Kultur mit Kind, Meinung, Nachgefragt

„Familienblogs sind politisch“ / Gastbeitrag von Susi über Elternblogs

Im Geburtstagsmonat August kommen hier auch immer wieder andere Stimmen zu Wort. Von Susi, will ich wissen, warum sie so gerne Elternblogs liest, obwohl sie selbst (noch) keine Kinder hat. 

Hier, ihre sehr überzeugenden, Antworten: 

Susi mit Kater Nimbin

Bettie fragt mich, warum ich, so gerne Familienblogs lese, obwohl ich selbst kein Kind habe. Das erste Mal fragte sie mich das in einem Gespräch bei Kaffee und Kuchen und ich hatte so schnell keine Antwort parat. Das zweite Mal fragte sie mich im Rahmen ihres Blog-Geburtstags und mit der Bitte um einen Text dazu. Das gibt mir die Gelegenheit, ausführlicher über die Frage und vor allem die Antwort dazu nachzudenken und meine Gedanken mal geordnet aufzuschreiben, danke dafür, liebe Bettie! 🙂

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass die Frage mich verwirrt hat. Ich konnte erst einmal gar nicht nachvollziehen, warum es so ungewöhnlich sein soll, Familienblogs zu lesen, wenn man keine Kinder hat. Aber da es ja bekanntlich keine dummen Fragen gibt, sondern nur dumme Antworten, ist die Frage natürlich durchaus berechtigt und bedenkenswert. Deswegen nun hier mehrere, allesamt zutreffende Antworten – ich hoffe es ist eine kluge dabei.

Familienblogs sind Blogs. Ich mag Blogs. Blogs sind mein Freund.

Ich habe vor etwa zehn Jahren damit angefangen, Blogs zu lesen. Angeregt wurde ich dazu durch einen Artikel der Online-Ausgabe irgendeiner Zeitung, in dem von Web-Tagebüchern die Rede war, in denen Menschen einfach online Tagebuch führen und von ihrem Alltag und aus ihrer Gedanken- und Gefühlswelt erzählen. Das fand ich, schon aus ganz urmenschlichen, voyeuristischen Gründen wahnsinnig spannend und so googelte ich mir ein paar Blogs zusammen. Schnell wurde klar, dass ich da auch mitmischen will und dass das Bloggen auch vom Vernetzen, vom gegenseitigen Verlinken und Kommentieren lebt und das es “dort draußen” bereits eine ganze Parallelgesellschaft an Bloggern gab, damals oft bezeichnet als Kleinbloggersdorf oder etwas später und cooler, Blogosphäre.

Ich schrieb also fleißig über mein Leben an der Uni und vor allem außerhalb der Uni und las mich gleichzeitig durch die Leben mir wildfremder Personen. Dabei war ich zunächst relativ wahllos und bookmarkte mir alles, was mir unter die Finger kam – Menschen jeden Alters und jeden Berufsstands, egal ob ihr Leben meinem ähnelte oder völlig anders aussah. Was mich unterhielt, blieb, was mir irgendwann langweilig wurde, flog raus. Die, die blieben wurden für mich wie Figuren einer guten Serie oder direkt wie Freunde, denn ich bekam mit, wie es in ihrem Leben auf und ab ging, wer mit wem zusammenkam oder sich von wem trennte und auch, was ihre Kinder so anstellten. Und ich fand das spannend. Ich lese schon immer gerne Geschichten von Menschen, Beziehungen und Familien und ich mag Kinder. Das war alles schon lange vor meiner Blog-Leidenschaft so.

Das erste Eis vom Sohn der besten Freundin, die nicht bloggt. 

Erst später fiel mir auf, dass einige meiner Lieblingsblogs nicht nur miteinander gemein hatten, dass ich sie gerne las und dass sie von Familien erzählten, sondern dass sie neben ihrer Zugehörigkeit zu Kleinbloggersdorf auch noch Teil einer ganz anderen Community waren, einer, deren Blogs sich auf genau diese Familien- und Kindergeschichten konzentrierten und die sich dort über Fragen zu Windeln, Brei, Brotdosen und Bettgehzeiten austauschten. Das war jetzt nicht ganz so spannend für mich, aber mitunter trotzdem wahnsinnig gut geschrieben und nicht minder faszinierend zu lesen – immerhin tat sich hier eine ganz neue Lebenswelt auf, in die man hinein schnuppern konnte (vielleicht am besten nicht ganz so nah an den Windeln).

Was ich mit dieser Antwort sagen wollte: Blogs sind für mich Blogs und wenn sie mich unterhalten und gut geschrieben sind, dann lese ich sie sehr gerne. Auf einige Blogs bin ich gestoßen, ohne dass mir der Bezug zur Familienbloggerwelt klar war, andere wurden erst zu Familienblogs, nachdem ich sie schon jahrelang gelesen hatte und das führt mich zur zweiten Antwort.

Nur weil ich im Moment keine Kinder habe, muss das ja nicht immer so bleiben

Ich lese zum Beispiel „Bis einer heult“ schon seit fast zehn Jahren. Damals hatte Pia keine Kinder und schrieb einfach immer sehr lustig und authentisch über ihr Leben. Irgendwann wurde der Kinderwunsch ein Thema, dann schlief das Blog nach und nach ein. Jahre später stieß ich auf eine Bloggerin namens Mama Miez und ihre drei Kinder und las fasziniert mit, wie der Alltag mit drei kleinen Kindern und dem Mann in einer anderen Stadt so ist. Es dauerte Monate, bis mir auffiel, dass diese Mama Miez die gleiche Pia ist, deren Leben schon früher meine Daily Soap war. (Inzwischen sind die beiden Blogs und Blogger-Identitäten wieder vereint und der Mann lebt auch wieder Vollzeit mit im Haushalt.)

Mein Punkt? Lebensumstände verändern sich und auch ich werde wahrscheinlich, hoffentlich, irgendwann einmal Kinder haben. Deswegen ist es für mich auch spannend, mal aus erster Hand zu erfahren, wie das Leben mit Kindern denn so ist, worauf ich mich gefasst machen kann oder müsste, was bei allen Familien irgendwie gleich läuft und wie vielseitig man Elternschaft leben kann. Dass nicht jede Geburt in einer Einbahnstraße endet und dass ich vor allem keine Angst davor haben muss, dass mein Leben irgendwann vermutlich erstmal völlig umgekrempelt werden wird. Sich mit Dingen zu beschäftigen, die einem Angst machen und die einen verunsichern, ist ein guter Weg, die Angst zu überwinden.

Offline und online vermischt sich: Kaffee und Kuchen mit dem Mierau-Clan

Auch deswegen lese ich Familienblogs und das gerne kontrovers, Gut Gebrüllt und Geborgen Wachsen. Letzteres kam mir zunächst etwas esoterisch und weltfremd vor, bis mir auffiel, dass es ja von @fraumierau geschrieben wird, die ich von Twitter als eben die Frau von Herrn Mierau, nämlich @leitmedium kenne und die keineswegs esoterisch oder weltfremd ist, sondern eben in ihrem Blog einen anderen Blickwinkel auf die ganze Welt des Kinderhabens eröffnet und zeigt, wie sie Elternschaft lebt. Herrn Mierau kenne ich hingegen aus einer anderen Ecke meines Internets, die mir sehr am Herzen liegt, nämlich die der Politik – Netzpolitik, Feminismus, Antirassismus… Bei all diesen gesellschaftspolitischen Themen ist er immer irgendwie mit dabei, was mir auch zeigt, dass Eltern eben nicht nur Eltern sind und mich außerdem zur nächsten Antwort bringt.

Familienblogs sind politisch

In der Kneipe mit Hugo von „In guter Hoffnung„.

Ich bin ein relativ politischer Mensch, auch wenn mich nicht alle politischen Themen gleich viel interessieren (Steuern und Autobahnen sind mir zum Beispiel relativ wumpe), kann ich gerade bei umwelt- und gesellschaftspolitischen Themen sehr leidenschaftlich und mitunter deutlich zu emotional diskutieren. Und dieser ganze Bereich – Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung, Bildung, alles, was man braucht, um in einer guten Gesellschaft verantwortungsvoll zu leben, hat wahnsinnig viel mit Kindern und Familien zu tun. Mich interessiert dabei nicht nur, wie die Welt aussieht, die ich irgendwann einmal meinen Kindern hinterlassen möchte. Vielleicht habe ich ja selbst nie Kinder. Aber genauso wichtig ist auch die Frage, wie die Welt aussieht, in der ich in ein paar Jahrzehnten lebe, die von Euren Kindern gestaltet werden wird.

Wie wachsen sie auf, welche Werte werden ihnen vermittelt? Lernen sie frühzeitig, dass alle Menschen gleich viel wert sind, dass es völlig egal ist, welche Hautfarbe, Religion, Behinderung, sexuelle Orientierung oder sexuelle Identität besitzt? Wie werden sie zu verantwortungsvollen, selbstbestimmten, glücklichen Menschen, die dann ihr Leben so führen, dass andere dadurch nicht benachteiligt werden? Wie können wir eine bessere Gesellschaft schaffen, wenn wir nicht ganz früh damit anfangen? Wie macht Ihr das alles und wie kann ich das später vielleicht selbst einmal machen?

Das Baby von Schwanger Schmarotzen in Schöneberg

Hinzu kommen Fragen wie Work-Life-Balance, Elternzeit, flexibles Arbeiten, Inklusion, gute Gesundheitspolitik, gutes Essen und gute Kleidung und Bildung für alle. Und natürlich auch die Zukunft der Hebammen, von denen ich – bittedanke – später mal eine für meine Kinder haben will. Es gibt so viele relevante Themen, die untrennbar mit Familien verknüpft sind, dass ich mich eher frage, wie man als Blogleser_in explizit KEINE Familienblogs lesen kann. Ich finde die Sichtbarmachung von Kindern und Familien wichtig, die das Internet bietet. Die Vernetzungsmöglichkeiten (Stichwort Elternclan), die Auswirkungen von Kita-Streiks und Hebammenschwund, die in den großen Medien kaum stattfinden.

So liebe Bettie, ich hoffe, dass ich mit meinen drei Antworten mindestens eine gefunden habe, die Du durchgehen lässt und wünsche Dir einen wundervollen Bloggeburtstag! Ich muss jetzt weiterlesen…

Liebe Susi, ich danke Dir. Das ist viel ausführlicher als das Gespräch damals bei Kaffee und Kuchen. 

Und hier geht es zu Susis Blog

Und wie ist das bei Euch? Lesen hier noch mehr Menschen mit, die selbst keine Kinder haben?

Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Spielbox zu gewinnen

Im Geburtstagsmonat August gibt es auch Dinge zu gewinnen. Dinge, die wir besonders schätzen. 

Das erste Gewinnspiel richtet sich an Kinder, der Gewinn kommt aus dem Hause HABA.

Einer von zwei Aufsätzen. 

Das frühe Vogerl hatte in der Anfangszeit wenig Spielzeug. Weniger aus Sparmaßnahmen, sondern mehr aus der Überzeugung, dass er damit sowieso noch nicht viel anfangen kann. Das Spielzeug, das den Weg zu ihm fand, kam also meistens in Form von Geschenken. Wie auch die Tiersortierbox von HABA. Als Anhängerin von Holzspielzeug habe ich mich darüber natürlich gefreut. Das Gute ist: Mein Sohn noch mehr.

Die kleine Box hat zwei verschiedene Aufsätze in denen sich jeweils drei Holzfiguren mit Tieraufdruck reinstecken lassen. Und aus Erfahrung: Auch Bauklötzchen passen rein. Außerdem kann man mit den Deckeln lustige Versteckspielchen machen.

Besonders gern mag ich, dass das Spielzeug auch bei meinem eineinhalbjährigen Kind noch die Begeisterung hervorruft. Und es sieht ganz danach aus, als würden sich in den nächsten Monaten noch neue Möglichkeiten finden.

Deshalb freue ich mich besonders, dass ich eine Box an Euch verlosen darf. Und das müsst Ihr tun.

1. Kommentiert diesen Beitrag, direkt im Blog, und hüpft damit in den Lostopf.
2. Für ein weiteres Los im Topf: Werde Fan und Follower vom Frühen Vogerl auf FacebookInstagram (helletage) oder/und Twitter und teile das Gewinnspiel.
3. Und noch ein Los für Euch: Gebt mir Eure Stimme bei Brigitte MOM. Einfach die Nummer Eures Herzchens in Klammern ins Kommentarfeld unten schreiben.
4. Ihr müsst mindestens 18 Jahre alt sein.
5. Sagt mir, im Kommentar, wofür ihr Euch entschieden habt.

Das Gewinnspiel endet am 9. August 2015 um 12 Uhr, der Box-Gewinner wird ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, es ist keine Barauszahlung möglich. Der Gewinner wird hier auf dieser Seite bekannt gegeben, der Gewinn wird nach Austausch der Kontaktdaten direkt von der Firma Haba zugesandt.

Das Gewinnspiel ist beendet. Die Gewinnerin heißt Petra Mittermayr. Schreib doch bitte Deine Kontaktdaten an fruehesvogerl@gmail.com, damit Dir die Firma Haba den Gewinn zu kommen lassen kann.

Kultur mit Kind, Nachgefragt

„In Frankreich fand ich es auch irgendwie entspannter, als Familie zu leben, denn Kinder sind hier willkommen“. / Tafjora im Kultur mit Kind Interview

Als ich Tanja kennengelernt habe, lebte sie mit ihrer Familie in Frankreich. Nun ist sie wieder da, mitgenommen hat sie jede Menge Erfahrungen und auch Tipps für frankophile Urlauber. Aber auch über die nicht so schönen Momente spricht sie im wöchentlichen Kultur mit Kind Interview.

Wofür steht der Name Deines Blogs – Tafjora?

TAFJORA ist ein Phantasiename, der sich aus den Initialen meiner kleiner Familie zusammensetzt. TA- steht für Tanja, F- gehört meinem Mann, JORA – für meine Kinder, den Löwenjungen der vor Kurzem  6 Jahre wurde und für mein Winterkind, der im Dezember seinen 3. Geburtstag feiern wird.
Meinen Blog gibt es nun seit November 2013, richtig zu schreiben begann ich aber erst im Januar 2014. Damals startete ich mit „Tafjora, eine deutsche Familie in Frankreich“ da wir für eigentlich fünf Jahre in Südfrankreich leben sollten. Aus den fünf Jahren wurden dann insgesamt leider nur knappe drei Jahre, aber so ist das eben in der heutigen Berufswelt.
Aus Frankreich bloggte ich also bis März 2015 über unser Leben als Familie im Ausland, das rückblickend eine wahnsinnig schöne und spannende Zeit für mich und meine Familie war und die uns sicherlich auch geprägt hat.
Vor unserem Umzug nach Deutschland, stellte ich mir und meinen Lesern die Frage, was mit Tafjora geschehen sollte. Es gab soviel positives Feedback, dass auch Tafjora mit umziehen durfte und nun wird mein Blog als „Tafjora, einmal Frankreich und zurück – c´est ma vie“ weitergeführt. Darüber freue ich mich sehr, auch wenn sich unser Leben nun ganz schön verändert hat und ich deutlich weniger Zeit zum bloggen habe. Leider.

Ihr ward mehrere Jahre in Frankreich, nun seid Ihr erst seit Kurzem wieder in Deutschland. Was habt Ihr mitgenommen, und vor allem Eure Kinder? 

Mitgenommen haben wir so unendlich viel, dass sich das gar nicht in wenige Sätze fassen lässt. Am Anfang hatte ich viele große Fragezeichen in meinem Kopf. Ich beherrschte die Sprache kaum, mein Löwenjunge war gerade mal drei geworden und das Winterkind trug ich noch unter dem Herzen als wir 1500 km Umzug vor uns hatten. Frankreich ist nicht das Ende der Welt, aber ich hatte wirklich Angst, dass wir das hinbekommen, denn ich mag Veränderungen nur sehr ungern. Rückblickend betrachtet waren die Sorgen aber meist unbegründet und es hat uns eigentlich nur bereichert.
Mein Löwenjunge ging fast drei Jahre in die Ecole Maternelle, den französischen Kindergarten und der war schon deutlich anders, als wir das kennen. Keiner konnte deutsch und mein Sohn kein französisch. Jetzt beherrscht er es sogar im Schlaf. (tatsächlich hat er im Urlaub im Schlaf gesprochen- es war französisch!) Was er in dieser Zeit alles gelernt hat, auch an persönlichen Stärken, das wird ihm keiner mehr nehmen können. Das macht mich stolz und glücklich.

Wir alle verspüren eine große Liebe und Verbundenheit zu unserer alten Heimat in Frankreich. Wir lebten in der Nähe von Arcachon an der Atlantikküste. Das Meer vor der Haustüre machte uns viel entspannter, denn die Uhren tickten dort anders. Die deutsche Hektik spürten wir dort kaum. Allein schon einkaufen war viel entspannter, weil hier der Kunde König ist und man in Ruhe seine Waren auf das Band legt, bis mit dem einscannen begonnen wird. Als ich schwanger war, habe ich oft erlebt, dass eine weitere Kasse für mich geöffnet wurde, damit ich nicht so lange anstehen musste. Das fand ich sehr unglaublich!

In Frankreich fand ich es auch irgendwie entspannter, als Familie zu leben, denn Kinder sind hier willkommen. So viele Dinge könnte ich hier jetzt für Familienfreundlichkeit anbringen, da sollten wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden!

Kinder gehören dort zum Leben dazu. Einige Beispiele: An den Autobahnen stehen schon Hinweisschilder, wann der nächste Park-Rastplatz mit Spielplatz kommt. In den Toiletten gibt es dann meistens so kleine Kinder-WC´s mit Waschbecken (Auch in den Freizeitparks: Heute im Legoland Günzburg ist mir das aufgefallen: Kleine Waschbecken gibt es da, aber keine Kinderklos.) In den Restaurants gibt es eigentlich immer Kindermenüs und die Kids bekommen als aller erstes ihr Essen, noch bevor ich mein Essen habe. So kann ich den Kindern ganz entspannt helfen, sind sie fertig mit essen, gibt es fast überall eine Spielecke, wenn auch nur klein, aber es gibt sie fast immer. Im Ferienhaus gehört zur Ausstattung nicht nur das Kinderbettchen dazu, wir haben bis jetzt immer Kindergeschirr, Hochstuhl und sogar Babywanne dastehen gehabt.
Es sind die vielen kleinen und alltäglichen Dinge, die das Leben als Familie dort meiner Meinung nach eben einfacher machen. So ganz nebenbei. Eigentlich ist es mir sogar erst wieder hinterher in Deutschland aufgefallen, was wir gar nicht hier haben.

Toleranz. Wir wurden unglaublich herzlich aufgenommen und haben, zum Glück, in all den Jahren keine schlechten Erfahrungen gemacht. Niemand hatte uns je das Gefühl gegeben, Ausländer und nicht gewollt zu sein. Ich hoffe und wünsche mir, dass sich meine Kinder immer daran erinnern werden. Jetzt im deutschen Kindergarten, kamen die ersten Freunde des Löwenjungen aus der Türkei und mein Sohn verkündete stolz: „Mama, die können auch 2 Sprachen sprechen, so wie ich!“  Genau so muss das sein.

Was aber am schönsten ist, was wir mitgenommen haben, sind ganz besondere Freundschaften. Wir Eltern untereinander und auch die Kinder. Ich hoffe (und danach sieht es aus) es sind Freundschaften für’s Leben.


Was hast Du aus Deutschland vermisst? 

Natürlich hauptsächlich meine Familie, meine Eltern. Meine Mama war damals schon krank und dass ich nicht bei ihr sein konnte, als sie starb, war sehr schlimm für mich. Wir waren noch auf der Autobahn und kamen vier Stunden zu spät, das war ein schlimmer Verlust für mich.
Dann natürlich die Freunde, das soziale Netz, wir haben bei null angefangen und man merkt durch Umzüge sehr schnell, wie wichtig auch das für ein glückliches Leben ist. Am Anfang haben mir auch noch banale Dinge wie bestimmte Lebensmittel gefehlt, aber das ließ deutlich nach.  Als ich schwanger war, habe ich die deutschen Frauenarztuntersuchungen vermisst. In Frankreich muss man nämlich immer extra in ein Labor und dann zum Arzt. Also das finde ich schon sehr umständlich.
Oh ja und deutsche Buchläden habe ich vermisst. Ich liebe Bücher und Kinderbücher. Könnte stundenlang in der Buchhandlung verbringen und schmökern.

Jetzt ist es dagegen umgekehrt und ich vermisse ganz viele Dinge aus Frankreich: das Meer, die Leichtigkeit, die riesige Auswahl an leckerem Gebäck und Keksen und vieles mehr. Aber so ist das eben, man kann leider nie alles haben.

Was sind die besten Familienausflüge, die ihr je hattet? 

Da wir ja in einer beliebten Urlaubsregion gelebt haben, gab es auch unzählige Ausflüge, meistens in unserer Nähe, da das Winterkind ja noch sehr klein war. Die meisten unserer Ausflüge waren so schön, dass wir sie immer wieder gemacht haben, gerne auch mit den vielen Besuchern die aus Deutschland kamen.

Die Dune du Pilat zum Beispiel, Europa´s höchste Wanderdüne, lag nur ein paar Straßen hinter unserem Garten. Der Aufstieg ist auch mit kleineren Kindern gut zu meistern (wenn nicht gerade im Hochsommer) und man wird mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Sand ohne Ende, Kiefernbäume und auf der anderen Seite das Meer, den Atlantik und zugleich der „Eingang“ des Bassin d´Arcachon. Die Jungs liebten es von oben dann auf dem Popo runterzurutschen und dann im Meer zu planschen.

Von Arcachon aus, das von uns ebenfalls nur ein paar Kilometer weg war, konnte man in dreißig Minuten mit dem Boot nach Cap Ferret rüber fahren. Dort gibt es einen Leuchtturm, dessen 258 Stufen wir einige Male zusammen hoch sind. Anfangs mit dem Winterkind im Tragetuch, die letzten beiden Male ist er fast alleine alle Stufen bis nach oben gerannt.

Cap Ferret ist meine heimliche Liebe, denn es ist ein wunderschöner Flecken mit bunten Häusern, Surfer-Cafe´s, Stramdflair und man will irgendwie einfach nur hier bleiben. Mit einem Bimmelbähnchen, dem „Petit Train“, kommt man an die andere Seite des Kap´s und findet gigantische Strände mit meterhohen Atlantikwellen. Man kann stundenlang den mutigen Wellenreitern zusehen, Muscheln suchen und einfach die Seele baumeln lassen.

Dann gibt es noch jede Menge Parks, die wir alle fleißig besucht haben, Kinderparks, Vogelparks und Rutschenparks, es wurde niemals langweilig, außer vielleicht im Winter, wenn unsere Region im Winterschlaf war und die meisten Attraktionen geschlossen hatten.

Nicht zu vergessen, die wirklich schönen Spielplätze die unsere Region zu bieten hatten. Manchmal konnten wir uns nicht so richtig entscheiden, es konnte auch sein, dass wir dann mal gemeinsam eine Art „Spielplatz-Hopping“ veranstalteten. Unsere drei Lieblingsspielplätze haben wir jetzt auch im Urlaub wieder besucht.

Ein ganz besonderes Restaurant gibt es in der Nähe von Bordeaux: der Piratenfelsen. Unglaublich, was die da gezaubert haben! Innen ist alles eher duster aber gigantisch im Piraten-Style dekoriert. Das Personal ist verkleidet, es gibt unzählige Holzfässer und Schatztruhen und ein großes Piratenschiff, welches als Bühne dient. Unter dem Essen fliegt dann plötzlich Peter Pan durch das Restaurant und eine kleine Aufführung verzaubert nicht nur kleine sondern auch alle großen Zuschauer. Ein geniales Erlebnis für meine Jungs und Piratenkinder.

Ansonsten waren wir immer draußen oder am Meer, das quasi vor unserer Haustüre lag. Die Picknickdecke eingepackt und nichts wie raus, mehr brauchten wir da nicht.


Meine Lieblingsfrage: Wie entspannst Du?

Bei dieser Frage tu ich mir ein bisschen schwer, eine Antwort zu finden. So grundsätzlich reicht mir zur Entspannung eigentlich, mal eine kleine Auszeit vom Alltag zu haben. Das war früher zum Beispiel das sonntägliche Laufen am Strand mit meiner Freundin, was ich jetzt sehr vermisse. Ruhe ist dabei für mich so ein Schlüsselwort, denn meine Jungs sind gerne laut und reden auch nicht wenig. Was ja an sich schön ist, manchmal aber einfach dann zuviel wird. Wenn dann abends alles schläft, genieße ich einfach die Ruhe. Im Winter nehme ich sehr gerne ein Bad bei Kerzenlicht und im Sommer sitze ich gerne noch draußen. Wenn ich die ganze Woche alleine mit den Jungs bin, dann muss am Wochende auch mal ein Mädelsabend her, mit Kino und Cocktails.
Tja und letzte Woche hatte ich meinen ersten Arbeitstag in Teilzeit seit über 4 Jahren. Ich gestehe, die 4 Stunden SITZEN empfand ich auch sehr entspannend 🙂

Die Bilder wurden freundlicherweise von Tanja zur Verfügung gestellt.

Vielen lieben Dank für das Interview. 

Ihr habt auch ein Kind, interessiert Euch für Kultur und möchtet darüber reden? Schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. 

Eine Übersicht über alle bisher geführten Interviews findet Ihr hier


Alltag, Kultur mit Kind

Scheußlichkeiten bei Ikea, Sommerbad und Sushi / Unser Wochenende in Bildern vom 31.7. – 2.8.2015


Nach unserem österreichischen Urlaub ist auch der Sommer nach Berlin zurückgekehrt. 
Die Frau aus dem Häuschen sagt, dass die Erdbeerzeit zu Ende geht. Das mussten wir nutzen. 
Am Freitag sind wir mutig und fahren zu Ikea. 
Viel Schönes haben wir entdeckt, aber auch echte Scheußlichkeiten. 
In Friedrichshain holen wir jemanden vom Erwachsenenfriseur ab. 
Im Anschluss gehen wir im Prenzlauer Berg noch zu einem kinderfreundlichen Italiener. 
Pizza kommt gut an. 
Samstagmorgen werden die neuen Möbel eingeweiht: Große Begeisterung. Wie schon am Tag davor bei den Eltern. 
Das abgebaute Laufgitter kommt nach Kreuzberg zu einer Freundin. 
Die Jungs machen – vor dem Ausflug – noch ein bisschen Dekokram. 
Und ein Eis muss auch sein. 
Nach dem Ausflug ins Zentrum gibt es Sandkastenzeit Zuhause. 
Mitbringsel gibt es auch. 
Ich bin in der Zwischenzeit zuhause. Es gibt so viel vorzubereiten. Wir feiern den Geburtstagsmonat August
Gartenarbeit steht bei dem Wetter hoch in Kurs. 
Der Schurkenbeardie blinzelt in die Sonne. 
Abends gibt es Salat. Wäre fast zu wenig geworden. Der Hunger eines Kleinkindes ist nicht zu unterschätzen. 

Der Sonntagmorgen beginnt mit einer Tour auf der Terrasse. 
Ich mache mich auf in den Prenzlauer Berg. 
Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich Sushi liebe?
Wir wollen ins Freibad Pankow. Ob das so eine gute Idee ist, in den Berliner Ferien?
Kind und Kinderwagen sind heute Ton in Ton. 
Ein Schild springt ins Auge. 
Warum ich Freibäder so mag? Na deshalb, natürlich. 

Die Schwimmflügerl kommen so semi-gut an. 
Das Freibad ist schon etwas älter. Ich mag es irgendwie sehr. Ich hab es noch nie überfüllt erlebt. Auch heute nicht. 
Eis gibt es auch. Für alle. 
Kurz vorm Schlafen gibt es Zuhause noch schnelle Küche. 
Und später für mich Schokolade. Und österreichischen Radler. Nicht auf dem Bild. 

Und wie war Euer Wochenende so? Hattet Ihr auch so tolles, nicht zu heißes, Wetter?
Mehr Bilder gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen.

Kultur mit Kind, Meinung

Zehn Herzerl für andere Blogs

Die Erfindung der Blogroll ist eine ziemlich ungemütliche wie ich finde. Ein Nicht-Blogger hat meist gar keine Ahnung, was es überhaupt sein soll. Manch Blogger ist oft beleidigt, wenn er nicht drauf steht, auf der Blogroll. Die Blogroll ist die Liste der Blogs, die der jeweilige Blogbetreiber gerne liest und mir meist relativ egal.

Dajana von mit Kinderaugen fragt in ihrer Blogparade, wie es so aussieht mit der Blogroll der einzelnen Blogger. Es gibt eine Menge toller Blogs, die ich gerne lese. Sie handeln vom Geborgen Wachsen, erzählen Von Guten Eltern, warum ihr Erziehungsmodell Glucke und So ist oder schreien auf mit Liebling Ich blogge jetzt.

Hätte ich eine Blogroll, die den Wert auf Vollständigkeit hätte, müssten Sie sicher draufstehen. Genauso wie das Gewünschteste Wunschkind, die diese tolle Blogroll haben, die einzelne Artikel aufzeigt. So eine habe ich aber nicht.

Jeder entdeckt was anderes in der Wiese und im Netz. Oder auch: Symbolbild.

Das hier ist ein „Kultur mit Kind“-Blog, hier suchen Leser keine Tipps für Hebammenfragen oder Erziehungsratschläge. Viele tolle Blogs stehen auf anderen tollen Blogs, die wieder auf diese verweisen. So funktioniert Vernetzung. Sie funktioniert aber auch anders.

Oft finde ich Artikel gut, die teile ich dann auf Facebook oder erzähl Freunden davon, draußen, wie von dem tollem Blog Einer schreit immer oder von Eni. Oder such mir interessante Interviewpartner, die ich durch andere Blogs kennenlerne. Oder lese einfach und stelle fest, dass ich wieder vorbeikomme.  Ohne es irgendwo zu markieren. Reviermarkierung ist die Sache meines Hundes.

Das Geschrei um die Blogroll irritiert mich ein bisschen, denn eigentlich sollte das so sein wie eine Geburtstagseinladung: Da kommen ja auch nicht alle. Oder so wie Sympathie: Das ist auch nicht immer gleich klar.

Statt der Blogroll habe ich aber eine Herzerl-Seite. Eine kleine feine Liste. Da sind nie mehr drauf als zehn.  Zehn Blogs, die ich ganz, ganz toll finde. Wenn Ihr die nicht kennt, schaut Euch die unbedingt mal an.

Und was haltet Ihr so von der Listenmacherei?

Dieser Text ist Teil meiner Rundumblicke im Geburtstagsmonat August.

Kultur mit Kind, Meinung, Nachgefragt

Oh wie schön ist Panama… nein, die Malediven… nein, Tasmanien… ach was, die ganze Welt! (v. Gastautorin Tollabea übers Reisen)

Als ich auf der Suche nach einer Gastautorin für einen „anderen Blickwinkel“ für den Geburtstagsmonat August war, wollte ich jemanden haben, der gerne in feine Länder reist. Ich wollte einen Text haben, der mich, Nahreisende, für ferne Ziele begeistert, und habe dabei an die wunderbare Béa gedacht. Und Sie hat zugesagt und diesen inspirierenden Text geschrieben.

 

Oh wie schön ist Panama… nein, die Malediven… nein, Tasmanien… ach was, die ganze Welt!

 

Mutter und Kind auf Mallorca: Als sie festgestellt hatten, wie falsch sie gepackt hattten.

Ich reise gern, am liebsten weit weg, am liebsten ins Unbekannte. Ich mag neue Leute, neue Sitten, neues Essen. Ich mag gern unterwegs sein. Ich habe das gern auch mit ganz kleinem Baby getan, mit Trotzkind, mit Grundschulkind und Pubertier. Es hat immer zwar Pain-Moments gegeben, aber wir haben es gemeistert. Geblieben sind schöne Erinnerungen, ein großes Reichtum an Abenteuern und Erinnerungen. Meine Tochter und ich, wir sind ein Reiseteam – auch nach der Reise.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die das anders fühlen, und das ist OK. Ich hätte allerdings einige Argumente, die vielleicht bedenkenswert sind. Einfach so, als „food for thoughts“:

 

Carina, die Tochter von Béa, in Südafrika

1. Keine Angst vor langen Flügen:
Ja, 12 oder 14 Stunden auf einem kleinen Sitz eingezwängt zu sein ist nicht bequem. Aber auch nicht ein Weltuntergang. Eltern sind im Familienbett deutlich schlechter dran: Da kommt niemand vorbei und serviert Getränke.
Nein, im Ernst: Mit einem guten Buch ist alles zu bewältigen. Trick: Einfach nicht zu viel an die Dauer denken und keine Stunden zählen. Einfach einsteigen, lesen, essen, schlafen… und sich auf die Ankunft freuen. Augen weg von der Anzeigentafel: „xxx hours and xxx minutes to destination“. Bringt nix.
Da ich beruflich viel geflogen bin weiß ich: Man kann auch von Zürich nach Berlin auch über zehn Stunden brauchen, mit einem handfesten Schneesturm in den Alpen. In der Zeit wäre ich längst schon auf einer Hotelterrasse in Bangkok, ein kühles Getränk schlürfend. Ja, es lohnt sich auch einen Tag zu fliegen, um eine Woche in einem spannenden Land zu verbringen.

 

In Kerala.

2. Keine Angst vor Jetlag:

Auch eine Sache, die man „mindmastern“ kann. Ich versuche auszublenden, wie spät es zu Hause ist. Ich steige aus, ich bin da, es ist wie spät es ist, und basta. Und wenn ich anrufen muss und jemand sein Handy nicht ausschaltet: Pech gehabt. Wenn ich müde bin und nicht unbedingt arbeiten muss, mache ich halt ein Nickerchen. Auch für den inneren Schlafrhythmus gilt: Beachtung bringt Verstärkung. Je weniger ihr euch um den Jetlag schert, desto weniger schert sich der Jetlag um euch.

3. Keine Angst vor Kindern auf Reisen:

Natürlich ist jede Familie anders, aber mein Kind war auf Reisen viel unkomplizierter als zu Hause. Sie sind bereiter, Strecken zu Fuß zu gehen, in Restaurants auch mal unbekannte Speisen zu probieren (der Hunger treibt’s rein) und Abends müder und schlafwilliger. Die neuen Eindrücke haben sie bereichert – mit jeder Reise, die wir gemacht haben, kam auch ein Entwicklungsschub. Ein Guter! Was ich am coolsten finde, ist wenn wir neue Leute kennenlernen. Kinder können sich so schnell verständigen: Durch Spielen, mit Händen und Füßen! Und das bringt auch Erwachsene zusammen.

Sansibar.

Also, nix wie los, Leute!
Mit jeder Reise wird der Erfahrungsschatz größer und der eigene Horizont:
„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“ sagte Alexander von Humboldt – und er irrt nicht. Zu seiner Zeit brauchte man Wochen, um dahin zu kommen, wofür uns schon ein 12stündiger Flug wie eine Zumutung erscheint.
Gebt euch einen Ruck: Die Welt ist groß, weit, wunderschön – und wert, erkundet zu werden.

PS: Als Nachtrag für größere Kinder: Als meine Tochter 14 war, habe ich sie in In Franschhoek für einen Tag in die Weinschule gebracht. Sie hat Geschmacksrichtungen und Aromen gelernt. Sie hat später nie Probleme mit Alkoholkonsum gehabt – von Billigfusel hält sie sich fern.

Vielen lieben Dank, Béa. Also ich finde ihre Argumente sehr überzeugend. Wie geht es Euch mit dem Reisen? Nah oder fern? Oder bleibt Ihr am liebsten daheim?