Familienrollen, Nachgefragt

Patchwork: „Mama- wer war der Junge mit der Brille? Kommt der wieder?“

Kurz verheiratet, plötzlich alleinerziehend und dann traf sie einen Take-That-Fan: Die überaus sympathische Britta erzählt vom Leben mit dem Wechselmodell, von der Liebe und wie sie plötzlich an der Spitze eines Shitstorms durch das Internet gesegelt ist. 
Auf Instagram gibt es ein hübsches Hochzeitsbild von Dir, mit dem eher unschönen Vermerk der extrem kurzen Ehe-Zeit:

IBritta mit Zigarettech traf meinen Ex-Mann mit 25. Wir verliebten uns, hatten ein wildes halbes Jahr, trennten uns immer mal wieder. Am Ende zogen wir trotzdem zusammen und nach nur sieben Monaten war ich schwanger. Als unser Sohn acht Monate alt war heirateten wir.

 

Wir waren beide Scheidungskinder und mit abwesenden und/oder kranken Eltern aufgewachsen und wollten es wenn schon richtig machen. Wir stürzten uns in Projekte: eröffneten ein Familiencafe, holten die kranke alleinstehende Schwiegermutter zu uns in die Stadt, dazu noch Jobs.

 

Zuviel Streit, zuviel Arbeit und Sorgen, zu wenig Schlaf, das eh schon schwierige erste Lebensjahr mit Baby, überall Baustellen. Und die Erkenntnis, dass wir eigentlich gar nicht besonders gut zusammenpassen… Ich trennte mich und wir versuchten eine kurze Zeit als Familien-WG zusammen zu leben. Nur sieben Monate nach der Hochzeit zog ich mit dem Kind in eine eigene Wohnung. Die ganze Ehe hat insgesamt nicht mal zwei Jahre gedauert…

 

Mit Deinem großen Teil Kind warst Du dann also alleinerziehend: Welche Herausforderungen musstet Du meistern?

 

Es war anfangs furchtbar, ich war unfassbar müde und dazu die schrecklichen Schuldgefühle, dass ich es für mein Kind mit der glücklichen Kindheit versaut und seinen Papa kurz nach der Hochzeit mit allem sitzen gelassen hatte. Und fast alle Freunde waren plötzlich weg- schockiert, dass wir es doch nicht geschafft hatten.

 

Ich war zum ersten Mal im Leben von Ämtern abhängig: Wer schon mal mit dem Jobcenter zu tun hatte, weiss wie krass das ist, wenn man sich dermaßen offenbaren muss.

 

Egal wie ätzend wir uns vertragen haben, wie wahnsinnig wütend ich war: wir haben uns große Mühe gegeben unseren Sohn niemals aus dem Blick zu verlieren. Wir haben beide niemals daran gezweifelt, dass wir unserem Sohn fabelhafte Eltern sein würden. Ich bin mit dem Kleinen fast täglich zum Papa ins Cafe, er hat sofort zwei, dann drei Nächte jede Woche dort geschlafen. Das war hart, er war schließlich echt noch super klein und oft krank. Was wirklich half: ein gemeinsamer Freund hatte mit unseine Art Elternvereinbarung geschrieben, wir haben uns u.a. auf Besuchszeiten geeinigt und diese Vereinbarungen dann auch eingehalten. Wir haben sie später an Kindergarten- und Grundschulzeit angepasst.

Beruflich sah ich bald (trotz Kita-Platz) in meinem alten Job beim Fernsehen und meiner Ausbildung keine Perspektive mehr. 2011 habe ich meine Ausbildung bei der Stadtbibliothek angefangen und 2014 als Alleinerziehende in Teilzeit mit Auszeichnung als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Darauf bin ich schon stolz. Es war ätzend, es war schwierig. Fast ein Jahr musste ich Spätdienste machen, auch mal samstags arbeiten, bis ich dann Teilzeitarbeit beantragen konnte. Ich habe ADHS und es ging mir seelisch nicht besonders gut nach der Trennung, ich hatte ständig Hexenschüsse, Migräne und eine wandernde Sehnenscheidenentzündung. Mein Sohn hatte Neurodermitis, Pseudo-Krupp und allergisches Asthma. Übernommen wurde ich wegen meiner Fehlzeiten trotz Bestleistung zwar nicht, aber ich habe so lange gekämpft, bis ich am Ende doch noch meinen Traumjob im öffentlichen Dienst bei der Stadt bekommen habe: so bin ich zwar nicht Lehrerin geworden wie fast alle in meiner Familie, aber trotzdem in der Schule gelandet. Als Schulbibliotheksleiterin.
Nun bist Du Mutter eines zweiten Kindes und wieder verpartnert: Was zeichnet Euer Familienmodell aus?

Britta am StrandGute zwei Jahre nach der Trennung lernte ich auf einer Geburtstagsfeier meinen Freund kennen.

 

Ich war grade 30 geworden, alleinerziehend, geschieden, mitten in der Ausbildung, hatte mich auf ein Leben alleine mit Kind eingestellt. Nicht grade der Hauptgewinn. Er war gar nicht mein Typ: bärtig, volltätowiert, lustig, der größte Take-That-Fan.

 

 

„Mama- wer war der Junge mit der Brille? Kommt der wieder?“ fragte mein Sohn nach dem ersten Zusammentreffen. Wir luden ihn dann direkt zum Abendessen ein und er ist seitdem ein Teil von uns. War vom ersten Tag an für uns da. Im Mai sind wir fünf Jahre zusammen und unser kleiner Sohn ist eineinhalb Jahre alt. Als ich schwanger wurde zogen wir zusammen in die unmittelbare Nähe zur anderen Familie des Großen. Ich bin täglich fasziniert wie schön das ist, wenn man zusammen Kinder groß zieht und nicht rund um die Uhr alleine damit ist. Trotzdem war das Alleinerziehende sein eine wichtige und auch schöne, intensive Zeit.
Mein Ex-Mann hat ebenfalls noch mal eine neue Liebe mit einer ehemaligen Mit-Kita-Mama gefunden. So bekam mein Sohn noch eine gleichaltrige Stiefschwester, die er schon sein ganzes Leben kennt. Als mir mein Ex-Mann dann eröffnete, dass sie noch mal eine Tochter erwarten, wirkte das Ganze scheinbar ansteckend, denn vier Monate später war ich ebenfalls schwanger.

Seit der Einschulung vom Großen, der ja mittlerweile auch schon acht ist, leben wir das 50/50-Wechselmodell im Wochenrhytmus- montags ist Wechseltag. Seine Geschwister und wir vermissen ihn, die lieben ihn heiss und innig. Geschwister bekommen ist für ein Kind eh schon aufregend. Zu wissen, dass sich da in der eigenen Abwesenheit ein neues Kind zuhause breit macht, das ist glaube ich ein echt hartes Brot und da muss man ganz viel Verständnis für Ängste und Gefühle des Kindes haben.

Anfangs bin ich allen mit Familienkonferenzen nach Jesper Juul auf die Nerven gegangen, wollte ständig auf dem Laufenden gehalten werden, auch mal telefonieren. Mittlerweile setzen wir uns zwei mal im Jahr alle zum Essen zusammen und am Ende packen wir Großen die Kalender aus. Unser Sohn wird niemals schaffen auf ALLEN Hochzeiten zu tanzen, aber wir geben uns Mühe, dass er bei den schöne Sachen nirgendwo fehlt. Ich lebe natürlich ein bisschen mit der Sorge, dass mein Sohn eines Tages die Nase voll hat und lieber bei einem von uns fest wohnen will. Es ist eine Gratwanderung zwischen Festhalten und Loslassen. Er darf sich entscheiden dürfen irgendwann. Ich möchte ihn natürlich so gerne immer gut beschützen und bei mir haben und muss ihn gleichzeitig trotzdem ständig aus meiner Obhut entlassen. Momentan üben wir, dass er alleine erste Wege durch unser Viertel gehen darf. Er war super stolz. Auf sich und besonders auf mich.

Manchmal merkt man dem Großen natürlich auch an, dass sein Leben nicht das unkomlizierteste ist. Seit ein paar Monaten gehen mein Ex-Mann und ich zur Familienberatung und arbeiten gemeinsam an einem etwas einheitlicheren „Regelwerk“ für unser Kind, versuchen in engem Kontakt zu sein. Schließlich ist es nicht so leicht getrennt zusammen ein gemeinsames Kind zu erziehen.
Ich bin dankbar, dass mein Sohn so eine tolle Stiefmama hat. Und einen Papa, der von Anfang an um ihn gekämpft hat wie ein Löwe.
Welche Ratschlag hast Du an andere Eltern, die das Wechselmodell leben wollen?

 

Die Eltern sollten es BEIDE wollen, das Kind ein gutes Gefühl und eine sichere Bindung zu beiden Eltern haben. Wenn BEIDE Eltern ihr Leben so einrichten können, dass das Kind darin auch wiklich Platz hat: perfekt. Ich denke, dass das Wechselmodell nur ab Grundschulalter geeignet ist, wenn das Kind vorher bereits regelmäßig viel Zeit beim jeweils anderen Elternteil verbracht hat und alle idealerweise nah beieinander wohnen.

 

Die Eltern sollten sich halbwegs gut verstehen und in der Lage sein, sich regelmäßig und engmaschig auszutauschen, gemeinsam Termine in Schule, Kita etc. wahrnehmen können, ohne sich zu streiten. Wichtig: Elternvereinbarungen schreiben und sich daran halten. Hilfe holen, wenn es Probleme gibt. Alle einweihen. Es ist so eine Erleichterung, wenn man im Vorfeld Streitpunkte ausräumen kann. Wenn in ein Patchwork-Wechselmodell dann noch neue Partner und Kinder dazu kommen braucht es einfach gute Organisation, viel Feingefühl, manchmal Flexibilität: noch mehr Schul- und Kitafeste, mehr Ferienplanung, mehr Kindergeburtstage etc…

 

Und: das Wechselmodell ist leider eng an das Thema Gleichberechtigung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf geknüpft! Es bringt glaube ich wenig, wenn der Papa (oder halt die Mama) eigentlich jeden Tag bis um 19h oder 20h im Büro Anwesenheitspflicht hat und seine Arbeitszeiten nicht wirklich an das Wechselmodell anpassen kann. Wenn es allerdings absolut „normal“ ist, dass wir Mütter unsere Arbeitszeit an den Zeiten unserer Kinder ausrichten, wieso sollten dann Väter nicht nach Trennungen ebenfalls zu ihrem Arbeitgeber gehen können und sagen:Ich beantrage Teilzeitarbeit oder eine Reduzierung meiner Arbeitszeit! Ich muss mich nach dem Kindergarten/ nach der Schule um mein Kind kümmern, das ich von jetzt an getrennt erziehe.“ Das klingt halt komisch, sollte doch aber irgendwie machbar sein können. Das klassische „alle 14 Tage eine Übernachtung beim (meist) Papa“-Modell halte ich für total veraltet. Aber solange es die Norm ist, dass die Väter meistens Montag bis Freitag nicht vor 20:00h aus der Arbeit heimkommen und ihre Kinder nur am Wochenende wach erleben, wird das mit dem Wechselmodell wohl schwierg bleiben. Das Familienleben generell.

Das Wechselmodell kann auch als Chance gesehen werden. Natürlich verpasst man die Hälfte des Lebens des Kindes, aber: in der kinderlosen Zeit hat man halt auch viele Freiheiten. Spielplatzfrei, Zeit für Freunde, Sport, Weiterbildung, Netflix und Co. Und wenn das Kind da ist, hat man dafür die ungeteilte Aufmerksamkeit, die Zeit wird intensiver genutzt. Ein bisschen wie eine Fernbeziehung. Für uns gab es halt keine Alternative.
Kürzlich hast Du eine Welle ausgelöst, weil Du darauf aufmerksam gemacht hast, dass sich die Zeitschrift Nido einen ziemlichen Fauxpas geleistet hat. Erzähl doch mal, worum es ging und warum Dir der Einsatz dafür so wichtig war?

In der letzten Ausgabe gabs diesen Artikel mit dem Thema „33 Dinge, die mit Kindern noch mehr Spaß machen“ und einem kurzen Text aus Sicht eines Vaters (wie sich später rausstellte und ich schon geahnt hatte) über das Lästern. Das kann ja befreiend sein und Spaß machen. Der Autor war der Meinung, dass gemeinsames Lästern mit seiner Tochter gegen einen „gemeinsamen Feind“, in diesem Fall eine dicke Frau in einer Apotheke, besonders toll sei und man so Allianzen schaffe und es das familiäre Zusammenhaltsgefühl super stärken würde. Ich war entsetzt. Wenn es nicht die dicke Frau gewesen wäre, dann hätte es genausogut ein Mensch mit Behinderung, anderer Herkunft oder sexueller Orientierung sein können und das halte ich einfach für FALSCH. Man lästert nicht mit oder vor seinen Kindern über andere Menschen. Mobbing als Art des Bondings halte ich für gefährlich und falsch. Welche Schlüsse zieht die Tochter aus dem Verhalten ihres Vaters? Ein Artikel, der so in einer Elternzeitschrift nichts zu suchen hat.

 

 

Auf Instagram und Facebook versickerte mein Protest, darum dann Twitter. Einige Stunden später kam die (verschlimmernde) Reaktion von der Nido-Redaktion.
Sie wären natürlich gegen Ausgrenzung und Bodyshaming, aber weil das so ehrlich gewesen sei und sie selber ja nicht perfekt wären, hätten sie es (das vom Autor vorgeschlagene Thema) doch nach langem Diskutierten ins Heft reingenommen. Aber es täte ihnen leid, sollte sich dadurch jemand persönlich angegriffen gefühlt haben. Das war sehr „sorry- I’m not sorry“-mäßig. So ein stammtischiges, leicht angetrunkenes „Das wird man doch mal sagen dürfen! Is doch so…!“

Ich bin selber mit elf Jahren zum ersten Mal Mobbingopfer geworden, weil ich etwas größer und schwerer war als die anderen in meiner Klasse. Der Spott und die Verachtung saßen tief. Das hat mir viele schlechte Jahre beschert… Und Lästern wurde und wird auch in meiner Familie als Bonding praktikziert. Sich dem zu entziehen ist mühsam und viel Arbeit. Niemand ist weniger wert als meine Familie oder ich. Niemand muss abgewertet oder ausgegrenzt werden, damit ich mich besser fühlen kann. Ich kann immer noch nicht glauben, dass die Nido das ernst gemeint hat und das nicht ein soziales Experiment war.

Was wünscht Du Dir für Deine Familie für die Zukunft?

 

Neulich hat der Große in der Familienberatung unsere Familie mit Schleich-Tieren aufgestellt. Das war super interessant. Uns alle so zu sehen mit seinen Augen. Ich wünsche mir einfach, dass sich alle wohl fühlen in unserem System Patchwork-Familie. Auch die am Rand. Und dass keiner verloren geht oder unter. Und ich wünsche mir noch ein drittes Kind irgendwann demnächst, und dass wir alle gesund bleiben, wertvolle Zeit miteinander haben und Zeit für Ausflüge und Abenteuer. Aber auch jeder genug Platz für sich selber. Dass wir uns weiter lieben und zusammen alt werden.

 

Vielen lieben Dank für das Interview, Britta. 

 

Ihr habt auch eine Familiengeschichte, die ihr gerne mal in den Familienrollen erzählen wollt? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. 

Elternfragen

Stoffwindeln: Vorurteile und Nachteile einer Wickelart

Jeden Dienstag geht es in den Elternfragen um Dinge, die Eltern bewegen: Heute erzählt  Stoffwindelberaterin Su Grundlegendes über den Gebrauch von Stoffwindeln und versucht die drei Vorurteile  zu entkräften. 

 

Du bist Stoffwindelberaterin und ich Stoffwindelskeptikerin: Zu viel Wäsche, zu viel Arbeit und zu viel Aufwand, denk ich mir. Was sind Deine Argumente für den Gebrauch von Stoffwindeln?

 

Das Hauptargument ist natürlich die Müllvermeidung. Mit Stoffwindeln sparst du ca. 1,3 Tonnen Müll pro Kind.
Die Geldersparnis ist natürlich auch ein wichtiger Punkt.

 

Stoffwindeln kosten dich zwischen 200 -750€ für die komplette Wickelzeit.

 

eln kosten dich zwischen 200 -750€ für die komplette Wickelzeit.

Es ist so, dass man für eine Wickelzeit von 3 Jahren 5000 Stück Wegwerfwindeln benötigt, die in etwa 1000-1500 Euro kosten.
Stoffwindeln sind gut für die Umwelt, da sie nicht, wie Wegwerfwindeln, voller Chemie sind.
Und natürlich sind sie auch gesund fürs Baby. Keine Chemie, die am Babypopo ist.
Es kann dir nicht passieren, dass du vergisst Windeln zu kaufen. Stoffwindeln hat du immer da und musst keine Windelpackungen nach Hause schleppen.
Und mein liebstes Pro-Stoffwindel-Argument: Sie sind so hübsch und in so vielen Designs verfügbar.

 

 

Bei den „normalen Windeln“ hört man häufig von Pampers und „den anderen“: Welche Unterschiede gibt es bei Stoffwindeln? 

Bei Stoffwindeln gibt es grundsätzlich 2 verschiedenen Systeme – Windeln mit Überhosen und Windeln ohne Überhosen.

Die Windeln, welche mit Überhosen verwendet werden, bestehen aus zwei Komponenten (habt ihr vermutlich schon erahnt).
Die Überhosen gibt es mit Klett, mit Snaps, aus PUL, aus Mikrofaser oder Wolle.
Die Windel, unter der Überhose, können nun Bindewindeln, Höschenwindeln oder Systemwindeln sein.

Und dann gibt es die Windeln, die ohne Überhosen verwendet werden. Da gibt es die AIO (All-In-One), AI2 (All-In-Two), AI3 (All-In-Three) und Pocketwindeln.

Um das geeignete System für sich und sein Baby zu finden, empfehle ich eine Stoffwindelberatung. Dabei findet jeder das passende System – versprochen!

 

 

Stoffwindel oder Wegwerfwindel: Gilt hier das Prinzip ganz oder gar nicht? 

 

 

Ich nutze zu Hause nur Stoffwindeln. Wenn wir aber im Urlaub sind, nehmen wir Wegwerfwindeln, da ich in den meisten Unterkünften keine Lust habe, Stoffwindeln zu waschen. Fahren wir aber zur Familie nach Deutschland, wo ich dauerhaft Zugang zu einer Wäsche hab, nehm ich auch Stoffwindeln.
Bei uns gibt es also kein „Ganz oder Gar nicht“. Man sollte es, wie immer, nicht zu eng sehen.
Am Anfang würde ich dennoch immer empfehlen komplett auf Stoffwindeln umzusteigen und Wegwerfwindeln nur im Notfall zu nutzen.

 

 

Du hast drei Kinder: Was hat Dich selbst zum Stoffwindeln gebracht? 

 

Wir haben bei der Räubertochter vor 8,5 Jahren nur mit Wegwerfwindeln gewickelt. Sie war leider sehr oft wund, aber Stoffwindeln kannte ich damals nicht wirklich und fand es sehr komisch und kompliziert.
Beim Fuchsjunge, vor fast 7 Jahren, hatte meine Schwester mit dir Stoffwindeln meiner Nichte geliehen und mich überzeugt, dass es doch ganz gut ist, dass mal zu versuchen. Als Studenten fanden wir die Kostenersparnis super. Er wurde dann auch 1 Jahr nur mit Stoffwindeln gewickelt. Damals mit gefalteten Mullwindeln und ner Überhose. Mit Kinderkrippen-Start „mussten“ wir dann auf Wegwerfwindeln umsteigen.
Und als letztes Jahr Das Indianermädchen unterwegs war, war für mich schnell klar, dass ich wieder Stoffwindeln haben möchte. Der Mann war erst nicht wirklich begeistert, da er keine Lust auf das Falten von Mullwindeln hatte. Also haben wir uns ein System gesucht, welches dem Mann und auch später mal der Kinderkrippe zusagt.
Im Urlaub nutzen wir meistens Wegwerfwindeln, aber den Geruch von einer angepinkelten Wegwerfwindel halte ich fast nicht aus. Daher benutzen wir die nur wenn es wirklich nicht anders geht (bzw. der Aufwand uns zu hoch wäre).
Ansonsten finde ich es überhaupt nicht schwer, anstrengend oder kompliziert bei den Stoffwindeln zu bleiben. Wäsche habe ich sowieso ständig, da fallen die Windeln überhaupt nicht auf. Und wenn ich ausrechne, wie viel Geld wir schon gespart haben, kann ich viel Eis essen gehen.

 

 

Hand aufs Herz: Mit welchen Vorurteilen hast Du in punkto Stoffwindeln am meisten zu kämpfen?

 

Die typischen Vorurteile sind ja „es ist kompliziert“, „es ist so aufwändig“ und „es stinkt“.
Da kann ich aber in allen 3 Punkten widersprechen.

1.) Stoffwindeln sind so kompliziert wie du sie dir machst. Manche mögen es Mullwindeln zu falten und benutzen diese Methode immer. Andere wollen, dass das Wickeln mir Stoffwindeln genauso schnell und einfach ist, wie mit „Pampers“. Für die gibt es dann die AIO – Windeln. Und dazwischen findet jeder was für sich, ohne dass es kompliziert ist.
2.) Viele sagen, dass das waschen so aufwändig ist. Ich bin jedoch der Meinung, dass diese eine Maschine, alle 2-3 Tage, weniger (oder max gleich viel) Aufwand ist, wie das Be- und Entsorgen von Wegwerfwindeln.
3.) Benutzte Stoffwindeln riechen weniger intensiv, als benutzte Wegwerfwindeln.
Bei „Pampers“ kommt zusätzlich noch der chemische Geruch dazu, dadurch riechen sie gleich viel „stinkiger“.

 

Vielen lieben Dank für die Erläuterungen, Su.

 

Die Bildrechte liegen bei © Elena Nanni Wickelakrack Stoffwindelberatung Oldenburg.

 

Ihr habt auch ein Thema, das unbedingt mal in den Elternfragen behandelt werden soll, dann schreib mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

Kaffeehauskultur, Kultur mit Kind

15 gute Gründe, warum Kinder und Bücher wunderbar harmonieren

Dieser Blog startete mit der Frage: „Kultur mit Kind: Wie lässt sich das vereinen?“ Zweieinhalb Jahre später, und nun mit zwei Kindern, ist es Zeit sich wieder einmal der Frage zu zu wenden. Vor allem zum 23.April, zum Welttag des Buches: Den meine Kultur ist und bleibt das Lesen.

Hier meine 15 guten Gründe, warum Kinder und Bücher immer super zusammen gehen:

 

 

Neben den Kindern

1.) Der Tatort beginnt um 20 Uhr 15, die Spätvorstellung im Kino um 22 Uhr und das Museum macht nicht vor 10 Uhr auf: Mein Buch hat immer Zeit, wann mir danach ist.

2.) Manche Bücher sind so spannend, dass ich zweieinhalb Stunden lese, obwohl die vergangene Nacht nicht gut war und die aktuelle auch verdächtig danach aussieht: Es gibt sie, die Bücher, die den Schlaf für kurze Zeit unwichtig machen. Das Gute: Zeitlich drängt mir mein Buch nichts auf, ob ich eine Seite lese oder 50 bleibt mir überlassen.

 

3.) Was ich an Büchern bereits als Kind so sehr mochte: Sie zwängen einem nichts auf, die Bilder entstehen in meinem Kopf und nur dort. Meine Biografie fließt genauso in meine Lesart mit ein, wie die des Autors: Das ist ziemlich besonders.

 

4.) Analoge Romantiker, die nur das gedruckte Buch haben wollen, lagen nie nachts neben einem Kind, dass sich noch nicht ganz sicher ist, ob es einschlafen will: Ein großes Lob an dieser Stelle an mein Tablet.

5.) Zehn Minuten Autofahrt: Beide Kinder schlafen. An ein Umparken der beiden Kleinen ist nicht zu denke: Gut, dass da das Date mit Seite 232 naht.

 

 

Für die Kinder

 

6.) Das Schöne an Büchern ist, sie unterstützen Deine Erziehung durch Geschichten: Ausprobiert beim Geschwisterkind, an Weihnachten und an Ostern. Klappt gut. Allerdings: Die Buchhändlerin, die mir für meinen Dreijährigen die Auferstehungsgeschichte verkaufen wollte, find ich dann doch etwas übermotiviert.

7.) Das Schöne ist: Lesende Eltern können ihren Kindern quasi noch mal die eigene literarische Kindheit präsentieren.

 

8.) Das Lustige ist: Eigener Geschmack setzt sich dennoch durch. Mein Junge mag ernsthaft Leo Lausemaus (ein Geschenk!). Ich find diese klugscheißende Maus schrecklich, beuge mich aber.

 

9.) Meine Freundin liest regelmässig allen Kindern, die zu Gast sind, vor: Fünf kleine Kinder, die um sie rum schwawenzeln, wunderbar zu betrachten.

 

10.) Mein Junge hat schon seinen eigenen Geschmack: Mit „1000 Fahrzeuge“ habe ich Gefährte kennengelernt, von deren Existenz ich noch nichts geahnt hatte.

 

 

Mit den Kindern

11.) Nicht jedes Kinderbuch ist toll: Das Tolle ist lesende Eltern und Kinder mit Phantasie können sich eigene Geschichten stricken.

 

12.) Geschichten verbinden Generationen: Enkel. Eltern. Großeltern. Urgroßeltern.

 

13.) Die Figuren aus den Kinderbüchern kommen raus: Sie kommen in den Alltag, sind in Filmen, in Theaterstücken und immer wieder auch in Gesprächen.

 

 

14.) Wer sich mit Büchern vergnügen kann, langweilt sich nie. #erfahrung

15.) Nichts ist durch Lesen zu ersetzen: Und alle können sich nebeneinander alleine beschäftigen: Womit geht das sonst schon?

 

Hab ich irgendwas vergessen?

 

Ich wünsche Euch einen schönen Welttag des Buches,

Bettie

Alltag, Kultur mit Kind

Ostern: Gute Wünsche und Blogurlaub

Wir haben Osternesterl gesucht und gefunden, schöne Ostern gewünscht und auch schon ein wenig gutes Zeugs gegessen: Damit machen wir jetzt weiter und der Blog geht in eine kleine Osterpause.

 

Vielleicht kennt Ihr aber unsere Freitagslieblinge noch gar nicht? Oder seid grad mitten in der Beikostphase: Dann würde ich Euch das Interview mit Jana empfehlen, warum man sich da nicht so stressen soll.

 

Spätestens am 25. April geht es hier wieder weiter mit den Elternfragen zum Thema Stoffwindeln. Bis dahin könnt Ihr uns aber auf Facebook, Twitter und Pinterest besuchen, da passiert immer ein bissl etwas.

 

Bis dahin: Schöne Ostern und habt es fein,

Bettie

Alltag, Kultur mit Kind

Freitagslieblinge: Osterferien in fünf schönen Momenten

Diese Woche hatten wir Osterferien. Also einer von uns. Die Kita war zu und wir waren (fast) alle daheim. Das Wetter hat überhaupt nicht mitgespielt. Schön, war es trotzdem.

Was war diese Woche so los? Was hat uns bewegt. 

1. Mein Lieblingsmoment mit den Kindern.

 

Irgendwo hab ich gesehen, dass es Stifte gibt, mit denen man die Fenster bemalen kann. Das fand ich ganz großartig. In meiner Kindheit gab es das nur mit Fingermalfarben und das konnte man eigentlich nicht wirklich im Haus machen. Deshalb wollte ich das unbedingt ausprobieren. Mein Junge findet es toll. Mein Mädchen schaute fleißig zu. Und mein Mann und ich gewöhnen uns sicher an den blauen Fleck da an der Wand.

 

 

2. Mein Lieblingsessen der Woche.

 

Normalerweise kommt mein Junge unter der Woche erst nach dem Kita-Mittagesssen nach Hause: Diese Woche gibt es immer zuhause Mittag. Im Anschluss: Bei mir Kaffee, bei ihm ein eher mittelgesundes Getränk und Kekse. Das mögen wir.

 

3. Mein Lieblingsbuch der Woche.

Zsuzsa Bank ist eine wunderbare Schreiberin. Ihr Buch „Die hellen Tage“ habe ich geliebt. Nun hat sie ein neues Buch geschrieben und ich hab mich unbändig gefreut als ich es entdeckt habe. „Schlafen werden wir später“ ist ein Briefroman. Zwei Freundinnen unterhalten sich: Eine ist Lehrerin und kinderlos, die andere ist dreifache Mutter und Schriftstellerin. Beiden ist gemeinsam, dass sie ziemlich unglücklich in ihrem Leben sind. Ob ich das vielleicht etwas anstrengend finde, kann ich noch gar nicht sagen, da ich erst ziemlich am Anfang der Lektüre bin. Sprachlich ist es auf alle Fälle wieder so zauberhaft, dass ich so manches verzeihe.

 

Kuchen
4. Mein Lieblingsmoment für mich.
Diese Woche gibt es ganz viele kleine Momente: das Abhängen mit den Kindern, das früher Nachhause-Kommen von meinem Mann und der Ausflug in die Buchhandlung, der am Wochenende noch mal wiederholt wird. Und ja, Kuchen, natürlich auch.
 
5. Meine Lieblingsinspiration der Woche.
 Meine Lieblingsinspiration der Woche ist tatsächlich Pinterest. Lange konnte ich nicht verstehen, was die Leute dort so toll finden, bis ich gemerkt habe dort kann man echt alles suchen.
Ich sammle da Kuchen, die toll aussehen, Blumen, die mir gefallen und ein paar Artikel von mir gibt es auch. Eigentlich wie überall, nur mit einer echt genialen Suchfunktion. Besuchen könnt Ihr mich übrigens hier.
Seit heute Morgen sind wir alle übrigens zuhause und beginnen mit unserer österlichen Mischung aus Abhängen-Rumfahren-Besuch kriegen-und-Leute-besuchen.
Und was habt Ihr so vor, die Osterfeiertage?
Mehr Freitagslieblinge gibt es wie immer bei Anna von Berlinmittemom.
Hebamme
Elternfragen, Kultur mit Kind

Brei oder Baby Led Weaning: Hebamme Jana über die Beikost-Einführung

Beikost, Brei und Baby Led Weaning: Jana von Hebammenblog beantwortet die Elternfragen zum Thema Beikost. Woran merke ich, dass mein Baby bereit ist zum Essen, wie ist das mit den Süßigkeiten beim zweiten Kind und kann man eigentlich Geschwister bei der Fütterung gut miteinbeziehen? Antworten gibt es im Interview. 

 

Sechs Monate stillen und dann langsam mit Brei starten: Das Modell erscheint mir etwas überholt und von weniger Leuten genau so praktiziert. Warum findet das Modell Baby Led Weaning immer mehr Anhänger? 

 

 

Sechs Monate voll Stillen und dann jede Woche ein neues Nahrungsmittel einführen: So wurde das ca zwei Jahrzehnte lang propagiert. Hier in Berlin haben in den 80er, 90er Jahren sicher fast alle Eltern die Pastinake als erstes Lebensmittel für’s Baby kennen gelernt – dicht gefolgt von Kartoffeln, Fenchel und Mohrrübe.
In dieser Strenge ist das ein absolut überholtes Model. Das kommt vor allem auch daher, dass man inzwischen ein viel besseres Verständnis von der Entstehung von Allergien hat.

 

Dachte man damals noch, ein Kind von bestimmten Lebensmitteln so lange wie möglich fernzuhalten, wäre das Beste, so weiß man heute, dass quasi das Gegenteil der Fall ist. Mit bestimmten Lebensmitteln wie Fisch, Eiern und Weizen, sollen Kinder nun früh Kontakt kommen. Noch bevor das kindliche Immunsystem so ausgereift ist, dass es diese wohlmöglich als fremd identifiziert.
Ab wann allerdings ein Baby alternative Nahrung zu sich nehmen möchte, das entscheidet jedes Einzelne selbst. Manche Babys mögen und können schon mit vier Monaten ein Brötchen im Mund zerknautschen (sie saugen eher daran, als es wirklich zu essen), manche brauchen 10 Monate um die Nahrung im Mund zu behalten. Denn zuerst sorgt ein kindlicher Reflex dafür, dass Festes von der Zunge sofort wieder aus dem Mund befördert wird. Und dann wird der neue Geschmack auch erst erlernt.
Außerdem kann man dieses erste Probieren nicht wirklich Essen nennen. Es ist ein Spiel. Für eine lange Zeit ist die Stillmahlzeit danach, weiterhin die richtige Mahlzeit.
BLW bedeutet, dass das Kind selbst entscheidet, was es essen möchte. Man gibt ihm handliche Portionen verschiedener Nahrungsmittel in Reinform. Es bekommt also am Anfang eine Mischung zwischen Rohkost und gedünstetem Essen. Nach und nach bekommt es dasselbe, was in der Familie gegessen wird. Nur eben ungesalzen und wenig gewürzt. Auch nimmt es die Lebensmittel selbst in die Hand. Es wird also nicht, wie vormals beim Brei, gefüttert.
Wichtig ist noch, dass solange das Baby nicht selbst sitzen kann, es aufrecht gehalten wird. Und natürlich sollten die Babys nie mit dem Essen alleine gelassen werden. Manche Babys verschlucken sich doch Anfangs noch manchmal.
Baby Led Weaning oder Brei: Niemand muss sich wirklich entscheiden. Wie können Eltern das Beste aus beiden Formen ziehen?
Ich finde auch, dass man das alles nicht so streng nehmen sollte. Die Form muss auch zur Familie und zu den Bedürfnissen aller Familienmitglieder passen. Es ist absolut in Ordnung eine Mischform zu betreiben. Vielleicht wird bei der gemeinsamen Familienmahlzeit, mit Zeit und Ruhe BLW praktiziert. Und ist ein Elternteil alleine mit dem Baby oder in Zeitnot oder unterwegs, dann gibt es eben mal einen Brei.
Es gibt auch durchaus Kinder die die eine oder andere Form nicht mögen. Solange noch gestillt wird, muss man sich eh im ersten Jahr nicht allzu große Sorgen machen, ob das Kind mit allem bedacht wird, was es braucht. Denn es wird ja immer noch über die Muttermilch mit vielen guten Stoffen versorgt.

 

 

Woran merke ich, dass das Baby wirklich schon bereit zum essen ist?
Die Babys beginnen einem die Bissen in den Mund zu schauen. Der Zungenreflex (das raus-Schieben der Nahrung) lässt nach. Bei den meisten Kindern ist das zwischen 5 und 7 Monaten der Fall.
„Oh Baby, es gibt Brei/Baby Led weaning“. Wie kann man größere Geschwister in die Fütterung miteinbeziehen, so dass beide Spaß daran haben?
Bei BWL ist das ja easy. Beide Kinder bekommen einfach gleiches Essen. Dann ist hoffentlich keins eifersüchtig und sie können auch mal tauschen/sich gegenseitig füttern.

 

 

Mein Junge wurde die ersten eineinhalb Jahre völlig zuckerfrei erzogen. Mir schwant schon, dass das bei der kleinen Schwester nicht ganz so einfach ist. Wie stehst Du zum zuckerfreien ersten Jahr: Notwendig, oder Kokettiererei?
Tja das kommt darauf an, wie stressig man es möchte. Bzw. vielleicht auch eher wie entspannt man beim zweiten Kind ist. Natürlich ist es super, das Baby nicht zu früh an Zucker zu gewöhnen. Aber ehrlich gesagt, finde ich es relativ illusorisch, das streng durchzuziehen. Das fängt ja schon mit `nem Eis im Sommer an. Soll das große Kind das heimlich essen? Klar, dass man das Baby nicht routinemäßig mit Fruchtsaft und Nutella füttert. Aber wenn es davon mal was erwischt, ist das auch kein Drama. Und andererseits bringt einen das Baby vielleicht dazu, die eigenen Essgewohnheiten und die, die das große Kind inzwischen hat, noch einmal ein wenig in Frage zu stellen.
Ich plädiere hier aber für Entspanntheit. Eine vierköpfige Familie ist schon oft Herausforderung genug.

 

Vielen lieben Dank für die Antworten, Jana.

 

Susanne von Geborgen Wachsen hat mir in einem Interview schon mal verraten, wie Baby Led Weaning auch im Kaffeehaus oder Restaurant funktionieren kann.

 

Immer am Dienstag gibt es hier die Elternfragen: Ihr interessiert Euch für ein bestimmtes Thema und möchtet gerne mehr darüber lesen? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.