Familienrollen, Kultur mit Kind

Asperger Syndrom: „Wir schwafeln im Normalfall viel zu viel auf unsere Kinder ein!“

Birgit (bloggt aus Muttis Nähkästchen) ist Mutter von zwei Kindern: Ihr großer Sohn hat das Asperger Syndrom. Was das bedeutet, was ihrer Familie im Umgang hilft und was sie überhaupt nicht hören kann: Davon erzählt sie in den Familienrollen

Wir kamen ins Gespräch, weil eines Deiner Kinder das Asperger Syndrom hat: Kannst Du erklären, was das genau bedeutet und wie ihr das festgestellt habt? 

Das bedeutet den Bedarf an Nerven aus Stahlseil 😉 Im Ernst: Das Kind ist schon sehr früh als „anders“ aufgefallen, aber niemand konnte es so recht einordnen. Eine Kindergartenpädagogin meinte mal zu mir: „So ein Kind wie Ihres habe ich noch nie erlebt!“. Ich klopf mir heute noch auf die Schulter, dass ich damals so cool reagiert habe. Ich habe ihr einfach den Ball retour gegeben, indem ich sagte: „Sie sind die Fachfrau. Sagen Sie bitte, was zu tun ist, und ich ziehe mit Ihnen an einem Strang.“

Das hat kräftig den Wind aus den Segeln genommen, denn Sie war ebenso ratlos wie wir. Auch in der Schule ist er sofort aufgefallen. Dort wurden dann nach Rücksprache mit uns Eltern die Beratungslehrerin und die Schulpsychologie einbezogen. Aber nicht, dass du glaubst, dass dann alles klar war – es folgte eine kleine Odyssee. Die Beratungslehrerin hatte wohl schon den richtigen Riecher, die Schulspychologie hat das aber wieder widerlegt. Erst zwei Jahre später kamen wir zur richtigen Diagnose – und sind heilfroh darüber, weil dann klar war, in welche Richtung wir – die Schule und wir in der Familie – arbeiten müssen. Außerdem waren wir vor der Diagnose als Eltern immer hochverdächtig, in der Erziehung kräftig was verbockt zu haben … 🙁 Und das beste: unsere Bemühungen wirken!

Das Kind wird ab Herbst ins Gymnasium gehen. Für Asperger sind so späte Diagnosen – bei uns war das Kind 9 Jahre alt – übrigens nicht unüblich, weil sie durch ihre überdurchschnittliche Intelligenz viel überdecken können.

Du lebst mit Deiner Familie im Salzburger Land, bist berufstätig und bloggst schon recht lange: In wie weit findet das Asperger Syndrom Einklang in Euren Alltag? 

Der Autismus ist immer da. Meist merken wir wenig davon. Wenn unser Sohn aber seine autistischen Züge zeigt, dann ordentlich. Nach der Diagnose haben wir an vielen Elterntrainings teilgenommen und uns einer Elterninitiative für Kinder mit Autismus angeschlossen. Dort haben wir enorm viel gelernt, worauf wir im täglichen Miteinander achten müssen – da geht es viel um die eigene Kommunikation und eigene Emotionen.

Wir haben uns jede Menge Blabla abgewöhnt und Klarheit gelernt: wenn ich eine Ansage mache, dann kurz, klar und vor allem nur einmal. Das ist übrigens auch eine äußerst wirksame Methode für neurotypische – also „normale“ – Kinder. Wir schwafeln im Normalfall viel zu viel auf unsere Kinder ein!

Wie geht Dein Sohn mittlerweile selbst damit um? 

Unser Sohn ist, wie er ist – und das ist OK. Das versuchen wir ihm immer wieder zu vermitteln. Er muss nur die gesellschaftlichen Regeln und Feinheiten über den Intellekt lernen, damit er nicht immer aneckt und mit anderen Kindern und Erwachsenen klarkommt. Dann geht’s ihm auch besser, weil er nicht ständig Missverständnisse produziert. Andere Kinder lernen das über Beobachtung und Nachahmung, bei autistischen Kindern funktioniert das nicht. Er selbst reflektiert gar nicht darüber. Wahrscheinlich sind in seinen Augen WIR die „komischen“ Leute und er ist ganz normal.

Du lebst in einer österreichischen Kleinstadt. Ich könnte mir vorstellen, dass dort weder Selbsthilfe-Gruppen noch Treffpunkte zum Thema existieren. Wo findest Du Deine Gesprächspartner?

Zeichnung vom kleinen Sohn.

Oh doch, wir hatten Glück: gerade zur richtigen Zeit formierte sich im Nachbarort eine Elterninitiative, die über einen Verein auch Psychologinnen mit Autismus-spezifischer Ausbildung rekrutierte und Therapien anbietet. Ein Segen! Da gibt’s auch immer wieder Elterntrainings.

Gerade der Austausch mit anderen betroffenen Eltern ist enorm wichtig. Denn da merkt man, man ist nicht allein, andere stehen vor sehr ähnlichen Herausforderungen. Auch den einen oder anderen Tipp oder Trick kann man sich abschauen. Ich habe begonnen meine Erkenntnisse aus Elterntrainings, aus eigenen Erfahrungen und Errungenschaften in der Schule usw. schriftlich zusammenzufassen.

Weil ich glaube, dass auch andere Eltern davon profitieren können, stelle ich das auf meinem Blog zur Verfügung – mit sehr guter Resonanz. Hier sind alle Beiträge zum Thema Autismus gesammelt:  Da geht’s z.B. darum, wie man einen Asperger erkennt, um Tipps zum täglichen Miteinander, um Fallstricke in der Regelschule (und wie wir sie gemeistert haben) sowie um Rezensionen von Autismus-spezifischen Büchern, die ich empfehlen kann. Außerdem berichte ich über hervorragende Erfolge, die wir mit Homöopathie erreichen konnten.

Wo würdest Du Dir mehr Aufklärung wünschen? 

Ich glaube, das passiert ohnehin schon. Es gibt ja immer mehr derartige Diagnosen – über das Warum kann ich nur spekulieren.

Erklärungsbedarf gibt es hauptsächlich deshalb, weil man die Behinderung meines Sohnes nicht sieht – da hält sich auch die Nachsicht der Gesellschaft enorm in Grenzen! Was wir schon böse und augenrollende Blicke geerntet haben, frage nicht.

Aber da stehen wir mittlerweile drüber – sollen die doch glauben, dass wir ein grenzenlos unfähiges Eltern-Pack sind … Was noch zu wünschen übrig bleibt, ist die Unterstützung! Assistenten-Stellen wurden hierzulande fast gänzlich eingespart – dabei wären sie so wichtig für autistische Kinder. Die Therapie müssen wir ebenfalls aus eigener Tasche berappen – obwohl es sich um international anerkannte und erfolgreiche Methoden handelt.

Was kannst Du anderen Eltern mit auf den Weg geben, die mit einer solchen Diagnose konfrontiert werden?

Ihr seid nicht allein! Holt euch Hilfe und sprecht mit anderen Betroffenen. Ein sehr schönes Zitat hab ich mir aus meinem allerersten Elterntraining mitgenommen: „Bitte freuen Sie sich über die Andersartigkeit Ihres Kindes. Fördern Sie seine Perspektiven. Und fördern Sie seine Stärken. Vielleicht ziehen Sie gerade den nächsten wegweisenden „unvernünftigen“ Erfinder auf, der unsere Gesellschaft voranbringt.“

Was wünscht Du Dir für Deine Familie für die Zukunft?

Nerven aus Stahlseil. Und eine Gesellschaft, die andere nicht vorschnell in vorgefertigte Schubladen steckt.
Ich hab mir das auch schon mal von der Seele geschrieben: Ich bin eine Arschlochmutter! – und damit hab‘ ich scheinbar einen wunden Punkt getroffen.

Danke Dir für Deine Offenheit, liebe Birgit und alles Gute für die Zukunft. 

 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. 

 

Alltag, Kultur mit Kind

Neue Friseur, neue Bücher und Besuch / Unser Wochenende in Bildern vom 16. bis 18. Juni 2016

Dieses Wochenende stand im Zeichen von  Besuch, Haarveränderungen und Büchern. 
Am Freitag kommt österreichischer Besuch: Große Freude. Foto vergessen. Und am Abend habe ich einen Friseur-Termin. 
Nun möchte ich eine Weile nicht mehr gehen: Der Friseur sagt, das ist machbar. 
Samstagmorgen geht es ins Kulturkaufhaus. 
Einer von uns wird fündig. 
Der neue Kumpane kommt mit ins Restaurant. 
Es schmeckt gut. 
Abends kurz vorm Fußballspiel – Österreich spielt – gibt es noch schnell ein Frisuren-Selfie. 
Am Abend lese ich – mal wieder – in einem alten Charlotte-Link-Buch.
Mein Mann hat da diese Vorliebe: Wenn wir Mittagsschlaf halten, dann lebt er sie aus. 
Am Nachmittag genießen wir mit dem Besuch einen Obstsnack. 
Wir lesen ein Buch das uns Bella von familieberlin empfohlen hat, es heißt: „Wir sind jetzt vier“.
Die gestrige Buch-Ausbeute. 

Übrigens haben wir ein neues Gartenmöbel: Ich liebe es. 
Manches wird zweckentfremdet. 

Und wie war Euer Wochenende so? Auch so schön sonnig wie in Berlin, oder so regnerisch wie man es Teilen von Österreich nachsagt?

Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen

Alltag, Kultur mit Kind

Baumarkt-Marathon und Arbeits-Abschied / Unser Wochenende in Bildern vom 10. bis 12. Juni 2016

Warum wir dieses Wochenende fünf Baumärkte besuchten, wie sich der letzte Arbeitstag anfühlte und noch ein paar Dinge mehr. 
Durch Zeitausgleich, Resturlaub und Mutterschutz-Anspruch ist es soweit: am Freitag ist mein letzter Arbeitstag. 
Damit mich meine Kollegen in netter Erinnerung behalten, nehme ich viele süße Sachen mit. 
Im Foyer stehen Blumen. Nicht wegen mir: Die stehen da fast täglich. 
Es ist viertel vor sechs. Ich bin ganz alleine im Lift. Zeit für ein verhuschtes Selfie. 
Kaffeepause mache ich mit meiner Lieblingsarbeitskollegin: Eine meiner besten Freundinnen. 
Der letzte Arbeitstag hat mich so erschöpft, dass ich eine Weile aufs Bilder machen vergesse. Erst wieder am Nachmittag. Wir fahren zu Pflanzen Kölle und entdecken extreme Scheußlichkeiten. 

Beim Rausgehen müssen wir schnell weiter, denn wenn unser Sohn dieses Aufgebot sieht, kommen wir hier nicht mehr weg. 
Wir sind auf der Suche nach einem supergemütlichen Gartenmöbel. Das ist nicht leicht und beschäftigt uns auch den ganzen Samstag über. 
Im Laufe des Wochenendes sind es tatsächlich 5 Baumärkte, die wir ansteuern. 
Dort entdecken wir auch echt komische Sachen. Was geht in Leuten vor, die sich so etwas aufhängen (müssen)?
Und immer wieder Fische. 

Das ideale Gartenmöbel haben wir übrigens tatsächlich noch gefunden: Ein Foto folgt gleich nach der Lieferung.

Worauf schwört ihr so in puncto Außengemütlichkeit? Hängematte, Strandkorb oder einfach Decke?

Unser baumarktfreier Sonntag ist übrigens im Beitrag 12 von 12 zu finden. 

Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen

Alltag, Kultur mit Kind

Ruhe, grillen und ein bisschen Fußball / Unser 12 von 12 im Juni

Immer am 12. des Monats sammeln Blogger 12 Bilder ihres Alltags. Nicht immer gelingt es mir mitzumachen, meistens aber schon. Heute war es recht leicht. Denn es war Sonntag. 
Meine Männer gehen morgens zum Bäcker. Ich bewege mich erst zu Tisch als die Kipferl auf dem Tisch stehen. 
Ich bin ein bisschen k.o. und liege viel. Aktuell fast immer mit dabei: ein Charlotte-Link-Buch. 

Die drei Jungs gehen spazieren. 
Der Kleinste von uns findet Geld aus dem Jahr 1989. Es kommt aus der DDR. 
Während ich noch Angst habe, dass es verloren geht, bunkert er es bereits. 
Nach dem Mittagsschlaf, ohne Bilder, gibt es Kaffee. 
Am Nachmittag kommt eine liebe Freundin vorbei und bringt uns Bücher mit. 
Wir grillen. 
Unser Sohn ist begeistert vom Besuchsmädchen. 
Wir hatten kein Tragetuch, sind aber nicht völlig abgeneigt, drum lassen wir uns von einer leidenschaftlichen Trägerin ein bisschen was erklären. Sollte es doch nicht so toll sein, wie sie beschreibt, haben wir immer noch den Carrier. 
Meine aktuelle Lieblingsschokolade. 
Und jetzt gleich: Fußball. 

Ich bin so ein richtiger Teilzeit-Fußball-Fan. Alle zwei Jahre. Ganz toll ist es, so wie bei der EM, wenn sogar Österreich mitspielt. Ich glaube, echte Fußball-Fans finden das ganz schön blöd. 
Wie ist Euer Verhältnis zum Fußball?
Mehr 12 von 12 gibt es wie immer bei Draußen nur Kännchen
Familienrollen, Kultur mit Kind

Teenie-Mutter: „Man habe den Fall einer allein erziehenden Mutter in Ausbildung im Gesetz schlicht „vergessen“ / Tanja in den Familienrollen über Mutter werden mit 18

Mit 18 wurde Tanja (bloggt auf helden-familie.de) zum ersten Mal Mutter. Wie es ihr als junge Mutter erging, welchen Kraftakt sie bewältigte und wie anderes die zweite Schwangerschaft, zehn Jahre später war: Davon erzählt sie in den Familienrollen

Als ich auf Twitter nach der Suche nach jemanden war, der sehr jung Mutter wurde, hast Du Dich gemeldet. Wie früh wurdest Du Mutter und wie war das damals? 

Tanja mit ihrer ersten Tochter.

Ja, als ich Deinen Aufruf las, habe ich mich direkt angesprochen gefühlt. Ich wurde mit 17 schwanger und war dann 18, als meine Große zur Welt kam. Die Beziehung zu meinem damaligen Partner war sehr kompliziert und eigentlich stand die Trennung an. Stattdessen wurde der Test positiv und der Besuch beim Frauenarzt zeigte, dass ich bereits in der 16./17.
Schwangerschaftswoche war.

Erstmal war das schockierend: Ich wollte ausziehen und war schon auf Wohnungssuche. Außerdem hatte ich erst vor ein paar Monaten meine Ausbildung angefangen, die ich unter keinen Umständen aufgeben wollte. Dennoch war für mich direkt klar, dass eine Trennung nun nicht in Frage kommt, (m)ein Kind braucht Mutter und Vater.
 Nach einer komplizierten Risikoschwangerschaft, die am Ende in einem Not-Kaiserschnitt endete, blieb auch die Beziehung zu meinem Partner weiterhin schwierig.

Als unsere Tochter etwas über ein Jahr alt war, trennten wir uns. Das verlief auch nicht „sauber“ und es gab viel Streit. Überhaupt war unsere Elternebene lange sehr schwierig bzw. unerreicht und erst seit etwa vier bis fünf Jahren können wir normal miteinander reden.

Was waren die gravierendsten Veränderungen, die damals auf Dich zu kamen? 

Also da muss ich ein wenig differenzieren, aus welcher Sicht ich das betrachte. Wenn ich von damals ausgehe, war da wohl gar nicht so arg viel, das ich als so „anders“ empfand. Vielleicht lag das aber auch an mir selbst?

Ich habe sechs Geschwister und unzählige Cousins und Cousinen, es war ganz normal jung Mutter zu werden und nur noch für die Familie da zu sein. Zwar war das nie mein Plan, aber in dem Moment war es eben so, wie bei allen in meiner Familie.
Wenn ich meine Situation aus der heutigen Sicht betrachte, waren da schon wahnsinnig viele Dinge, die anders waren. Die Einsamkeit, das Alleinsein waren Dinge, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Aufgrund meines Partners hatte ich sowieso schon kaum Freunde mehr, aber die wenigen die blieben, hatten einfach nichts mit Kindern zu tun. Sie waren Party machen und ständig unterwegs.

Das fehlte mir selbst nicht einmal, ich war noch nie die Party-Maus und schon immer eher der gemütliche Typ. Aber mir fehlte der Austausch mit Gleichaltrigen, die ähnliche Interessen haben. Mit den Partygeschichten konnte ich nicht viel anfangen, umgekehrt aber auch niemand etwas mit Babykram – das war eine schwierige Zeit.

Während der Elternzeit war ich ziemlich isoliert, traf hier und da Mütter auf dem Spielplatz, aber als so junge Mama fühlte ich mich überhaupt nicht ernst genommen und mied solche Kontakte auch irgendwann. Erst als meine Tochter mit drei in den Kindergarten kam, hatte ich wieder Kontakt zu Müttern, da entstanden zwar auch nicht viele Kontakte, aber zumindest eine Freundin fand ich. Vielleicht habe ich das auch nur hineininterpretiert, aber ich sah oft abschätzige Blicke und kopfschüttelndes Getuschel, entsprechend wenig habe ich mit anderen Eltern dort geredet.

Wie konntest Du Kind und Ausbildung vereinbaren? 

Tanja heute.

Ehrlich gesagt weiß ich manchmal bis heute nicht, wie ich das geschafft hab. Rückblickend betrachtet war das einfach eine sehr, sehr harte Zeit.
 Einmal war da natürlich die emotionale Seite: Ich war alleine, hatte ein Kleinkind und kaum soziale Kontakte.

Familie war kein Thema, der Vater meiner Tochter kam nur sporadisch. Dann kam noch die Ausbildung dazu: Die Tochter ging von 6 bis 18 Uhr zur Tagesmutter und ich sah sie kaum. Ich musste im Betrieb einen guten Job liefern, in der Berufsschule gute Klausuren schreiben. Eine weitere Belastung war meine finanzielle Lage: Ich hatte mein Ausbildungsgehalt, 2x Kindergeld und den Unterhaltsvorschuss, weil der Vater keinen Unterhalt zahlte. Davon wurden zwar alle Kosten gedeckt, doch der Überschuss für Nahrung und Kleidung war kaum erwähnenswert und ich immer sehr froh, dass die Tochter nur am Wochenende Zuhause gegessen hat…

Als meine Tochter irgendwann mit Fieber reagierte, wenn ich sie bei der Tagesmutter abgeben wollte, entschied ich mich für einen Umzug in die Nähe desAusbildungsplatzes. Ich ahnte nicht, wie schwierig es würde mit 20, alleinerziehend und in Ausbildung eine Wohnung zu finden, die in meiner Preisklasse und in einer halbwegs annehmbaren Wohngegend lag. Nach monatelangem Suchen hatte ich dann eine, auch wenn die Gegend nicht die beste war, aber die Wahl hatte ich einfach nicht mehr.

Die nächste Hürde war der Kindergartenplatz, den ich zwar zuvor zugesagt bekam, wo nun aber nichts mehr verfügbar war. Ich bin damals von einem Amt zum nächsten, hab sämtliche Kindergärten abgeklappert und stand am Ende ohne Platz da. Nebenbei hatte ich schon einige unbezahlte Urlaubstage durchgebracht und war verzweifelt: Ich hatte wahnsinnige Angst meinen Ausbildungsplatz zu verlieren, wenn ich nicht schnell eine Lösung parat hätte! Ich war total am Ende und wusste überhaupt nicht mehr weiter. Sämtliche Möglichkeiten hatte ich ausgeschöpft, ohne irgendeinen Erfolg zu haben.

Dann schlug mir mein Chef vor, das letzte Jahr Elternzeit zu nehmen und mich erst einmal um die Betreuung zu kümmern. Ich war und bin ihm wahnsinnig dankbar, denn ohne ihn hätte ich jetzt wohl keine abgeschlossene Berufsausbildung in der Tasche!
 Im folgenden August hatte ich einen Kindergartenplatz in einer privaten Einrichtung. Ich freute mich wahnsinnig, musste aber auch ganz schön schauen. Neben der emotionalen Belastung waren die Finanzen weiterhin ein großes Problem. Zwar fielen nun nur noch die Hälfte der Fahrkosten an, dafür musste ich den Vereinsbeitrag des Kindergartens tragen. Mein Geld reichte eigentlich gar nicht und es durfte nichts Ungeplantes dazwischenkommen.

Wenn ich das heute durchrechne, weiß ich wirklich nicht, wie wir mit dem bisschen Geld zurechtgekommen sind. Jedenfalls zog im folgenden Jahr mein kleiner Bruder zu mir, der mich ein wenig entlastete. So habe ich einen weiteren Job annehmen können, damit es finanziell besser ging. Ich war dann von 8 bis 16.30 Uhr im Betrieb, holte meine Tochter ab, war einkaufen etc., machte etwas Haushalt und fuhr dann in die Kneipe, wo ich dann von 19 bis zwei oder drei Uhr arbeitete, am Wochenende gerne bis fünf oder sechs Uhr. Mein Bruder war in der Zeit bei der Kleinen.

Das war zwar nicht die Ideallösung und wenig förderlich für gute Schulnoten, aber zumindest konnte ich unseren Kühlschrank füllen. 
Ich hätte mir damals Unterstützung gewünscht, aber alles was ich beantragte endete in einem Ablehnungsbescheid, das war sehr frustrierend. Für Berufsausbildungsbeihilfe verdiente ich zu viel, für den Kinderzuschlag zu wenig, ebenso wie für Wohngeld, Leistungen nach dem SGB II stehen Auszubildenden, die BAB-berechtigt sind, nicht zu und ansonsten fiel mir auch nichts ein. Jede Beratungsstelle sagte mir, man habe den Fall einer allein erziehenden Mutter in Ausbildung im Gesetz schlicht „vergessen“, das war sehr frustrierend!

Welchen Ratschlag würdest Du anderen jungen Müttern geben, oder was hättest Du vielleicht auch vorher gerne schon gewusst?


Du schaffst alles, wenn Du nur willst! Das klingt abgedroschen, aber es ist wirklich so. Manche Zeiten werden hart sein, manche noch härter, manchmal sind es nur Monate, manchmal auch Jahre, aber irgendwann ist auch die härteste Zeit vorbei! Mach Dein Ding, kümmere Dich unbedingt um Deine Bildung (!), sei für Dein Kind da – alles andere fügt sich!

Zehn Jahre später wurdest Du wieder Mutter: Was war anders an Dir? 

Ich war (und bin es eigentlich immer noch) total fasziniert davon, wie anders ich die zweite Schwangerschaft, Geburt und auch das erste Jahr mit dem Baby wahrgenommen habe. Für meine 18 Jahre war ich damals schon sehr selbstständig und reif, aber, wenn ich das aus der heutigen Sicht betrachte, kann ich nur schmunzeln.

So weit weg vom Erwachsensein! Und damit hat sich auch der Blick auf die Dinge total gewandelt. Natürlich hat sich seitdem auch viel an meinen äußeren Umständen verändert: Mein (neuer) Partner hat mich in dieser Schwangerschaft immer unterstützt, ich fühlte mich niemals allein gelassen und ich hatte ein ganz anderes Auftreten nach außen. Ich war selbstbewusst, gut informiert und wusste was ich will, das war damals ganz anders. Alles was die Ärzte wollten oder vorschlugen machte ich. Nach dem Motto „Sie werden es schon wissen“.

Entsprechend wollte ich auch die zweite Geburt zum Beispiel auf keinen Fall wieder einleiten lassen und habe mich sehr dafür eingesetzt. Zum Schluss ging es von alleine los und ich empfand die Geburt – trotz erneutem Not-Kaiserschnitt – als sehr selbstbestimmt und damit ganz anders, als die 1. Geburt. Das erste Baby-Jahr empfand ich damals zwar auch als sehr schön, ich lieb(t)e meine Tochter und genoss jeden Moment. Auf der anderen Seite aber fiel mir auch die Decke auf den Kopf und ich bereute schnell, zwei volle Jahre Elternzeit genommen zu haben, auch wenn ich meine Tochter wiederum nicht schon so früh in die Betreuung hätte geben wollen.

Es sind wirklich viele kleine Punkte die mir zeigen, wie viel zehn Jahre doch ausmachen. Wie anders ich das alles wahrgenommen habe, wie anders sich die Dinge anfühlen, aber auch wie viel die äußeren Umstände dazu beitragen.

Nun studierst Du und hast mir erzählt, dass Du ein drittes Kind gerne im Studium bekommen würdest: Warum gerade da?


Zum einen wollen wir nicht wieder einen so großen Altersabstand zwischen den Kindern haben, da muss es unweigerlich innerhalb des Studiums sein. Zum anderen studieren wir aktuell beide, sind beide mit „um die 30“ schon älter und wollen nach dem Studium dann auch in unseren Jobs arbeiten und nicht nochmal mit Kindern anfangen.

Außerdem finde ich das Studium wahnsinnig entspannt zum Kinderkriegen. Wann ist man schon so flexibel und kann auch mal zuhause bleiben, wenn ein Kind krank ist etc.?

Was wünscht Du Dir für Deine Familie für die Zukunft?

Dass wir weiterhin alle gesund bleiben, Ziele haben und sie erreichen und es uns gut geht!

Danke Dir für Deine Offenheit, liebe Tanja und alles Gute für die Zukunft. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. 

Alltag, Kultur mit Kind

Krank und schwanger im Berliner Sommer / Unser Wochenende in Bildern vom 4. bis 5. Juni 2016

Hochschwanger im frühen Sommer krank zu sein: Das erfordert ein entspannendes Wochenende. So sah es dann auch aus. 
Ich liebe ja Zeruya Shalev, leider komme ich in dieses Buch nicht rein. Nun habe ich mich entschlossen, es an eine sehr liebe Internetfreundin zu schicken, die da hoffentlich mehr Glück hat.  
Während die Jungs draußen aktiv sind, wühle ich mich durch eine alte Tasche und finde altes Geld. Ein Geldstück scheint sogar fast schon antik zu sein. 😉
Am Nachmittag gibt es Erdbeerjoghurt. Erdbeeren sollen ja viel Vitamin C enthalten: Ich warte noch auf die durchschlagende Wirkung. 

Einer findet den Hochsommer, der mir grad Probleme bereitet, so richtig toll. 

Die Jungs grillen. 
Sonntagmorgen verbringt der Hund vorm Bäcker. 
Mittags gibt es einer dieser Essen, die viel besser schmecken, als sie aussehen. 
Und ich versuche es mal mit Lesen. 
Und natürlich wieder: Obst. 
Auch als Spielform. Das hat uns eine sehr liebe Freundin aus dem Schwabenland letzte Woche gebracht. Ein bisschen blöd ist nur, dass der Hund die Pappteile auch so toll findet. 
Und Sonntagabend gibt es Fast-Food. 

Gesund bin ich leider noch nicht, und so beginnt die neue Woche wie die alte geendet hat: Ruhig und liegend. 
Euch allen eine schöne Woche. 
Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen.