Familienrollen, Kultur mit Kind

„Oft werde ich belächelt und als ‚Übermutter‘ bezeichnet.“

Diese Woche in den Familienrollen erzählt Steffi, warum sie sich ganz bewusst für eine Betreuung ihrer drei Kinder zu Hause entschieden hat, wie ihr das Umfeld dabei begegnet und was sie anderen Eltern in dieser Situation empfiehlt. 

Du bist Mutter von drei Kindern. Keines davon hat den Kindergarten besucht. Warum habt Ihr Euch dazu entschlossen?

Als ich zum ersten Mal Mama wurde, stellte ich mir unsere Zukunft ganz anders vor. Geplant war eigentlich nur ein Kind und das sollte wenn es 2,5 Jahre alt ist, in den Kindergarten kommen, so wie bei uns in Österreich es eigentlich auch „üblich“ ist. Doch als mein Großer dann zwei Jahre alt war, kam sein Brüderchen auf die Welt und so stand für mich fest, dass er nun auch noch zuhause bleiben darf. Als der mittlere dann zwei Jahre alt war, kam unser dritter Sohn auf die Welt. Da stellte sich für mich die Frage, ob nun Kindergarten oder nicht, gar nicht mehr. Ich liebte es meine Kinder den ganzen Tag um mich zu haben. Jetzt sind meine Kinder 20 Monate, fast 4 und 5,5 Jahre alt.

Wie habt Ihr den Alltag gestaltet?


Unser Alltag war zum Teil streng geplant und zum teil eher locker. Vormittags spielten die Kinder eigentlich immer brav zusammen, in dieser Zeit habe ich den Haushalt erledigt und ein warmes Mittagessen gekocht.

Nach dem Mittagessen hat der Kleine immer geschlafen, in dieser Zeit habe ich mit den beiden großen gebastelt, Brettspiele gespielt oder auch manchmal einfach nur gekuschelt. <3

Nachmittags haben wir Freunde besucht, Ausflüge gemacht oder den Wocheneinkauf erledigt. Einmal pro Woche gingen wir in eine Spielgruppe, wo sie mit Gleichaltrigen spielen konnten. Es war und ist auch heute noch manchmal sehr anstrengend, aber ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut, meine Kinder nicht fremdbetreuen zu lassen. Hilfe hatte und habe ich nur in Ausnahmesituationen.

Seid Ihr mit diesem Modell eher Außenseiter in Eurer Gegend und wie reagiert Dein Umfeld darauf?

Ja absolut. Bei uns in Oberösterreich ist es, wie schon erwähnt, eher die Regel dass die Kinder mit 2,5 oder 3 Jahren in den Kindergarten kommen. Wir müssen uns oft rechtfertigen, warum unsere Kinder nicht in den Kindergarten gehen. Oft werde ich belächelt und als „Übermutter“ bezeichnet.
So sehe ich das aber nicht. Ich sehe nur einfach keinen Grund, meine Kinder fremdbetreuen zu lassen, wenn ich doch sowieso zuhause bin. Mein Großer ist jetzt 5,5 Jahre und ist somit im verpflichtendem Kindergartenjahr. Das bedeutet, er muss ein Jahr bevor er in die Schule kommt in den Kindergarten gehen.
Somit kann er schonmal viele Kinder, die dann mit ihm in die Schule kommen kennen lernen. Ihm gefällt es sehr gut und auch ich bin mit dieser Lösung super zufrieden.

Als Du Dich für die #familienrollen gemeldet hast, hast Du erzählt, dass Dein Mann im Sommer viel weg ist und im Winter häufig zuhause ist. Was bedeutet diese Umstellung für Euch?

Ja genau, mein Mann ist von Beruf Baggerführer und daher vom Frühling bis in den Spätherbst sehr viel am arbeiten. Er verlässt das Haus zwischen 5 und 6 Uhr morgens und nicht selten kommt er erst um 20 Uhr wieder nach Hause. So passiert es oft, dass die Kinder ihn tagelang nicht sehen, da sie morgens noch und abends schon wieder schlafen, wenn er nach Hause kommt. Dies ist oft schwierig, nicht nur für die Kinder, sondern auch für mich. Ich bin zu 100% alleine für die Kinder verantwortlich, was oft nicht einfach ist, wenn man nie eine Minute unter tags für sich hat. Im Winter hat er dafür sehr viel frei. Daher bedeutet Winter für uns einfach Familienzeit. Wir machen Urlaub, besuchen Freunde und Familie und genießen die gemeinsame Zeit umso mehr. Wir wissen es zu schätzen, da wir ja wissen, es wird im Frühling wieder anders sein. Die Umstellung dann im Frühling, wenn die Arbeit wieder losgeht, ist vor allem für die Kinder jedes Jahr sehr schlimm.

Was empfiehlst Du Eltern, die sich für eine Rund-um-die-Uhr-Zuhause-Betreuung entscheiden?

Ich empfehle euch: Organisiert euren Alltag. Gerade auch, wenn Geschwisterkinder auf die Welt kommen, geht oft nichts mehr ohne Planung. Das fängt beim Essens- und Wocheneinkaufsplan an und endet bei diversen Arztbesuchen. Außerdem finde ich es wichtig, dass es kleine „Auszeiten“ auch für euch gibt.

Sei es der Kaffee der noch in Ruhe getrunken wird morgens, wenn die Kinder noch schlafen, oder die entspannende Badewanne abends. Ohne solche kleinen Auszeiten, die man auch bewusst als solche wahrnimmt, hätte ich es oft nicht so entspannt geschafft den Alltag zu wuppen. Außerdem finde ich es wichtig, den Kindern Kontakt mit anderen Kindern zu ermöglichen, sei es eine Spielgruppe, der Spielplatz oder Treffen mit Freundinnen, die auch Kinder haben. Dann, finde ich, steht einer kompletten „Alleinbetreuung“ nichts mehr im Wege, die Kinder müssen schon noch früh genug, in den Alltag mit Schule oder verpflichtendem Kindergartenjahr (zumindest bei uns in Österreich) starten.

Danke für die Antworten und die Bilder, Steffi. 

Nächste Woche in den Familienrollen: Stefanie erzählt, wie ihre Familie reagierte, als sie sich in eine Frau verliebte. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mal an fruehesvogerl@gmail.com. 

Kultur mit Kind, Meinung

Die Taschen der Mütter / Bilderfrauen

Meine vier Bloggerkolleginnen Alina (Liebling – Ich Blogge, Jetzt), Alu (Grosseköpfe), Bella (familieberlin), Dajana (Mit Kinderaugen) und ich haben das Projekt Bilderfrauen ins Leben gerufen: Jede Woche stellen wir uns Fragen, die uns zu Mode, Beauty und Lifestyle durch den Kopf gehen.

Dieses Mal wollte ich wissen: Mit welchen Taschen transportiert Ihr eigentlich die vielen Dinge des täglichen Lebes?

Ich gestehe, dass erste halbe Baby-Jahr war ich ein großer Freund der Wickeltasche. Sie war blau, neutral und hat ein unglaubliches Fassungsvermögen. Was konnte man dort alles reinpacken: Windeln, Wechselklamotten für Mutter und Kind, und sogar Zeug, dass ich sonst in meine Handtasche packe: Alles hatte Platz.

Doch dann geschah Folgendes: Die Wickeltasche begann sich aufzulösen. Zuerst sah es nach sanften Verschleiß-Erscheiungen aus, bald konnte man es aber nicht mehr leugnen: Sie war unbrauchbar.

Ton in Ton: Außerdem eine Erinnerung an eine tolle Kunstmesse.

Die wichtigen Utensilien für Kind und mich in so ein schickes kleines Täschchen zu stopfen, käme mir aber irgendwie komisch vor. Und Rucksäcke finde ich ganz nett an Sportlern und Kleinkindern, an mir allerdings eher weniger. Deshalb mach ich es wieder wie früher: Ich trage Beutel.

Immer dabei einen Beutel fürs Kind: Meist mit Windel, Wechselklamotten, Obstquetschies und Wasser. Und einen für mich: Mit Buch, Geldtasche und anderen Kleinigkeiten.

Das ist super, und für nahezu jedes Outfit gibt es einen und viele haben eine Geschichte.

 Der Nachteil: Mittlerweile hab ich wirklich viele dieser Beutel. Und sie hängen überall.

Und das haben die Mädels auf die Taschenfrage geantwortet:

Alina von Liebling – Ich blogge, Jetzt

Liebe Betti,

als ich noch eine ganz frisch gebackene Mama war, da nutzte ich ganz gewöhnliche Wickeltaschen, doch so 100 % überzeugen konnte mich keine. Ich habe viel herum probiert und versucht eine für mich passende Tasche zu finden und kaufte ein paar.

Nach ein paar Monaten merkte ich, dass ich genau so gut meine gewöhnlichen Taschen für unser Kleinzeug benutzen konnte und fing an meine geliebten Taschen wieder heraus zu kramen, denn ohne Möppel war ich das erste Jahr so gut, wie nie unterwegs: wo also die alten Taschen benutzen? Ich kramte sie also aus der tiefsten Versenkung und achtete nur auf eine einzige Sache, einen langen Henkel musste sie haben.

Seit dem trage ich ganz gewöhnliche Taschen in dem all unser Zeug verstaut ist. Für gewöhnlich haben wir generell nicht viel dabei. Sandspielzeug und Matschhose, sowie Regenjacke sind unten im Kinderwaagen und in meiner Handtasche habe ich nur Wickelzeug, Wasser und etwas zu essen. Ich vergesse für gewöhnlich immer etwas nur eins nicht: Essen! 🙂

Das wars von uns, summa summarum sehr gewöhnlich und einfach, die Basics sind meistens mit dabei, aber mehr auch nicht. Ich bevorzuge die einfachen Varianten.

Deine Alina

Alu von Grosseköpfe

Liebe Bettie,

Eine Freundin sagte mir einmal: „Umso älter die Kinder werden, umso weniger Kram braucht man“! Und ich wartete. Wann wird es wohl endlich soweit sein, dass man weniger „Kram“ mitnehmen muss?  Keine Windeln, keine Wechselwäsche, kein Essen für Zwischendurch mehr? Ich warte noch immer! Denn ehrlich gesagt, ist der Fall so nie eingetreten.

Alles hat sich nur verschoben! Reisten wir früher mit einer RIESIGEN WICKELTASCHE für alle vier Personen, so reisen wir nun mit einer Tasche für die Erwachsenen, einer Handtasche von K1 und einem Rucksack von K2. Sicher, das Volumen hat sich verändert und wir können die einzelnen Taschen mit „Kram“ viel besser verstauen, aber wirklich weniger ist es nicht geworden.

Denn K1 braucht immer eine Flasche Wasser und einen Keks, K2 braucht immer Lego, mindestens ein neues T-Shirt (er ist der Klecker König) und einen Apfel. Der große Kopf braucht immer einen Akku, ein Brot und ein Buch und Ich? Ich brauche immer Taschentücher, ein Buch und eine Mini Make-up Tasche.

Was sagt uns das also? Sicher, MAN braucht weniger Kram, aber dafür nehmen die Kinder ihren Kram nun einfach ganz von alleine mit und müssen ihn natürlich auch selbst tragen.

Deine Alu von www.grossekoepfe.de

Bella von familieberlin

Mit freien Händen trägt es sich leichter Dank Rucksack. 

Liebe Bettie, gegen Ende meiner Schwangerschaft meinte meine Schwägerin mal zu mir: Verabschiede doch von kleinen Handtaschen, von nun an schleppst du alles mit. Und sie behielt Recht.

Glücklicherweise helfen die vielen Trend der Maxi-Handtaschen vor allem Müttern, die mit Kind unterwegs sind. Doch auch alleine möchte ich diese großen Taschen nicht mehr missen. Denn so muss ich mich nicht umgewöhnen und kann -sicherheitshalber- auch einen Snack fürs Kind dabei haben.

Früher legte ich auch noch Wert auf viele Taschen in vielen Styles und Farben- das hat sich mittlerweile auch geändert. Lieber habe ich wenige  besondere, die auch mal mehr etwas kosten dürfen. Das spart nicht nur Platz, es erspart auch den täglichen Wechsel passend zum Outfit.

Was ich aber gar nicht mag sind Beutel. Ich weiß Bettie- du bist eine Beutelmama, aber ich finde das schrecklich. Denn eine Tasche ist für mich auch ein Accessoire, das mein Outfit aufwertet oder auch von Augenringen und stumpfen Haaren ablenken kann. Ein Beutel würde das nur unterstreichen. Das muss nicht sein.

Aus diesem Grund habe ich auch lange auf einen Rucksack verzichtet. Die wären praktisch, aber immer irgendwie hässlich. Endlich habe ich einen gefunden (Reid M von Herschel), mit dem es sich leben lässt. Er ist schlicht und sieht aber nicht aus, als gehe ich gleich wandern und zelten.

Denn mittlerweile brauche ich mit laufendem und bockendem Kind auch zwei Hände. Da wäre es ja schade, wenn meine wenigen teureren Taschen auf dem Boden landen.

Liebe Grüße
Deine Bella

Dajana von Mit Kinderaugen

Liebe Bettie,

ich bin wahrscheinlich wie fast jede Mutter: Bin ich mit Kind unterwegs, nehme ich den halben Hausstand mit. Schließlich möchte man für alle Eventualitäten vorbereitet sein. Dem Kind ist langweilig? Spielzeug muss her! Dem Kind ist nach drei Minuten mit dem Spielzeug wieder langweilig? Ein Buch muss her! Das Kind trägt Windeln? Wechselwindeln müssen her! Das Kind trägt keine Windeln mehr? Wechselsachen müssen her! Das Kind hat Hunger? Apfel und Kekse müssen her! Das Kind will keinen Apfel und keine Kekse? Eine Alternative muss her!

Du siehst – meine Tasche ist voll, wenn ick mit Kind unterwegs bin. Und jetzt sind es zwei Kinder. Sprich, ich schleppe noch mehr mit mir rum. Am liebsten tue ich das in meiner Storksak Wickeltasche. Die Stroksak-Taschen sind sehr schicke Teilchen, die nicht aussehen wie Wickeltaschen. So muss das nämlich sein, denn es gibt nichts Schlimmeres, als diese hässlichen Taschen, die nach Wickeltasche schreien. Zum Glück gibt es da für die Muddis von heute schicke Modelle auf dem Markt.

Übrigens benötige ich NIE alle mitgeschleppten Sachen, aber dabei haben möchte ich sie dennoch. Ich bin nämlich ein Typ, der sich gern absichert und der vorbereitet sein möchte. Lieber bekomme ich nen Rückenschaden vom Schleppen der schweren und vollen Wickeltasche, als wenn ich dann da stehe und zum Beispiel keine Wechselsachen dabei habe.

Deine Dajana

Nun kennt Ihr unsere Meinungen. Und welche Taschen begleiten Euch so den ganzen Tag?

Kultur mit Kind, Meinung, Nachgefragt

Langzeitstillen: 10 Antworten einer Mini-Parade

In meiner Schwangerschaft war das Stillen weit weg.

Das Stillen gehört zu den Dingen, die ich mir vor einer Schwangerschaft eher nicht vorstellen konnte. Natürlich kam alles anders.

Und ich stillte gerne. Mit knapp elf Monaten lag das Ende unserer Stillzeit genau im Durchschnitt: Im Durchschnitt unserer Mädelsrunde im Prenzlauer Berg.

Das frühe Vogerl hatte selbst beschlossen, dass nun Schluss ist. Von Stilltheorien: Wie lange werde ich stillen? Wann stille ich ab? Und wie gehe ich mit diesem und jenem um, halte ich deshalb wenig. Denn bei mir war es doch letztlich so, dass es ganz anders kam, als gedacht.

Faszinierend finde ich Frauen, die lange stillen: Was motiviert sie und welchen Vorurteilen sind sie ausgesetzt? War es geplant, oder hatten sie sich – so wie ich – das eigentlich anders vorgestellt?

„Die WHO empfiehlt bis zum vollendeten 6. Lebensmonat ausschließlich zu stillen und dann unter Einführung von Beikost weiterzustillen bis zum 2. Geburtstag und darüber hinaus, wenn Mutter und Kind es wünschen“. (Mehr hier.) Um die genaue Definition der Norm ging es mir aber bei den Fragen an die stillenden Mütter nicht.

Bei meiner Miniparade wollte ich Frauen ansprechen, die sich selbst als lange stillend empfanden. Sehr tolle Antworten habe ich von zehn Frauen dazu erhalten. Ich gehe auf alle fünf Punkte ein, kann allerdings nicht jede Frau jeweils zitieren. Im Anhang findet Ihr alle Fragebogen versammelt.

Die Länge:

Das älteste Stillkind der Befragen hat Lena: Sie hat ihr erstes Kind 4,5 Jahre, davon eineinhalb Jahre Tandem mit Kind 2, gestillt.  Die längste Gesamtdauer des Stillens kam von Esther, ohne Blog, als Mutter von vier Kindern hat sie ungefähr zehn Jahre ihres Lebens gestillt.

Emmas Töchter.

Besonders spannend fand ich die Antworten einer Zwillingsmutter: So erzählte mir Emma, dass sich ihre beiden Töchter selbstständig abgestillt haben, allerdings zu einem anderen Zeitpunkt: einmal mit 16 Monaten und einmal kurz vor dem 2. Geburtstag. Mo Zart hat mit zehn Monaten die kürzeste Dauer, aber eine unglaublich berührende Geschichte dazu. (Später mehr.)

Die Frühlingskindermama (Stillzeiten: einmal 20 Monate, einmal 28 Monate) sagt, dass die Länge des Stillens nötig war, weil ihre Kinder weder Flasche noch Schnuller als Übergangsobjekte akzeptierten.

Das Umfeld: 

Die Reaktionen aus dem Umfeld waren gemischt. So berichtet Lena davon, dass längeres Stillen vor einigen Jahren noch nicht so gängig war wie heute, und das lange Stillen der sichtbare Teil dafür war, was sie in ihrer Erziehung anders machten als das Umfeld. Geholfen hat ihr der „Online-Clan“. (Ein Begriff den Susanne Mierau mit ihrem Artikel geprägt hat).

Auch Emma sagt, dass ihr „die Filterblase im Internet“ geholfen hat, als negative Kommentare kamen. Ähnlich sind die Erfahrungen von Renate, sie spricht über den guten Zuspruch bei Twitter. Kritik von ihrem Arzt hat sie allerdings hart getroffen. Esther wiederum konnte bei Kritik gut kontern Schließlich ist sie selbst Ärztin und konnte bei Zweiflern mit Fachwissen gut kontern. Milly zum Beispiel berichtet, dass es ihr Mann gehasst hat, mit dem sie aber keine gute Beziehung hatte.

Das Abstillen: 

Viele Mütter haben den Zeitpunkt des Abstillens den Kindern überlassen können. 

Mo Zart

Jenny hat sich vor allem durch die Erwartungen anderer unter Druck gesetzt gefühlt. Renate hat während der zweiten Schwangerschaft gemeinsam mit einer Stillberaterin ihrer Tochter das Einschlafnuckeln durch das Einschlafkuscheln ersetzen können.

Julia konnte irgendwann nicht mehr – Tandem stillen: War der erste Tage grausam, ist es nach drei Wochen nun ok. Sarah fand es bei der ersten Tochter einfach, hat aber das Gefühl, dass es bei der zweiten Tochter schwieriger wird, weil weder Mutter noch Kind wirklich aufhören wollen.

Mo Zarts Tochter vertrug keine Lactose, und sie fand keinen Arzt der ihr bei „Stillen ist Bedingung und ich will trotzdem eine Therapie für mein Kind“ helfen konnte. Abzustillen kam ihr vor, als „dürfte ich einen geliebten Menschen nicht mehr umarmen“.

Besonderheiten des Stillens:Eine Sammlung: Der Stillblick des Kindes (Lena), die Entspannung, die Behaglichkeit und den Genuss beim Kind wahrzunehmen (Esther),  eine Auszeit ohne ein schlechtes Gewissen (Emma), das Exklusive (Jenny), die Nähe und die Ruhe (Renate), dass die Kinder immer und überall gut eingeschlafen sind (Sarah), Körperkontakt zum unkuscheligen Kind (Frühlingskindermama), „Das Gefühl als flösse flüssige Liebe von mir zu meinem Kind“ (Mo Zart), das Wissen das sie genügend Vitamine bekommen hat (Milly).

Julia fand Tandemstillen ziemlich anstrengend. Es wollten immer beide Kinder gleichzeitig, wenn es aber friedlich war, fand sie die Kuschelzeit am Schönsten.

Und das wurde vermisst:

Symbolbild von Milly

Die Normalität (des Langzeitsstillens) außerhalb der „Mami-Kreise“ (Lena),  Bestärkung und Zuspruch (Frühlingskindermama), die Brüste als erogene Zone (Esther), Unabhängigkeit (Emma), Schlaf (Jenny und Julia), die Möglichkeit weg zu können (Sarah), manches an Essen (Mo Zart) und nichts (Milly und Renate).

Ich danke den zehn Mädels sehr für Ihre ausführlichen Antworten.

Hier geht es zu den Fragebogen:
Renate, Esther, Julia, Lena, Mo Zart, Frühlingskindermama, Emma, Sarah, Jenni, Milly.

Und wie lange habt Ihr gestillt, so lange wie ursprünglich gedacht?

Kultur mit Kind, Meinung

Fragebogen zum Langzeitstillen von Renate (1)

Anlässlich der Weltstillwoche (28.9. – 4.10.2015) gibt es 5 Fragen an 10 Langzeitstillerinnen, Renate von Mamis-Blog ist eine davon.

Wie lange hast Du gestillt?

Meine große Tochter habe ich etwas über zwei Jahre gestillt, die Kleine ist jetzt fast fünf Monate und wird noch voll gestillt.

Wie hat Dein Umfeld reagiert?

Es gab unterschiedliche Reaktionen, vor allem je älter sie wurde. Die Familie hat es glücklicherweise toleriert und sich nicht dazu geäußert, weder positiv noch negativ. Von manchen waren mir die Reaktionen egal, bei anderem haben sie mich schwer zum Nachdenken angeregt, vor allem die Kritik vom Kinderarzt hat mir schwer zu schaffen gemacht. Andere Mütter, vor allem bei Twitter, die ähnlich wie ich denken, dass Bedürfnisbefriedigung das Beste für das Kind ist, haben mich sehr bestärkt, was mir gut getan hat. Rückblickend betrachtet war es so wie es war genau richtig und bei der Kleinen würde ich mich niemals mehr von jemandem verunsichern lassen, egal wie lange sie das Stillen noch braucht.

Wie schwer fiel Dir das Abstillen?

Ich habe meine Tochter entscheiden lassen, wie lange sie das Stillen noch braucht. Als sie mit einem Jahr sehr krank war und nichts außer Muttermilch zu sich nahm, war ich froh, dass ich noch stille. Mit 1,5 Jahren wollte sie dann nur noch zum Einschlafen mittags und abends gestillt werden, aber mehr nuckeln als wirklich trinken.

Als ich wieder schwanger war, war sie sehr irritiert, dass nun wieder Milch kommt und hat beim Einschlafnuckeln lautstark protestiert. Ich habe dann auf Empfehlung einer Stillberaterin mit ihr geredet, dass sie das Nuckeln nicht mehr braucht zum Einschlafen, weil sie schon groß ist. Ich habe ihr erklärt, dass ich trotzdem beim Einschlafen bei ihr bin, sie in meinem Arm einschlafen kann und ich ihr trotzdem die Nähe gebe, die sie braucht. Von diesem Tag an hat sie das Stillen nicht mehr gebraucht und nie wieder danach verlangt. Es wäre aber auch ok für mich gewesen, wenn sie das Stillen weiter oder wieder gebraucht hätte – auch Tandemstillen wäre für mich ok gewesen. Bei der Kleinen möchte ich das wieder genauso machen und ihr die Entscheidung überlassen.

Was mochtest Du besonders am Stillen?

Mir gefällt die Nähe zum Baby beim Stillen. Jetzt bei der Kleinen genieße ich besonders die Ruhe, die wir dann wenigstens in den paar Minuten beim Stillen haben. Die Große setzt sich dann neben mich mit einem Buch, kuschelt sich an mich und wir alle genießen dann die kleine Auszeit, die uns das Stillen im sonst doch eher trubeligen Alltag, den zwei Kinder so mit sich bringen. Durch das Stillen festigen wir meiner Meinung nach die Bindung zwischen uns, die durch nichts anderes ersetzt werden kann.

Ich finde es eine enorme Erleichterung, die Nahrung immer in der richtigen Temperatur, richtigen Menge und ohne großen Aufwand dabei zu haben. Ich finde es schön, dass ich den Kindern durch das Stillen nicht nur die Nahrung, sondern auch Nähe, Trost und Sicherheit mitgebe, die so wichtig für sie ist, um gewappnet zu sein für alles, was noch auf sie zukommt.

Was hast Du als stillende Mutter vermisst?

Gar nichts – es war und ist gut so, wie es ist. Bevor die Große geboren wurde, hatte ich keine Ahnung, wie lange ich stillen werde. Die anderen Mamas im Geburtsvorbereitungskurs sagten, dass es eklig ist, ein Kleinkind, das schon laufen kann, zu stillen. Das Gefühl hatte ich nicht. Ich habe nichts vermisst und selbst der Papa der Beiden ist der Meinung, dass Stillen das Beste für uns ist, obwohl es dadurch ganz klar so ist, dass nur ich ihnen Nahrung geben kann.

Wenn es mit Brei losgeht, kann er aber dann auch füttern, wenn er möchte. Außerdem gibt es zwischen den Stillmahlzeiten noch ausreichend Zeit, in der er sie auf dem Arm halten, tragen und mit ihnen spielen kann. Je älter sie werden, umso mehr. Die Große hat jedoch einmal in der Woche, während ich arbeiten war, Muttermilch aus der Flasche bekommen von der Tagesmutter. Dafür wollte sie abends Dauerstillen, um sich die verpasste Nähe zu holen. So haben wir das vom Tag dann nachgeholt und genossen.

Die Zusammenfassung aller zehn Teilnehmerinnen der kleinen Blogparade gibt es hier.

Kultur mit Kind, Meinung

Fragebogen zum Langzeitstillen von Esther (2)

Anlässlich der Weltstillwoche (28.9. – 4.10.2015) gibt es 5 Fragen an 10 Langzeitstillerinnen, Esther, ohne Blog, ist eine davon. 

Wie lange hast Du gestillt?

Ich bin Mutter von vier Kindern. Ich habe „einzeln gestillt“, schwanger gestillt, tandemgestillt.
Jedes Kind hat sich selbst „abgestillt“, die Zeitpunkte waren sehr unterschiedlich. Die kürzeste Stilldauer betrug, gute 2 Jahre, die längste gute 4 Jahre. Was mich betrifft: Ich habe ungefähr 10 Jahre meines Lebens gestillt.

Wie hat Dein Umfeld drauf reagiert?

Ich bin nicht damit hausieren gegangen und habe das Stillen sehr diskret gehandhabt. Insbesondere jenseits des ersten Lebensjahres, haben wir überwiegend zu Hause oder im intimen Umfeld gestillt.
Ich wollte das Stillen ganz bewusst keinen schrägen Blicken oder miesen Kommentaren aussetzen, dazu war es mir zu schade.

Nur ein einziges Mal habe ich mir gegenüber eine abfällige Bemerkung gehört, und das ausgerechnet bei einem stillenden Kind, das noch nicht mal ein Jahr alt war.
Ansonsten hat mein Umfeld freundlich reagiert. Ich komme aus einer sehr stillfreundlichen Familie und bin selber Tochter einer langzeitstillenden Mutter.
Ich bin nicht missionierend oder dogmatisch unterwegs. Insofern habe ich meinem Umfeld sicher auch keinen Anlass zu Feindseligkeiten geboten.

Sicherlich strahle ich eine gewisse Sicherheit in dem, was ich tue, aus, so dass unser Umgang mit dem Stillen durchaus respektiert worden ist.
Erleichternd kommt hinzu, dass ich Ärztin bin und jedem Zweifler mit gutem Fachwissen kontern kann 😉

Wie schwer fiel Dir das Abstillen?

Da es immer vom Kind ausging, nicht sehr schwer. Eine gewisse Wehmut war jedes Mal dabei, wenn ich gemerkt habe, dass es nun langsam zu Ende geht. Das war beim letzten Kind am deutlichsten für mich spürbar. Aber insgesamt war das immer ein sanfter Übergang, der irgendwie stimmig war.

Was mochtest Du besonders am Stillen?

Die Innigkeit.
Die Ruhe.
Die Entspannung, Behaglichkeit und den Genuss beim Kind wahrzunehmen.
Die Selbstverständlichkeit.
Die „Allzeitverfügbarkeit“.
Die perfekte Art, Trost spenden zu können.

Was hast Du als stillende Mutter vermisst?

Die Brüste als erogene Zone.
Schlafen ohne BH während der Anfangszeiten, wenn man noch so viel ausläuft.
Sonst eigentlich nichts.

Die Zusammenfassung aller zehn Teilnehmerinnen der kleinen Blogparade gibt es hier.

Kultur mit Kind, Meinung

Fragebogen zum Langzeitstillen von Julia (3)

Anlässlich der Weltstillwoche (28.9. – 4.10.2015) gibt es 5 Fragen an 10 Langzeitstillerinnen, Julia,  32, Mutter von Großkind (3 3/4) und Kleinkind (2), ist eine davon. 

Julia mit Kind, 3,5 Jahre

Wie lange hast Du gestillt?

Ziemlich genau 3 Jahre, 49 Wochen und 5 Tage. Fast zwei Jahre davon Tandem. Ich hab vor drei Wochen erst beide Kinder abgestillt, die bis zu diesen Zeitpunkt beide meist nach Bedarf gestillt wurden.

Wie hat Dein Umfeld drauf reagiert?

Es kamen meist nur Kommentare aus der Familie. Nur bei der Großen, bei der Kleinen hatten sie sich wohl schon dran gewöhnt. Ich kann mich noch gut an einem Satz von meinem Vater erinnern, als ich mir für einen bevorstehenden Urlaub ein Stillpulli kaufen wollte (da war die Große 2 Wochen alt): „lohnt sich das? Meinst du, dass du noch so lange stillst?“

Wie schwer fiel Dir das Abstillen?

Der erste Tag war grausam. Ich hätte am liebsten geweint. Aber ich konnte einfach nicht mehr. Wir hatten schon eingeschränkt, aber die Kleine fand das ziemlich uncool, dass es nur noch Streß war. Jetzt, nach 3 Wochen, ist es ok.

Was mochtest du besonders am Stillen?

Ich muss gestehen, Tandemstillen fand ich ziemlich anstrengend. Ich konnte nie nur ein Kind stillen, es müssten immer beide gleichzeitig. Und es gab immer irgendwie Streit, sei es um die Position oder wer welche Brust trinken darf. Wenn es friedlich war fand ich die intensive Kuschelzeit am schönsten. Diese Stille. Wenn die Große der Kleinen den Kopf gestreichelt hat. Dieses liebevolle.

Was hast du als stillende Mutter vermisst?

Die ruhigen Nächte. Und ein bisschen meinen Körper für mich.

Die Zusammenfassung aller zehn Teilnehmerinnen der kleinen Blogparade gibt es hier.