Alltag, Schöne Dinge

Bloggerkonferenz-Vorbereitung und Social-Media-Reduktion: das Wochenende in Bildern vom 21. bis 22.10.2017

Manchmal habe ich so Phasen, wo mir dauerhaftes Online-sein tatsächlich zu viel wird: Grad ist so eine. Auf Twitter hat grad gefühlt jeder eine Meinung, auf Facebook versuchen sich die Leute Gehör zu verschaffen und in in den dortigen Gruppen werden Diskussionen geführt, die ich nicht führen will.

 

Haltung haben, das heißt für mich auch nicht immer zu allem lautstark eine Meinung zu haben, drum halte ich mich ein wenig zurück und zeige statt dessen mal wieder unser Wochenende.

 

Vor genau zwei Wochen haben wir diesen Einhorn-Luftballon gekauft. Ich finde es total faszinierend und gleichzeitig auch ein wenig erschreckend wie ihm Stück für Stück Leben entweicht. Ich vermute spätestens übermorgen liegt er am Boden.

Vor einer Woche habe ich mir die Zeit gekauft und stelle fest: Es lohnt sich nicht. Nicht weil nicht total spannende Sachen drinnen stehen, sondern weil ich bisher genau drei Artikel daraus gelesen habe. Bücher gehen dann doch meist vor.

So wie dieses von der Bloggerin Mama Schulze. Das lese ich vor allem auch im Hinblick auf die Familienbloggerkonferenz K3, die ich gemeinsam mit Birgit (Muttis Nähkästchen) und Christina (Einer schreit immer) organisiere. Vielleicht hat schon jemand das Programm gesehen: Ich darf die Bücher-Diskussion moderieren. Fragen über Bücher stellen – ich freue mich unbändig drauf.

Am Sonntagmorgen bekommen wir Brunch-Besuch: Die beste Mahlzeit des Tages ist mit Kindern einfach zuhause besonders gemütlich.

Kommende Woche haben wir viel vor: Damit nicht untergeht, schreibe ich noch mal ein wenig was auf.

Und weil mir das Internet jetzt ja auch grad ein bissl viel ist: Gehen wir jetzt raus – ohne Foto.

 

Und wie war Euer Wochenende so?

 

Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen.

Familienrollen, Nachgefragt

Hausfrau auf Zeit: „Ich brauche die freie Zeit schlicht, um wieder auf ein normales, vertretbares Belastungsniveau zu kommen.“

Eine Weile lang „nur“ Hausfrau sein: Warum Mo dieses Modell gewählt hat, ihre Mutter dagegen ist und was sie davon erwartet, das erzählt sie mir in den Familienrollen

 

Du bist Mutter zwei Kinder, wovon das Kleinste gerade in die Kita kommt. Nun bist Du (wieder) in Elternzeit. Wie kam es dazu?

 

Wir hatten bisher eine Fifty-Fifty-Aufteilung, weil uns Familienzeit beiden wichtig ist. Wir haben also beide in Teilzeit gearbeitet, sodass immer einer von uns zu Hause war, 2 1/2 Tage ich, 2 1/2 Tage Karl (der allerdings abends noch 10 Stunden pro Woche zusätzlich arbeiten musste).

 

Das war theoretisch gut gedacht, praktisch hat es uns aber immer wieder vor organisatorische Herausforderungen gestellt, vor allem dann, wenn irgendwas mit den Kindern nicht nach Plan lief, was ständig der Fall war.

 

Somit kamen wir nie zur Ruhe, und die brauchten wir dringend als ganze Familie. Deshalb haben wir uns entschlossen, dass ich für ein gutes Jahr in (aufgesparte) Elternzeit gehe und Karl dafür Vollzeit arbeitet.

 

Wenn man möchte könnte man sagen, Du bist aktuell „nur Hausfrau“. Möchten das viele sagen und wie wird es aufgenommen?

 

Ich bin eine leidliche Hausfrau, deshalb würde ich mich nicht so bezeichnen. Tatsächlich fragten einige: „Was machst Du denn da in der Zeit? Hobbies?“ Ich fand es schwer vermittelbar, dass ich keine zusätzliche Aufgabe brauche, um das Zeit-Loch auszufüllen. Seit 6 Jahren lebe ich aus unterschiedlichen Gründen ständig über meine Grenzen, und ich brauche die freie Zeit schlicht, um wieder auf ein normales, vertretbares Belastungsniveau zu kommen. So sehr, wie es außer Frage für mich stand, mich völlig zu übernehmen in Ausnahmesituationen mit den Kindern, so sehr steht es für mich auch außer Frage, dass diese Auszeit schlicht notwendig ist, um mich davon zu erholen. Das verstand im Real Life aber kaum jemand, der nicht ähnliches erlebt hat. Deshalb hab ich dann einfach irgendwann gesagt „Zeit für mich, mal sehen“ oder so. Krass ist jedenfalls: Wenn ich sage: „Ich arbeite im Moment nicht“ (Familienzeit zählt ja nicht als Arbeit), ernte ich irritierte Blicke. Sage ich hingegen: „Ich bin in Elternzeit“, heißt es: „Ach, schön!“ Ist das nicht seltsam?

 

Mal abgesehen von der Meinung anderer: Wie gefällt es Dir?

 

Super. Wir haben die Situation nun seit gut 3 Monaten, und es ist tatsächlich deutlich entspannter geworden. Ich hatte Respekt vor davor, IMMER für die Kinder zuständig zu sein und keine erholsamen Büro-Tage mehr zu haben. Tatsächlich aber ist es besser und tut mir gut. Karl hingegen vermisst die Kindertage sehr, er ist jetzt nur noch abends und am Wochenende da – damit ist er nicht glücklich. Aber auch er kommt besser zur Ruhe: erstens weil er die Vollzeit-Arbeit nicht mehr in Teilzeit schaffen muss, mehr aber noch, weil das ganze Familiensystem sich entspannt hat. Das nimmt auch für ihn Druck raus. Und seitdem Coco (gerade 3) in den Kindergarten geht (die Eingewöhnung ist nun so langsam abgeschlossen), genieße ich die unfassbare Selbstbestimmung von 3,5 Stunden pro Tag. Ich kann Dinge in meinem Tempo tun. Selbst wenn es doofe Haushaltsdinge sind, tut mir das wahnsinnig gut.

 

Twitter hast Du mal geschrieben, dass Deine Mutter – selbst Hausfrau – dagegen ist, dass Du Dir diese Auszeit nimmst: Wie gehst Du damit um?

 

Meine Mutter ist mir sowas von egal. Wir haben keinen Kontakt mehr. Sie hat ihren geliebten Job aufgegeben, um Kinder zu bekommen und großzuziehen. Das hat sie bereut. Ich hingegen sollte deshalb alles anders machen – so, wie sie es im Nachhinein gern gemacht hätte. Ich bin aber anders als sie. Ich bin ein Beziehungsmensch, blühe in Partnerschaften auf – sie warnte mich generell davor, mich an jemanden zu binden. Sie propagiert den goldenen Mittelweg, um ja nicht anzuecken – für mich verbinden sich eher die Extreme zu einem runden Ganzen. Ich lebe sicher auch ganz anders als „Hausfrau“, als sie es tat.

 

Die Elternzeit ist eine schöne Zeit, aber endlich: Wie lange dauert Deine noch an und was möchtest Du Dir daraus mitnehmen?

 

„Die Elternzeit ist eine schöne Zeit“ – ich stocke beim Lesen. Das war für mich in weiten Teilen nicht so. Sie war eine größenteils furchtbar schlimme Zeit. Vielleicht genieße ich sie deshalb jetzt auch besonders. Vielleicht ist es meine erste „richtige“ Elternzeit. Meine jetzige Elternzeit geht bis zu Cocos 4. Geburtstag im September 2018. Ich weiß nicht, was ich mir daraus mitnehmen möchte. Ich lebe da eher im Jetzt.

 

Ich denke, wenn ich jetzt auftanke, kann mir das nicht schaden. Ich merke auch, es tut mir gut, mich nicht mehr ständig auf der Arbeit wie ein Alien zu fühlen in einem fast ausschließlich kinderlosen Kollegium. Ich weiß auch gar nicht, ob ich dorthin zurück möchte. Ich stelle das noch etwas hinten an. Ich vermisse meine Arbeit nicht, obwohl ich sie früher, vor den Kindern, echt gern gemacht habe.

 

Prioritäten haben sich so wahnsinnig verschoben. Ich nehme interessiert zur Kenntnis, dass einige Twitterfreundinnen andere Wege eingeschlagen haben und das zum Beruf gemacht haben, wofür sie inzwischen viel mehr stehen. Sie folgen einer Berufung. Ich bewundere das.

 

Dein Mann und Du geht auf Twitter sehr liebevoll und gleichberechtigt miteinander um, in der Vergangenheit habt Ihr mir bereits mal ein Interview gegeben, wie ihr Euren Kindern Toleranz beibringt. Was wünscht Du Dir für die Vereinbarkeit von Job und Familie? 

 

Vielleicht wünsche ich mir gerade das moderne, gleichberechtigte Modell nicht mehr, weil es uns so zerrissen hat. Toll fände ich zum Beispiel, wenn Karl mit vielleicht 30 Stunden die Woche etwas früher zu Hause wäre und ich einen Halbtagsjob machen könnte, bei dem nicht (wie aktuell) 2-3 Stunden pro Tag an Pendelzeit drauf geht. Denn in meinem Job muss ich mindestens 30 Stunden arbeiten, um davon dann maximal 10 Stunden Home Office machen zu können. Das macht Vereinbarkeit für mich schwierig. Ganz klar ist für mich, dass ich mehr Familie als Job brauche. Das wird mir so in der Deutlichkeit erst jetzt in diesem Moment klar, in dem ich das schreibe.

 

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Mo. Mehr von Mo findet Ihr auf 2 KindChaos.

 

Ihr habt ein Familienmodell, das gut in die Familienrollen reinpassen würde, aber so noch nie vorkam? Oder wollt über etwas Bestimmtes sprechen? Schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

Elternfragen, Kaffeehauskultur, Kultur mit Kind

Backen mit Cynthia Barcomi (+ Gewinnspiel): „Struktur und Organisation sind die halbe Miete.“

Wer jede Woche mehrere Stück Kuchen isst, sollte diese auch backen können, dachte ich neulich und wollte mir da ein paar Tipps holen.

 

In den Elternfragen habe ich Backfee Cynthia Barcomi (neues Buch Barcomi’s Backschule: Schritt für Schritt – vom Grundteig zur eigenen Kreation) befragt, wie ich meine Kinder gut in den Backprozess miteinbinden kann und was jeder  immer zuhause haben sollte. 

 

Ihr neues Buch heißt „Barcomi’s Backschule“: Welche Grundvoraussetzungen braucht es, um backen zu lernen?

 

Überhaupt um was Neues zu lernen muss man willig sein – willig was Neues zu probieren.

 

Wenn es ums Backen geht dann muss der Leser einfach dem Rezept genau folgen – dann landet man am Ziel (und hat ein tolles Ergebnis vor sich). Ob man viel oder wenig Erfahrung hat – darauf kommt es nicht unbedingt an. Viel mehr hat Erfolg in der Küche mit Aufmerksamkeit und auch eine Prise Gelassenheit zu tun. Und nicht vergessen – umso mehr man bäckt, desto besser bäckt man!

 

Wie kann man kleine Kinder besonders gut ans Backen heranführen? 


 

Backen mit Kindern hat vor allem mit dem Alter des Kindes zu tun. Umso älter das Kind ist, desto mehr versteht es und desto selbständiger kann es Sachen selbst umsetzen. Ob jung oder alt, das Backen ist sinnlich und macht Spaß – besonders den Teig zu kosten!

 

Wiegen, messen, Teig kosten: Welche Arbeitsschritte können bereits besonders gut von kleinen Kindern ausgeführt werden?


 

Mit der richtigen Anleitung / Betreuung können auch Kleinkinder richtig toll backen: wiegen, rühren, kneten, portionieren – da ist alles möglich. Als Erwachsene muss man einfach Zeit und Geduld mitbringen…und falls man Gebäck dekorieren möchte, ein bisschen Zeitungspapier für den Tisch sowohl als auch für den Boden macht das aufräumen umso leichter!

 

Selbst die größten Backmuffel werden in der Vorweihnachtszeit zu Teilzeit-Bäckern: Haben Sie einen Tipp, wie man stressfrei durch die Backzeit im Advent kommt?

 

Butter, Zucker, Eier, Mehl und typische weihnachtliche Gewürze wie Zimt, Ingwer, Muskat, Nelken und Kardamom soll man schon parat haben. Struktur und Organisation sind die halbe Miete: Rezepte aussuchen, prüfen ob die Zutaten und passende Backformen vorhanden sind…und LOSLEGEN! Wenn man alles hat was man braucht, vermeidet man die Krisen und die Pannen.

 

 

 

Wie lautet Ihr ultimativer Backtipp für die Vorweihnachtszeit, der mit der ganzen Familie umzusetzen ist?

 

Na ja – ich backe nicht nur zu Weihnachten sondern das ganze Jahr. Insofern ist festliches Backen nicht anders für mich als das alltägliche Backen. Aber wenn es darum geht als Familie zusammen zu backen, dann gibt auch bei uns ganz spezielle Cookie Rezepte, die gerade zu dieser Zeit herausgeholt werden. Ob groß oder klein, mit oder ohne viel Schokolade, keiner kann weder den Teig noch den Cookies widerstehen, Und in meinem neuen Buch, jedes Mitglied der Familie kann seinen Lieblings-Cookie-Teig genau nach seiner Vorstellung umsetzen.

 

Vielen lieben Dank für das Interview. 

 

Und genau das erwähnte Buch könnt Ihr jetzt gewinnen: Verratet einfach mit wem Ihr am liebsten Kuchen esst. Ob auf dem Blog, auf Facebook oder auf Instagram heute gilt mal alles. Wenn Ihr noch eine Person verlinkt, gibt es ein Extra-Los.

 

Am 23.10. um 18 Uhr lose ich den Gewinner aus und das Buch „Barcomi’s Backschule“ (DK Verlag), von Cynthia Barcomi freundlicherweise zur Verfügung gestellt, geht auf die Reise.

 

Wenn Ihr eine Idee habt, die Ihr gerne mal in den Elternfragen beantwortet haben wollt, dann schreibt eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

 

Alle Fotos wurden freundlicherweise von C. Barcomi zur Verfügung gestellt: Fotografin Nicola Walsh.

 

Mehr über Cynthia Barcomi findet Ihr hier.

 

PS.: Immer mal wieder gibt es nun beim Frühen Vogerl Amazon-Partner-Links: Wenn du über diese Links ein Produkt erwirbst, zahlt du nicht mehr, aber wir kriegen ein paar Cent von Amazon: Das hilft uns dabei weiterhin kostenlos Inhalte zu erstellen. Danke.

Alltag, Familienrollen, Nachgefragt

Vereinbarkeit: „Lustig war, dass Christoph gleich das meiste Lob abbekam, weil er das ,mitmacht““.

Geteilte Elternzeit war für Anna und Christoph selbstverständlich: Wie ihr Umfeld drauf reagiert hat, welche Vorurteile wahr sind und ein bisschen etwas über Annas Heimat Armenien: Das haben sie in den wöchentlichen Familienrollen erzählt. 

 

Seit einem halben Jahr seid Ihr Eltern von Louisa, vorneweg: Was hat Euch am Mutter/Vater sein überrascht?

 

Anna: Am meisten hat mich überrascht, mit wie wenig Schlaf ich auskommen kann. Man hört ja ständig von anderen Eltern, wie müde man die ersten Monate ist. Trotzdem hatte ich in der Schwangerschaft keine Vorstellung davon, wie heftig es wirklich werden würde. Außerdem habe ich den Hormoncocktail in der Wochenbettzeit unterschätzt. Puh, mich hat alles mitgenommen.

Christoph: Ich habe versucht, möglichst offen an das Vatersein heranzugehen und mich auch von den Erwartungen anderer an uns nicht unter Druck setzen zu lassen. Überraschend fand ich, dass trotz all der Ratgeberliteratur, sei es gedruckt oder im Netz, das eigene Gefühl einem doch meist den richtigen Weg weist.

 

 

Ihr habt Euch die Elternzeit geteilt: War von Anfang an klar, wer wie lange für das Kind da sein wird? 

 

A: Die genaue Anzahl von Monaten hatten wir bis kurz vor der Geburt unserer Tochter nicht wirklich ausgemacht. Nur, dass wir uns die Elternzeit mindestens 50/50 teilen würden. Irgendwann einigten wir uns sogar darauf, dass Christoph länger Elternzeit nimmt als ich, weil ich einfach gerne früh wieder in den Job wollte. Auch finanzielle Fragen haben eine Rolle gespielt. Uns war klar, dass wir ein bisschen etwas an Einbußen haben würden, und haben uns einfach ausgerechnet, mit wie viel wir auskommen müssten. Die Reaktion im Umfeld war überwiegend positiv.

 

Lustig war, dass Christoph gleich das meiste Lob abbekam, weil er das „mitmacht“. Bei einer Frau ist die längere Elternzeit eher selbstverständlich. Meine Eltern haben anfangs etwas skeptisch reagiert, weil sie Angst hatten, das Baby würde unter Trennungsschmerz leiden, wenn nach fünf Monaten der Papa den Großteil der Betreuung übernimmt.

 

Vielleicht waren  sie auch unsicher, ob Christoph das schafft.

 

Aber hey, ich musste es ja auch erst lernen. Keiner Frau wird die Babypflege in die Wiege gelegt. Learning by doing heißt es für alle Eltern.

C: Wir haben über die Aufteilung gesprochen und sind schnell zu unserem Modell gekommen. Anna hatte ja noch vor der Geburt den Job gewechselt und der Drang wieder an die Arbeit zu gehen war groß. Gleichzeitig fand ich den Gedanken, mich einige Monate Vollzeit um unsere Tochter zu kümmern und viel Zeit mit ihr zu verbringen sehr reizvoll. Langwierige Diskussionen und Kompromisse waren da gar nicht nötig. Um die Meinung anderer und traditionelle Rollenverteilungen habe ich mir zunächst mal keine Gedanken gemacht – ich war damit glücklich und meine Frau auch, damit war das Thema durch.

 

Wie habt Ihr Euch die Elternzeit aufgeteilt und wie hat es letztlich funktioniert? 

 

A: Ich hatte nach der Geburt die obligatorischen zwei Monate Mutterschutz und dann nochmal drei Monate volle Elternzeit. Insgesamt war ich also fünf Monate mit Kind zu Hause. Danach begann ich drei Monate Elternteilzeit mit 30h/Woche. Die geht jetzt noch bis Ende Oktober. Danach arbeite ich wieder regulär 40h/Woche.

 

Ich bin Redakteurin bei BuzzFeed Deutschland. Mein Arbeitgeber reagierte ganz wunderbar auf meine Pläne. Mein Chef sagte direkt, dass er mich in allem unterstützt und dass die Familie vor geht. Er hat mir viel Flexibilität gelassen.

 

Es ist übrigens auch absolut kein Problem, dass ich jeden Tag auf der Arbeit abpumpe. Das war immer selbstverständlich, und alle Kollegen gehen auch sehr locker damit um. Wir scherzen auch oft. Wenn ich mich in meine Abpumppause verabschiede, wünschen sie mir „Viel Erfolg gut Milch!“

 

C: Ich habe den größeren Teil der Elternzeit übernommen. Das ist natürlich noch ungewöhnlicher, war aber ebenso unbeeinflusst von Ansichten anderer. Persönlich fiel mir die Entscheidung nicht ganz so leicht wie die, überhaupt Elternzeit zu nehmen. Ich arbeite als Historiker in einem Berliner Museum und wir waren bzw. sind noch immer dabei, unsere Dauerausstellung stark zu überarbeiten. Zum einen war schwer, dem Museum in einem solchen Umbruch einen erfahrenen Mitarbeiter zu entziehen. Zu anderen war diese Phase unheimlich spannend und ich hatte die Möglichkeit sehr frei zu gestalten. Diese Chancen sind für Historiker rar gesät, was einen Abschied auf Zeit nicht leicht machte. Und zuletzt habe ich ein tolles Team verlassen, mit dem die Arbeit viel Spaß gemacht hat.

 

Gleichzeitig hat man natürlich den Gedanken, dass da ein Kind unterwegs ist, mit dem man einige ganz intensive Monate verbringen kann und es aufwachsen sieht. Die Entscheidung war dann nicht leicht, aber trotzdem sehr klar: ich will Zeit mit meiner Tochter verbringen.

 

Für unseren Direktor war meine Wahl dann, auf Grund des laufenden Umbruchs, natürlich auch nicht einfach. Trotzdem war die Reaktion sehr verständnisvoll und mir wurden keine Steine in den Weg gelegt. Dafür bin ich sehr dankbar!

 

Aber ein Vater kann das Kind doch nicht stillen und für eine Mutter muss es doch total schwer sein, so früh vom Kind getrennt zu sein: Welchen Vorurteilen seid Ihr aufgesessen, als Anna wieder arbeiten gegangen seid und was war völliger Quatsch und was beinhaltete ein Körnchen Wahrheit? 

 

A: An unserem Beispiel hat man gemerkt, dass man nicht immer alles 100% planen kann. Ich konnte zum Beispiel nicht voll stillen. Wir haben viel versucht, aber die Milch hat einfach nicht gereicht, um unsere Tochter satt zu bekommen und zuzunehmen. Ab ihrer 2. Lebenswoche füttern wir sie zu. Das hat sich für den Wiedereinstieg und auch für unsere Elternschaft als praktisch erwiesen. Die vergleichsweise frühe Trennung war für mich anfangs tatsächlich schwerer als erwartet. Aber nach ein paar Tagen lernte ich, loszulassen. Ich vertraue Christoph zu 100%, und die beiden sind einfach ein tolles Team.

 

C: Was das getrennt sein betrifft: da ist glaube ich wirklich etwas Wahrheit dran. Mir fällt es nach knapp zwei Monaten Elternzeit schon schwer, unser Kind bei Mama zu lassen und mir Freizeit zu gönnen. Anna hat die Kleine neun Monate im Bauch getragen, da ist die Bindung ja noch viel enger – ganz einfach war das bestimmt nicht. Schön fand ich das Thema Windeln wechseln. Ich bin da sehr unbedarft rangegangen und habe einfach losgelegt, schon auf der Wochenbettstation im Krankenhaus. Vor der Geburt habe ich mich an ein Väter-wechseln-Windeln-und-würgen Video auf YouTube erinnert und war entsprechend gespannt. Aber auch nach Milch und Beikost muss ich sagen: halb so wild. Ich glaube, wenn man schon lustlos und/oder angsterfüllt an die Sache rangeht, dann landet man auch in so einem Video.

 

 

Anna, Du lebst heute in Berlin, ursprünglich kommst Du kommst aus Armenien und wie in einem Artikel zu lesen war, musste sich Dein Partner bei einem Besuch in Armenien erst mal „beweisen“: Welche Rollenbilder wollt Ihr Euren Kindern vermitteln?

A: Armenien hat eine relativ konservative Kultur. Die Geschlechterrollen sind noch sehr traditionell, nur langsam lässt sich ein Wandel beobachten. Meine Familie war hingegen schon immer liberaler. Ich möchte für mein Kind gern das Beste aus beiden Gesellschaften vermitteln.

 

Den Zusammenhalt und den Wert der Familie, wie er in Armenien sehr wichtig ist – und die Freiheit des Einzelnen, die Toleranz gegenüber anderen Lebensmodellen und die absolute Gleichberechtigung der Geschlechter, die zumindest theoretisch in Deutschland herrscht.

 

C: Wenn ich mich an den Tag so erinnere, dann habe ich gar nicht das Gefühl, mich „bewiesen“ zu haben. Vielleicht verkläre ich das aber auch. Unser Gastgeber war einfach stolz auf seinen Selbstgebrannten und freute sich, dass er mir schmeckt. Ich trank, er schenkte nach. Zum Schluss füllte er ein 5-Liter Einmachglas, das wir mit nach Hause nehmen sollten. Nachdem wir erklärt hatten, dass das Glas vermutlich, wenn nicht sowieso zerstört, vom deutschen Zoll einbehalten werden würde, füllte er kurzerhand vier 0,5 Liter Wasserflaschen ab. Das passte dann und etwas davon steht immer in der Hausbar.

Abseits davon existieren natürlich sehr gefestigte Rollenbilder, das habe ich hier und da schon mitbekommen. Es kommt aber auch immer darauf an, mit wem man gerade zu tun hat. Im Grunde also nicht so anders als hier in Deutschland.

 

Wenn ich mir unsere Tochter anschaue – sie schläft gerade an meine Brust gekuschelt – dann hoffe ich, dass wir ihr vermitteln können, dass sie alles machen und erreichen kann. Wenn sie Fußball spielen will, soll sie das tun können. Wenn sie doch lieber die rosa Barbie mag, habe ich auch damit kein Problem. Ich möchte sie nicht zu irgendetwas drängen oder ihr etwas verbieten, nur weil es männlich oder weiblich besetzt ist.

 

Was wünscht Ihr Euch für Eure Tochter für die Zukunft? 

A: Dass sie glücklich und zufrieden aufwachsen und leben darf. Dass sie so sein darf, wie sie ist, und immer um unseren Rückhalt weiß. Dass sie in einer Gesellschaft groß wird, die hoffentlich Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz hinter sich lässt.

C: Persönlich ganz zuerst: Gesundheit. Gesamtgesellschaftlich natürlich eine Entwicklung, die es ihr ermöglicht ohne die Hürden aufzuwachsen, die heute zum Teil noch existieren. Viel zu tun also, aber ich glaube wir sind da auf einem guten Weg.

 

Vielen lieben Dank an Euch Beide für das Interview. 

Alltag, Kultur mit Kind

Unser rasches Frühstück zu Viert mit Danone Actimel – Werbung

Anzeige. Wir sind Frühaufsteher. Jeder von uns. Mein Junge wurde durch sein frühes Aufstehen zum Namensgeber dieses Blogs, weil er von jeher ein „frühes Vogerl“ ist. Als ich zu meiner Tochter schwanger war, hab ich kurz überlegt, wie es denn wäre, wenn sie plötzlich Langschläferin wäre: Unbegründete Sorge.

Auch unsere Tochter steht gerne früh auf. Wir sind also all vier meistens früh munter. Und hungrig. Frühstück ist bei uns die Mahlzeit des Tages. Bei der wir idealerweise alle vier rund um den Tisch sitzen und ausgiebig frühstücken, um fit für den Tag zu sein. So die Wunschvorstellung, in der Realität ist meistens leider nicht so viel Zeit.

 

Es gibt Obst, Brot und Milchprodukte. Immer mit unterschiedlicher Gewichtung. Die Sache mit den Milchprodukten ist nicht immer leicht für mich. Was ich aus meinen Schwangerschaften und diversen Vorträgen über Ernährung mitbekommen habe: Milch ist wichtig und absolut notwendig. Was ich davor schon wusste: Niemals könnte ich Milch pur trinken. Ich muss tricksen.

 

Der Rest unserer Familie ist sehr joghurtaffin. Wir sind also prädestiniert dafür die Joghurtdrinks von Danone Actimel aus der Reihe „Stay Strong – Schütteln, Trinken, Startklar und der Tag kann kommen!“ zu testen. Drei von uns: weil sie Joghurt wirklich lieben und gerne Neues ausprobieren wollen. Eine von uns: Schreiberin des Beitrages, weil sie gänzlich ohne Milchprodukte auskommen könnte und weiß, dass das nicht sein darf. Wir alle: Um zu schauen, ob das zeitlich gut in unser Frühstücksritual passt.

 

Joghurts in Fläschchen

12 kleine Joghurts in Fläschchen stehen da also eines Morgens und warten drauf von uns getestet zu werden: sechsmal Granatapfel und sechsmal Limette-Ingwer-Yuzu. Mein Junge holt sich zielsicher sein erstes Joghurt im Fläschchen. Natürlich ist es Granatapfel, das er allerdings hartnäckig als Preiselbeere bezeichnet. Es schmeckt ihm: ein besonderen Vorteil ist auch, dass es morgens schneller geht als zu löffeln und recht stressfrei funktioinert.

Mein Mädchen mit der Zitronenvorliebe testet Limette-Ingwer-Yuzu und möchte mehr: Nur mit Mühe lässt sich das Fläschchen entwenden. Auch ich koste und bin überrascht: Das schmeckt mir. Zum einen weil es nicht so joghurtig schmeckt, zum anderen weil sich der Ingwer wohl unsichtbar gibt und nicht die sonst für ihn übliche Penetranz verströmt, sondern nur eine zarte Note dazu gibt. Die kommenden Tage schwindet unser Vorrat stetig und auch mein Mann scheint sie wohl  gut gefunden zu haben, denn von den 16 Fläschchen sind nach ein paar Tagen nur noch drei übrig.

 

Neben den erwähnten Sorten ist auch noch Actimel Heidelbeere-Maca erhältlich, allerdings leider nicht in unserem Supermarkt.

Unser Frühstücksrepertoire ist nun um eine Variante reicher und wird vor allem dann einigesetzt werden, wenn es schnell gehen muss.

 

Wie ist das bei Euch: Habt Ihr immer Zeit in Ruhe zu frühstücken oder muss es oft schnell gehen?

Dieser Beitrag wird von Actimel unterstützt.

 

Alltag, Elternfragen, Kultur mit Kind

Die Rosa-Hellblau-Falle: „Egal, was Du anziehst oder spielst, Du bist in jedem Fall ‚richtig‘.“

Als in der Kita ihrer Kinder die „Glitzer-Pony-Kitty-Püppi-Welle“ einzog, beschloss Almut gemeinsam mit ihrem Partner das Thema genau zu betrachten. Wie sie heute zur Mädchenfarbe Rosa steht und was Eltern tun können, um sich dem Gender-Marketing weitgehend zu verweigern, das erzählt sie in den wöchentlichen Elternfragen.

 

Du hast „Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees“ geschrieben: Wie kam das Thema zu Dir?

 

Ich arbeite als Kommunikationstrainerin und Sprecherzieherin und war immer irritiert über Aussagen von Teilnehmerinnen wie zum Beispiel „Wir Frauen stehen nun mal nicht so gern vor Publikum“ oder „Für Männer ist das eben von Natur aus leichter“. Und dann gab es irgendwann überall diese Seminarangebote „extra für Frauen“, die besser kommunizieren lernen wollen.

 

Da frag ich mich bis heute, wie eins auf die Idee kommen kann, dieses „besser“ mit Geschlecht in Verbindung zu bringen. Besser für wen? Und wann? Machen Frauen da also so viel falsch, dass sie eigene Kurse brauchen, um so kommunizieren zu lernen, wie Männer? Dazu habe ich dann recherchiert und spannende Menschen interviewt, die mir da neue Einblicke gegeben und auch den Rücken gestärkt haben in der Überzeugung, dass allzu oft, wenn die Kategorie Geschlecht mit ins Gespräch kommt, auch prompt Klischees reproduziert werden.

 

Ja, und dann haben wir drei Kinder und haben fassungslos zugeschaut, wie innerhalb von wenigen Jahren, so ungefähr zwischen 2005 und 2009 die rosa Glitzer-Pony-Kitty-Püppi-Welle in die Kindertagesstätten geschwappt ist. Wir dachten erst, wir hätten eine komische Kita gewählt oder einen schrägen Blick entwickelt.

 

Und das war dann tatsächlich auch der Anlass für das Buch, dass wir Fachleute interviewt haben, um zu erfahren, ob es denn an uns liegt oder ob wir gerade eine Rückwärtsentwicklung erleben hin zu traditionellen Rollenbildern. Und leider haben wir keine Entwarnung bekommen: ob Linguistik, Hirnforschung, Pädagogik, Marketing oder Psychologie, alle bestätigten sie unsere Vermutung. Und darum geht es in der ‚Rosa-Hellblau-Falle‘, dass wir eigene rosa-hellblaue Erlebnisse in Beziehung setzen zu Studien und Interviews mit ExpertInnen.

 

Auf Twitter machen Dich immer wieder auch andere Eltern über „rosa und hellblaue Klischees“ aufmerksam: Wie ist das Verständnis für das Thema? 

 

Als wir ‚Die Rosa-Hellblau-Falle‘ geschrieben haben, dachten wir ja, wir hätten einen Höhepunkt erreicht, und es könne von jetzt an nur wieder besser werden in Sachen Klischees und Geschlechtertrennung, tatsächlich hat es aber seither immer weiter zugenommen und das Thema ist hochaktuell. Wir erleben, und das bestätigen auch Umfragen, dass die Mehrheit davon ausgeht, Kinder „gleich“ zu behandeln – wobei ich da gerne zurückfrage, wie das denn funktionieren soll, in einer Welt, wo Kinder schon beim Kauf einer Trinkflasche oder einer Schultüte aufpassen müssen, dass sie nicht die ‚falsche‘, also die fürs andere Geschlecht gedachte, wählen. Aber gut. Worauf ich hinaus will, ist, dass die Fortschritte beim Thema Gleichberechtigung der letzten Jahrzehnte dazu geführt haben, dass die Mehrheit heute meint, wir seien ja nun alle gleichberechtigt und emanzipiert genug und es gäbe ja wohl wichtigere Probleme.

 

 

Gleichzeitig hat sich ein Konsens darüber breit gemacht, dass schon Mädchen und Jungen im Vorschulalter angeblich unterschiedliche Kleidung und unterschiedliches Spielzeug brauchen.

 

Das sogenannte ‚Gendermarketing‘, das seit 2006 auch in Deutschland angewandt wird, profitiert davon, und verbreitet immer extremere Botschaften über süße, pferdeliebende Mädchen, die angeblich alle Prinzessin sein wollen, und über wilde, abenteuerlustige Jungs, die in der Werbung alle über einen Kamm geschert und in die Technik- und Monsterwelt gesteckt werden.

Diese Werbestrategie reproduziert Geschlechterklischees des letzten Jahrhunderts und hat unbedingt einen Negativpreis verdient. Deshalb haben wir Anfang des Jahres gemeinsam mit Anke Domscheit-Berg den ‚Goldenen Zaunpfahl‘ ins Leben gerufen, einen Preis, der absurdes Gendermarketing auszeichnet. Die große Resonanz bestärkt uns in unserer Arbeit, denn es gibt offensichtlich noch viele mehr, die diese Entwicklung kritisieren.

http://ich-mach-mir-die-welt.de/2017/03/der-goldene-zaunpfahl-geht-an/

In meiner Filterblase haben viele Eltern ein differenzierte Meinung zum Thema, vorm Spielplatz sehe ich aber doch 20 rosa Fahrräder: Was denkst Du findet hier langsam ein Umdenken statt, oder zementieren sich die Bilder von der Prinzession und vom starken Ritter?

 

Das Perfide daran ist ja, dass man als Familie allein kaum dagegen ankommt.

 

Die Botschaft, dass Rosa eine Mädchenfarbe sei, wird von der Werbung derart penetrant verbreitet, dass manche tatsächlich glauben, es gäbe ein Art Rosa-Gen, was natürlich Quatsch ist, vor 100 Jahren war es noch genau andersherum, und Blau galt als weibliche Farbe, das ist also kulturell bedingt und von Kindern gelernt.

 

Aber dieses ständige Wiederholen von Stereotypen hat natürlich Auswirkungen. Die Vorstellung, wie ein Junge bzw. ein Mädchen zu sein hat, ist in den letzten Jahren wieder sehr viel enger geworden,

 

Grenzüberschreitungen werden härter sanktioniert. In den 1980ern war ein Junge im rosa T-Shirt keinen Kommentar wert, heute sorgen sich Eltern, ob das ein Zeichen für Homosexualität und Verweichlichung sein könnte. Mädchen haben es zwar leichter, wenn sie sich für angebliche Jungsdinge interessieren, aber eine Vierjährige, die kein Rosa trägt und vielleicht noch kurze Haare hat, wird meist als Junge angesprochen, auch da war das Bild in den 80ern und 90ern ein anderes. Da sind sich die meisten ja auch einig, aber trotzdem werden diese Klischees heute selbst in Filmen, in Schul- und Bilderbüchern munter weiterverbreitet.

 

Und wenn wir Workshops und Fortbildungen durchführen in Verlagen, Schulen oder Kitas, dann sind die Teilnehmenden meistens einigermaßen schockiert von unseren mitgebrachten Beispielen, weil sie grade noch davon ausgingen, selbst keine Rollenklischees weiterzureichen denn „Heute sind wir doch längst weiter!“.

 

Mittlerweile kenne ich einige Eltern, die bewusst die Rollen vertauschen, also ihren Jungs zum Beispiel Glitzerkleider anziehen. Ich kann die Intention dahinter verstehen, trotzdem irritiert es mich. Wie denkst Du da drüber?

 

 

Ich würde bei dem Beispiel gar nicht von Rollentausch sprechen, ein Junge wird ja nicht zum Mädchen, allein durch ein Kleid. Und genau diese Haltung, wünschte ich, würden Erwachsene Kindern vermitteln: Egal, was Du anziehst oder spielst, Du bist in jedem Fall ‚richtig‘. Eine Frau bleibt eine Frau, auch wenn sie kurze Haare hat. Ein Mann bleibt ein Mann, auch wenn er Ballett tanzt oder Erzieher wird, eine Frau, wenn sie Autos repariert oder keine Kinder haben möchte, ein Junge, wenn er Puppen oder Glitzer mag.

 

Aber genau in dem Punkt werden die Regeln zur Zeit immer strenger, und Kinder halten sich überwiegend daran, denn sie wollen ja nicht ‚untypisch‘ oder ‚anders‘ sein, als die anderen ihrer Gruppe. Es ist ja menschlich, vor allem im Vor- und Grundschulalter, dazu gehören zu wollen zur Gruppe, mit der man sich identifiziert. Ein Kind gibt lieber einen Wunsch auf, passt sich dem Konsens an, als sich freiwillig damit zum Außenseiter, zur Außenseiterin zu machen.

 

Wenn ein Junge aber ein Kleid anziehen möchte, das vielleicht sogar vorher seiner großen Schwester gehört hat, dann ist das etwas völlig Natürliches, denn ihre Regenjacke trägt er wahrscheinlich auch (wenn sie nicht pink ist, in dem Fall freuen sich die Gendermarketing-Fans) und ihr Fahrrad bekommt er später wohl auch. Für ihn ist da kein Unterschied, den machen erst die Erwachsenen.

 

Und die müssen sich selbst die Frage stellen, wie wichtig es ihnen ist, dass Fremde erkennen, dass es sich bei ihrem Kind um einen Jungen handelt. Ist das denn so schlimm? Was genau ist denn die Sorge dahinter? Ist sie überhaupt berechtigt, so dass wir dafür das eigene Kind durch eine Regel einschränken (Jungs tragen kein Kleid / Haarspange / Nagellack…), von der wir dann womöglich behaupten, es sei gar nicht unsere, sondern die der anderen?

 

Vor zwei Tagen habe ich versucht für meine einjährige Tochter eine Haarspange zu kaufen, die weder rosa ist, noch glitzert. Ich bin gescheitert. Was können Eltern tun, um ihren Kindern Rollenklischees weitgehend vom Leib zu halten. Äußerlich und innerlich?

 

 

Eine Gesellschaft, die eine Partei in den Bundestag wählt, die Frauen auf ihr Muttersein reduziert, und Männer in die Ernährer- und Beschützerrolle drängt, kann offenbar nicht genug bekommen von Rollenklischees.

 

Solange unser Alltag voll ist von Werbebotschaften mit schlanken, langhaarigen Frauen, die Diätjoghurts lieben und smarten Typen, die Einbauküchen nur gut finden, wenn sie viel Elektronik enthalten, gehört dieses Denken eben auch zu den Dingen, die Kinder verinnerlichen.

 

Deshalb halte ich zum Beispiel überhaupt nichts davon, Kindern einen Wunsch abzuschlagen, nur weil er dem Klischee entspricht. Kinder sollten ja nicht ausbaden müssen, was die Erwachsenen nicht gebacken kriegen. Aber es wäre schon viel geholfen, Kinder nicht zu unterschätzen.

 

Ein Junge im Kleid wird nicht automatisch zum Mobbing-Opfer, und Kinder, die Spielzeug bekommen, das nicht geschlechtlich gelabelt ist, werden dadurch nicht in ihrer Geschlechtsidentität verwirrt. Im Gegenteil, sie können endlich aus dem ganzen Angebot das wählen, das sie wirklich interessiert und nicht das, von dem Erwachsene vorher festgelegt haben, es sei angeblich für das eine oder andere Geschlecht besser geeignet.

 

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Almut.

Almut Schnerring ist Journalistin, Sprecherzieherin (DGSS) und Trainerin. Gemeinsam mit Sascha Verlan schreibt und produziert sie als „Wort & Klang Küche“ Radiofeatures und Beiträge und bietet Vorträge und Fortbildungen an: training-bonn.de
2014 erschien ihr Buch „Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees“ Über die Zweiteilung der Kinderwelt in Prinzessinnen und Abenteurer bloggen sie unter www.ich-mach-mir-die-welt.de.

 

Wie steht Ihr zur „Rosa-Hellblau-Falle“? Erzählt doch mal von Euren Erfahrungen.

 

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