Kultur mit Kind, Meinung

Schaust Du noch, oder fotografierst Du grad? Ein Mini-Rant

Kürzlich waren wir auf einem kleinen Rummel. Jede Menge Menschen waren da. Kleine Kinder, die juchzend das erste Mal mit einem Ringelspiel fuhren, Süßigkeiten aßen und mit Werbeluftballons versorgt wurden.

Ein kleiner Junge, vielleicht eineinhalb, fuhr zum ersten Mal in einem kleinen Auto und drehte sich mit. Er hat mit dem Kopf gewackelt und gelacht. Er hatte Spaß, könnte man meinen. Spontan dachte ich aber eher: Er hat echt irre Verwandte. Vier (!!!) Leute hielten dem Knaben ihr Handy ins Gesicht, um den besonderen Moment abzulichten, den der Junge da – nun eigentlich ganz alleine – verlebte.

Nun mag es natürlich sein, dass die Eltern und Großeltern eigentlich ganz normal sind, sie nur unbedingt dieses Bild haben wollen und eigentlich ganz anders sind: Vielleicht. Wollen wir es ihm wünschen.

Als wir neulich im Technikmuseum waren, war es allerdings ähnlich: Teenies stürmten von Gerät zu Gerät und machten immer fleißig Bilder. Ununterbrochen. Das fand ich zumindest befremdlich. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendjemand diese Fülle an Bildern tatsächlich sehen will. Ich würde sie nicht sehen wollen.

Ich kann mich noch an Momente erinnern, ohne sie festgehalten zu haben: Und das möchte ich mir bewahren.

Wenn mein Kind lacht, möchte ich in erster Linie das Lachen in dem Augenblick sehen und nicht die Serie, die sich am Abend beim Durchscrollen entfaltet.

 

Jetzt kann man natürlich sagen: Ist doch egal, wie andere das handhaben. Ist es mir ja auch meistens. Stimmt, ja, eigentlich.

 

Da gibt es noch einen Punkt: Ob beim Parkfest oder am Wasserspielplatz – meist mache ich dort keine Bilder, weil ich es irgendwie nicht so fein finde, wenn fremde, nackte Kinder in mein Bild laufen. Und dass ja umgekehrt auch nicht so cool fände, wenn mein Kind da auf irgendwelchen Bildern ist. In einer Babygruppe hat kürzlich jemand meine Tochter fotografiert: Dass dann aber auf die Bitte hin, auch unterlassen.

 

Eine Menge an Bildern gibt es bei uns natürlich trotzdem. Es gibt so viele Momente, die Raum bieten  für ein Bild oder mehrere.

 

Mehr als die Nachbildung, finde ich, zählt doch immer noch der Moment und ein bisschen auch die Privatsphäre. Wenn die Familie vom Ringelspiel-Knaben vielleicht nur drei Fotografen gehabt hätte, dann hätte ihm auch jemand die Hand reichen können. Anfassen ist nicht zu unterschätzen.

Wie seht Ihr das: Schaut ihr noch oder fotografiert ihr schon??

Gelernt habe ich das übrigens bei unserem Welt-Urlaub in Schweden: Plötzlich tauchten drei Rentiere auf, und wir hatten die Möglichkeit Kamera zu holen oder eben hinschauen.

Familienrollen, Kultur mit Kind

Mutter mit 40: „Ich wollte keinem Kind eine Scheidung zumuten.“

Nicole ist mit 40 zum ersten Mal Mutter geworden. In den Familienrollen erzählt sie, ob Familienplanung vorher eine Rolle gespielt hat, ob sie sich selbst als Risikoschwangere sah und wie sich das Muttersein heute für sie anfühlt. 

 

Du bist mit 40 zum ersten Mal Mutter geworden: Ab wann spielte Kinderplanung in Deinem Leben eine Rolle?

 

 

Eine ernsthafte Rolle spielte die Familienplanung eigentlich erst als ich mich schon weit jenseits der 30 befand. Zu dieser Zeit hatte ich meinen Mann kennengelernt, wir waren zusammengezogen und merkten, das läuft prima mit uns, das ist was für ganz ganz lange.

Eigentlich kam ich als Scheidungskind aber aus der Fraktion „Ich will keine Kinder“.

 

Klar, habe ich mir als ich selbst noch ein Kind war früher auch ausgemalt, dass ich mit 24, das war im magischen Jahr 2000, bestimmt schon verheiratet bin und Kinder habe. Glückliche Familie, wie man sich das so wünscht. Aber dann wuchs ich heran, begann zu studieren und merkte mit besagten 24, dass ich mich bei weitem noch nicht erwachsen und bereit für Kinder fühlte. Ich steckte mitten im Studium und hatte zwar einen Partner, aber die Sicherheit, dass das der Richtige ist, mit dem ich Familie gründen und das den Rest meines Lebens durchziehen kann, die fehlte eben.

 

Und gerade weil meine eigenen Eltern sich getrennt hatten als ich vier Jahre alt war, kam Familiengründung für mich nur in Frage, wenn ich jemanden gefunden hätte, bei dem ich es, und der mich, bitte möglichst für immer aushält. Ich wollte keinem Kind eine Scheidung zumuten.

 

Andere Freundinnen waren längst verheiratet und hatten Kinder bekommen während ich immer wieder Single wurde und die ‚Das wird bestimmt nix mehr‘-Phase um die 30 durchlebte. Da hatte ich Kinder & Ehe für mich eigentlich abgehakt. Dass kein dauerhafter Partner zu finden war, bestärkte mich darin, dass es besser war keine Kinder bekommen zu haben.

 

Mit 32 Jahren traf ich dann meinen Mann und plötzlich schien alles wieder möglich. Nach drei Jahren beschlossen wir zu heiraten und fingen an über Kinder zu sprechen. Allerdings waren wir uns über den Zeitpunkt unsicher. Zum einen hatte ich einen neuen Job angefangen, den ich zunächst gerne einmal eine Zeitlang ausüben wollte & wir hatten das Gefühl es wäre gut für uns, erst noch eine Weile zu zweit zu sein. Auf der anderen Seite drängte die Zeit weil, wie man so schön sagt, meine Uhr tickte. Ab 35 würde ich immerhin schon als Risikoschwangere gelten. Wir dachten also zunächst mal, wir stellen die Verhütung ein und sehen was passiert, das Schicksal wird’s schon richten.

Das Schicksal richtete… gar nichts. Nach einer Weile begannen wir zu grübeln. Da tut sich nichts und es ist schon wieder Zeit vergangen, lass uns mal meinen Eisprung tracken.

 

Ich begann also mit natürlicher Familienplanung, lud mir eine App herunter und mass jeden Morgen meine Temperatur. Das ist zwar interessant, nützt aber im Grunde nüscht, wenn man dann nicht anfängt das Timing für Sex auch entsprechend zu verschieben.

 

Uns darauf einzulassen nach Terminplan beizuschlafen kostete schon irgendwie Überwindung und klappte mal mehr mal weniger gut. Auf jede Phase in der wir voll motiviert die Eisprungzeit ausnutzten um dann hinterher enttäuscht festzustellen, dass ich wieder fröhlich vor mich hin menstruierte, folgten mal wieder ein paar Monate in denen wir dachten, es wird oder es wird nicht. Wir wollten uns nicht so viel Druck machen, denn das liest man ja auch Immer wieder, wenn man es zu sehr möchte und sich verkrampft, klappt es erst recht nicht.

 

So probierten wir ein paar Jahre zwischen „Was ist da los, wieso klappt es nicht?“ und „Bleib locker, mach dich frei, dann wird es schon“ uns zu vermehren. Doch je länger man wartet, desto mehr verschiebt sich der Fokus zu Ersterem.

 

Irgendwann beginnt lockerbleiben immer schwerer zu fallen, bis es schließlich gar nicht mehr geht. Und das war bei uns beiden dann auch noch zu unterschiedlichen Zeiten der Fall. Stress im Job trug seinen Teil zur allgemein vorherrschenden Anspannung bei.

Als die Ende 30 dann bei mir nicht mehr zu verleugnen waren, formulierte mein Mann das erste Mal den undenkbaren Satz „Ich denke, das wird nichts mehr. Ich versuche mich damit abzufinden, dass wir alleine bleiben.“

 

Ich weiß es noch so genau, weil es mich so erschreckte. Ich dachte nur, aufgeben ist doch jetzt noch keine Option. Grundsätzlich waren wir uns einig, dass reproduktive Maßnahmen für uns nicht in Frage kämen, entweder wir bekommen es auf natürlichem Wege hin oder wir müssen uns damit abfinden. Aber so weit mit dem Thema abzuschließen war ich noch nicht.

Ich wandte mich an meine Frauenärztin und fragte welche Optionen wir hätten ohne dass wir uns an eine Kinderwunschklinik wenden müssen. Sie schlug vor zunächst mal unsere Fruchtbarkeit zu testen. Meine Schilddrüsenunterfunktion wurde medikamentös neu eingestellt und mein Mann kam in den Genuss eines Spermiogramms. Es war alles in Ordnung, deshalb sollte mein Zyklus hormonell unterstützt werden.

 

Ich nahm Progesteron ein um die Eizellen bei der Reifung zu unterstützen, bekam einen Beischlaf-Stundenplan & der Eisprung wurde mithilfe eines weiteren Medikaments ausgelöst. Allerdings war unbeschwert Sex haben unter diesen Bedingungen für uns ein Ding der Unmöglichkeit. Ich fühlte mich derart unwohl und dieser eine Monat war so ein Horror für mich, dass ich die Behandlung bei der erstbesten Gelegenheit abbrach.

 

Wie ich später erfuhr, war das der Moment in dem für meinen Mann fest stand, das war’s, wir bleiben allein.
Ich hatte aber noch Hoffnung, keine Ahnung wo ich die hernahm. Irgendwann, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war, würde es sicher klappen! Das war im Januar. Im April fuhren wir in Urlaub und hatten eine so entspannte Zeit wie schon lange nicht mehr mit durchgetanzten Nächten, neuen Erlebnissen und einer atemberaubenden Zeit in der Natur.

 

Ich konnte nach langer Zeit mal wieder die Seele baumeln lassen und vergass Job & Frust tatsächlich mal für eine ganze Woche. Diese Auszeit tat so gut, dass ich danach auch in meinem Alltag spürbar davon zehren konnte. Ich hatte das Gefühl irgendetwas in mir hatte Klick gemacht. Und einen Monat später hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in den Händen.

 

 

Wie hat Dein Umfeld auf die Verkündung Deiner Schwangerschaft reagiert?

 

 

Durchweg positiv. Die Menschen die wussten, dass wir uns Nachwuchs wünschten freuten sich natürlich besonders mit uns. Aber auch sonst wurden mir keine Vorurteile oder gar Ablehnung entgegen gebracht.
Vollkommen überrascht haben wir damit zwei Menschen, meine Schwiegermutter und meine Chefin.

 

Meine Schwiegermutter hatte sich das Oma werden schon abgeschminkt, sie dachte wir würden keine Kinder wollen, war aber total aus dem Häuschen, dass sie nun doch in den Genuss eines Enkelkindes kommen würde.

Meiner Chefin wurde heiß & kalt, wie sie selbst sagte. Allerdings nicht ausschließlich weil sie nicht mehr damit gerechnet hatte, dass ich schwanger werden könnte, sondern, wie sich später herausstellte, weil ich bereits die zweite Angestellte innerhalb von 2 Wochen war, die in froher Erwartung bei ihr am Schreibtisch saß.

 

 

Ab 35 hat man das Kreuzchen bei Risiko-Schwangerschaft im Mutterpass: Hast Du das Gefühl, dass Dein Frauenarzt Dich zu mehr Untersuchungen gedrängt hat? 

 

Nein. Als ich zum Gynäkologen marschierte mit dem positiven Test im Gepäck war ich selbst gespannt, wie es nun weitergehen, wie er mich einschätzen und behandeln würde. Er setzte zwar sein Kreuz bei Risikoschwangerschaft, aber sonst beriet er mich wie jede andere Schwangere auch.

 

Er klärte mich über die Nackentransparenzmessung und später über die Möglichkeit des Organscreenings auf. Ganz sachlich legte er mir dar, dass das Risiko auf Trisomie bei meinem Baby aufgrund meines Alters erhöht ist & er mir daher zu einer Nackentransparenzmessung rät. Aber ich fühlte mich in keinster Weise dazu gedrängt. Weitergehende Untersuchungen haben wir erst gar nicht besprochen, denn er sagte das macht ohne das Ergebnis der Messung gar keinen Sinn. Nach deren Durchführung gratulierte er mir und sagte das Risiko wäre nun noch so groß wie bei einer 18-jährigen. Keine weiteren Maßnahmen erforderlich.

 

Überhaupt gab er mir gar nicht das Gefühl ein besonderer Fall zu sein, was ich als sehr angenehm empfand, macht man sich doch als Schwangere sowieso schon ständig zu viele Gedanken über alles Mögliche. Für mich verlief die Behandlung beim Gynäkologen überraschend unspektakulär, wenn man bedenkt, wie oft ich gelesen habe dass die Fruchtbarkeit abnimmt ab 35+ & welche Probleme auftreten könnten.

 

Mir kam es vor wie ein Wunder, dass es so „spät“ noch geklappt hatte, doch meine Ärzte & Hebammen verloren kein Wort darüber.

 

Mittlerweile glaube ich, späte Schwangerschaften sind gar nicht mehr so die große Ausnahme wie es uns glauben gemacht wird.

 

 

Nun bist Du 40, Deine Tochter zwei Monate: Würdest Du sagen, die Familienplanung ist bei Euch abgeschlossen oder ist das noch offen?

 

Während der Schwangerschaft scherzten wir manchmal herum, das läuft so gut, lass uns noch ein Geschwisterchen dranhängen. Während der Geburt, die 5 Tage lang eingeleitet wurde und schließlich in einem Kaiserschnitt gipfelte, dachten wir uns diese Quälerei braucht echt kein Mensch ein zweites Mal.

 

Während der ersten schlaflosen Wochen mit Baby flehte mein Mann mich an, bitte nicht noch eins!

 

Aber lustigerweise wurde ich von Arzt und Hebamme schon mal präventiv darüber aufgeklärt, ab wann wir wieder loslegen können. Mein Arzt verabschiedete mich mit den Worten, gerne jederzeit wieder! Aber wer weiß ob es überhaupt ein zweites Mal klappen würde?

 

 

Glaubst Du, dass Frauen mit 40 automatisch andere Mütter sind als solche, die mit 20 ihr erstes Baby erwarten? 

 

Ich habe schon das ein oder andere Vorurteil à la „Alte Mütter sind immer so überfürsorglich, gluckig etc.“ gehört. Allerdings war das bevor ich selbst schwanger wurde. Ich dachte mir dabei immer nur, interessant, ob derjenige sich bewusst ist, dass wenn ich noch Mutter werde, ich auch eine „alte“ Mutter sein werde?

 

Ich persönlich glaube nicht dass es unwillkürlich so ist. Eher glaube ich, dass jede Mutter ein wenig anders ist, wie ja auch jedes Baby anders ist, und dass das eher abhängig ist von Charakter und Temperament als vom Alter. Ich fühle mich auch nicht wie eine „alte“ Mutter, eher frei dem Motto 40 ist das neue 30.

 

Ich bilde ich mir gerne ein, dass ich über mehr Lebenserfahrung verfüge als eine 20-jährige, dass ich vielleicht besser weiß was ich will, und vor allen Dingen was ich nicht will, dass ich durch meine lange Wartezeit auf unser Baby die Zeit mit ihr jetzt erst richtig genießen kann. Aber wieso sollte das bei jüngeren Müttern nicht auch der Fall sein? Und schaffe ich es dadurch mein Kind so zu erziehen wie ich mir das wünsche, Ihr alles zu vermitteln und mitzugeben was sie für ein glückliches und erfülltes Leben braucht? Das weiß ich ja heute noch nicht.

 

Und sagen wir’s mal andersherum: So richtig versauen kann man es mit 20 genauso wie mit 40. Ich denke es hängt eher davon ab, wie bereit man ist sich auf das Abenteuer Mutterschaft einzulassen. Und das ist nun mal bei jedem zu einem anderen Zeitpunkt im Leben.

 

Was rätst Du anderen Müttern die erst „später“ Mütter werden und vielleicht ängstlich sind, was auf sie zukommt oder die ein intolerantes Umfeld haben?

Hör nicht auf andere, hör auf Dein Bauchgefühl & Dein Herz. Niemand anders kann entscheiden wann für Dich der richtige Zeitpunkt ist ein Baby zu bekommen. Wenn Du auf Unverständnis triffst, ist das natürlich unglaublich schade, denn auch Dein Umfeld sollte sich mit Dir freuen.

 

Aber lass Dich nicht davon abhalten Deinen Wunsch nach einem Kind zu erfüllen! Wenn Dir Kritik entgegenschlägt, versuche daran zu denken, dass sie nur für ein paar Stunden, Tage oder schlimmstenfalls Wochen anhält. Ein Baby zu bekommen ist jedoch eine Entscheidung fürs Leben und wird Dir viel langfristiger viel größere Freude bereiten.

 

Und auch wenn es sich vielleicht am Anfang so anfühlen mag, Du bist nicht alleine. Da sind zahlreiche andere Mütter, die in der gleichen Situation sind wie Du, die Dich verstehen und Dir helfen können. Und die fragen nicht nach dem Alter, dafür sind sie viel zu müde.

 

Vielen lieben Dank für Deine Offenheit, Nicole. Nicole bloggt auf fraumwiemama.de.

Die Bilder stammen von der Fotografin amw-photography.de.

 

Ihr habt ein Thema, dass ihr in den Familienrollen gerne mal lesen wollt, oder möchtet mir von Eurer Familie erzählen: Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

Elternfragen

Stillberaterin Anna übers Langzeitstillen: „Wir sind, wer wir sind, weil wir Mütter geworden sind.“

Welchen Vorurteilen ist man beim Langzeitstillen ausgesetzt und warum erregt das scheinbar so sehr die Gemüter: Stillberaterin Anna hat mir in den Elternfragen dazu ein paar Fragen dazu beantwortet. 

 

Kürzlich wurde ich gefragt, ob ich denn immer noch stille: Meine Tochter war zu dem Zeitpunkt acht Monate alt. Wie eine Langzeitstillende fühlte ich mich wirklich noch nicht. Ab wann ist man denn per Definition eine Langzeitstillende und wie viele gibt es davon wirklich? 

 

 

Wenn Kinder über das allgemein übliche Alter hinaus gestillt werden, spricht man in der Regel von „Langzeitstillen“. Auch die Fachliteratur gibt keine einheitliche Definition aus, was unter dem Begriff „Langzeitstillen“ zu verstehen ist. Dettwlyer und Nelson haben in ihren Studien von 1995 und 2000 festgestellt, dass der Durchschnitt der Stilldauer aller dokumentierten Kulturen bei 30 Monaten liegt.

Andere Studien, wie z.B. des BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) zeigen, dass etwa 90 % der Mütter zu stillen beginnen; nach 2 Monaten noch etwa 70 % der Säuglinge gestillt werden und die Stillrate nach 6 Monaten bei 40 bis 50 % liegt. Eine nicht repräsentative Studie aus Dortmund (DONALD-Studie), die sich mit der Ernährung, Entwicklung und Stoffwechsel von Kindern und Jugendliche befasst, listet auf, dass unter den dort befragten Mütter mit 12 Monaten 21%, mit 24 Monaten noch 2,3% stillten. Aber wie gesagt, dass ist nur ein Ausschnitt und nicht repräsentativ.

Die Stilldauer wird also von Gesellschaft zu Gesellschaft sehr subjektiv wahrgenommen. Fakt ist: Wie lange eine Mutter ihr Kind stillt, hängt maßgeblich auch von ihrem Lebensumfeld ab.

 

 

Häufig höre ich von Frauen, die ihr zweijähriges Kind noch stillen, aber dann nicht mehr öffentlich. Warum erregt längeres Stillen anscheinend so sehr die Gemüter?

 

 

Wenn man sich Umfragen anschaut, stellt man fest, dass dem Stillen in der Gesellschaft allgemein eine hohe Bedeutung beigemessen wird und dass das Stillen eines Babys auch völlig in Ordnung ist. Vielmehr wird darum gestritten, WO man stillen darf. Nicht im Restaurant, nicht im Cafè, nicht im Bus – diese Geschichten kennen wir ja alle. So kann man sagen, dass wir es in unserem Kulturkreis einfach nicht gewohnt sind, stillende Mütter zu sehen. Und so verunsichert es und polarisiert.

Die Gründe dafür sind sehr vielfältig und nicht in wenigen Sätzen zu beleuchten. Familienleben und Berufstätigkeit lassen sich nicht immer so vereinbaren, dass eine entspannte, lange Stillzeit möglich ist, auch wenn diese von der Mutter gewünscht ist. Gleichzeitig wird die Brust in unserer Gesellschaft ein sexuelles Objekt gesehen, was ebenfalls zu einer Tabuisierung beiträgt. Facebook hatte ja eine große Freude daran, Bilder von stillenden Frauen kurzerhand zu löschen.

Wir täten gut daran, die Gesellschaft wieder an die Normalität des Stillens – auch und gerade des Stillens von Kleinkindern – heranzuführen. Denn Stillen ist in jedem Alter wertvoll.

 

Unbestritten ist es die Grundnahrung in den ersten sechs Monaten: Wofür steht das Stillen später?

 

Hier muss ich zu Beginn sagen, dass es keinen Still-Olymp gibt, den es zu erklimmen gilt. Man ist nicht die bessere Mutter, wenn man lange stillt. Dies sollte immer eine individuelle Entscheidung sein, die möglichst auch frei von äußeren Einflüssen getroffen werden sollte.

​Muttermilch besteht zu 87% Prozent aus Wasser. Darin sind alle anderen Bestandteile wie Eiweiße, Enzyme, Hormone, verschiedene Immunglobuline, Laktose und andere Kohlenhydrate sowie Fette und Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente verteilt. Und zu jedem Zeitpunkt der Stillbeziehung passt sie sich in ihrer Zusammensetzung den Bedürfnissen des Kindes an. Das heisst nicht, dass sie ein Kleinkind ernähren kann. Enzyme helfen beim Start der Beikost, Immunoglobuli stärken das Abwehrsystem und schützen vor Viren und Bakterien. Das ist gerade dann von Vorteil, wenn die Babys ins Krabbelalter kommen, auf dem Boden unterwegs sind und sich viele Dinge in den Mund stecken. Durch den hohen Wassergehalt, ist die Gefahr der Dehydration bei einem Magen-Darm-Infekt deutlich geringer und ein Krankenhausaufenthalt kann vermieden werden.

 

Das Stillen und die Brust: Was macht eigentlich langes Stillen mit dem Bindegewebe?

 

​Die weibliche Brust verändert sich schon während der Schwangerschaft. Denn in der Schwangerschaft beginnt sich die Brust auf das Stillen vorzubereiten. Die Stilldauer ist nicht entscheidend.

 

Dass manche Frauen berichten, dass ihre Brust nach dem Abstillen schlaff wirkt kann zweierlei Gründe haben.

 

Hand auf’s Herz, wir sind alle keine 20 mehr. Weder unsere Beine, noch der Po oder der Bauch – immerhin haben wir ein Kind ausgetragen. Und das ist auch in Ordnung. Wir sind, wer wir sind, weil wir Mütter geworden sind.

 

Der aber noch wichtigere Grund für den Eindruck, dass Stillen die Brüste „ruiniert“ ist die Tatsache, dass nach dem Abstillen unser Hormonstatus umgebaut wird. Viele Frauen haben während der Stillzeit aufgrund des Östrogenmangels einen unregelmäßigen oder ganz ausbleibenden Monatszyklus. Bei manchen Frauen setzt der Menstruationszyklus auch erst nach dem Abstillen wieder ein. Östrogene beeinflussen den Kollagengehalt des Bindegewebes und die Spannung der Haut. Und eben dieses Hormon bildet sich auch wieder im gewohnten Maße und abhänging vom Alter der Frau, wenn die Stillbeziehung beendet wurde.

 

Das Gewebe polstert sich wieder auf, es braucht nur ein bisschen Zeit und Geduld.

 

Auf Twitter kursieren immer wieder krude Abstilltipps: Die Mutter macht alleine Urlaub oder schläft im Nachbarzimmer und so entwöhnt sich das Kind der Brust. Für mich klingt das erschreckend nach „Jedes Kind kann ohne Brust sein.“ Aber ich kenne auch Frauen, die nach drei Jahren wirklich nicht mehr wollten. Was kannst Du Müttern empfehlen, die eigentlich bereit zum Abstillen sind, aber das Kind noch nicht überzeugt haben?

 

 

Erfahrungsgemäß funktioniert das Abstillen am Tag leichter als in der Nacht. Das Kind ist aktiv und abgelenkt, so dass manchmal von ganz alleine Stillmahlzeiten gar nicht stattfinden. Eine Win-Win-Sitaution für beide Seiten.

 

Die Nacht ist da eher ein Minenfeld. Alle Familienmitglieder möchten in der gewohnten Routine schlafen, denn wirklich wach werden Kinder zum Stillen eigentlich nicht.

 

Eine neue Schlafbrücke muss gefunden und etabliert werden. Das braucht Zeit, Liebe und Geduld. Das heisst, je weniger Druck man verspürt, diesen Schritt zu gehen, desto entspannter kann das Abstillen gelingen.

 

Wie kann der Partner einspringen und entlasten? Stehen ein paar freie Tage an, wo niemand früh raus muss, so dass man ein oder zwei trubelige Nächte gut überstehen kann? Wie steht es um den Status der Beikost? Trinkt das Kind ausreichend Wasser und wird ihm dieses bereits in der Nacht angeboten, so dass man weiss, dass es kein Durststillen ist? Viele Fragen auf die mir die Mütter auch immer sehr detaillierte, eigene Antworten geben.

 

Hier gibt es keinen allgemeingültigen Plan und wenn es ihn geben sollte, kenne ich ihn nicht. Ich berate hier stets sehr individuell und auf die Bedürfnisse der Eltern und des Kindes abgestimmt. Die Mütter, die ich zum Thema Abstillen berate, erlebe ich, wenn es um das Ende der Stillbeziehung zu ihrem Kind geht, als sehr ambivalent. Und sie machen sich viele liebevolle Gedanken, wie es ihrem Kind mit diesem Schritt gehen wird.

 

Denn es endet eine Zeit, die es so nie wieder geben wird. Umso wichtiger ist es, dass man behutsam vorgeht.

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Anna. Anna hat mir bereits ein spannendes Interview gegeben, in dem sie Stillmythen auf die Spur gegangen ist.

Einen schönen Artikel zum Thema Langzeitstillen findet Ihr auch auf dem Blog Rubbelbatz.

 

Mehr Elternfragen zum Beispiel zum Thema Schlaf, Trotzalter, Babyschlaf und vieles mehr findet ihr hier.

Alltag, Schöne Dinge

Fast hätte ich es wieder verpasst: Sommerzeit ist Balkonzeit #meinkleinergarten – Werbung

Anzeige. Ich bin eine leidenschaftliche Gärntnerin, zumindest gedanklich. Mir gefällt die Vorstellung Salat anzupflanzen, Kräuter zu ziehen, meinem Mädchen die ersten Tomaten zu reichen, oder meinem Jungen zeigen, wo er die Erdbeeren findet. Und, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben: Manches schmeckt aus dem eigenen Garten erst so richtig gut.

 

Leider bin ich praktisch nicht so gut drinnen. Im vergangenen Jahr hatte ich zwar Ideen, wie mir das gefallen könnte, habe aber dann doch andere Familienmitglieder mit unserem Hochbeet betraut. Dieses Jahr sollte es anders laufen. Aber Mitnichten: Wir waren ja den halben Mai unterwegs und seitdem wir wieder hier sind ist es zeitlich knapp. Da stehen andere Dinge im Vordergrund: ein paar Renovierungsarbeiten, ein bisschen Familienzeit und dann ist da noch Alltag – große Gartenaction ist erstmal nicht drinnen.

 

real01So habe ich die Beetplanung erstmal verschoben: Im Juli wollten wir uns  noch einmal damit auseinandersetzen, ob im Gemüsebett dieses Jahr noch etwas möglich ist. Ich tippte auf Kürbis, den Herbsttypen unter den Gemüsen, denn auch im Gartenmarkt herrscht schon ein bisschen Ebbe. Es gibt einfach zu viele Leute, die ihr Gartenvorhaben nicht nur gedanklich hatten, sondern tatsächlich auch noch umgesetzt haben. Da bringt uns real mit seiner Sammelaktion im Juni noch ein bisschen Kräuterflair.

Mein kleiner Bio-Garten

Seit dem 12. Juni und noch bis zum 22. Juli kriegt man dort bei jedem Einkauf über 20 Euro ein Sammelpflanztöpfchen dazu. Wir machen uns also auf, um ein bisschen einzukaufen und uns dabei ein kleines Kräuterjunges zu holen.

 

Vorab habe ich ein bisschen Angst, dass mein Kräuterjunges die Hitze nicht verträgt. Schließlich muss es – frisch eingekauft noch drei Stunden im Auto verbringen, bevor es – wie auch immer – zur Blüte gebracht wird. Meine Angst ist völlig unbegründet unser Kräuterjunges kommt in einem Pappbecher.

 

Die Pflanze ist ein  Mini-to-Go und sieht fürs erste aus wie Astronautenfutter. Unverwüstlich. Noch.

 

Zuhause gießt mein Mann ein Glas ins Töpfchen. Die Quelltablette pufft auf und dann: passiert erst mal gar nichts. Bis zu einer Woche dauert es, bis wir dann endlich Kräuterchen sprießen haben. Geduldig schauen wir regelmäßig nach und tatsächlich bewegt sich was.

 

Zeit im Hochbett Platz zu räumen, sieht gut aus: Außer den Pfefferminz-Sträuchern vom Vorjahr ist da noch nichts. Und während wir von Spaghetti mit Tomatensauce mit eigenen Kräutern träumen, zeigt unser Pflänzlein das erste Grün. Und vielleicht kriegt das Pflänzchen noch Geschwister: im Hochbett ist ja noch ausreichend Platz.

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Und wie kommt Ihr mit Eurer Garten- oder Balkonplanung voran: Habt Ihr schon alles gepflanzt und vielleicht sogar schon geerntet?

Familienrollen, Kultur mit Kind

“ Wir definieren Freiheit immer über Nacktheit, dabei findet die im Kopf und nicht darauf statt.“

Eine Frau, die schonungslos von ihrem Bindegewebe erzählt, sich für Frauenrechte einsetzt, übers Mutter sein bloggt und dabei ein Kopftuch trägt: Kennt Ihr nicht? Ich bis vor Kurzem auch nicht. 

 

Menerva hat mir erzählt, warum sie sich nach Pixie-Cut und Piercings für das Kopftuch entschied, warum sie in der Öffentlichkeit stillt und was sie sich für ihre Tochter wünscht: Das alles und noch mehr in den Familienrollen

 

Gleich vorweg: Ich kenne keine einzige bloggende Frau, die ein Kopftuch trägt, was nicht heißt, dass es nicht vielleicht viele gibt. Aber erzähl mal: Was bedeutet das Kopftuch für Dich? 

 

Das Kopftuch. Das Kopftuch bedeudet mir persönlich viel weniger, als das, was man in den Medien mitbekommt.  Ich bin in einer Familie aufgewachsen, wo niemand das Kopftuch trug. Es wurde auch niemals darüber gesprochen.

 

Ja, ich bin zwar religiös erzogen worden, aber Kleidung war immer Privatsache. Irgendwann hat mich eine Klassenkameradin gefragt, warum Musliminnen ein Kopftuch tragen ( das war in der 7. Klasse AHS) und ich hatte keine Ahnung. Alles was ich wusste war irgendetwas mit „Damit die Männer nicht hinschauen“, aber mit so einer absurden Idee, wollte ich nichts zu tun haben.

 

Gleichzeitig wollte ich aber auch nicht, dass meine Schulkollegin denkt, ich hätte keine Ahnung. Ich ging also in die Moschee, um nachzufragen. Dort empfing mich eine konvertierte Österreicherin und meinte, es habe nichts mit den Männern zu tun, sondern du als Frau sollst einfach entscheiden dürfen, wer was von dir sieht.

 

Es heißt zwar „Kopftuch“ auf Deutsch, aber die richtige Übersetzung wäre „Verhüllung“. Der Körper der Frau ist an Wert etwas höher als der des Mannes, weil er Leben in und aus sich tragen kann, dann auch noch dieses Leben ernähren. Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter. Mütter werden dreimal mehr geehrt als Väter.

 

Aus dieser Perspektive habe ich das Ganze noch nicht gesehen gehabt und fand sie sehr interessant. Somit hatte meine Kollegin eine Antwort und ich persönlich habe wochenlang recherchiert.

 

Eines Tages trug ich dann einfach eines, ohne meine Eltern zu fragen. Meine Mutter trug noch jahrelang danach eines, aber aus anderen Beweggründen.

 

 

Meine Mama hat Jahre nach mir eines getragen und das ist nun Jahre her. Ihre Beweggründe waren andere, mein Cousin ist in ihren Armen gestorben. Danach trug sie eines. Meine Beweggründe waren die neue Perspektive, die mir offenbart wurde & Neugier.

Und hier ist es wichtig zu sagen: Es gibt die Kopftuchfrau nicht. Es gibt die Muslima nicht. Es gibt Frauen, die ein Kopftuch tragen, aber das ist das Einzige, worin sie sich ähneln. Ein greifbares Beispiel: Es gibt den blöden, berühmten Scherz, dass alle Blondinen blöd sind. Sind sie das? Nein. Gleicht eine Blondine der anderen, nur, weil sie dieselbe Haarfarbe haben? Nein. So in etwa gilt es auch für uns.

Heute trage ich das Kopftuch seit zehn Jahren. Es ist ein Teil von mir, aber sicher nicht alles. Ich bin immer noch dieselbe Person, die sich ungehemmt über ihren großen Busen aufregt, weil ich aussehe als hätte ich drei Bäuche, ich liebe die Serie „Sex and the City“ und sobald ich nach Hause komme, kommen BH und Kopftuch als erstes weg. Es muss kein entweder oder sein, das Leben ist nicht schwarz oder weiß, sondern bunt und so sind Menschen im Kopf ja auch.

 

Ich verbinde damit ein Wohlgefühl. Ich hatte vorher Rastazöpfe, Dreadlocks, Pixie, Afro, alles was man sich vorstellen kann. Ich trug auch unheimlich gerne Bikinis, Miniröcke, habe Piercings.

Irgendwann verliebte ich mich aber in die Idee, die ich oben genannt habe und dachte „Ich probier das einmal aus“. Ich habe mich damit so wohl gefühlt, dass es eben so blieb. Es ist auch eine Sache des Wohlgefühls. Mal angenommen ich hätte mich damit gar nicht wohl gefühlt, dann hätte ich es wieder abgenommen, aber das ist bei mir nicht der Fall. Ich persönlich kenne auch keine Mami mit Kopftuch, die übers Mamasein bloggt.

 

Bei meiner Bloggerkollegin einerschreitimmer hast Du einen schönen Text verfasst, dass Du innerhalb der Wohnung eine Mutter wie jede andere bist, ohne das Kopftuch: Wie häufig musst Du Dich in Deinem Beruf als Journalistin und auch in Deiner Rolle als Mutter über Dein Kopftuch definieren? 

 

Ich finde überhaupt keine Fragen nervig, immer her damit. Das Einzige was mich schon manchmal verwundert, ist wenn Fragen kommen wie „Duschst du damit?“, oder „Wieso färbst du dir die Haare, die sieht ja keiner“, oder „Warum trägt deine Tochter keines?“ Meine Tochter ist fast 18 Monate alt, wieso sollte sie ein Kopftuch tragen?

 

Das sind dann Fragen, wo ich schon fast einen beleidigenden Beigeschmack mitempfinde, weil ich sicher nicht mit einem Kopftuch dusche. Ich definiere mich sehr minimal über das Kopftuch, weil ich so viel mehr bin, als einfach nur die sichtbare Muslima.

 

Ich bin eine schreckliche Köchin, rede wie ein Wasserfall, Bauchtänzerin, total unkreativer Mensch, reisesüchtig, Leseratte…einfach so viel mehr.

 

In meiner Mutterrolle hat es auch nicht viel verloren, es ist ja etwas Sichtbares, außer, dass es mir meine Tochter manchmal in der Öffentlichkeit runterzieht.

 

Deinen Blog lese ich besonders gerne vor allem aber auch wegen Deiner unverblümten Art. Verschleierung im Alltag, aber schonungslose Offenheit zum Beispiel in der Darstellung des eigenen Bindegewebens: Erklär mal, wie geht das zusammen und was sagt zum Beispiel Deine Familie (Eltern, Gatte etc.) dazu?

 

Ich bin ja sein ca. sieben Jahren Journalistin. Meine Hauptthemen waren/sind Feminismus und Muslime in Europa. Meine Art ist generell unverblümt, aber der Blog ist echt durch Zufall entstanden. Als Schwangere wollte habe ich mich online über andere Mamablogger informiert und bin über einen Blog gestoßen, wo die Bloggerin auch andere Autoren mitschreiben lässt. „Cool“, dachte ich und schrieb ihr. Bis heute kam keine Antwort.

 

Total frustriert habe ich das meinem Ehemann damals erzählt, und er meinte „Starte doch selber einen.“ Wir haben nur über eine Sache geredet: Wir wollten beide, dass das Baby nicht mit Gesicht im Internet erscheint. Das hat den Grund, dass ich oft Hassnachrichten bekomme. Ich möchte nicht, dass meine Tochter eine Zielscheibe ist.

 

Das ist aber auch alles.

 

Bindegewebe ist etwas Natürliches, genauso wie alles am weiblichen Körper. Dieses Verhüllen wird immer als Verklemmtsein, Unerfahrenheit, Abgehobenheit definiert, das ist aber eigentlich das Gegenteil. Ich habe eine sehr offene Art meinem und generell dem menschlichen Körper gegenüber, bin aber der Meinung, dass nicht jede Victoria ihre Secrets offenbaren muss.

 

Das soll einfach jede für sich entscheiden. Mein Mann mischt sich ein meine Blogeinträge gar nicht ein, der liest sie immer danach und findet sie entweder irrekomisch, oder eben traurig, weil ich ja Frauengeschichten aus aller Welt schreibe, da sind auch unschöne Schicksale dabei. Es interessiert ihn sehr und er pusht mich, dass ich weitermache.

 

Mein Blog ist für mich mein Zuhause, da sind meine Gedanken nackt und ich weiß, dass es irgendwo eine Frau gibt, die nachts unter der Bettdecke liegt und sich das am Handy durchliest, was ich schreibe. Die denkt sich dann dabei „Mir geht es auch so“ und das weiß ich nicht weil ich so super toll bin, sondern weil ich auch diese Frau bin- die sind wir alle. Und es ist ein so schönes Gefühl, wenn man nicht alleine ist, in diesem ganz normalen Wahnsinn, deswegen gebe ich es weiter.

 

Kürzlich habe ich im Berliner Gesundbrunnencenter eine Frau gesehen, die verschleiert war, aber mit blankem Busen ihr Kind gestillt hat. Ist das ungewöhnlich oder vermische ich da zwei Dinge? 

 

Ich mache das auch so wie die Dame, die du gesehen hast. Kindesernährung geht vor alles andere. Und ich werde meine Tochter nicht dort stillen, wo andere ihr Geschäft erledigen. Ich stille immer und überall. Meine Tochter mag diese Stilltücher nicht, sie reißt sie weg.

 

Und ich würde auch kein Tuch am Gesicht haben wollen, wenn ich esse. Ich entblöß mich jetzt nicht so viel es geht, aber mein Kind wird überall gestillt. Es gibt aber andere, die es anders machen, was ich hier sage, das gilt nur für mich.

Ob Religion, Feminismus oder Einsetzen gegen den Fremdenhass: Dein Blog ist bunt. Welche Werte möchtest Du Deiner Tochter mitgeben?

 

Ob Laila eines Tages ein Kopftuch trägt oder nicht, das spielt für mich keine Rolle. Ich möchte sie so erziehen, dass sie jeden Menschen in seiner Würde anerkennt und respektiert, auch wenn das der Mensch ihr gegenüber nicht empfindet.

 

Ich möchte, dass sie eines Tages eine Frau wird, die den eigenen Körper liebt und respektiert.

 

Wir definieren Freiheit immer über Nacktheit, dabei findet die im Kopf und nicht darauf statt.

 

Ich möchte, dass sie das weiß. Sie soll die Freiheit die sie hat für Gutes im Menschen einsetzen. Wenn ich das schaffe, dann erst war ich eine gute Mutter.

 

Letzte Frage: Daueraufreger Burkini – wie stehst Du dazu?

 

Ich trage den Burkini, weil er zu meinem momentanen Lebensabschnitt passt. Zufälligerweise finde ich ihn auch beim Schwimmen fast angenehmer, als die normalen Badesachen. Die Designs finde ich mal so mal so, aber der Comfort passt- jedenfalls mir. Er sitzt und schaut aus wie ein Taucheranzug. Ich find gerade beim Schwimmen sollte jeder anziehen was er möchte, weil es eine Spaßaktion ist.

 

Vielen lieben Dank für die tollen Einblicke, Menerva. 

 

Ihr habt ein Thema, das unbedingt mal in den Familienrollen behandelt werden soll, oder habt eine Familie, über die ihr gerne reden möchtet? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

Kultur mit Kind

Meine Liebe zum kalten Schweden (Alter Schwede: Åkes Welt – Kampagne mit Vaillant)- Werbung

So ähnlich sah die Landschaft auch bei uns aus.

Anzeige. Die Geschichte von einem 80-jährigen Mann, der ganz alleine im kalten schwedischen Winter friert und auf einem Portal in kleinen Videos davon erzählt? Warum mich das interessiert? Weil wir vor ein paar Jahren selbst in Schweden waren. Mitten im kalten Winter haben wir uns aufgemacht, um Jokkmokk und die vielen kleinen Orte auf dem Weg dorthin kennenzulernen. Insassen unseres (Sommer-)Wohnmobils: mein Mann, unser Hund im fortgeschrittenen Rentenalter, und ich.

Gleich nach meiner Unizeit hatten wir uns vorgenommen einmal quer durch Schweden zu fahren, um den dortigen Winter kennenzulernen. Kalt war es, bald wurde es dunkel: Wir tranken weihnachtlichen Punsch und es war ein großartiger, wirklich ganz wunderbarer, Urlaub, der uns oft auf grundelementare Fragen zurückgeworfen hat. Vielleicht hatte ich auch deshalb so viel Verständnis für den 80-jährigen Schweden Åke.

Es kann so verdammt kalt sein im Dunklen. Åke lebt 235 Kilometer nördlich vom Polarkreis, ist dort ziemlich alleine auf weiter Flur und möchte so gerne Gäste haben. Bis Minus 40 Grad ist das gar nicht so leicht, Menschen dafür zu begeistern, mal eben vorbei zu schauen. Zumal er nicht mal von der schwedischen Seite besuchbar ist, um den Schweden sehen zu können, muss man über Finnland reisen.

Mit Hilfe von Vaillant hat sich Åkes Welt nun ein bisschen verändert: Er hat sich eine Wärmepumpe besorgt und berichtet über seinen Fortschritt. Zudem erzählt er dort Dinge über seinen Heimatort Naimakka, Teil der Gemeinde Kiruna: Zum Beispiel, dass dort Highspeed-Internet vorhanden ist, am 21. Juli der Polartag ohne eine einzige Minute Dunkelheit ist und man zwischen August und April dort in der Gegend in 8 von 10 Nächten Polarlichter sehen kann.

Auch ein Wetterforscher kamen schon vorbei, um zu schauen, wie Åke da so lebt.

Energieproblem

Die Sache mit der Wärmepumpe hat mich auch wieder an etwas erinnert: Es kann verdammt kalt werden im schwedischen Winter, wenn es mit der Energieversorgung hapert. Auch wir hatten in unserem Urlaub ein Energieproblem. Unsere Gasflaschen waren leer. Weihnachten nahte und es wurde ganz schön kalt im Wohnmobil.

 

Leider passten die Anschlüsse der deutschen Gasflaschen nicht mit den schwedischen zusammen. Großes Glück hatten wir, dass wir am 24. Dezember einen Schweden fanden, der hierzu einen Adapter gebaut hatte.

 

Und die Romantik Schwedens war mit der Kälte dann doch ein bisschen getrübt. Åkes Welt werde ich in schöner Erinnerung an unseren Urlaub sicher noch weiter verfolgen. Weil Schweden im Winter einfach toll ist: Mehr als einfach nur ein vielerorts beschriebenes Bullerbü, wobei das natürlich auch nicht zu verachten ist. Grad vor dem nahenden Midsommar: Alter Schwede, bei Åkes Welt könnt Ihr auch ein Paket dazu gewinnen.

 

Und Ihr: Ward Ihr schon mal im Schweden? Und wenn ja, zu welcher Jahreszeit?

Die Bilder sind direkt dem Portal von Åkes Welt entnommen.