Steffi verliebte sich in einen Mann, der gerade auswandern wollte: Wohin die Reise führte, was sie dabei fürs Leben gelernt hat und warum sie denkt, dass viele Menschen eine Wahl haben und sie ihrem Hamsterrad abgeschworen hat: Das könnt Ihr im  Familienrollen-Interview nachlesen. 

 

Ihr seid ein Jahr mit einem Campervan quer durch die USA gereist:  Wie ist es dazu gekommen und wie gut habt ihr geplant?

Oliver wollte ursprünglich in die USA auswandern. Er hatte eine  Greencard gewonnen (die werden ja regelmäßig verlost) und schon ziemlich  viel Geld in seine Auswanderpläne gesteckt. Dann haben wir uns über eine Datingplattform kennengelernt – beide auf der Suche nach etwas Lockerem.  Ich kam gerade aus einer langen Beziehung und steckte noch mitten in der Trennung. Ich hab mir eigentlich nur etwas Ablenkung gewünscht. Naja,  und wie es dann so ist: Wir trafen uns immer öfter, verbrachten immer  mehr Zeit miteinander, machten Radtouren, kochten zusammen… Irgendwann  waren wir bei drei Treffen pro Woche, dann ging er nur noch nach Hause,  um Wäsche zu waschen. Es war klar: Das hier ist mehr. Aber seine langgehegten Auswanderpläne aufgeben wollte Oliver verständlicherweise  auch nicht einfach.

Da schlug ich vor, wir könnten doch einen Testlauf  machen: Wir fliegen gemeinsam hin, aber erst mal nur für ein Jahr. Dann  entscheiden wir, wie es weitergeht: Bleibe ich mit ihm da, kommt er  wieder mit zurück oder… über die dritte Möglichkeit wollte ich aber  gar nicht nachdenken.

Geplant haben wir das schon etliche Monate vorher. Im Dezember 2011 fiel  die Entscheidung, im Oktober 2012 ging es los. Zunächst wollten wir dort  ganz normal arbeiten, dann kam die Idee auf, vorher ein paar Monate  herumzureisen. Und letztlich entschieden wir uns, so richtig auf die  Kacke zu hauen, all unser Erspartes zusammenzukratzen und das komplette Jahr zu reisen. Wir nahmen beide ein Jahr unbezahlten Urlaub, mieteten  ein Lagerabteil für unseren persönlichen Kram und vermieteten unsere  Wohnung über eine Agentur an Untermieter. Außerdem liehen wir uns noch  Geld von meiner Familie.

Für mich war das ein riesiger Schritt: Ich bin eigentlich sehr  sicherheitsbewusst und wäre ein solches Risiko bestimmt nie eingegangen,  wenn ich nicht so verknallt gewesen wäre und nicht solche Angst gehabt  hätte, Oliver zu verlieren. Einfach all mein Geld verjubeln? Meinen Job auf Eis legen? Heute bin ich heilfroh, dass die Umstände so perfekt  unperfekt waren und ich die einmalige Chance hatte, dieses großartige  Abenteuer mit diesem tollen Mann zu erleben!

Wir erinnern uns heute noch  ganz oft an diese Zeit, die so ganz ohne Zeitdruck und Termine war:  Einfach dort anhalten, wo es einem gefällt, und so lange bleiben, bis  man keine Lust mehr hat.

Wir sind nach LA geflogen und dann erst mal Richtung San Diego gefahren.  Dort haben wir uns ein Motelzimmer genommen und angefangen, nach einem  gebrauchten Campervan zu suchen. Wir hatten ein riesiges Glück: Gleich das erste Fahrzeug, das wir uns angeschaut haben, war perfekt für uns:  Ein echt kleiner Campingbus, in dem wir, die wir uns gerade mal knapp über ein Jahr kannten, ein ganzes Jahr auf engstem Raum leben sollten. Wir haben uns vorher viele Gedanken gemacht, was wir tun, wenn wir uns mal streiten oder Freiraum brauchen. Letztlich war das aber total unnötig. Wir haben uns kaum gestritten, und wenn, dann konnten wir das schnell wieder aus der Welt schaffen. Neben allen tollen Erlebnissen und der unendlichen Freiheit war es vor allem das, was uns das Sabbatjahr  gezeigt hat: Wir passen super zusammen und sind ein tolles Team, auch wenn mal alles schief läuft. Auf der Reise fiel dann auch die Entscheidung, ein Kind zu bekommen. Wenn das einer schafft, dann wir!

Von San Diego aus sind wir Richtung Osten gefahren, haben den Winter in Florida verbracht (denn für richtig niedrige Temperaturen war unser Camper nicht ausgestattet), sind dann auf anderer Strecke wieder Richtung Westen gezuckelt, die Westküste hoch bis ganz in den Norden zum Olympic National Park, dann Richtung Osten bis nach New York, wo wir den Camper verkauften und dann wieder nach Hause flogen. Denn so schön die USA zum Reisen auch sind: Leben wollen wir dort beide nicht (mehr). Uns hat dann doch zu viel gestört, um dort wirklich leben zu wollen.

Was habt ihr in punkto Lebensgefühl aus dieser Reise mitgenommen?

Die wichtigste Lektion war eine auf den ersten Blick ganz banale: Zeit ist mehr wert als Geld.

Wir hatten auf der Reise ein ganz, ganz enges Budget. Während wir hier zuhause nur im Biomarkt einkaufen gehen und echte Gourmets sind, haben wir uns in den USA meist von Billigfutter ernährt. Ich weiß noch, an einem der ersten Abende haben wir ein Lagerfeuer gemacht (das darf man auf den meisten Campingplätzen in den USA, es stehen dort extra  Feuerschalen dafür) und haben so ganz billige Würste, die fast nur aus  Fett bestanden, und Stockbrot darüber geröstet. Dazu gab es das  billigste Bier. Es war ein toller Abend!

Gerade anfangs hatten wir noch unheimlich Angst, dass uns unterwegs das Geld ausgehen könnte, und wir  haben wirklich nur billigstes Zeug gekauft und jeden Cent umgedreht.  Klamotten haben wir in dem Jahr fast keine gekauft, zwei Shorts mal vom  Walmart (der billigste Discounter in den USA), weil ich einfach zu wenig  Sommerzeug dabei hatte. Wir hatten wenig Kleidung dabei, weil es ja beim  Fliegen eine Gewichtsbegrenzung gibt und wir nicht nur Klamotten  mitnehmen mussten.

Übernachtet haben wir oft auf ganz einfachen Campingplätzen für 10  Dollar die Nacht, wunderschön mitten in der Natur gelegen, ruhig – aber  dafür halt ohne jeglichen Komfort. Ein Plumpsklo war oft das Einzige,  was es gab. Zum Glück hatten wir eine (wenn auch sehr beengte) Dusche in unserem Camper. Das Wasser reichte aber nur für drei Tage, also musste man auch da gut planen. Diese einfachen Plätze waren wirklich mit Abstand die schönsten. Schon morgens inmitten schönster Natur mit Vogelzwitschern frühstücken, abends vor dem Camper sitzen mit einer Dose Bier und die Sterne beobachten – hach, ich kriege sofort wieder Lust loszufliegen.

Zuhause war dann klar: Möglichst viel arbeiten, um möglichst viel kaufen zu können, macht uns auf Dauer nicht glücklich. Unser Glück hängt nicht am Geld, sondern an gemeinsam verbrachter Zeit. Ich habe früher gern viel gekauft und war eine begeisterte Konsumentin. Aber während des Jahres in den USA wurde mir klar, dass das immer nur ganz flüchtige  Glücksmomente sind, die man sich da erkauft. Und dass ich auch gut darauf verzichten kann.Glück aus anderen Quellen – gemeinsame Erlebnisse, Zweisamkeit, Natur – ist viel nachhaltiger. Und es hat den schönen Nebeneffekt, dass es nicht (oder nicht immer und nicht viel) Geld kostet. Heute kaufe ich deutlich bewusster. In neun von zehn Fällen widerstehe ich dem Impuls zu kaufen. Ich muss aber zugeben, dass mir das nicht immer leicht fällt. Gerade, wenn es auf anderen Gebieten gerade hapert, also wenn ich wenig Zeit für mich und meinen Mann habe, viel Stress, viel Routine, dann merke ich, dass der Drang da ist, sich flüchtiges Glück zu kaufen. Dieser Zusammenhang ist mir aber erst kürzlich klargeworden.

Ich versuche jetzt, das eher als Alarmsignal zu verstehen: Achtung, du  musst mehr für dich tun. Die Routinen durchbrechen, Glücksmomente schaffen, aus dem Hamsterrad raus, was erleben.

Und wenn es nur eine kurze Bahnfahrt in die Natur und ein Spaziergang ist. Das ist nicht immer einfach, schwanger, mit Job und Kind, wie jede*r in derselben  Situation weiß. Das war im Sabbatjahr einfacher. Aber man kann so ein Vakuum mit Konsum immer nur kurzfristig füllen. Das ist kein echtes Glück.

Heute arbeitet ihr beide Teilzeit: Was genau bedeutet das?

Als wir aus den USA zurückkamen, war für uns klar, dass wir mehr Zeit  für uns wollen. Also reduzierten wir beide auf vier Tage und haben seither den Mittwoch gemeinsam frei. Das machen wir auch jetzt mit Kind noch so. Unsere Tochter geht an diesem Tag ganz normal in den Kindergarten, und wir haben Zeit für uns. Leider nutzen wir die gerade nicht so, wie ich mir das wünschen würde. Meistens geht der Tag für Erledigungen drauf, die wir am Wochenende nicht schaffen. Das möchte ich wieder ändern. Aber auch so nimmt dieser freie Tag Druck aus dem Familienleben und ist daher wertvoll für uns.

Die Arbeitszeit um einen Tag zu reduzieren war für uns beide nicht schwer. Unsere Arbeitgeber haben sich da nicht quergestellt. Für jede*n, die*der das auch machen will, ist wichtig zu wissen: Es besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Teilzeit! Der Arbeitgeber kann zwar meckern, aber er kann den Wunsch nach Teilzeit nicht abschlagen. Das steht so im Betriebsverfassungsgesetz. Aber Achtung: Einen Anspruch auf Wiederaufstockung von Teilzeit auf Vollzeit gibt es wiederum nicht. Wer sich also nicht ganz sicher ist, ob sie*er auf Dauer Teilzeit arbeiten will, sollte erst mal einen zeitlich begrenzten Teilzeitvertrag
aushandeln. So haben wir das auch gemacht, ich glaube, auf ein Jahr befristet. Nach Ablauf dieses Jahres hätten wir also ganz normal wieder Vollzeit arbeiten können, wenn wir das gewollt hätten. Wir wollten erst mal sehen, ob wir mit dem Geld klarkommen und ob uns dieses Modell zusagt. Es war uns aber sehr schnell klar, dass wir möglichst nicht mehr
Vollzeit arbeiten wollen. Es ist sooo entspannt, nur zwei Tage am Stück arbeiten zu müssen!

Viele haben ja lieber einen freien Montag oder Freitag, aber ich finde es herrlich, Sonntagabend keinen riesigen Arbeitsklotz vor mir zu haben, sondern sagen zu können: So, jetzt zwei
Tage arbeiten, dann ist wieder frei.

Was das Geld angeht: Unsere Jobs sind beide ganz gut bezahlt, so dass wir auch mit vier Tagen aus unserer Sicht noch genug Geld haben. Das hängt ja aber immer mit den persönlichen Ansprüchen zusammen. Für manche Familie ist unser Budget sicher immer noch schwindelerregend hoch, für andere wäre es viel zu wenig. Wir machen ganz bewusst Abstriche in Bereichen, die uns nicht so wichtig sind: Wir haben kein Auto, weil wir eh ungern fahren und hier in der Großstadt auch keines brauchen. Man kann problemlos alles mit Rad oder ÖPNV erledigen. Wir haben günstig ein gebrauchtes E-Lastenrad von einer Kollegin bekommen, das ist totaler Luxus! So können wir auch große Einkäufe mit Kind (bald KindERN) machen.
Sollten wir doch mal ein Auto brauchen, nutzen wir Carsharing. Aber das kommt so gut wie nie vor.

Außerdem leben wir in einer günstigen Drei-Zimmer-Wohnung, in der wir auch mit zwei Kindern die nächsten Jahre bleiben werden. Wohneigentum haben wir so gut wie abgehakt, das wird wohl nix mehr in diesem Leben. Klamotten kaufen wir sehr bewusst, meist secondhand oder Fairtrade, weil uns das wichtig ist, aber halt wirklich selten und nur das Nötigste (naja fast, ich hab eine Schwäche für schöne Kleider und gönne mir manchmal was im Sale). Man könnte sich sicher noch mehr einschränken, aber ich glaube, wir haben für uns einen ganz guten Mittelweg gefunden.

Auch Kosmetik kaufe ich kaum noch. Diese ständig neuen Produkte haben ihren Reiz für mich verloren. Zur Gesichts- und Körperpflege nehme ich inzwischen am liebsten Shea-Butter oder Mandelöl, geduscht wird mit Seife. Was ich mir noch gönne, sind richtig gute Lippenstifte, daran habe ich Spaß. Sonst nutze ich eigentlich nur noch Mascara.

Wofür wir nach wie vor viel Geld ausgeben, ist Essen. Das hat absolute Priorität für uns. Gutes, frisches Bio-Essen steigert unsere Lebensqualität. Da schauen wir wenig aufs Geld.

Wie reagiert euer Umfeld auf euer Lebensmodell?

Das fand ich ganz interessant. Meine Eltern sind schon lange geschieden. Meine Mutter und ihr Mann haben von Anfang an gesagt, wie toll sie das finden, dass wir schon so (aus ihrer Sicht) früh im Leben solche Prioritäten setzen, und nicht warten, bis wir total ausgebrannt sind.

Für meinen Vater und seine Lebensgefährtin wiederum war unsere Entscheidung anfangs total unverständlich. Ich weiß noch, die spontane Reaktion meines Vaters auf unsere Teilzeitpläne war: “Ihr seid doch noch so jung, und da braucht ihr das jetzt schon?” Aber überrascht hat mich
das nicht: Mein Vater hat immer viel gearbeitet, das war sein Lebensinhalt. Meine Mutter hat zwar auch viel gearbeitet, und bis vor ein paar Jahren immer Vollzeit, aber die Arbeit hatte für sie immer einen anderen Stellenwert. Sie und ihr Mann unternehmen ganz viel, fahren oft übers Wochenende weg, haben viele, viele Freunde und Hobbys.

Das sind unterschiedliche Lebensmodelle. Irgendwann später sagte mein Vater aber mal in einem Vier-Augen-Gespräch, dass er es bewundert, wie klar wir unsere Prioritäten setzen. Er hat wohl gemerkt, dass es – zumindest für uns – so richtig ist. Das hat mich echt gefreut.

Die Reaktion, die oft von Kolleg*innen kommt: “Ach, das ist ja toll, aber wir könnten das nicht machen.” Nicht nur bezogen auf unser Teilzeitmodell, sondern auch auf die Tatsache, dass wir uns Haus- und Carearbeit gerecht aufteilen und dass wir beide Elternzeit gemacht haben
(ich ein Jahr, der Mann ein halbes, danach haben wir noch ein halbes Jahr je nur zwei Tage gearbeitet und uns die Betreuung geteilt, bis wir den Kindergartenplatz hatten). Ich frage dann immer: “Warum könntet ihr das nicht, was spricht dagegen?” Meist ist die Erklärung, dass eine
längere Elternzeit und Teilzeit im Job des Mannes nicht gingen. Naja, und dann ist es halt auch so, dass die meisten einen entsprechenden Lebensstil pflegen, wenn sie viel Geld haben. Es ist schwer, mit weniger zurechtzukommen, wenn man sich mal daran gewöhnt hat. Es fühlt sich in
unserer Gesellschaft nach einem sozialen Abstieg, nach Versagen an, wenn man sich weniger Konsumgüter leisten kann. Und man kann oft auch gar nicht von jetzt auf gleich den Lebensstil anpassen, weil man z.B. Wohneigentum abbezahlen muss, zwei Autos und teure Kinderhobbys
finanzieren muss.

Das sind alles Dinge, die das Leben luxuriöser machen, aber einen in gewisser Weise auch fesseln. Du KANNST deine Arbeitszeit nicht einfach reduzieren, weil du sonst deinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kannst. Ich würde das mittlerweile als Klotz am Bein empfinden. Andere fühlen sich wahrscheinlich unfreier, wenn sie sich nicht spontan die Schuhe für 150 Euro kaufen können.

Mir ist übrigens bewusst, dass ich aus einer ganz privilegierten Position heraus schreibe. Die meisten Menschen könnten sich eine solche Entscheidung tatsächlich nicht leisten. Aber in meinem Umfeld gibt es eben doch viele, die das genauso gut könnten wie ich, es aber nicht tun. Vielleicht auch, weil sie das Gefühl haben, es gar nicht zu können.

Schlimm finde ich nicht, wenn Menschen Vollzeit arbeiten und luxuriöser leben möchten. Schlimm finde ich, wenn man merkt, dass das Gegenüber denkt, es habe keine Wahl.

Gerade Frauen erlebe ich ganz oft zerrieben zwischen Erwerbs-, Haus- und Carearbeit. Sie haben das Gefühl, das sei nun mal ihr Schicksal, daran lasse sich nichts ändern, das sei nun mal so. Ich glaube, das Wichtigste im Leben ist, dass man das Gefühl hat, man hat Kontrolle über sein Leben.

Man hat die Richtung selbst bestimmt. Dann kommt man auch mit Schwierigkeiten viel besser klar. Ob man sich bewusst für Vollzeit oder für Teilzeit oder für ein Leben als Hausmann oder -frau entscheidet, ist dann erst mal zweitrangig. Hauptsache, man hat selbst Einfluss nehmen können.

Was empfiehlst du Familien, die sich mit dem Gedanken tragen, beruflich kürzer zu treten?

Setzt euch mal zusammen und schreibt auf, was euch im Leben wichtig ist. Auf welche Dinge könntet ihr gut verzichten, auf welche nicht? Wo lässt sich Geld sparen, ohne dass es zu sehr wehtut? Und: Das meiste ist Gewohnheitssache. Die erste Zeit ist der Verzicht auf z.B. neue
Klamotten vielleicht noch schwer, aber man gewöhnt sich daran. Man bekommt dafür ja viel zurück, nämlich mehr Zeit mit der Familie. Es macht auch einen gewaltigen Unterschied, ob man verzichtet, weil man muss, oder weil man bewusst andere Prioritäten gesetzt hat.

Bewusster Verzicht kann einen ähnlichen Belohnungseffekt haben wie der Kauf eines Konsumgutes.

Wenn ihr einigermaßen gutbezahlte Jobs habt und bisher bequem mit dem Geld auskommt, könnt ihr das Teilzeitmodell auch erst mal nur ausprobieren. Handelt mit dem Arbeitgeber einen zeitlich begrenzten Vertrag aus und schaut, wie ihr klarkommt. Rechnet aus, was ihr nach der Reduzierung der Arbeitszeit ungefähr noch zur Verfügung habt, und schaut euch eure Fixkosten an. Was bleibt monatlich noch übrig? Wir sind dafür nicht der Typ, aber ihr könnt auch mal aufschreiben, was ihr monatlich wofür ausgebt (es gibt sogar Apps dafür, mit denen man das erfassen kann) und wo man die Ausgaben noch reduzieren kann.

Was ich gern vorher gewusst hätte: Ich muss nicht im Hamsterrad bleiben. Es ist okay, nicht so viel Geld wie möglich zusammenzuraffen.

Ich kann auch andere Prioritäten setzen und lebe damit sogar besser als vorher. Es fällt mir leicht, auf bestimmte Luxusgüter zu verzichten. Man bekommt dann einen Blick dafür, was einem wirklich wichtig ist. Hätte ich das alles früher gewusst, hätte ich mich schon viel früher dafür entschieden.

Nun ist das zweite Kind unterwegs: Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass wir weiterhin viel Familienzeit gemeinsam verbringen und trotz zweier Kinder auch unsere Zweisamkeit als Paar nicht zu kurz kommt. Ansonsten habe ich eigentlich schon alles, was ich mir wünsche. Vor allem einen tollen Mann, der die gleichen Ziele hat wie
ich und dem die Familie genauso wichtig ist. Wir sind nach wie vor ein Spitzenteam.

Und ich wünsche mir, dass wir nie aufhören, uns die wirklich wichtigen Fragen zu stellen: Bin ich glücklich mit meinem Leben, so, wie es jetzt ist? Was müsste ich ändern, um glücklicher zu sein? Auch, wenn es sich vielleicht erst mal beängstigend anfühlt? Wie kann ich das erreichen?

Ich hoffe, dass mir nie der Mut fehlt, mir (und meinem Partner!) diese Fragen zu stellen und die entsprechenden Konsequenzen daraus zu ziehen.

Vielen Dank für Deine Einblicke, Steffi.