frau zu ihrer Freundin immer wieder gesagt, als ihre Tochter am See ein bisschen rumgelaufen ist. 
 
Die Freundin war sichtlich gestresst. Wäre ich auch. Ich war aber auch total froh, keine Freundin dieser Art zu haben, aber das Problem scheint es ja häufiger zu geben. Was würdest Du jemanden raten, der immer wieder Tipps bekommt, dass er härter durchgreifen soll?

 

Wie schützt sich jemand dessen (bindungsorientierter) Erziehungsstil immer wieder in Frage gestellt wird?

Bei Menschen, die mir wichtig sind, suche ich das Gespräch außerhalb stressiger Situationen und versuche zu verstehen, was genau ihre Bedenken sind. Oft ist dieses „Meckern“ Ausdruck von Sorge. Diese Sorge möchte ich nachvollziehen und vielleicht auch durch Erklärungen nehmen können. Dabei geht es erst mal nicht darum, wer im Recht ist sondern darum, sich gegenseitig zumindest zu verstehen. Außerdem könnte es natürlich auch sein, dass sich das Gegenüber tatsächlich massiv gestört fühlt durch das Verhalten meines Kindes. Es wäre mir wichtig, herauszufinden, ob das der Fall ist, denn ich möchte natürlich die Grenzen meiner Freunde kennen und respektieren.

Wenn es allerdings an einer grundlegend anderen Grundhaltung Kindern gegenüber liegt, würde ich tatsächlich in Frage stellen, ob die Freundschaft Sinn macht. Wenn jemand generell die Meinung vertritt, dass Kinder zu funktionieren und gehorsam zu sein haben, dann finde ich gemeinsame Unternehmungen auf Dauer zu anstrengend. Ggf. kann man dann bitten, zu diesen Themen nichts zu sagen, sich also darauf einigen, dass man in diesem Punkt unterschiedliche Standpunkte hat. Oder man trifft sich lieber ohne Kinder.

Bei Menschen, die nicht zu meinem Freundeskreis zählen, bin ich auch immer mal wieder genervt von solchen Kommentaren, angegriffen dagegen fühle ich mich nicht mehr. Ich denke, wenn man sich gut reflektiert und mit den eigenen Entscheidungen für die Familie im Reinen ist, hat man automatisch einen gewissen Schutzpanzer. Außerdem muss ich sagen, dass ich solche Aussagen zwar schon über Kinder im Allgemeinen, nie aber im Bezug auf meine Kinder direkt gehört habe.

Vielen lieben Dank, Julia. 

Julia ist selbst Mutter von zwei Kindern (2 und 5) und bloggt zudem auf Gute Kinderstube.

Nächste Woche ist sie zu Gast zum Thema: Kinder stark machen.

Zum Nachlesen: Hier der Beitrag zum Geschwisterstreit.

 

Wie reagiert Ihr, wenn man Euch sagt, dass Ihr jetzt härter durchgreifen müsst?