Alltag, Kultur mit Kind

Grusel, Gartenparty und Spaziergänge / Unser Wochenende in Bildern vom 30. Oktober bis 1. November 2015

Die Elternzeit ist vorbei, der Herbst ist plötzlich wieder golden und das Wochenende fühlt sich sehr gut an, seht selbst. 
Freitagmorgen gibt es Kekse und Kaffee als zweites Frühstück. 
Der Mittagsschlaf ist etwas verkürzt, denn der Postmann klingelt recht anhaltend. Im Lego-Paket sind drei Dinge. 
Am Freitag packen wir erstmal den Traktor aus. Kommt super an, wie beim Bobbycar gibt es diese faszinierende Anhänger-Kupplung. 
Vor lauter Spielen kommen wir zu spät zu unserem Spazierdate. 
Aber schaffen es noch in der Helligkeit die Enten zu füttern. 
Wieder bin ich schwach geworden und habe im Supermarkt Blumen gekauft: Schaurig schön. 
Am Samstagmorgen wird das zweite Päckchen geöffnet: Das Befüllen des LKW macht großen Spaß. 
Wir wollen einkaufen. Samstagmorgen weder im Prenzlauer Berg noch in Pankow vor elf sehr gut möglich. 

Ein paar Läden gibt es dann doch. Da gehe ich aber nicht rein. 
Jemand Kleines findet es aber dann doch ganz faszinierend. Übrigens trägt die Verkäuferin Katzenohren: Halloween eben. 
Mittags gibt es für mich Soja-Klöpse. 
Es gibt auch noch richtig urige Ecken im Prenzlauer Berg, vor einer parken wir dann auch. Mein zweiter Pulli-Kauf-Versuch ist auch am Nachmittag nicht erfolgreich. 
Wir sind eingeladen zu einer Halloween-Abgrill-Party, mit außergewöhnlich hübschem Außenklo. 
Das Feuer wärmt, stresst aber irgendwie auch ein bisschen, deshalb werden wir – trotz netter Gesellschaft dort nicht alt. 
In unserer Nachbarschaft gibt es in der Zwischenzeit ein Halloween-Theaterstück. 
Und am Abend kommt mein persönliches Gruseln in den Garten. 
Sonntagmorgen gibt es Brötchen. 
Und das dritte Paket wird geöffnet. Die Lego-Tiere habe ich schon als Kind geliebt. Besonders beliebt ist der Fisch. 
Mittags gibt es Käsespätzle, die, glaub ich, schon auf zu vielen Fotos waren. 
Und eine kleine Nachspeise. 
In der Mittagsschlafzeit ist für mich ein bisschen Blogzeit. 
Und ein Bild erreicht uns: Vom Radler auf dem Teufelsberg. 
Wir bekommen Besuch von einer Freundin, die wir rennend abholen. Der Kinderwagen bleibt zuhause. 
Dann machen wir Waffeln, das ideale Rezept dazu suchen wir allerdings noch. Das mit Joghurt scheint es nicht zu sein.

Und wie war Euer Wochenende so? Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen.

Die Produkte wurden von der Lego GmbH zur Verfügung gestellt. Dafür danken wir recht herzlich. Unsere Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 
Alltag, Kultur mit Kind, Meinung

Mein digitaler Alltag, oder Internet mit Kind

Manchmal sehr praktisch. 

Vor ein paar Tagen saß ich im Warteraum der KITA. Mir gegenüber ein Vater, der auf seine beiden Töchter wartete. Wir unterhielten uns. Er war gesprächig. Theoretisch. Praktisch nur zum Teil. Denn, obwohl er viel erzählen wollte, schafft er es nicht seine Augen von seinem riesigen Smartphone zu wenden.

Ich fand das furchtbar. Und kam nicht umhin, ständig meinen Kopf so drehen zu wollen, dass ich irgendwie in sein Blickfeld geraten könnte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir das so nicht passieren würde. Theoretisch. Denn auch bei mir ist das Telefon recht zentral.

Der Tagesablauf 

Selfies: Das mögen wir.

Am Morgen weckt mich mein Telefon und dazu meist ein paar kleine Symbole: Die Freundin auf WhatsApp, die das Treffen für den Nachmittag bestätigt. Eine Bloggerkollegin auf Facebook, die unseren Dialog noch fortgesetzt hat, als ich schon im Bett war. Und eine Twitterdiskussion, die noch weiterging, als ich längst geschlummert habe.

Um diese Uhrzeit schaue ich zwar drauf, kommentieren tue ich später. Denn mein Sohn muss in die Kita, vorher noch essen, anziehen und ein paar Dinge, die da sonst noch anfallen. Für die blinkenden Symbole habe ich da keine Zeit.

Am Vormittag bin ich zuhause und lebe mein Bloggerleben, das heißt, bis Mittag bin ich rund um die Uhr online. Mittags kommt mein Sohn nach Hause, vor dem Mittagsschlaf ist das Telefon kaum in Gebrauch.

Ausgeschlafen

Das gilt nicht für den Nachmittag. Wir machen Selfies, wir machen Bilder und wir telefonieren mit Facetime: Immerhin wohnt ein großer Teil unserer Familie so weit weg, dass anders diese Kommunikation in der Form sehr schwierig würde. Kurze Nachrichten beantworte ich, manchmal lese ich auch ein paar Texte, wenn mein Sohn alleine spielt. Videos schauen wir keine, und auch Spieleapps, die ich selber nicht mag, sind kein Thema bei uns.

Richtig tabu ist das Telefon erst wieder später: Essen mit Telefon find ich ähnlich absurd, wie ein laufender Fernseher und auch bei Schlafritualen ist das Telefon wenig förderlich.

Kurze Begeisterung

Kürzlich bekamen wir ein Kinder-Ipad geschenkt: Meinen Sohn interessiert es wenig. So ein Gerät soll doch schließlich vor allem der Kommunikation dienen. Und dafür ist das aus unserem Alltag nicht wegzudenken.

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade von #mydigitalday von Mama on the Rocks, deren Frist ich gerade noch so geschafft habe. Mein digitaler Alltag wird jetzt sowieso ein bisschen anders, das Ende der Elternzeit ist erreicht.

Und wie innig ist Eure Beziehung zu Eurem Telefon? Ähnlich wie meine, schaut Ihr nur im Notfall drauf, oder könnte mir das mit Euch passieren, was ich mit dem Mann in der KITA erlebt habe?

Familienrollen, Kultur mit Kind

„Wenn man Glück hat, dann kann das Leben sehr schön sein.“ / Familienrollen mit Jugendlichen aus dem SOS-Kinderdorf

Außenansicht Zentrale.

Immer am Freitag geht es um die Familienrollen: Heute erzählen mir zwei Mädchen aus dem Berliner SOS-Kinderdorf, wie ihr Alltag dort aussieht und was sie sich für die Zukunft wünschen.

Seit wann lebt Ihr im Berliner SOS-Kinderdorf Berlin?

Franziska: Ich, Franziska*, wohne seit fast 13 Jahren im SOS-Kinderdorf und bin 17 Jahre alt.

Mir ist es wichtig, dass wir zusammen wie eine Familie harmonieren und Spaß
miteinander haben.

Ich bin hier, weil meine Mutter ein Alkoholsuchtproblem hat und sich deshalb nicht um mich/uns kümmern kann/konnte.

Lin: Ich heiße Lin* und lebe seit Mitte April im SOS-Kinderdorf Berlin.
Ich gehe jeden Tag in die Schule und am Samstag gehe ich in die Chinesische Schule. Am Donnerstag gehe ich nach der Schule zum Turnen in einen Verein.

Wie sieht Euer Alltag dort aus?

Erwachsen werden (Rechte: Torsten Kollmer 2013)

Franziska: Mein Alltag besteht daraus,  dass wir alle morgens zur Schule müssen und dort
die Hälfte des Tages sind. Die Wohnungen sind nett alle zusammen. Es gibt zwei Familien
in der Waldstraße und zwei Familien in der Stephanstraße.

Befreundet sind wir mit der Familie gegenüber, wir kommen gut mit denen aus. Essen
öfter Kuchen am Wochenende zusammen, was sehr schön und manchmal lustig
ist.

Lin: Wir wohnen in vier getrennten Kinderdorf-Familien, zwei sind in der Stephanstraße. Jede Kinderdorf-Familie hat andere Regeln. Wir können uns nach der Schule auch mit Freunden treffen.

Was gefällt Euch besonders gut? Was vielleicht nicht so gut?

Franziska: Was mir besonders gefällt,  dass ich hier mit meinen Geschwistern zusammen bin und nicht getrennt voneinander.

Lin: In den Gruppen machen wir auch Ausflüge, zum Beispiel Schwimmen, Schlittschuh laufen, ins Aquarium. Es gibt auch doofe Sachen, die man nicht so gerne mag, zum Beispiel Regeln.

Habt Ihr Kontakt zu Eurer Familie?

Erwachsen werden (Rechte: Torsten Kollmer 2013)

Franziska: Ich habe keinen Kontakt mit meinen Eltern, sondern nur mit meiner Oma. Ich werde noch bis ca. Mai 2016 hier wohnen bleiben. Vielleicht auch länger, je nachdem, wann
ich eine Wohnung finde.

Lin: Wir haben Tage, wo unsere Eltern zu Besuch herkommen oder wir gehen zu ihnen. Es ist unterschiedlich, wie lange man hier wohnt.

Wie ist das Zusammenleben mit den anderen Familienmitgliedern, kann man das mit
Geschwistern vergleichen oder trifft es Freunde eher?

Franziska: Auf jeden Fall kann man das wie Geschwister vergleichen. Wir wohnen hier so lange schon zusammen, sind nichts anderes gewöhnt und ich liebe meine Geschwister und
die anderen aus der Familie wie meine eigenen Geschwister.

Lin: Das Zusammenleben ist unterschiedlich, wie in jeder anderen Familie und jeder versteht sich mit dem einen gut und dem anderen nicht so gut.

Wie erklärt Ihr anderen das Konzept Eures Wohnens?

Franziska: Ich erkläre das nicht bei mir in der Schule und wenn, dann sage ich, ich wohne mit
meiner Familie in einer Pflegefamilie mit noch anderen Mitbewohnern und das nehmen
sie so hin. Sie verstehen das und manche kennen das sogar vielleicht.

Lin: Es fühlt sich so an, als ob man im Ausland zu Besuch ist und wir da länger wohnen würden.

Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?

Franziska: Also privat wünsche ich mir, dass auch wenn ich nächstes Jahr ausziehe, der Kontakt und
das Vertrauen weiterhin bleiben und dass ich immer zu denen kommen kann, egal was ist, so wie jetzt. Zum meinem Beruf: Ich wünsche mir,  dass ich meine jetzige Ausbildung nächstes Jahr bestehe und die weiterführende Ausbildung antreten kann. Vorausgesetzt, ich finde einen Schulplatz.

Lin: Das Einzige, was ich mir wünsche, ist Glück. Wenn man Glück hat, dann kann das Leben sehr schön sein.

*Namen wurden geändert

Über das Berliner SOS-Kinderdorf: Im SOS-Kinderdorf Berlin leben vier SOS-Kinderdorffamilien. Jeweils 6 Kinder bzw. Jugendliche, die Kinderdorfmutter und ein unterstützendes Team bilden eine Familie. Da die Kinder meist aus Berlin bzw. Berlin-Mitte kommen, können sie ihre Schule oder ihren Kindergarten weiterhin besuchen und Kontakt zu vertrauten Freunden pflegen. Neben den Familien gibt es im SOS-Kinderdorf Berlin viele Angebote unter einem Dach: Kita mit 80 Plätzen, Familientreff mit Cafeteria, Familienbildung, Erziehungs- und Familienberatung, außerdem schulbezogene Angebote und Angebote zur Ausbildung und Qualifizierung Jugendlicher.

Nächste Woche in den Familienrollen: Nicole berichtet von ihrem Familienleben inklusive der Bonustochter. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mal an fruehesvogerl@gmail.com. 

Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Thriller mit spannendem Klappentext

Ich hab mich mal wieder gerne zur Verfügung gestellt, als Bettie mich gebeten hat, ein Buch zu lesen, bei dem sie vermutete, dass es in eine Richtung geht, die nicht ganz ihr Geschmack ist.

Erst mal kann ich dich, liebe Bettie, und auch alle anderen, die empfindlich sind, bei Thrillern, in denen es um Kinder geht, beruhigen: Das ist hier nicht der Fall. Es werden hier keine kleinen Kinder zu Mordopfern oder sie sind auch nicht gefangen in den Händen von irgendwelchen Perversen.

„Der Manipulator“ hört sich vom Klappentext her total spannend an und man geht sehr erwartungsvoll ran. Stuart Nicklin ist ein Serienmörder par excellence, der im Gefängnis sitzt und damit raus rücken will, wo eines seiner Mordopfer begraben ist – seine einzige Bedingung: Der Ermittler Tom Thorne muss die Reise auf die einsame Insel, wo die Leiche vergraben ist, begleiten. Das ist eigentlich auch schon die ganze Story. Daneben laufen noch zwei weitere Handlungsstränge – einer davon ist die Geschichte, was vor 25 Jahren auf besagter Insel passiert ist. Titel und Klappentext versprechen einem viel, das beim Lesen dann aber nicht gehalten wird.

Die Geschichte will einfach nicht so richtig in Gang kommen und man erwartet viel mehr Manipulation und Psychospielchen, die man aber einfach nicht bekommt. Alles in allem, versucht der Autor Mark Bilingham eine sehr atmosphärische Stimmung zu schaffen, indem er das Buch auf einer Insel in Wales spielen lässt, aber das allein macht halt leider keinen Thriller lesenswert.

Meine Cousine Steffi springt ein, wenn mir das Buch zu gruselig ist: Danke. Mal wieder. Das Buch scheine ich problemlos lesen zu dürfen. Nur so richtig überzeugt es mich nicht. Habt Ihr Krimi-Tipps für mich?

Kultur mit Kind, Meinung

Halloween setzt Erziehungsmodelle außer Kraft

Vor drei Jahren war ich zu Halloween am Helmholtzplatz im Prenzlauer Berg: Hunderte von Kindern wuselten verkleidet rum. Der Spielzeugladen war restlos überfüllt, und viele quietschten vor Vergnügen. In vielen Läden wurden Süßigkeiten ausgegeben und Scharen von Kindern zogen von Tür zu Tür.

Ich liebe Verkleiden. Die Stimmung war großartig. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie toll das für Kinder ist. Aber. Aber: Zum einen finde ich es etwas befremdlich, wenn dreijährige Mädchen als Leiche verkleidet rumlaufen, und aussehen als wären sie schwer krank. Ich könnte etwas von pietätslos und von persönlichem Erschrecken murmeln, dann würde man mir aber vielleicht entgegnen, dass ich das mit Halloween nicht verstanden habe, deshalb höre ich ja schon auf. Aber. 
Und jetzt zum größeren Aber, was mir wirklich nicht in den Kopf geht: Der Großteil der Eltern predigt täglich, dass Kinder nichts von Fremden annehmen sollen. Das sind diese Eltern, die ihre Kinder am 31. Oktober ermuntern sich von jedem x-beliebigen Menschen ein altes Kekserl in die Hand drücken zu lassen. Kann mir das mal jemand erklären, warum für einen Tag die Erziehungsgrundsätze außer Kraft treten? Oder seht ihr das ganz anders?

Für Hilfe wäre ich denkbar, denn die Partystimmung am Helmholtzplatz fand ich eigentlich recht überzeugend. Eigentlich. 

Kultur mit Kind, Nachgefragt

„Wenn ich meine Reichweite dafür nutzen kann, ein bestimmtes Reiseziel für Familien zu empfehlen oder Möbeldesigner für Kinderzimmer vorzustellen, dann wäre es total dämlich, es nicht auch für den guten Zweck zu machen.“ / Reisebloggerin zum Ehrenamt

Immer am Dienstag gibt es die Kultur mit Kind – Reihe, dieses Mal geht es um das Thema Toleranz: Sophie (Blog: Berlinfreckles und NetWorkingMom) hat vor einigen Monaten in einer beispielhaften Aktion ihre Haare gespendet. Im Interview erzählt die Berlinerin, wie es dazu kam, warum sie Engagement sichtbar machen will, und wie sie ihren Kindern Toleranz näher bringt. 

Stell Dich doch bitte mal kurz vor. 

Ich bin Sophie, wohne in Berlin und bin irgendwas Ende 30. Ach Quatsch, ich liefere konkrete Zahlen: Ich bin in diesem Jahr 38 Jahre alt geworden, habe drei Kinder, die acht Jahre, fünf Jahr und ein Jahr alt sind und habe mich in meinem Personalausweis genau vier Zentimeter größer geschummelt, weil ich damals dachte, ich könnte ja mal einen Beruf ergreifen, für den man als Frau eine gewisse Mindestgröße braucht. Heute sitze ich auf einem höhenverstellbaren Bürostuhl, mache Öffentlichkeitsarbeit für eine Non-Profit Organisation und habe zwei Blogs (BerlinFreckles und NetWorkingMom), weil ich tagsüber ja noch nicht genug Buchstaben in einen Computer hacke!

Vor einigen Wochen hast Du Deinen Zopf abschneiden lassen. Die Idee dahinter, war nicht eine bloße Typveränderung, sondern Du hast Deinen Zopf gespendet. Wie kam es dazu? 

Foto: Michael Hübner (B.Z.)

Wenn mich jemand auf meine jetzt ziemlich kurzen Haare anspricht, dann kann ich mit einem Schmunzeln sagen, dass die Haarfee jetzt meinen Zopf hat. Auslöser für die Idee, meine Haare für krebskranke Kinder zu spenden, war ein Beitrag im Kinderfernsehen, in dem ein Mädchen ihre Haare gespendet hat, damit daraus für ein anderes Mädchen, das Krebs hat und durch die Chemotherapie ihre Haare verlor, eine Perücke gemacht werden kann. Meine beiden Großen waren sehr beeindruckt von dieser Spende und es war ziemlich schnell klar, dass ich als einzige aus der Familie die nötige Haarlänge habe, um so etwas zu tun. Je mehr ich dazu im Internet recherchierte, desto klarer war für mich, dass ich meine langen Haare wirklich spenden möchte.

Wie waren die Reaktionen darauf?

Die Reaktionen auf meine Aktion waren wirklich toll und haben mir gezeigt, dass es eine gute Idee war. Ich habe viel Ansporn bekommen und mein Spendenaufruf wurde ganz oft geteilt. Ich hatte ja meinen Zopf gemessen und dazu aufgerufen, dass ich pro 10 Euro, die gespendet werden, einen Zentimeter Zopf spende. Meine Hoffnung war, dass die Summe von 330 Euro (33 Zentimeter Haar) schnell zusammen kommt, damit ich noch vor unserem Sommerurlaub den Zopf spenden kann. Am Ende kamen über 1.400 Euro zusammen, die ich an zwei Kinderhospize in Berlin und Hamburg weitergeleitet habe. Es gab natürlich auch ein paar vereinzelte Stimmen, die fragten, warum man um eine Zopfspende so viel Rummel machen muss. Man könne den schließlich auch einfach so spenden.

Als Bloggerin habe ich aber eine gewisse Reichweite und es heißt nicht umsonst: „Tue Gutes und rede darüber!“ Wenn ich meine Reichweite dafür nutzen kann, ein bestimmtes Reiseziel für Familien zu empfehlen oder Möbeldesigner für Kinderzimmer vorzustellen, dann wäre es total dämlich, es nicht auch für den guten Zweck zu machen. Ich bin Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei einer Non-Profit Organisation und erinnere mich an eine flammende Rede von Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, als ich mein Abschlusszertifikat zur Stiftungsmanagerin bekam. Es ging um etwas, dass im gemeinnützigen Sektor oft vergessen wird: Hebelwirkung. Dabei ist die Sache ganz einfach. Du kannst etwas Gutes tun und es für dich behalten. Daran ist nichts verkehrt. Aber du kannst auch etwas Gutes tun und anderen davon erzählen und sie bitten, es wiederum anderen zu erzählen. Du kannst dokumentieren, was du tust und du kannst erklären, warum du das tust und was es bewirkt hat. Das wird weitere Menschen bewegen, etwas Gutes zu tun. Als ich das Spendengeld an die Kinderhospize weitergeleitet hatte, habe ich geschrieben: „Und jetzt sitze ich wieder auf dem Sofa, habe das Notebook auf dem Schoß und freue mich, dass man einfach „nur“ mit Worten und Klicks so viel bewegen kann.“

Ob es die Aktion mit dem Zopf ist, oder das Projekt „Blogger für Flüchtlinge“ ist: Du engagierst Dich. Wie vermittelst Du Deinen Kindern Deine Einstellung? 

Foto: Michael Hübner B.Z.

Ich selbst würde sagen, ich bin allenfalls so eine Art „Teilzeit-Engagierte“. Es gab schon immer Phasen in meinem Leben, in denen ich mich viel engagiert habe und Phasen, in denen ich mich vorrangig um mich selbst und meine Lieben gekümmert habe. Es gibt wahnsinnig viele Menschen, die sich viel mehr engagieren als ich. Ich lebe aber mit der Einstellung, dass es besser ist, ein bisschen Gutes zu tun, als gar nichts zu tun, weil man schließlich nicht allen helfen könne.
Manchmal muss ich schon arg an mich halten, wenn ich mitbekomme, wenn Menschen ausführlich erst einmal alle Gründe aufführen, wieso sie etwas nicht tun können, als auch nur den kleinsten Finger krumm zu machen.

Meine Kinder sind jetzt 8 Jahre, 5 Jahre und ein Jahr alt. Mit den beiden Großen spreche ich recht oft über das, was um sie herum passiert oder was sie zum Beispiel bei den Logo Kindernachrichten im Kinderfernsehen sehen. Allerdings erkläre ich ihnen nicht lang und breit jede Tätigkeit, die irgendwie mit meinem persönlichen Engagement zusammenhängt. Wie heißt es so schön? „Kinder achten mehr darauf, was Eltern tun, als was sie sagen.“

Wir wohnen beide in Berlin. Ich bin der Meinung, dass man in Berlin Kindern eine andere Toleranz vermitteln kann als an vielen Orten, weil es hier eben auch bunter ist. Stimmst Du mir zu, oder hast Du ganz andere Erfahrungen gemacht?

Absolut. Ich sehe das genauso. Es passiert schnell, vor etwas Angst du haben, das man nicht kennt. In Berlin sieht man zugegeben als Kind manchmal mehr schräge Dinge, als den Eltern lieb ist, aber hier geht es zumindest in den meisten Stadtteilen bunt zu. Im Kindergarten muss man den Kindern nicht umständlich etwas über Multikulti beibringen, wenn die Kinder jeden Tag erleben dürfen, wie multikulturelles Miteinander funktionieren kann.

Was wünscht Du Dir für Deine Kinder? 

Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie die kindliche Neugier und Unvoreingenommenheit noch lange beibehalten werden, dass sie ganz viel hinterfragen werden. Ich finde es zum Beispiel wahnsinnig toll, mit meinen Kindern zu philosophieren – auch wenn im Alltag manchmal nicht wirklich viel Zeit dazu bleibt. Das kann einer dieser Tage sein, an denen das Wetter nicht wirklich toll ist, aber man merkt, dass die Kinder sich trotzdem unbedingt noch ein wenig an der frischen Luft bewegen müssen. „Ich muss die Kinder mal auslüften“, nenne ich das dann gern. Ich bin überzeugt, dass man das regelmäßig auch mit seinen Gedanken tun sollte. Deshalb wünsche ich mir für meine Kinder auch, dass sie wissen, wie man seine Gedanken auslüften kann, wenn man mal feststeckt in seinen Denkmustern oder an einem Problem herumknuspert.

Vielleicht mache ich das auch nicht ganz uneigennützig. Falls ich irgendwann mal selbst zwischen selbst hochgezogenen Denkmauern fest stecke, möchte ich Kinder, die zu mir sagen: „Mama, komm, wir gehen mal Gedanken auslüften.“

Vielen lieben Dank für das Interview, Sophie.

Die Bilder wurden freundlicherweise von Sophie zur Verfügung gestellt.