Familienrollen, Kultur mit Kind

„Ich habe mir in diesem jungen Alter selber Essen kaufen müssen, mein Vater flüchtete 1985 in die damalige BRD.“ / Familienrollen Interview DDR, Jugendamt, Großfamilie

Als ihr Vater in die damalige BRD floh, änderte sich für Viktoria alles. Von ihrer schwierigen Kindheit und wie sie den Alltag, heute, mit ihren fünf Kindern meistert: Davon erzählt sie in den #Familienrollen

Du bist Mutter von fünf Kindern. War Dir immer klar, dass Du so viele Kinder haben möchtest?

Mein Name ist Viktoria. Ich bin 36 Jahre, das 16te Jahr verheiratet und Besitzerin von fünf Terrorkrümeln in großer, kleiner und kleinster Form (12,11,11,5,2).

Dass ich einmal Mutter von fünf Kindern werde, hätte ich selber nie gedacht und geplant war es auch nicht. Nach den Zwillingen waren wir eigentlich so geschafft und mit der Planung fertig. Aber ich kann sagen, es ist toll sie zu haben, und zu sehen,wie sie doch alle unterschiedlich sind in ihrer Art und Weise.

Auf Twitter lässt Du durchscheinen, dass Deine eigene Kindheit nicht so rosig war. Wie wirkt sich das heute aus?

Viktoria mit acht Monaten.

Ja, da bist Du richtig informiert: Meine Kindheit war nicht so wirklich schön, tagelang allein, kaum was zu Essen und kein Geld.

Ich verdiente mir mein Essen, damals zu DDR-Zeiten,  noch mit Papier und Gläser sammeln: Ich ging bei Leuten klingeln und fragte danach. Früher war sowas auch normal, so dass niemand Verdacht schöpfte,dass ich damit mein Essen und Trinken finanziere. Als ich genug zusammen hatte,  brachte ich es in den Altstoffhandel und bekam immer paar Mark oder Pfennige.

Stolz ging ich dann in die HO und kaufte mir etwas zu Essen. Auch da kannte man mich bereits. Ich lud mir immer was in den Korb und ging zur Kasse und die Verkäuferin lächelte mich immer an. Manchmal war auch eine Gratis Schoki drin,die Kleinen mit Bildern von Fuchs,Pitti,Moppi usw. Ich konnte mit fünf oder sechs Jahren meinen Pudding kochen, meine Nudeln oder Reis.

Jetzt fragt Ihr Euch sicher, warum das alles? Bis 1985 wuchs ich in einer lieben Familie auf, als Einzelkind, was ich immer schade fand, aber nun für gut finde: Es reicht ja wenn ein Kind leidet.

Ich habe mir in diesem jungen Alter selber Essen kaufen müssen, mein Vater flüchtete 1985 in die damalige BRD. Und er kam nie zurück, ich hatte keinen Kontakt mehr zu Ihm. Er trat mal kurz nach der Wende bei meiner Tante auf, als ich gerade zu Besuch bei ihr war, weil ich zu dem Zeitpunkt im Kinderheim lebte. Dann war lange Ruhe. 2000 traf ich ihn kurz auf dem Dresdner Hauptbahnhof. Dann war er weg, angeblich soll er in Frankreich an Krebs gestorben sein.

Ich muss ehrlich sein, ich vermisse Ihn nicht. Warum auch? Ich hatte nie wirklich einen Bezug zu ihm. Traurig eigentlich. Ich bin doch seine Tochter. Meine Mutter hat das alles damals gar nicht verkraftet. Plötzlich mit mir allein, dazu die Arbeit und der Haushalt.

Sie fiel in ein Loch, hatte zu nichts mehr Lust, fing an zu trinken, saß immer in der Kneipe und vergass mich ganz. Sie bleib auch tagelang, ja sogar ganze Wochen einfach weg und ich war allein. Aus Angst, dass jemand etwas mitbekommt, habe ich mich niemanden anvertraut. Es flog auf, weil die Schwester meiner Mutter, diese nicht erreichte. Ja, ich war allein, habe gekämpft und dennoch verloren. Jeden Morgen ging ich fleißig zur Schule.

Es war ein Freitag, das weiß ich noch ganz genau, da klopfte es an die Tür des Kunsterziehungszimmers in der Schule: Es waren eine Frau und ein Mann. Sie wollten zu mir. Ich kannte Sie nicht. Sie meinten:“ Wir bringen Dich jetzt ins Kinderheim.“ Für mich brach eine Welt zusammen,die ja eh schon kaputt war. Heulend habe ich meine Klasse verlassen und sie nie wieder gesehen. Ich sah meine Mutter dann das erste Mal 1991 wieder. Sie wollte mich haben, aber ich sie nicht.

Wer war diese Frau, die meine Kindheit so zerstört hat? Mutter? Nein, so nenne ich Sie nicht. Auch nicht als sie letztes Jahr bei mir zu Weihnachten am Kaffeetisch saß. Wir hatten die letzten ca. fünf Jahre immer mal wieder telefonischen Kontakt. Sie kann mir auch nicht sagen, warum, wieso, weshalb das alles. Ich war ein paar Jahre im Heim. Es war nicht schlimm, es waren alle nett, auch wenn ich paar mal das Weite gesucht habe und mit dem Bus quer durch Dresden bin. Es wurde alles so gefeiert, wie wir es auch kennen, in Familien, eben nur alles mit Kindern. Ich war aber trotzdem froh, als es eines Tages hieß, ich darf raus,meine Tante nimmt mich auf (Schwester meiner Mutter).

Tja, ab dem Tag war ich da zu Hause und hatte plötzlich zwei größere Schwestern. Mir ging es da gut. Ich bin meiner Tante sehr dankbar dafür, dass ich später noch die Möglichkeit hatte in Familie aufzuwachsen. Meine Fünf sagen auch alle Oma zu ihr. Vielleicht ist da auch ein Grund,warum ich so zu meinen Kindern bin,wie ich bin und wir, mein Mann und ich alles möglich machen was nur geht. Meine Kinder wissen aus meiner traurigen Kindheit fast alles, die Kleineren verstehen es nicht, aber die drei Großen schon.

Manchmal rutscht mir auch mal etwas raus, das nicht so gemeint ist wie zum Beispiel: „In Deinem Alter hab ich mir meine Nudeln selber gekocht“. Wenn die Frage kommt, wann es den was zu Essen gebe. Im Nachhinein tat es mir auch wieder leid und ich dachte mir: Ach sollen sie noch etwas Kind sein dürfen,wenn Du es schon nicht sein konntest.

Du hast einen Alltag mit fünf Kindern. Was glaubst Du ist, der größte Unterschied zur Kleinfamilie? 

Kind 1 mit Kind 5

Ich glaub der größte Unterschied zur Kleinfamilie, ist das Waschverhalten der Waschmaschine. Nein, Spaß bei Seite, bei der Kleinfamilie ist es relaxter würde ich meinen. Man muss zwar auch einiges organisieren usw., aber man muss vielleicht nur drei oder vier Personen unter einen Hut bekommen.
Jetzt im Moment fahren wir nur von Arzt zu Arzt: Es stehen U-Untersuchungen an, Zahnarztbesuche, Elternabende usw. Das ist alles gar nicht so einfach, manchmal sind wir wochenlang nach der Arbeit mit den Kindern unterwegs zu Terminen.

Mein Mann und ich gehen beide arbeiten, er hat eine 40h/Woche und ich habe meine 30h/Woche nach einem Jahr auf 40h/Woche erhöhen lassen. Es ist anstrengend, aber wir haben uns hier alle organisiert und jeder hat so seine kleinen Aufgaben täglich. Die Größeren haben nun auch gelernt, dass man nicht nur gegeneinander arbeiten muss, sondern lernen nun auch zusammen und machen Hausaufgaben. Sie schließen sich zusammen, wenn es darum geht, wer mal schnell in den Laden flitzt und eben noch fix das Eine oder Andere besorgt. Sie haben auch gelernt, dass ich beim Heimkommen, doch erst mal meine paar Minuten Auszeit brauche und einen großen Kaffee genießen mag.

Was gefällt Dir am Leben als Großfamilie am Besten? 

Marathon-Kekse-Backen zur Weihnachtszeit. 

Das Leben in einer Großfamilie ist einfach toll: Bei uns hilft hier jeder jedem, mal mehr oder weniger. Am schönsten sind für mich Feste wie Ostern, Geburtstage und Weihnachten,wie sich jeder mit dem anderen freut, was er bekommen hat und eigentlich fast keiner meckert, wenn mal der eine was Größeres bekommt.

Bei uns ist das so geregelt, dass jedes Kind zum Geburtstag oder Weihnachten mal (Jahr um Jahr) etwas Größeres bekommt, als der Rest der vier Kinder. Für mich, als Mutter mit schlechter Kindheit, haben gerade diese Tage eine große Bedeutung und ich mache viel möglich, um den Kindern alles zu geben, was nur geht. Manchmal ist es aber eben knapp und da kann es kein neues Smartphone sein, sondern nur ein gebrauchtes, was ich mit Hilfe einer Twitterfreundin bekommen habe.  Da unterstützen uns auch einige hinter den Kulissen.

Wer unterstützt Dich im Alltag?

Unterstützung bekommen wir nicht wirklich viel. Ich habe ja keine Eltern mehr, vom Gatten sind die Eltern geschieden und haben jeweils neue Partner. Wer aber immer da ist, wenn es möglich ist, ist die Mutter meines Gatten. Das ist eine ganz Knuffige und ohne sie würden wir manchen Kita-Streik oder Krankheit der Kinder nicht überstehen.

Sie nimmt uns viel ab, wenn es Ihr Kalender zulässt. Auch als Rentnerin (65) hat man so seine Termine bei der Fußpflege, Friseur und solche Dinge. Diese werden auch gern mal für die Enkel umgeschrieben. Heute erst stand sie vor der Tür und hat Kind 4 plötzlich zum „Parkeisenbahn fahren“ abgeholt, einfach so. Manchmal wünschte ich mir schon etwas mehr an Unterstützung aus der Familie, bei uns gibt es leider auch welche, die nur anrufen, wenn sie etwas wollen. Das stimmt mich sehr oft traurig. Es gibt auch Familienmitglieder, die einfach mal Geburtstage der Kinder vergessen und es geht ja nicht immer um Geschenke, sondern der Anruf, oder die Karte zählt, also der Gedanke.

Was funktioniert bei Euch als Großfamilie so gut, dass Du Dich zu einem Tipp für andere Eltern hinreißen lassen könntest?

Einen Tipp an andere Eltern von uns als Großfamilie hab ich eigentlich nicht, außer: „Liebe Eltern, schließt Eure Lieblingschoki ein, kommt Ihr nach Hause, könnte sie weg sein“. Wir sind so, wie wir sind. Wir wachsen mit unseren Aufgaben und das Tag für Tag. Es darf auch gern mal Chaos zu Hause sein. Wem es nicht gefällt, für den hat der Maurer ein Loch gelassen: Das nennt sich Tür.

Danke für die Antworten und die Bilder, Viktoria. 

Nächste Woche in den Familienrollen: Helge berichtet von seinen Sternenkindern und dem unerfüllten Kinderwunsch. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mal an fruehesvogerl@gmail.com. 

Kultur mit Kind, Meinung

Internetplüsch und Realität / Elternblogger, Hebammen und Geborgenheit

An manchen Tagen ist mir zu viel Plüsch in meiner Facebook-Timeline, und ich will nicht jeden Brief lesen, den eine Mutter an ihr Kind schreibt. Ich finde es übertrieben, wenn Mütter immer wieder beteuern, wie gerne sie stillen und die Wichtigkeit einer glücklichen Kindheit angepriesen wird.

An manchen Tagen will ich das nicht ständig lesen, weil ich es für selbstverständlich halte. An manchen Tagen nehme ich auch meine Umwelt so wahr.

Heute ist keiner dieser Tage. Im Wartezimmer des Arztes schaukelt ein Kind. Der Vater sagt, wenn es nicht sofort sanfter schaukelt, fängt es eine. Die dazugehörige Mutter lamentiert laut, dass es auch wirklich jeder hört, dass die Tochter bitte heute Nacht ja nicht wieder ins Bett machen soll. Wie gestern. Am Rande sitzt ein Mädchen und spielt mit einem Handy: Sie ist eins.

Im Supermarkt schreit eine Frau, dass sie ihre drei Kinder nie wieder mit in den Supermarkt nehmen wird, wenn sie nicht sofort still sind und zerrt hektisch an ihnen.

Mag sein, dass die Leute sonst ganz anders sind und und nur an manchen Tagen so drauf sind. Das wäre schön. Diese Begegnungen machen mir aber deutlich, dass eine Timeline wohl nie genug Plüsch haben kann, wenn es so viele potenzielle Leser da draußen gibt.

Nach wie vor werde ich nicht jedes liebe Wort lesen, das sich im Internet findet, aber ich hoffe ganz stark, dass manche Leute zur richtigen Zeit darauf stoßen.

Und vor allem hoffe ich, dass Blogs wie Geborgen Wachsen und Von guten Eltern, die sich über das normale Maß hinaus mit Themen wie einem liebevollen Miteinander beschäftigen, weiter wachsen.

Nicht an manchen Tagen. Sondern an jedem. Der Bedarf ist da, durch eine plüschige Timeline darf man das nicht vergessen.

Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Ein Buch über Zwillinge

Als Kind kannte ich zwei Zwillingspärchen. Beides Mädchen. S. und P. waren ein Jahr älter als ich. T. und D. zwei Jahre jünger. Gefesselt haben mich beide. Weniger wegen ihrer offensichtlichen Ähnlichkeiten, das Trennende hat mich mehr fasziniert.

Gutes Buch und guter Schokoriegel. 

So sahen S. und P. völlig identisch aus, mit dem kleinen Unterschied, dass eine immer gelächelt hat und die andere immer etwas griesgrämig durch die Gegend schaute.

T. und D. sahen sich auch sehr ähnlich, nur dass eine davon viel dunkler war als die andere.

Das Phänomen Zwillinge interessiert auch die Zauberschreiberin Mara Braun. In „Unzertrennlich“ hat sie zwanzig Geschichten von Zwillingen versammelt. Sie erzählt eine berührende Geschichte von einem sehr alten Zwillingspärchen, die im Alter wieder zusammengezogen sind, und wie eine mit der fortschreitenden Demenz-Erkrankung ihrer Schwester umgeht.

Berichtet von zwei Schwestern, die sich beide gegen Kinder entschieden haben, weil sie in der Schwester schon das Ebenbild haben. Zwei Brüdern die zum gleichen Zeitpunkt – unabhängig voneinander – ihre Berufung fanden und von einer jungen Mutter, die neben Freude auch etwas Überforderung mit den gewünschten Zwillingen verspürt. Und weil Mara, nicht nur Zauberschreiberin ist, sondern auch noch Journalistin, gibt es dazwischen jede Menge Fakten.

Liest sich wunderbar. So wunderbar, dass ich glatt zwei U-Bahn-Stationen weitergefahren bin, als ich musste. Und nun auch wieder öfter an die beiden Zwillings-Mädchen-Pärchen meiner Kindheit denke. Und über Verbindungen zwischen Menschen, darum geht es in dem Buch nämlich vordergründig.

Und wie viele Zwillingspärchen kennt Ihr?

Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Eine Wippe und ein Sofasessel / Produkttest Baby Björn

Als ich mit der Babywippe ankam, war mein Mann skeptisch: Ob die nicht einfach nur im Weg steht? Ein Irrtum, wie sich herausstellte: Als unser Sohn noch zu klein für den Hochsitz war, konnte er in der Wippe bereits manchen Besuch in schöner Höhe bestaunen und nicht zu vergessen: dieses beruhigendes Schaukeln. Die Wippe begleitete uns ein halbes Jahr lang zu jedem Ausflug: ob Urlaub, Kaffeehaus oder Freundebesuch. Und natürlich fand auch immer jeder den Aufdruck auf unserer Wippe niedlich: Baby Björn. Wie der Vater: nur ohne Baby.

Das beruhigende Schaukeln hob nahezu immer die Stimmung und auch der Spielebogen wurde mehr und mehr begeistert wahrgenommen. Und es war auch wesentlich komfortabler als eine Babyschale, in der ich viele Kinder sitzen sah.

Erst als das frühe Vogerl ins sitzende Alter kam, und wir die Beruhigungen auch gut mit Streicheln und Tragen vornehmen konnten, geriet die Wippe ein bisschen in Vergessenheit. Als eine liebe Freundin von mir Mutter wurde, und sehr viel aus dem Freundeskreis zur Verfügung gestellt bekam, war klar, was wir beisteuern: unsere Wippe.

Nun hat Baby Björn neue Wippen heraus gebracht, und als ich kürzlich von einer anderen Freundin hörte, dass ihre zweijährige Tochter gerne in der Wippe abhängt, wollte ich es wissen, ob wir auch unseren Sohn noch dafür begeistern können und wir haben die neue Baby Björn Wippe Balance Soft getestet.

Das neue Design gefällt mir besser. Und der Jersey-Stoff scheint leicht zu reinigen. Und wie auch der Vorgänger begeistert uns Eltern gleich das Design: Einfach und klar. Ohne viel Plastik. Und Bewegung kommt nur durch das Kind, oder eben durch die Eltern rein. Kein nerviger Batteriebetrieb oder viel Klimbim, dass ablenkt.

Der Spielebogen, der sich an der Wippe anklipsen lässt, ist schön bunt und erweckte sofort die Aufmerksamkeit vom frühen Vogerl. Und er schien sich noch zu erinnern, dass er gemütliche Zeit in einem ähnlichen Modell verbracht hat. Frohen Mutes setzte er sich rein. Machte es sich bequem wie in einem Sofasessel und wirkte ganz glücklich. Also alles toll. Eigentlich.

Problematisch wurde es bei den Wippbewegungen: Denn unser Sohn fand es zwar sehr komfortabel in der Wippe, war aber eindeutig zu groß dafür. Er stand nur minimal drüber, aber beim Wippvorgang, ließ es sich nicht mehr verleugnen: Er war eindeutig zu schwer, um dem Ding den nötigen Schwung zu geben.

Für die Babyzeit würde ich die Wippe immer wieder empfehlen. Vor allem auch für Großeltern, die Eltern gerne einen Dienst erweisen wollen. (Im Zweifel: Natürlich immer fragen.)

Allerdings ist ein Kauf für Kinder ab eineinhalb, meiner Meinung nach, nicht wirklich ratsam, da nicht alle Funktionen voll genutzt werden können.
Das frühe Vogerl hat jetzt aber einen Sofasessel, und kleinere Besucher können sich über ein ergonomisches Teil freuen.

Die braune Babywippe – oben im Bild – war unser Erwerb im süßen Baby Alter des Frühen Vogerls. Das hellere Modell wurde uns von Baby Björn freundlicherweise zur Verfügung gestellt, unsere Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Kultur mit Kind, Nachgefragt

„Ich möchte unbedingt, dass die Kinder sehr gut Deutsch lesen und schreiben können.“ / Kultur mit Kind Expat London und Hong Kong

Heute erzählt Uta (BerlOndon-Mama) im Kultur mit Kind-Interview von ihrem Leben als deutsche Familie in London, wie sie mit Heimweh umgeht, womit sie in London oft aneckt und welche Entscheidung ein Mann, wenn die Familie ins Ausland geht, seiner Frau überlassen sollte.

Mit Eurem großen Kind habt Ihr schon in Hongkong gelebt, nun seid Ihr als vierköpfige Familie in London. Wie ist es dazu gekommen, und vor allem wie gefällt es Euch nun in London? 

Für mich war von Anfang an klar, dass unser Hong Kong Aufenthalt ein „vorübergehender“ sein würde. Mir war Hong Kong geografisch, klimatisch und kulturell einfach zu weit weg und die Zeitverschiebung, um nach Hause zu Telefonieren, hat mich total genervt.

Als wir uns entschieden haben, aus Hong Kong wegzuziehen (oder sollte ich sagen: als ich endlich meinen Mann überzeugt hatte, dass wir nach zwei Jahren lange genug in Hong Kong waren), standen für uns eigentlich nicht viele Städte zur Auswahl.

Nach Frankfurt wollten wir beide nicht zurück, obwohl es uns dort sehr gut gefallen hat.

Emotional und für meinen Mann auch beruflich wäre das irgendwie ein „Rückschritt“ gewesen. In Europa blieb dann außer London nicht mehr viel, weil er als Bankangestellter an die großen Finanzmetropolen gebunden ist. Aber das war auch ok. Ich hätte zwar auch nichts gegen Berlin gehabt, sehe aber auch ein, dass das derzeit noch nichts wird.

In London gefällt es uns sehr gut und wir planen sicher, mindestens fünf Jahre zu bleiben. London ist an sich ja schon sehr international, was mir gut gefällt. Und wo wir leben, gibt es auch viele Deutsche, was ich wirklich nett finde.

Ich finde es zumindest derzeit auch einfach spannend im Ausland zu leben, weil man mit viel offeneren Augen durch die Gegend läuft als in seinem Heimatland, wo man alles aus dem „FF“ kennt.

Es ist einfach toll, dass meine beiden Mädels (2 und 5) jetzt zweisprachig aufwachsen, wobei ich immer wieder über den britischen Akzent der Großen lachen muss! Ich weiß, dass sie mit dem Englisch, dass sie hier lernt, vor 20 Jahren in meiner Englisch-Klasse ausgelacht worden wäre, weil es sich einfach für den normal-sterblichen-Deutschen übertrieben anhört.

Wenn wir einmal nach Deutschland zurück ziehen, werde ich mich bei der Schulsuche auf jeden Fall informieren, welches Englisch (Britisch oder Amerikanisch) in der Schule gesprochen wird. Im Zweifelsfall müsste sie sonst auf eine Britische Schule gehen. Zum Glück befindet sich die Berlin-British-School aber ganz in der Nähe meiner Eltern, wo es uns sicher hinziehen würde, wenn wir nach Berlin ziehen würden.

Ihr seid wegen des Jobs Deines Mannes umgezogen. Wie sieht Euer Alltag dort aus? 

Ich arbeite erst seit sechs Monaten wieder. Davor habe ich nach der Großen und nach der Kleinen mal mehr, mal weniger an meiner Doktorarbeit „rumgedoktert“. Letztendlich habe ich mich aber entschieden, diese erst einmal auf Eis zu legen und mir wieder einen „richtigen Job“ zu suchen. Nach 4,5 Jahren „nur zu Hause“ wurde es für mich Zeit, mal wieder raus zu kommen.

Wir haben nun ein deutsches AuPair, dass die sehr wichtige Aufgabe übernimmt, den Alltag mit den Kindern auf Deutsch zu gestalten. Meine Große ist kürzlich mit vier Jahren eingeschult worden und ist jetzt bis nach 15 Uhr in der Schule. Die Kleine hat nun auch gerade mit zwei Kindergartentagen die Woche angefangen. Ich arbeite nur vier Tage, so dass ich einen Tag mit der Kleinen und diesen einen Nachmittag auch mit der Großen verbringen kann. Soweit läuft es eigentlich ganz gut in unserem Alltag, auch wenn ich mit 10 Stunden an meinen Arbeitstagen schon sehr lange aus dem Haus bin.

Über die Einschulung meiner Großen habe ich mir keine Sorgen gemacht, weil sie ein wahnsinnig kontaktfreudiges Kind ist und sehr schnell Anschuss findet. Und sie spricht Englisch auch schon beinahe auf Muttersprachler-Niveau (in dem Alter gibt es ja sowieso noch größere Abweichungen nach unten und oben).

Beim Kindergartenstart der Kleinen habe ich mich schon gefragt, ob sie die Erzieherinnen überhaupt versteht! Sie ist zwar auch schon in London, seit sie vier Monate alt ist, allerdings ist sie auf einer „Deutschen Insel“ aufgewachsen: Wir – und zum Glück auch die Große – sprechen ausschließlich Deutsch mit ihr. Und wir besuchten eine deutsche Spielgruppe und einen deutschen Musikkurs.

Am Wochenende habe wir uns auch öfter mit deutschen Freunden getroffen. Deshalb war ich mir unsicher, in wie weit sie Englisch versteht. In der zweiten Woche habe ich zur Sicherheit mal die Kindergärtnerin gefragt. Aber sie meinte, dass meine Kleine alles versteht und auch Englisch spricht! Ich weiß zwar nicht, welche Worte das außer „My turn“ und „Dinner-Winner“, die unser altes AuPair zu Hause eingeführt hat, sein sollen, aber ok. Sie wird schon schnell Englisch lernen und eigentlich habe ich bei der Kleinen eher die Sorge, dass sie vielleicht keine große Motivation hat, richtig Deutsch sprechen zu lernen!

Wie sehr integriert Ihr die andere Kultur in Euren Alltag und was an Euch empfindest Du als typisch deutsch? 

Was mir bei den britischen Kindern unserer Gegend besonders stark auffällt ist, dass sie alle sehr gute Manieren haben. Die „British Politeness“ eben. Das erlebe ich so nicht unbedingt bei den deutschen Grundschülern im Berliner Westend. Wobei das ja eher noch ein Berliner Stadtteil ist, wo man zumindest etwas wohlerzogeneren Kindern erwarten könnte.

Überhaupt ist die Politeness etwas, an das ich mich gewöhnen muss. Ich bin eher immer vom Typ: Frei-heraus! Und wenn meine Kinder irgendwelchen Mist machen und mich auf die Palme bringen, dann „mecker“ ich eben auch mal bei Bekannten über sie. Das würden die Briten nie machen. Und überhaupt muss man hier manchmal vorsichtig sein mit dem, was man sagt. Kritik äußern kommt zum Beispiel gar nicht gut an.

Hier muss man alle mit sanften Pfötchen anfassen und wehe, man sagt was Schlechtes. Auch nicht im Job. Die BBC hat mal eine Reportage mit dem Titel „How to become a German“ gezeigt. Das war ganz interessant, denn so „merkwürdig“ die Briten das Verhalten der „Deutschen“ manchmal empfinden, so sehr schätzen sie aber doch das Ergebnis am Ende des Tages. Bei uns ist halt vieles direkter und es wird nicht erst ewig um den heißen Brei geredet und ein Meeting mit Small-Talk eingeleitet. Bäm-Bäm-Fertig! So sollte das meiner Meinung auch sein.

Aber es gibt auch schöne klassisch „Britische“ Dinge: Wir essen gerne morgens auch mal den klassischen Porridge, freuen uns darüber, dass der Rasen so schön grün ist und die Gummistiefel-Auswahl wirklich wahnsinnig groß ist :-). Dadurch, dass London so multi-kulti ist, haben wir mit sehr offenen Briten zu tun, die vielleicht ihre Traditionen durch den engen Kontakt zu „Auswärtigen“ auch schon etwas unter den Teppich kehren. Wenn man mal aus London raus fährt, wird man schon viel mehr beäugt und mit größerer Skepsis behandelt. Von daher bin ich ganz froh darüber, dass wir da leben, wo wir leben.


Als Österreicherin, die in Berlin lebt, zieht es mich alle paar Monate in meine alte Heimat: Die Familie und auch Teile der Kultur. Wie geht es Dir da mit Deutschland? 

Wie man am Namen meines Blogs schon erkennen kann, bezeichne ich mich als Mama, die zwischen Berlin und London lebt. Ich habe vier Schwestern und einen Bruder, von denen bis auf eine Schwester alle in Berlin leben. Meine Eltern natürlich auch und zwar zusammen mit einem großen Heimtierzoo. Dieser zieht insbesondere meine Kinder an und auch ich genieße sehr unsere regelmäßigen Heimatbesuche.

Je nachdem, was ansteht, sind wir sicher drei-sechs Mal im Jahr in Berlin. Jetzt wird das natürlich alles etwas komplizierter, weil ich halt wieder arbeite und weil wir nun an die Schulferien der Großen gebunden sind. Aber zum Glück ist es ja jetzt im Gegensatz zu unserer Zeit in Hong Kong wirklich ein Katzensprung und so lohnt es sich im Zweifel auch mal, wenn man nur für ein paar Tage nach Hause fährt.

Berlin ist und wird für mich immer mein zu Hause sein und ich hoffe, dass wir irgendwann auch mal mit den Kindern dort leben werden. Wobei ich ein wenig befürchte, dass wir hier zwei kleinen „Weltbürger/bummler“ ranziehen, die es später selbst in die weite Welt ziehen wird. Eine Sache ist mir jedenfalls sehr wichtig: Ich möchte unbedingt, dass die Kinder sehr gut Deutsch lesen und schreiben können. Im Notfall müssen sie in die Deutsche Schule in Richmond /Westlondon gehen. Ich möchte mir später jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie nicht in Deutschland leben/studieren können, weil wir es verpasst haben, ihnen das Lesen und Schreiben beizubringen!

Ihr seid auf unbestimmte Zeit in London, aber irgendwann möchtest Du zurück nach Berlin. Wie bereitest Du Deine Kinder auf diese mögliche Rückkehr vor?

Das muss ich bisher ja noch nicht. Zumindest zur Zeit sehe ich da überhaupt keine Probleme, sollte es mal soweit sein. Es ist eher so, dass wir sie schwer wieder nach London bekommen, wenn unsere Berlin-Besuche zu Ende gehen. Sie sind einfach so gerne bei meinen Eltern, den ganzen Tanten und Onkeln und den zwei Cousins und zukünftig auch zwei Cousinen. Manchmal frage ich mich, was wir den Kids damit antun, sie nicht dort aufwachsen zu lassen, wo sie es sich eigentlich wünschen würden. Aber wenn wir dann wieder in London sind, gefällt es ihnen auch wirklich gut. Und das Schöne ist, dass der nächste Flug in der Regel ja auch schon wieder fest gebucht ist.

Was machst Du gegen Heimweh?

Heimweh habe ich eigentlich seit wir in London sind gar nicht gehabt. Natürlich vermisse ich es, dass ich nicht alles zu Hause mitbekomme und da hilft auch der Whatsapp-Familienchat nicht.

Aber da ich hier wirklich zu jeder Tageszeit zum Telefon greifen kann und jemanden zu Hause erreiche (was in Hong Kong halt nicht der Fall war), ist das für mich ziemlich ok. Ich freue mich immer sehr auf unsere Berlinbesuche und darauf, meine beiden Neffen live zu erleben. Natürlich auch darüber, den Rest meiner großen Familie zu sehen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Da diese Besuche im Moment halt noch recht regelmäßig reinpassen, kommt bei mir kein Heimweh auf.

Die Kinder haben allerdings schon öfter mal eine „Art Heimweh“ und sagen, dass sie nach Berlin wollen. Und sind nach der Rückkehr nach London erst einmal ein paar Tage durch den Wind und sind super vorfreudig in den Tagen, bevor wir heimfahren.

Was empfiehlst Du anderen Familien, die planen ins Ausland zu gehen? 

Mein wichtigster Tipp, den ich aus den beiden Auslandsaufenthalten gelernt habe ist, dass wenn der Mann arbeiten geht, der Frau die ALLEINIGE Entscheidung überlassen werden sollte, wenn es um die Auswahl der Wohngegend geht! Der Mann findet sehr schnell Anschluss im Büro und sein Leben geht sowieso schnell den „geregelten“ Weg. Wenn sich die Frau allerdings in der neuen Umgebung nicht wohl fühlt, keinen Anschluss findet und nur zu Hause sitzt, hat keiner was davon. Zum Glück hat mein Mann das ähnlich gesehen und einen längeren Commute in Kauf genommen, damit es uns gefällt, wo wir leben.

Natürlich sollte insbesondere mit Kindern ein Auslandsaufenthalt gut geplant sein und man sollte sich zumindest etwas auskennen, was das Schul- und Gesundheitssystem angeht, wie hoch die Lebenshaltungskosten sind, wie sicher das Land ist, Passwesen, Steuern, Sozialsystem, etc. Auch sollte man sich vorher Gedanken darum machen, wie man mit Heimweh umgeht, wenn das auftreten sollte, und welche Rückkehr-Optionen es gibt. Mit schlimmem Heimweh ist nicht zu spaßen (ich habe erst neulich von einer Bekannten gehört, dass sich eine Mutter von drei Kindern, die vorher in unserer Londoner Gegend gewohnt hat und eine „Bilderbuch-Familie“ hatte, nach Hong Kong gezogen ist und sich dort von einem Wolkenkratzer gestürzt hat – schwere Depressionen. Furchtbar, dass das keiner gemerkt hat.

Ansonsten würde ich Mamas immer empfehlen, Mitglied in den verschiedensten Facebook-Gruppen zu werden: „Expats in Hong Kong“, „SW19 Mums“, „Deutsche in London“, und wie solche Gruppen nicht alle noch heißen. Das hat mir in Hong Kong und in London sehr viel weitergeholfen und ich hatte schnell andere Familien kennen gelernt. Kinderkurse und Spielplätze sind auch immer super, um Anschluss zu finden. Wenn die Mama sich wohl fühlt, fühlen sich die Kinder wohl und das ist definitiv schon mehr als die halbe Miete,

Vielen lieben Dank für das Interview, Uta.

Die Bilder wurden freundlicherweise von Uta zur Verfügung gestellt.

Alltag, Kultur mit Kind

Kaffee zählen, oder das Ende der Elternzeit naht / 12 von 12

Unseren Alltag gibt es immer am 12. des Monats in 12 Bildern. Auch der 12. Oktober ist so ein Tag. Ein 12.ter, der ein bisschen anders sein wird, als die folgenden.

In Berlin ist schon der Winter. Zumindest am Morgen. 
Das zweite Frühstück. 
Kaffee, Nummer Zwei. 
Mittags alleine zuhause: Schnelle Küche. 
In der KITA ist Trödel: Ich bringe Bücher. Große Überraschung. 
Am Sonntag haben wir Bilder montiert. Heute wurden sie demontiert. 
Abends kriegen wir Besuch. Einkaufskontrolle. 
Der Grund, warum es heute so viele Bilder gibt. 
Vater-und-Sohn-Vorfreude. 

Wir kochen. 
Wein gibt es auch. 
Und richtig toll: Der Besuch bringt Blumen mit. 

Beim nächsten 12 sieht der Alltag schon anders aus. Meine Elternzeit endet. Und neben unserem Alltag bin ich dann immer noch vier Stunden in meinem alten Büro. 
Mehr Bilder gibt es wie immer bei Draußen nur Kännchen