Ob weißer Spitzen – BH, schwarzer Body oder ein türkises Bustier: Unterwäsche fand ich immer wichtig. Hatte ich jenseits der 17 klar erkannt, dass ich mich in einem Bauchleiberl nicht so gut mache, ein hübsches Dekolletee war mir immer wichtig: Selbst in Zeiten von Batik-T-Shirt oder schwarzen Kleidern hatte das eine gewisse Relevanz.

 

Als ich zum ersten Mal schwanger wurde, war ich voller Vorfreude und Liebe und Begeisterung. Zum Stillen hatte ich aber eine klare Haltung – hat man die nicht immer? – und die war so:  Stillen würde ich nicht. Immerhin sollte der Busen da bleiben, wo er ist und überhaupt, hätte man mich gefragt, hätte ich mich vielleicht sogar zu einem “Mein Körper gehört mir” hinreißen lassen. Gefragt hat keiner. Meine zwei Hebammen meinten hinterher, dass sie von der Haltung etwas überrascht waren, aber zwingen wollte man mich nicht.

 

Eine der Hebammen meinte nur, dass es doch ganz gut wäre, wenn ich die ersten Tage stillen würde: Zum einen, weil das Kolostrum besonders gut wäre und zum anderen, um zu schauen, wie es denn letztlich ist für uns: das Stillen.

 

Kurz nach der Geburt

 

Dann kam die Geburt: Mein Sohn kam an und trank und wirkte zufrieden. Ich war etwas irritiert, weil: Hey, das tat echt weh und schön war es aber auch. Na, was denn nun? Dadurch, dass ich das eigentlich ja so lange nicht wollte, hatte ich mich im Vorfeld null damit befasst und wusste gar nicht, was da auf mich zu kommen könnte.

 

Wie praktisch: Mit ein paar Kohlblättern und einer zauberhaften Hebamme bekamen wir das Stillen in den Griff. Die ersten Monate stillten wir fast nur im Liegen. Nur wenige Menschen durften am Anfang in der Nähe sein, und Stück für Stück wuchsen wir in die Rolle rein.

 

Nahezu jede Freundin hat mich stillend gesehen und auch in der Familie war es völlig normal: Ich hatte das Glück, dass mich nie ein negativer Kommentar ereilt hat und mit Hilfe eines Tragesystems stillten wir sogar mal in der U-Bahn. Ich glaube, dass es keiner gemerkt hat.

 

Langzeitstillen

Wir stillten. Wir stillten volle zehn Monate lang: Bis mein Sohn beschloss, dass es nun genug ist. Das Abstillen fiel mir schwerer als ihm.

 

Stillen war toll: Es war Nahrung, es war Wärme, es war Liebe und es war Trost. An meine Brüste habe ich in der Zeit weniger gedacht.

 

Als ich zu meiner Tochter schwanger war, war mir schon klar, dass wir es probieren würden, die Sache mit dem Stillen und ich hab mich gefreut, dass es problemlos klappte. Wir stillten. Schon mit einer gewissen Routine, ohne Kohlblätter und auch noch immer selbstbestimmt und auch nach einem Jahr machen wir weiter.

 

Wie lange? Keine Ahnung, bis eine von uns beiden nicht mehr mag.

 

Warum ich all das erzähle?

 

Weil ich diese blöden Geschichte darüber, was das mit den Brüsten macht, nicht mag oder die Frage, ob Frauen stillen müssen, doof finde.  Weil eine Schwangerschaft natürlich nicht ohne Zeichen an den Brüsten vorbei geht, aber weil ich finde, dass das durchaus ok ist und weil ich gerne viel mehr Geschichten gehört hätte davor, wie das ist.

Denn: Nach der Schwangerschaft fiel da irgendwie ein Schalter: Was vorher nur innerhalb der Familie oder mit den engsten Freundinnen Thema war, ist plötzlich häufiger zu hören. Plötzlich erzählt die Bekannte, wie durch die Schwangerschaft das Körpergefühl verändert und von lieben Menschen aus dem Umfeld kommen auch mitunter neue Töne. Durch den Blog natürlich auch ganz konkret angefragte wie meine Sammlung der Langzeitstillenden oder die Mythen-Nachfrage bei der Stillberaterin Anna: Stillen hat viele Gesichter, und nicht alles ist rosarot.

 

Und weil ich so froh bin, dass mein Busen nun fast zwei Jahre zwei Kinder (mit)ernährt hat: Und weil das sicher auch anders gegangen wäre, aber weil ich ohne den kleinen Stupser von der Hebamme vielleicht nicht ausprobiert hätte: Drum freue ich mich und möchte das sagen.

 

Weil man vorher nie sagen kann, wie es wird: Und weil World Breastfeeding Week  ist und ich mich aus meiner Deckung begebe, um zu zeigen, dass nicht jeder immer schon wusste, dass er mal sein Kind stillen will und das durchaus ok ist.

Manchmal kommt es eben anders. Und das ist für mich echt gut so.