In den Familienrollen erzählt Katarina, über das Leben mit drei Kleinstkindern, warum sie das Modell “Kitafrei” leben und weshalb sie sich dafür entschieden hat, über ihre Fehlgeburt zu schreiben: Ehrlich, offen und berührend. 

Kürzlich hast Du auf Deinem Blog Blogprinzessin über die schmerzliche Erfahrung einer Fehlgeburt geschrieben. Warum war es Dir ein Anliegen dieses tabuisierte Thema zu besprechen?

Für mich war es an einem Punkt schwieriger, darüber NICHT auf dem Blog zu reden, als es zu thematisieren. Meine Welt wurde durch die Fehlgeburt einmal komplett von oben nach unten gedreht. Eine Fehlgeburt macht etwas mit dir. Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Statt auf dem Blog weiter „alles super“ vorzuspielen, entschloss ich mich meine Tagebuchaufzeichnungen zu veröffentlichen.

Vorrangig für mich selbst. Damit ich nicht weiter so tun musste als wäre alles super und mir die Sonne aus dem Popo scheinen würde.

Zum anderen auch deshalb, weil ich in den Tagen nach der „Diagnose“ viel gegoogelt habe, aber außer „Ich bin nach einer Fehlgeburt wieder schwanger. Hilfe!“ nicht viel gefunden habe. Ich wollte eigentlich ja nur wissen: Bin ich damit so allein wie ich mich fühle? Mir hat es nicht geholfen dass mein Frauenarzt mir sagte: “Das passiert ständig. Sie sind eine von 4 Frauen, der das passiert.“ Das ist eine Statistik die bei mir nicht ankam. Ich kannte in meinem Umfeld nur eine Person der das auch passiert ist. Eben weil niemand darüber spricht.

Für die einen ist es vielleicht zu schmerzhaft, für die anderen zu privat und wieder andere schämen sich dafür. Es gibt unglaublich viele Frauen, welche sich für eine Fehlgeburt schämen. „Mein Körper schafft das einzige nicht wofür er eigentlich gemacht ist: Kinder bekommen.“ Schliesslich wird einem in unserer Gesellschaft ja auch viel häufiger vermittelt was man machen muss um NICHT schwanger zu werden, statt was man machen kann damit man es wird.

Allen wird suggeriert, dass gesunde Babys zu bekommen das Einfachste der Welt ist. Die Statistiken sprechen allerdings dagegen. Jede 4. Frau erlebt in ihrem Leben mindestens eine Fehlgeburt bewusst mit. Jede zweite Frau hat einen oder mehrere frühe Abgänge und ordnet diese einfach als verspätete Periode ein. Frühschwangerschaftstests sind da übrigens kein Segen, die werden meist am allerersten möglichen Tag (oder früher) gemacht und dann geht die befruchtete Eizelle doch noch ab. Die Frauen sind traurig und ärgern sich. Ich glaube für die meisten Frauen sind die Eizellen auch schon in SSW 4 „Babys“ und dann ist es natürlich nochmal schmerzhafter, wenn diese Chance auf ein Baby in einer Periode endet.

Meine Fehlgeburt war am Ende der 10. Woche (übrigens eine recht typische Woche, wie ich jetzt weiß). In der 8. Woche sahen wir noch den Herzschlag und 14 Tage später nicht mehr. Die Reaktionen auf meine Beiträge (ich habe diese Erfahrung in insgesamt drei Blogbeiträgen auf verschiedene Weise thematisiert) waren überwältigend. Mir antworteten mehr als hundert Frauen auf allen möglichen Plattformen. Wenige sprachen nur ihr Mitgefühl aus, bei den meisten war es so als hätte ich ihnen endlich die Möglichkeit gegeben über ihren Verlust und ihre Erfahrungen zu sprechen. Sie stellten fest: Ich bin mit meiner Geschichte nicht alleine. Und auch ich stellte fest: Ich bin mit meiner Geschichte nicht alleine. Das hat etwas Beruhigendes, vielleicht sogar heilendes.

Du hast drei Kinder und bloggst über Familienthemen: Wie gehst Du heute mit Deiner sicher noch sehr präsenten Fehlgeburt um? 

Inzwischen ist es sechs Monate her. In sechs Wochen wäre mein Stichtag gewesen. Wie dieser Tag wird (besonders sollte ich weiterhin an dem Termin nicht wieder erneut schwanger sein) kann ich noch nicht sagen. Trauer ist wie das Meer. Sie kommt in Wellen und man kann nie genau sagen wie hoch die nächste sein wird, oder wann sie kommt.

Wie gehe ich damit um? Ich verstecke meine Fehlgeburt nicht, binde es aber auch niemandem sofort auf die Nase. Ganz unabhängig davon, ob online oder offline. Ich mache da keinen Unterschied. Ich glaube weiterhin dass es ein Thema ist über das viel mehr gesprochen werden muss. Man sollte nicht erst erfahren wie die Statistiken sind, wenn man direkt betroffen ist. Natürlich möchte man das als Schwangere nicht hören, aber ich finde (und die Meinung ist streitbar) dass man zumindest beim ersten Termin informiert werden sollte vom Frauenarzt.

Natürlich trübt es die Freude dann, oder macht auch Angst. Aber bei einer doch so großen Wahrscheinlichkeit innerhalb der ersten 12 Wochen, hätte ich mich gerne mental darauf vorbereiten wollen. Ich glaube dass es anderen Frauen auch so geht, nicht jeder will seine Schwangerschaft durch eine rosarote-tüddelüt-Mamibrille sehen. Manche möchten auch einfach realistische Einschätzungen und medizinische Fakten.

Es macht am Ende vermutlich nichts schöner, aber vor einer OP wird man doch auch über die Möglichkeit aufgeklärt, was schief gehen kann und wie die Chancen stehen. Wieso nicht bei einer Schwangerschaft? Warum wird da von den Frauen verlangt, dass sie sich das selber anlesen müssen? Das macht doch niemand freiwillig?!?

Als ich auf Deinen Blog gestoßen bin hat mich vor allem fasziniert, dass Du drei Kinder innerhalb eines Jahres gekriegt hast: Wo lagen grad in der Anfangszeit die Herausforderungen?

Ganz ehrlich? Die größte Herausforderung war für mich, dass die Große noch nicht laufen konnte (sie ist ja nur 364 Tage älter als ihre Schwestern). Ein Maxi Cosi rechts, einer Links und ein Kleinkind auf der Hüfte, ist nichts was einem ein Arzt nach einem Kaiserschnitt empfiehlt.

Aber was ist die Alternative? Zu Hause bleiben mit den Kindern bis die Große laufen kann? Eher nicht. Schließlich sind ja auch die U-Untersuchungen beim Kinderarzt zu absolvieren. Von normalen Sachen wie einkaufen mal ganz abgesehen.

Die Frage „Wie hast du das alles gewuppt ?“ finde ich immer spannend. Weil ich sie bis zu m heutigen Tag nicht ganz verstehe. Ich habe nicht mehr oder weniger gewuppt als andere Eltern mit Baby auch. Mein Mann und ich haben nichts besonders anders gemacht als andere Eltern. Wir hatten keine Putzfrau, keine Kinderfrau und auch keine magische Formel. Was wir hatten, war eine Oma die 1x die Woche auf Motti aufgepasst hat und bis jetzt (3 Jahre später) viel und gerne gebabysittet hat, damit ich z.B an Bloggerveranstaltungen teilnehmen kann. Das wars. Aber Großeltern die ab und zu babysitten haben Familien mit einem Kind oder zwei auch, das würde ich nicht als Besonderheit sehen nur weil es bei uns drei Kinder sind.

Gefühlt hat sich nach der Geburt der Zwillinge (und das verstehen andere vielleicht nicht) unser Leben gar nicht weiter verändert. Wir hatten nur dann drei Kinder statt einem. Drei mal Windeln wechseln, drei mal Wäsche, drei mal so viel Kinderlachen.

Du betreust Deine drei Mädchen zuhause: Wie kam es dazu und wie gut funktioniert das für Euch?

Kurzgefasst: Wir haben keinen Kindergartenplatz bekommen. Und auch Tagesmütter deckten keine Betreuungszeiten ab die wir brauchten um beide unsere Jobs zu machen. Mein Chef (der auch der Patenonkel meiner Kinder ist) hätte mich mit Kusshand zurückgenommen, wenn wir nur einen Kita-Platz gefunden hätten. Da es aber laut Aussage der Stadt in der wir lebten eine super Besonderheit ist wenn beide Eltern im Schichtdienst arbeiten und nicht gegensätzliche Dienste machen können, standen wir ohne Kita-Platz da.

Das Recht einen einzuklagen gab es noch nicht, und selbst wenn hätte es nichts genutzt. Bei Arbeitszeiten von 13 Uhr bis 1:00 Uhr nachts hilft auch das Gesetz nicht weiter, wenn die Kitazeiten in allen Kitas im Umland nur bis 14:00 Uhr sind. Braucht kein Mensch, oder zumindest wir nicht.

Also beschlossen mein Mann und ich, dass wir die Kinder eben nicht in die Kita schicken und bis heute haben wir diese Entscheidung nicht einen Tag bereut. Inzwischen habe ich sogar gelernt dass das was wir machen „Kindergartenfrei“ heißt und es sogar recht viele Familien in Deutschland gibt die ihre Kinder nicht in die Kita schicken. Aus den verschiedensten Gründen.

Von religiös-überzeugt bis „wir haben einfach keinen Platz bekommen“ ist da alles dabei und das macht den Austausch sehr spannend und bereichernd. Da unsere Mädchen bisher alle U-Untersuchungen genauso oder besser als ihre Altersgenossen in der Kita „bestanden“ haben, sehen wir aktuell auch keinen Grund an „Kindergartenfrei“ zu rütteln. Sie haben sowohl ältere als auch jüngere Freundinnen, haben Hobbies, können sich auch gerne mal ohne Mama und Papa beschäftigen und sind einfach pumperlgesunde Kleinkinder.

Mit drei Kindern bist Du in Deutschland schon beim Status Großfamilie: Was macht den Zauber hierbei für Dich aus?

Den Zauber? Ich finde es schön dass man, wenn man zur Tür reinkommt, von einer Horde kleiner Menschen, die einen lieben begrüßt wird. Ich mag den Gedanken, dass eines fernen Tages die Kinder nicht allein um ihre Eltern trauern müssen, sondern einander haben. Außerdem mag ich es, dass sie immer jemanden zum Spielen haben, wenn sie das wollen. Dadurch dass sie alterstechnisch so nah beieinander liegen, haben sie die gleichen Interessen und können prima miteinander spielen. Ansonsten ist unser Großfamilienleben genauso zauberhaft wie in Durchschnittsfamilien. Wir haben nur mehr Wäsche.

Danke Dir für Deine Einblicke, Katarina. Zu dem Blog geht es hier.
Die Bildrechte liegen bei Natalie Shelton Photography.