Alltag, Kultur mit Kind

Blogger-Treffen, Basteln und Blumen / Unser Wochenende in Bildern vom 10. bis 11. Oktober 2015

Dieses Wochenende hatten wir vor, es ganz ruhig angehen zu lassen. Außer einem, der ist deshalb, sportelnderweise, etwas seltener im Bild. 
Wir starten mit einem Wochenendeinkauf: eines der beliebtesten Produkte bei uns wird sogleich verspeißt. 
Kaffee Nummer 2: Ich versuche aus meinen Fehlern von Freitag zu lernen und nicht mehr als 4 zu trinken. 
Die Nachmittagsjause fällt spärlich aus. Wir wollen später noch Kuchen essen. 
Zuvor geht es aber noch Bilder ausdrucken. 
Das Lieblingsstück in Pankow hat Bobby-Cars: Sehr beliebt. 
Die coole Lady – links im Bild – ist miniberlin von familieberlin. Es war sehr schönes Treffen. Mir sind die kleinen Blogger-Treffen ja die liebsten. Eine echte Blogger-Idiotie ist übrigens: Von diesen beiden Wesen tatsächlich nur ein Bild von hinten zu machen. 
Und am Ende des Tages gehen wir gleich noch mal einkaufen. 
Sonntagmorgen beginnen wir damit die frisch gedruckten Bilder zu rahmen. 
Der Vater – etwas k.o. vom Sportlertrip vom Vortrag – und der Sohn kümmern sich um die Montage. 
Mittags gibt es Tomate Mozarella. 
Während 75 Prozent der Bewohner schlafen, kümmere ich mich ein bisschen um den Blog. 
Und bastle ein bisschen. Der Kindergarten möchte, dass jedes Kind einen Spiegel mit Bildern beklebt hat, wenn plötzliche Familiensehnsucht kommt. Leider bin ich nicht gerade gut im Basteln. Ich scheitere zum Beispiel am „Gerade-Schneiden“. 
Während mein Mann also das Ding fertigstellt, trinke ich Kaffee auf der Terrasse. 
Und stelle mal wieder fest: Supermarkt-Blumen sind recht schnell ein wenig trostlos. 
Dieser Pudding sieht irgendwie echt eklig aus. Schmeckt aber sehr gut, wenn man die Vanille-Sauce weglässt. 
Ab 17 Uhr wird der Wiener Wahlkrimi immer spannender. Dort wurde nämlich heute gewählt, und ersten Hochrechnungen zu Folge hat die FPÖ (Gruselpartei Österreichs) nicht gewonnen: Erleichterung.

Und wie war Euer Wochenende so? Auch so gemütlich wie unseres?

Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen.

Familienrollen

Plötzlich lesbisch: Mutter von zwei Kindern im Familienrollen-Interview

In den Familienrollen erzählt Stefanie, wie ihre Familie reagiert hat, als sie sich plötzlich in eine Frau verliebt hat und welche Konsequenzen sich für sie daraus ergeben. Außerdem: Aus welcher unerwarteten Ecke sie mit Vorurteilen zu kämpfen hat.

Auf Twitter bin ich auf Dich gestoßen, als Du vor einigen Wochen geschrieben hast, dass Du Dich immer für Homosexuelle eingesetzt hast, ohne zu ahnen, dass Du mal selbst betroffen sein könntest.  Du hast eine Familie und Dich in eine Frau verliebt: Wie gehst Du damit um? 

Im Nachhinein betrachtet gab es schon früher immer wieder mal Anzeichen. Ich war schon hin und wieder verliebt in eine Frau, war aber der Ansicht, dieser seltsame Faszination läge eine psychische Besonderheit meinerseits zugrunde. Ich nannte es scherzhaft „Freundschafts- oder Psychomacke“.

Meine aktuellen Gefühle für die Frau, die mir unabsichtlich die Augen geöffnet hat, gaben mir sehr viel zu denken. Sie kamen einher mit einer sich fast unbemerkt einschleichenden Ehekrise.  Es dauerte ein gutes Jahr mit vielen Zweifeln, bis ich mich zunächst meinem Mann gegenüber und kurze Zeit später bei ihr, meiner besten Freundin, öffnete.

Ich begriff mich zuerst als bisexuell. Momentan bin ich mir nicht sicher, ob ich nicht doch lesbisch bin. Fakt ist, dass ich nach all den neuen Erfahrungen der letzten Zeit vieles für möglich halte. Auch, dass ich mich irgendwann eventuell mal wieder in einen Mann verlieben könnte.

Laut Definition bin ich somit bisexuell. Seit ziemlich langer Zeit ist mir jedoch kein Mann über den Weg gelaufen, mit dem ich mir mehr als eine freundschaftliche Beziehung vorstellen könnte.
Das Schubladendenken fällt mir daher schwer, zumal ich es für überflüssig halte. Allerdings sind mir besonders aus homosexuellen Kreisen viele Menschen mit Vorurteilen, Misstrauen und Ablehnung begegnet. Das hätte ich von einer Minderheit, die selbst mit Diskriminierung zu kämpfen hat, nicht erwartet.

Die Frau ist heterosexuell und erwidert Deine Liebe nicht, aber Du ziehst die Konsequenzen aus Deinen Gefühlen. Wie hat Dein Umfeld drauf reagiert? 

Mein Mann nahm mein Outing als bisexuell zunächst recht gelassen.Als dann aber mein Bedürfnis, mit einer Frau zusammen zu sein, für uns beide spürbar stärker wurde, zog eigentlich zunächst er als Kopfmensch die Notbremse. Wir einigten uns dann darauf, uns zu trennen.

Meine Freundin, der ich meine Liebe gestanden hatte, war nicht überrascht. Auf mein Outing hin erwiderte sie nur, sie wisse schon seit einem Jahr, dass ich sie sehr lieben würde, und sie fände es gut, dass ich jetzt endlich mit der Sprache herauskäme. Wir sind immer noch sehr eng befreundet. Es ist nicht leicht für mich, mit der nicht erwiderten Liebe umzugehen. Aber sie als Freundin zu verlieren wäre ein riesiger Schmerz für mich. Wir reden sehr offen auch über intime Dinge und ich achte darauf, nicht versehentlich Grenzen zu überschreiten.

Meine Familie hat mit meiner Orientierung zu kämpfen. Besonders meine Mutter braucht wohl noch einige Zeit, um das zu verarbeiten. Gelegentlich bricht sich ihre Traurigkeit Bahn und sie macht mir Vorwürfe. Sie hätte sich gewünscht, ich hätte meine Neigung früher erkannt, vor der Familiengründung. Und sie versteht nicht, warum ich diese Form der Sexualität (es ist aus meiner Sicht viel mehr als das) nicht unterdrücke, sondern „ausleben muss“.

Ich habe einige Freunde, die zwar überrascht sind und denen es leid tut, welcher Schmerz und welche Veränderungen damit verbunden sind. Sie sind allesamt sehr offen, sprechen mit mir oder auch mit meinem Mann darüber und unterstützen uns.

Der Weg vom inneren Outing bis zur Konsequenz der Trennung war schmerzhaft und holprig.
Zunächst wollte ich wohl nicht wahrhaben, was ich innerlich schon wusste: es werden riesige, grundlegende Veränderungen stattfinden müssen.
Ich hatte zwei Nervenzusammenbrüche innerhalb einer Woche und ging letzten Endes aufgrund von Selbstmordgedanken zum Arzt. Der wies mich aufgrund einer depressiven Episode und Anpassungsstörung in eine psychosomatische Rehaklinik ein, in der ich sieben Wochen lang behandelt wurde. Während dieser Zeit konnte ich mich sortieren, einiges aufarbeiten, erste Erfahrungen mit Outings machen. Dieser Aufenthalt hat mir das Leben gleich in mehrfacher Hinsicht gerettet, davon bin ich überzeugt.
Als ich wieder nach Hause kam, erfolgte dann bald die einvernehmliche Trennung. Das alles so zu akzeptieren war die schwierigste Aufgabe, und daran arbeite ich phasenweise noch immer.

 Was erzählst Du Deinen Kindern und wie gehen diese mit der veränderten Situation um? 

Meine Kinder sind 4 und 1,5 Jahre alt. Viel erklären kann ich ihnen da noch nicht. Ich mache aber kein Tabuthema daraus. Meine Hoffnung ist, dass sie ganz selbstverständlich damit aufwachsen werden.

Wie wird sich Euer Alltag in Zukunft ändern?

Die Kinder werden bei meinem Mann leben. Ich bin ich chronisch gesundheitlich angeschlagen und er hat das stärkere soziale Netz. Zudem bleiben sie dann in ihrem gewohnten Umfeld, können im Haus wohnen, in ihre KiTa gehen. Unser Plan war ursprünglich, dass ich mir im gleichen Dorf eine Wohnung suche, die Kinder auf diese Weise fast täglich sehen und ihren Vater unterstützen kann. Das mit der Wohnung hat nicht geklappt; ich werde nun doch etwa 20 Minuten Fahrtzeit haben.
Wir stellen es uns so vor, dass ich die Kinder jeden Nachmittag von der Kita abhole und sie betreue, bis mein Mann Feierabend hat und eventuelle Besorgungen erledigt hat. Auch werde ich der Babysitter der ersten Wahl sein, wenn er mal etwas vor hat. Wir möchten auch kleine Rituale einführen, zum Beispiel einmal pro Woche gemeinsam Essen.

Es ist in dieser Situation die optimale Lösung. Das zu akzeptieren fällt mir trotzdem schwer.
Mich von meinen Kindern, die doch noch so klein sind, schon so weit zu lösen, zerreißt mich innerlich. Ich habe Ängste, dass ich nach der Trennung weniger zu ihnen gehören werde. Dass sie sich von mir nicht geliebt fühlen, mich eines Tages für diese Entscheidung verachten werden. Auch von Außenstehenden, Familienmitgliedern wie Fremden, werde ich teilweise verurteilt. Das tut mir sehr weh und ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass ich diese Entscheidung nicht alleine getroffen habe und dass sie im Sinne der Kinder fiel.

Was wünscht Du Dir, für Dich selbst, und für Deine Familie in Zukunft?

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es mir gelingt, sowohl das Verhältnis zu meinen Kindern stabil und eng zu gestalten als auch mein Leben neu aufzubauen. Ich wünsche mir ein freundschaftliches, unbelastetes Verhältnis zu meinem Noch- Ehemann und seiner Familie. Und ich wünsche uns beiden, dass wir mit jeweils neuen Partnerinnen glücklich werden, mit denen auch die Kinder gut auskommen.
Das sind eine Menge wichtige Wünsche. Ich schätze, dafür muss ich noch eine ganze Weile in den Himmel schauen und auf Sternschnuppen warten. Und natürlich werde ich aktiv alles dafür tun, was in meiner Macht liegt. Am Anfang steht die Akzeptanz. Vielleicht ist sie der schwierigste Schritt.

Danke für die Antworten und die Bilder, Stefanie. 

Nächste Woche in den Familienrollen: Viktoria berichtet aus ihrem Alltag mit fünf Kindern. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mal an fruehesvogerl@gmail.com. 

Familienrollen, Kultur mit Kind

„Hebammen sind ja keine esoterische Deko, sondern Fachfrauen mit wunderbarem, tiefem Wissen.“

Meine Geburtserfahrungen sind sehr gut: Einen großen Teil trug meine Hebamme dazu bei. Einer der Gründe, warum ich überhaupt nicht verstehen kann, warum in letzter Zeit auf Twitter vermehrt Frauen nach Alleingeburt schreien. Mir ist nicht klar, warum man bei so einer wichtigen Sache plötzlich glaubt, dass der Alleingang der richtige Weg ist. Die Hebammensituation in Deutschland spitzt sich zu, aber das scheint mir sicherlich nicht die Lösung.

Mit Saskia, vom Blog Essential Unfairness habe ich darüber gesprochen, wie die Geburten ihrer vier Kinder an ganz unterschiedlichen Orten verlaufen sind und wie sie zum Thema Alleingeburt steht.

Du hast vier Kinder geboren: Einmal im Geburtshaus, einmal zuhause, zwei Mal im Krankenhaus. Welche Erfahrungen hast Du dabei gemacht? 

Die Geburtshaus-Geburt: Meine erste Geburt begann am Abend des Tages ET+14. Am folgenden Tag hätte ich ins Krankenhaus gemusst, da es den Hebammen nicht erlaubt war, mich über 14 Tage nach dem Termin zu betreuen.
Im Geburtshaus hatte ich leider etwas Pech mit den Hebammen, die die Geburt unnötig verkomplizierten und „verschlimmerten“. (Am Ende ich wurde auch ohne Blutdruckmessen trotz höheren Blutverlusts nach Hause geschickt. Da kam ich dann so bleich an, dass eine sehr alte und besorgt aussehende Nachbarin mir aus dem Auto und über die Straße half.)
Dass es eine ambulante Geburt war, hat mir sehr gut gefallen – ich war gerne danach im eigenen Bett. Und produzierte in Ruhe den fehlenden Liter Blut nach …

Die Hausgeburt:  War sehr schön. Also so schön Geburten eben sein können. Ich vergesse nämlich nachher kaum ein Detail (liegt an diesem mistigen eidetischen Gedächtnis) und daher bezeichne ich Geburten nie als wunderschön und traumhaft. Bin ja auch nebenbei Realistin. Ich habe daran sehr schöne Erinnerungen und nicht nur angestrengte oder schmerzhafte. Daher war es eine schöne Geburt.

Ich wurde sehr gut betreut, das Kind kam termingerecht und in Begleitung der Hebamme, die mich während der Schwangerschaft wunderbar betreut hatte. Ich war zuhause, hatte alles das ich brauchte und entspannte danach erstmal. Auf dem Wohnzimmerfußboden (Geburtsort) und im Arm der Hebamme, zwischen uns das Baby. Mein Mann machte Tee und warf die zuvor frisch produzierte Wäsche in die Maschine. Das war alltäglich und wunderbar zugleich. Plazenta wurde aufbewahrt und später im Wald vergraben. Alles durch und durch natürlich und an sich sehr zeitlos.

Bei Kind Nummer 3 bin ich ins Krankenhaus zur Einleitung. Das war sieben Tage nach dem Termin und ich ließ die Geburt auf Wunsch einleiten. Ich hatte so viele Nächte vor lauter starker Vorwehen kaum noch geschlafen, war tags mit den beiden „Großen“ allein und am Ende. Aber Geburt war nicht in Sicht, wenngleich der Befund geburtsreif war – sonst hätte ich auch nicht anschubsen lassen.
Ich hatte vor, zwei Mal „primen“ zu lassen, also das wehenfördernde Gel zu bekommen. Wenn dann die Geburt nicht losgehen würde, dann behielt ich mir vor, weiter auszuharren. Hoffte aber schon, dass es anders käme.

Mit etwas Bammel vor einer klassischen Krankenhausgeburt harrte ich aus. Wehen kamen und ich blieb da. Es war aber viel angenehmer als ich es mir vorgestellt hatte. Und letztlich die sanfteste meiner Geburten. Ich war allein mit meinem Mann, die Hebamme kümmerte sich um eine „panische Erstgebärende“ und kam sich ab und an dafür entschuldigen, dass sie dauernd abwesend war, was ich nur mit einem zufriedenen Nicken beantwortete.
Abgedunkelter Kreißsaal und ich ganz entspannt. Ich sagte der Hebamme erst, dass ich sie brauche, als die Geburt 2 Minuten bevorstand. Die Hebamme war sehr nett und versiert.
Der Arzt war schrecklich. Er keilte beim Nähen seinen Arm brutal zwischen meine Beine und war ziemlich maulig. Er zumindest entsprach meinen Klischeevorstellungen.

Nummer 4s Geburt war sehr krass und zum ersten Mal im Leben wimmerte ich etwas von PDA. Die Hebammenschülerin war etwas überrollt von meinem krassen Schmerz (äh, genau wie ich …), reagierte aber sehr gut und erklärte, dass ab vier Geburten die Gebärmutter manchmal wahnsinnig aufdreht und irre Wehen produziere. Ich lernte daraufhin den nettesten aller Ärzte kennen, der mir einem ehrlichen Mitleidsgesicht nach der Untersuchung mitteilte: „Tut mir leid, aber für eine PDA ist es zu spät, da müssen sie jetzt leider so durch. Aber wir helfen ihnen. Wir sind alle da, um sie zu unterstützen. Zusammen schaffen wir das. Wir kümmern uns um alles – haben sie keine Angst.“

Welche Rollen haben die Hebammen bei Deinen Geburten eingenommen?

Bei der ersten Geburt fand ich den Einsatz der Hebammen überhaupt nicht gut und habe hinterher gedacht, im Krankenhaus hätte es „nicht schlimmer kommen können“. Die Haupthebamme hatte am folgenden Morgen Urlaub und trieb mich daher viel zu früh zum Pressen an. Ich will nicht allzu viele Details nennen, aber am Ende hatte meine Tochter ein (durch viel zu langes und heftiges Pressen verursachtes) Hämatom auf dem ebenfalls durch das Pressen deformierten Oberkopf und ich ein Geburtstrauma, das die folgende Geburt negativ beeinträchtigte. Und das Erste, das sie mir nach der Geburt sagte, war nicht: „Herzlichen Glückwunsch, endlich geschafft, hm?“ sondern ein dogmatisches „Der gebt ihr aber keinen Schnuller, ne?“

Bei Geburt Nummer Zwei war die Hebamme wunderbar. Sie hatte mich bereits bei der ersten Schwangerschaft betreut und war leider zum Geburtszeitpunkt (der ja 14 Tage nach ET war) in Urlaub und ich musste zu der anderen wechseln. Daher sicherte ich sie mir prompt für die geplante Hausgeburt, auf die sie sich sehr freute. Sie war einer großartige Begleitung und ich fühlte mich bei der erfahrenen Frau bestens aufgehoben.

Geburt Drei war ebenfalls von einer netten Hebamme gekennzeichnet, die mir aber völlig unbekannt war. Es war daher ganz anders als zuvor. Ich fand es gut, dass die „panische Erstgebärende da war“ und ich mit meinem Mann meine Ruhe hatte. Wir sind ein Geburtsteam und haben zwischen den wehen so unser Scherzchen gemacht. Das war sehr schön und irgendwie gemütlich. Die plötzlich kippende Atmosphäre, als die Geburt dann zum Ende kam und dieser unsägliche Arzt hereinpoltere, alles hell und ich aus meiner Stimmung gerissen wurde – das fand ich schrecklich. Klar hab ich mir gesagt, dass dies nun mal so die Klinikabläufe sind, aber ich fand sie dadurch nicht angenehmer.
Im Krankenhaus baut man ja vorher keine Bindung zur Hebamme auf und das merkt man natürlich auch. es sind halte Fremde, bei denen man hofft, dass sie zu einem passen und mindestens freundlich sind.

Geburt Nummer Vier war im Krankenhaus, weil man zwischenzeitlich eine leichte Hämophilie (Blutungsneigung) bei mir festgestellt hatte. Da darf einen dann keine Hebamme mehr alleine und ambulant entbinden. Obwohl ich nur bei der ersten Geburt viel geblutet hatte, sollte ich zur Sicherheit ins Krankenhaus.
Wieder war ich bei den beiden Hebammen sehr gut aufgehoben und auch der Arzt war klasse. Sie coachten mich alle dadurch und zwischendurch gab es little drama, weil die Herztöne stark abfielen und auch da blieben sie alle ruhig, obwohl ich merkte, dass Hektik angesagt war. Ich dachte nur „Bitte keine Sectio, ich tu ja alles“ und kurz danach war das Baby da.
Das Team war einfach Gold wert und der Arzt eben echt der Kracher, daher erwähne ich ihn als goldenes Beispiel, auch wenn Du nach Hebammen gefragt hattest:
Bei der Abschlussuntersuchung (ich hatte mich mal wieder vorzeitig entlassen) sagte er mit seinem deutlich hörbaren griechischen Akzent: „Sie taten mir so unendlich leid mit ihren krassen Schmerzen. Und ich wollte ihnen helfen, aber ich konnte nichts mehr tun, weil es das Baby sonst beeinträchtigt hätte. Sie haben das so toll gemacht, wir haben im Team heute noch darüber gesprochen und sie bewundert. Aber sie haben mir so leid getan. Man will immer helfen und wenn das nicht geht, schlimm …“ Und Achtung: Dabei hatte er ganz feuchte Augen. Falls ihn nun jemand heiraten will, nenne ich seinen Namen 😀

Wie stehst Du, als vierfache Mutter, zum Thema Alleingeburt?

Bei meiner zweiten Geburt hatte ich kurz darüber nachgedacht, die Hebamme nicht zu rufen und es alleine mit meinem Mann zu erleben. Ich lag in der Wanne und spürte, dass ich vor lauter Panik (wegen der ersten Geburt mit sehr schmerzhaftem Riss) innerlich verkrampfte. Ich dachte: Ich bleibe im Wasser, atme mal aus und dann traue ich mich. Mein Mann saß auf dem Klodeckel neben mit und ich traute uns das echt zu. Dann aber entschieden wir, die Hebamme anzurufen. Später, als ich ihr das Ganze erzählte meinte sie: „Ich wäre deprimiert gewesen, wer die Hebamme nicht ruft, hat kein Vertrauen in sie oder ihre Zunft.“ Bei mir wäre es vielleicht Letzteres gewesen, denn ihr vertraute ich.

Ich wollte einfach keinen da haben, der mich irgendwie unnötig quält, gegen meine (hinterher als richtig erwiesenen) Instinkte anquatscht und mich aus der „Geburtsmeditation“ holt. So nenne ich dieses tiefe Sich-Einlassen und Sich-Öffnen. (Das ist kein Fachbegriff.) Sobald man mich da rausholte, hatte ich Schmerzen oder Angst. War ich drin, habe ich auch in der Übergangsphase noch lächeln können. War ich raus, wurde es fies.

Ich vermute, das ist es, was Frauen zur Alleingeburt bringt: Misstrauen.
Vielleicht auch Abenteuerlust oder verklärte Ideen von naturalistischer Ur-Weiblichkeit. Danach kommt das Baby dann aber nicht in selbst gesponnene und genähte Leinenkleidchen, sondern in den Maxi-Cosi und zum sterilen Kinderarzt. Da geht für mich etwas nicht ganz auf.

Zudem gibt es Unsicherheiten, die zu hohen bis tödlichen Risiken führen können. Wenn ich mal bedenke, was alles passieren könnte. Und da wir uns alle im Auto anschnallen, zur Vorsorge gehen und uns die Zähen putzen: Wie viel Risiko halten wir Industriestaatenbewohner denn aus? Was können wir uns zumuten? Plötzlicher Geburtsstillstand, eine Frau, die panisch wird oder plötzlich auftretende Blutungen. Eine Plazenta, die sich nicht ablöst, eine Nabelschnur, die um den Halsgewickelt ist und mit jedem Mal Pressen die Luft abdrückt … ich will lieber doch nicht drüber nachdenken. Und da sitzt dann so ein werdende Papa oder eine Freundin und diese Laien sollen das abfangen? Wie denn? Wenn ich bedenke, dass ich durch meine unbekannte Blutungsneigung hätte in arge medizinische Not kommen können – das kann einem auch passieren, wenn man damit dann ganz alleine ist …

Eine fachkundig begleitete Hausgeburt ist etwas ganz Anderes als eine Alleingeburt. Und nicht vergleichbar.

Ich würde mir zutrauen, im Notfall ein Kind alleine zu bekommen. Ich würde das aber niemals wollen. Weil es sicherer für Kind und Mutter ist. Weil’s schön ist, sich fallenzulassen und jemand an der Seite zu haben, der weiß, was zu tun ist. Hebammen sind ja keine esoterische Deko, sondern Fachfrauen mit wunderbarem, tiefem Wissen. Sie haben oftmals dieses gewisse Etwas, das uns spüren lässt: Diese Frau hat schon viel gesehen und kann mir wunderbar beistehen.
Hebammen haben oft auch so ein Leuchten – das finde ich immer ganz bemerkenswert.

Danke Saskia für Deine Offenheit. 

Wo habt Ihr Euer Kind zur Welt gebracht? Und wie steht Ihr zu der Idee der Alleingeburt?

Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Gewinnspiel Kinderbuch

Als das frühe Vogerl ein Jahr alt gab es einen Trend: Fünf der acht Kinder mit denen wir regelmässig im Kindercafé abhingen – damals wurde noch mehr gehangen, als gelaufen, bekamen folgendes Buch zum ersten Geburtstag: „Gute Nacht, Gorilla„.

Auch wir haben das Buch Zuhause. Angeblich soll es Kinder geben, die beim Lesen schon die Äuglein schließen. Das kann ich nicht bestätigen, aber auch bei uns nimmt es in den späten Abendstunden eine immer größere Rolle ein.

Und wir gehen mit dem Zoowärter, der allen Tieren „Gute Nacht“ sagt durch den Zoo, und irgendwann werde ich auch das Rätsel lösen, woher der Gorilla den Schlüssel hat.

Nun hat uns der Moritz-Verlag freundlicherweise erlaubt, zwei Bücher an Euch zu verlosen.

Und das müsst Ihr tun: Erzählt mir von Euren Einschlafritualen.

1. Kommentiert diesen Beitrag, direkt im Blog, und hüpft damit in den Lostopf.
2. Für ein weiteres Los im Topf: Werde Fan und Follower vom Frühen Vogerl auf FacebookInstagram (helletage) oder/und Twitter und teile das Gewinnspiel.
3. Und noch ein Los für Euch: Gebt mir Eure Stimme bei Brigitte MOM. Einfach die Nummer Eures Herzchens in Klammern ins Kommentarfeld unten schreiben.
4. Ihr müsst mindestens 18 Jahre alt sein.
5. Sagt mir, im Kommentar, wofür ihr Euch entschieden habt.

Das Gewinnspiel endet am 11. Oktober 2015 um 12 Uhr, die zwei Gewinner  werden ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, es ist keine Barauszahlung möglich. Der Gewinner wird hier auf dieser Seite bekannt gegeben, der Gewinn wird nach Austausch der Daten direkt vom Verlag zugesandt.

Das Gewinnspiel ist bereits beendet. Die Gewinner heißen Melanie Baute und Marina Mayrböck. Bitte sendet mir Eure Email-Adressen an fruehesvogerl@gmail.com, damit Euch der Verlag die Bücher zu kommen lassen kann.

Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Mir war der Krimi zu heftig, meiner Cousine nicht / Gastbeitrag von Stephanie

Manchmal liegt ein Buch vor mir, und ich stelle schnell fest, dass Thema ist mir zu heftig. Bei Chelse Cain „Kidnapped“ war das so. Zum Glück ist meine Cousine Stephanie da etwas härter im Nehmen.

Als mich Bettie gebeten hat, das Buch für sie zu lesen, hab ich mich gerne zur Verfügung gestellt. Auch wenn man beim Klappentext gleich darauf schließen kann, dass es keine leichte Kost ist.

Das Buch beginnt, als die Hauptprotagonistin Kit als Kind von der Polizei bei ihrem Entführer, von dem sie fünf Jahre zuvor gekidnapped wurde, befreit wird. Dann gibt es einen Zeitsprung in das Leben der erwachsenen Kit. Man merkt, dass sie noch immer schwer damit zu kämpfen hat, ins Leben zurück zu finden und wie man es sich schon denken kann, wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt und findet sich inmitten der Suche nach weiteren vermissten Kindern und der Jagd nach dem Kopf eines Kinderpornographieringes.

Wie gewohnt in einem guten Thriller, gibt es auch einen männlichen Gegenpart, den hier der ominöse Bishop übernimmt, der behauptet er sucht vermisste Kinder und nur Kit kann ihm dabei helfen.

Alles in allem, ein sehr packendes Buch. Das Thema ist sicherlich nicht jedermanns Sache – auch ich hab ein paar Seiten überblättern müssen, da es mir dann einfach ein bisschen zu hart war. Das Buch fesselt einen von der ersten Seite an – man möchte wissen, was hat es mit dem Entführer von Kit auf sich, wer ist der Kopf der ganzen Sache, warum hat Kit eine Sammlung Scrabble- Steine, wo ist diese geheimnisvolle Box, in der sich keiner wieder finden möchte und wie wirkt sich das Stockholm-Syndrom, das Kit für ihren Peiniger entwickelt, auf die ganze Geschichte aus?

Danke Stephanie.

Und wie schmerzfrei seid Ihr so bei der Krimi-Lektüre?

Alltag, Kultur mit Kind

Unser Wochenende mit Wanda in Salzburg und Wonne / Wochenende in Bildern vom 2. bis 4. Oktober 2015

Freitagmorgen nach Österreich und Sonntagmorgen wieder zurück nach Berlin. Das lohnt sich nicht? Aber natürlich.
Freitagmorgen fahren wir los. Wir kommen gut durch. Unser erster Stop: Familienbesuch. 
Abends gibt es das Lieblingsdessert. Leider ist die Winter-Edition nicht ganz so gut. 
Bei den Backwaren wird nahezu jeder zum Patrioten. Selbstverständlich gibt es – für mich – das beste Gebäck – in Österreich. 
Der ganze Tag ist prall gefüllt mit Leute treffen, deshalb gibt es nur morgens ein Foto: Begutachtung auf dem Parkplatz. 
Abends gehen wir aus. Das frühe Vogerl wird zum ersten Mal von der Oma ins Bett gebracht. 
In der Zwischenzeit düsen wir durch Salzburg. 
Enge Gassen in deren Nähe ich mehrere Jahre gewohnt habe. 
Wir sind mit Grund hier. 
Salzburgerinnen tragen mit Leidenschaft Pumps. Ob sie damit gehen können? Egal. Na ja. 
Die erste Band verbringen wir sitzend. Es handelt sich um Attwenger: Zwei Lieder sind großartig. Vier ok. Nach zwei Stunden kriegt man allerdings ein bisschen die Krise. 
Warum wir eigentlich hier sind? Ihr könnt es wahrscheinlich schon vermuten. Wir lieben WANDA. 
Passend zur betrunkenen Band, ist auch das Bild etwas schwummrig geworden. 
Die Mitglieder von WANDA wirklich sehr betrunken. Und wirklich sehr großartig. Nur irgendwann fängt es furchtbar an zu stinken. Buttersäure vermutet einer der Wachleute. In den Medien findet sich dazu aber nichts. 
Vor Ort nachprüfen können wir es nicht. Denn am Sonntag geht es für uns zurück Richtung Berlin. Das Kind war sehr gut versorgt. Ich bin trotzdem müde. 
Einige Pausen legen wir ein. 
Ich fühle mich ein bisschen so wie meine Frisur. 
Ach ja, Shoppen waren wir auch. 
Und ich kann mich nun immer als Fangirl outen. 

Und wann ward Ihr das letzte Mal aus, ohne Kinder? Und kennt Ihr schon das neue Album von WANDA? Sonst hört hier mal rein.

Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen