Familienrollen, Kultur mit Kind

„Zwischenzeitlich wollte sie ihn immer in meinen Bauch stecken, damit er ihr ‚richtiger‘ Bruder wird“. / Familienrollen mit Jessi von Feiersun / Pflegefamilie

Noch keine 30 und dann plötzlich Teenie-Mum. Wie es dazu gekommen ist und über ihren liebevollen Umgang damit, erzählt mir JeSsi von feiersun.de in den neuen #familienrollen. Als ich sie um das Interview bat, sagte sie gleich zu, denn für sie gilt: „Anders ist nichts Schlechtes, es ist nur nicht ganz normal“.

Dein Blog erzählt von Deinem Leben als „andere Familie“. Neben Deiner entzückenden Tochter, die im Blog Motte heißt, Dir und Deinem Mann, gibt es noch einen großen Jungen. Wie kam es dazu, dass Du plötzlich Teenager-Mutter wurdest? 

Der große Junge lebt seit nun bald zwei Jahren bei uns. Der Mann kennt ihn schon seit seiner Geburt und ich ihn nun auch schon Ende des Jahres seit zehn Jahren, denn es ist der Neffe meines Mannes. Schon lange lief in der Familie etwas sagen wir ungerade. Aus Respekt werde ich nirgendwo den einen (den einen gibt es nebenbei gesagt auch nicht) Grund nennen, warum es so kam. Das ist dem Jungen dann zu privat und ich hab die Funktion ihn zu schützen. Aber sagen wir so viel: seit vielen Jahren läuft etwas ungerade und wenn zwei Jungs dann in die Pubertät kommen, dann bäumten sie sich auch schon mal gegen den Vater auf, der seit Jahren diese ungeraden Wege und Vorgaben in die Familie malträtierte. Eines Abends klingelte dann das Telefon, ob man die Jungs (der große Junge hat noch einen mittlerweile volljährigen Bruder, der aber schnell in eine eigene Wohnung kam und nun seine Karriere beim Bund beginnen wird) zu uns bringen dürfe oder in die Notstelle bringen solle. Natürlich konnten sie zu uns kommen. Der Abend war lang und der nächste Morgen führte uns dann direkt zum Jugendamt. Schnell war der Wunsch da, dass unser großer Junge bei uns bleiben wollte und nach einem knappen halben Jahr konnten wir uns „Pflegeeltern in der Verwandtenpflege“ nennen.

Ganz selten schreibst Du von der leiblichen Mutter, bei der der Junge nun nicht mehr wohnt. Du wirkst, verständlicherweise, dabei wütend. Das ist der Junge sicherlich auch. Wie geht Ihr mit dieser Wut um? 

Meine Unverständnis ihr gegenüber liegt sicherlich auch etwas in meiner eigenen Geschichte und verstärkt sich dadurch, dass ich einfach ein ganz anderer Mutter-Typ bin. Ich würde mich niemals für einen Mann und gegen mein Kind entscheiden  – aber auch das ist ja leider nicht bei allen Menschen gegeben, sonst gebe es sicherlich weniger zerrüttete Familie und schwache Frauen.
Was den großen Jungen angeht, ist an folgendem Zitat etwas dran: “In den Augen eines Kindes ist die Mutter Gott“ (Silent Hill). Es ist einfach so normal, dass er sie immer wieder in Schutz nimmt und so unendlich viel Verständnis für sie versucht auf zu bringen. Das bringt mein Herz zum Glühen und Zerreißen zugleich. Zum Glühen, weil ich sehe wie stark das Band eines Kindes zur Mutter sein kann, und zum Zerreißen weil sie diese Stärke leider nicht zurück geben kann und in diesem Konstrukt doch eigentlich die Starke sein sollte. Natürlich ist er sehr enttäuscht von ihr und ja wir hatten, ganz teenager-like, auch schon Situationen mit Gelegenheiten und Enttäuschungen und dann kam der Alkohol und das sich Profilieren unter den Jugendlichen. Das hat mir große Angst gemacht, aber das mussten wir dann ganz klar handeln. Da war eine gewisse Gefahr gegeben, dass sich das manifestieren könnte. Nun ist es wieder ein Weilchen ruhig gewesen – es war aber eben auch ein Weilchen nur minimaler Kontakt (und ich bin total für Kontakt, ganz klar und würde mir für den Großen sogar mehr wünschen, doch leider scheint das ein Riesenproblem für sie zu sein: Diese Termine einzuhalten mit ihrem Sohn).

Du schreibst immer von Deinen Kindern. Was war der Moment, in dem Du den großen Jungen als Dein Kind gesehen hast? 

Der genaue Moment in dem mir mein Herz die Mutterschaft mit Karacho um die Ohren zimmerte war, als der große Junge im OP lag. Er hatte sich, ganz typisch für einen Fußballer, das Kreuzband gerissen und das wurde nun operiert. Eine Routine-OP, dass wusste ich auch. Aber diese Momente in denen ich wartete, dass ich endlich zu ihm konnte, die haben mir ein Gefühl ins Herz getrieben, welches ich schon lange kannte und welches auch für ihn schon da war, doch in diesem Moment des Warten hatte ich erst die Ruhe es zu zulassen: Liebe! Die letzten beiden Jahren waren so hart und in diesem Moment in dem ich nur an ihn und meine Sorge dachte, in diesem Moment schlich sich auch eine gewisse Ruhe ein, denn ich war nicht in der Lage etwas zu tun (ich schmiss alle Rechnungen vom Schreibtisch, weil ich achtmal die gleiche Zahl falsch eintippte). In diesem Moment wurde mir bewusst, was ich fühlte und das war die Liebe einer Mutter. Einer etwas anderen Mutter – ich war vollkommen übermannt.

Wie gestaltet sich das Familienleben der beiden Kinder, die plötzlich Geschwister wurden?

Das Verhältnis der beiden ist unbeschreiblich schön! Der Große, der immer schon ein väterlich-freundschaftliches Verhältnis zu meinem Mann hatte, sagte recht zum Anfang mal: “Ich möchte irgendwann einmal alles was Ronny (JeSsis Mann) mit mir gemacht hat, an die Motte weiter geben” – wir hatten beide ein Strahlen in den Augen. Natürlich hat der Große nicht immer Bock – hey er ist sechzehn und sie bald vier – aber er beschäftigt sich immer wieder mit ihr. Nimmt sie zu sich und macht ihr ihre Lieblingsmusik an. Schaut Bücher mit ihr und baut die tollen Lego-Duplo-Konstrukte der ganzen Familie (witzigerweise ist es sogar noch sein Duplo, welches sie von ihm und seinen Bruder erben konnte).
Die Motte hat schnell gesagt – gerade als sie in den Kindergarten kam – “das ist mein Buder-Seng”(Bruder-Cousin). Zwischenzeitlich wollte sie ihn immer in meinen Bauch stecken, damit er ihr “richtiger” Bruder wird. Und heute sagt sie “…. ist mein Bruder, mein Pflegebruder der nicht im Mamas Bauch war, aber mein liebster Bruder, den ich lieb habe!”

Nun bist Du selbst noch keine 30 und plötzlich Teenager-Mutter. Gibt es da manchmal Schwierigkeiten, oder verstehst Du in auf Grund der geringeren Altersdistanz vielleicht besonders gut?

Ich bin im letzten September 30 geworden – aber als er kam war ich noch keine 30 (eigentlich viel zu Jung für ein so großes Pflegekind, aber hier ging einiges in anderen Bahnen als es “eigentlich sollte”). Ich würde sagen, sowohl als auch. Ich kann mich wohl am besten erinnern, wie das war, bei mir ist es ja nicht so lange her, jedoch denke ich das ein Verständnis nicht allein daher kommt, sondern auch weil ich einen ähnlichen Weg gehen musste. Ich hab mit 13 Jahren mein Elternhaus verlassen (müssen) und wurde so viel zu schnell erwachsen. Ich hätte mich wahnsinnig gefreut, wenn jemand aus meiner Familie solche in Engagement für mich aufgebracht hatte. Aber mein Glas ist halbvoll und so kann ich vieles nachvollziehen. Ich differenziere aber auch ganz klar, wenn etwas nicht geht. Ich bin die Konsequentere, trotz des gemeinsamen Weges, und ich weiß das gerade Kinder, wie er, ganz klare Strukturen und Grenzen brauchen. Das gibt ihnen Halt und Sicherheit!

Was wünscht Du Dir in Zukunft für Deine Kinder?

Ich wünsche dem großen Jungen nun nach seinem erfolgreichem Schulabschluss, mit dem besten Zeugnis seiner ganzen Schullaufbahn, dass seine Ausbildung genau so wird, wie er sich das vorstellt. Er hatte großes Glück und durch Engagement doch noch seinen Ausbildungsplatz in seiner Traumfirma zu bekommen.
Dass ich mir derartigem Stolz im Jahre 2015 schon in Berührung kommen werde, das hab ich mir vor drei oder vier Jahren auch nicht gedacht.
Der Motte wünsche ich, dass sie weiterhin mit all ihrem Herzen bei der Sache ist. Dass sie ihre kindliche unschuldige Sichtweise auf die Welt niemals verlieren wird, und vielleicht sogar aus der natürlich nicht immer einfachen Konstellation unserer Familie profitieren wird, was das Geben und Empfinden von Liebe und Familie angeht.

Die Bilder wurden freundlicherweise von JesSi zur Verfügung gestellt.

Jeden Freitag wird hier nun ein Interview zum Thema „Außergewöhnliche Familienmodelle“ unter dem Schlagwort #familienrollen. Ihr kennt auch jemanden auf den das zutrifft, habt selbst eine Geschichte oder eine Idee, was Ihr unbedingt mal gerne lesen möchtet? Dann schreibt mir unter fruehesvogerl@gmail.com. 

Kultur mit Kind, Meinung

Geburtstagsmonat August

Deutschland gewann das Finale, mein Sohn bekam die ersten Zähne, wir machten die erste große Reise mit Baby und wanderten am Nordsee-Strand. Dann kam die Idee: Ich wollte meinen eigenen Blog. Wollte mehr erzählen, als unter ein Instagram-Bildchen passt.

Ich las, zwischen der Fütterung von Osanit-Kügelchen und Stillen an den unmöglichsten Orten, einen Krimi und kam auf die Idee zu darüber zu bloggen, wie diese Vereinbarkeit von Kultur mit Kind so zu bewerkstelligen ist.

Das ist nun fast ein Jahr her, deshalb dreht sich im August hier alles um das Blog-Jubiläum. Wie war das erste Jahr? Was hat mich wirklich überrascht? Welche tollen Leute haben wir getroffen, was haben wir noch vor?
Geben wird es auch: Ein paar Gewinnspiele von Dingen, die ich wirklich gut finde. Tolle Gastbeiträge von einigen Elternbloggern, die ich sehr schätze. Und vor allem auch „andere Blickwinkel“, Beiträge von Schreibern, die eigentlich nicht auf Elternblogs unterwegs sind.

Die anderen Stimmen geben mir ein bisschen Zeit, um mich wieder mehr um die Kultur da draußen zu kümmern. Wieder ein bisschen mehr zu lesen, und endlich, endlich gehen wir auch auf ein Festival. Mit Kind natürlich. 

Ich freue mich auf den August. Ihr hoffentlich auch. 
Kultur mit Kind, Meinung

Herzerl im Blick

Liebe frisch verherzelte Mutter,
im Frühjahr 2014 ist plötzlich alles anders. Zehn Monate lang wurdest Du immer dicker und dicker und hast Dich theoretisch darauf eingestellt, wie das denn so werden könnte, und dann war es plötzlich so weit. Und es war wunderbar. Du hattest das Glück, dass Du es von Anfang an genießen konntest und viele negative Erfahrungen von anderen nicht machen musstest.

Eineinhalb Jahre später wirst Du Mütter sehen, die wahrscheinlich ein bisschen müde aussehen. Ihre Klamotten passen vielleicht noch nicht alle. Die Haare sind vielleicht struppiger als sonst. Das kennst Du alles. Aber sie haben diesen Blick. Diesen Zauberblick. Das etwas dickere Gesicht strahlt vor Stolz. Und Du wirst feststellen, dass Du nie Frauen sahst, die hübscher waren.

 

Das Gute ist, Du hast das auch an Dir schon gesehen, und hast Dich immer gewundert, wenn jemand gesagt hat, dass es überraschend ist, wie gut Du aussiehst. Wieso überraschend? Dir geht es doch gut. So überwältigt und so voller Gefühl. Und ja, auch in den Schwangerschaftsklamotten fünf Monate nach der Geburt.
Gut, dass Du einige Dinge schon beherzigt hast, die Dir Leute gesagt hatten, die es gut mit Dir meinten. Und Dein Sofa vorm Wochenbett klein war, und Du nur ausgewählte Leute darauf hast, sitzen lassen. Und Du Dich auch durchgesetzt hast, wenn jemand anderer andere Meinung war.
Ein paar blöde Tipps, wirst Du auch bekommen. Wenn Du einen Ratschlag haben möchtest: Dann sei damit ein bisschen gelassener. Die meisten meinen es nicht böse, und abgrenzen konntest Du Dich vorher auch schon: Behalt Dir das ein bisschen bei.
Ein paar Ratschläge wirst Du bekommen, die richtig toll sind. Ich verrate sie Dir mal, wenn Dein Kind kuscheln will, lass das bloß immer zu. Irgendwann will es das nicht mehr so häufig, und Du sollst jede Minute genießen. Und freue Dich darüber, dass Du so eine schlaue Oma hast.
Manchmal musst Du Dich aber auch ein bisschen zurücknehmen, denn es ist für Dein Kind nicht immer von Vorteil, wenn Du gleich Deinen Unmut kundtust. Geh dann einfach lieber weg. Das wirst Du lernen.
Genauso wie die Tatsache, dass Dein Kind vielleicht manches gar nicht so doof findet wie Du. Es ist Dein gutes Recht trotzdem jeden daran zu hindern, der über seinen Kopf tatschen möchte. Da kommt Dein Kind nämlich nach Dir.
Ach ja, und sei immer Du selbst, das funktioniert ganz gut. Und gib Euch immer so viel Zeit, die ihr beide für die Dinge braucht. Und vergiss nie zu merken, wie froh Du über Deinen Mann sein kannst, und dass nicht nur deshalb, weil es später einige überraschend finden, dass er dieses entzückende Kind auch wickelt. Ich bin übrigens stolz auf Dich, dass Du weiter Kuchen gefuttert hast, in der Stillzeit und der Hebamme geglaubt hast, dass sich das von selber löst.
Das Schöne ist, dass Du Dich bei jeder Mutter mit diesem Blick daran erinnern wirst, wie das so war. Damals.
Deine stolze, stark verherzelte, Kleinkind-Mutter
Dieser Text ist Teil der Blogparade #meinbriefanmich von Jana vom Hebammenblog.
Kultur mit Kind, Nachgefragt

„Ich denke, ich bin einfach keine Baby-Mama“. / Kultur mit Kind Interview mit Frühlingskindermama über Highneed und Kinderwunsch

Was sie am Mutter sein überrascht hat, wie sie gut entspannen kann und worum es auf ihrem Blog geht, erzählt mir die Frühlingskindermama, die anonym im Internet unterwegs ist,  im Kultur mit Kind-Interview.

Stell Dich doch bitte kurz vor. 
Ich bin Mama von zwei Kindern, 4 und 2 Jahre alt, wohne schon mehr als die Hälfte meines Lebens in Berlin, was meine Heimatstadt geworden ist, und bin Jahrgang 1974, was man deutlich an meinen eigentlich braunen, von immer mehr weißen Strähnen durchzogenen Haaren sieht.
Ansonsten hab ich mich aber ganz gut gehalten, denke ich;).

Ich blogge über meine Kinder, über mein Mamasein und alles, was mein Leben im Moment ausmacht. Ich schreibe auch gern Buchrezensionen über Bücher, die mich besonders interessieren, und verarbeite in Rückblicken meine Erfahrungen und Erlebnisse, seit ich Kinder habe. Ich reflektiere viel und spare auch schwierige Themen nicht aus, da bei uns einiges anders gelaufen ist als vorgestellt, seit die Kinder da sind. Was man bei mir nicht finden wird, sind Bastel- und Nähtipps etc. Ich habe zwei geisteswissenschaftliche Fächer studiert und begeistere mich für Kultur, Geschichte, Sprachen und Literatur. Mein Mann und ich arbeiten beide in Teilzeit, er in einem großen Museum und ich in einem Zeitungsverlag. Mein Blog existiert seit November 2014 und ich schreibe bisher anonym, d.h. namen- und gesichtslos. Ob das so bleiben wird, weiß ich noch nicht. Im Moment ist es aber angenehmer so, weil ich offener und schonungsloser schreiben kann, als wenn Freunde und Familie mitlesen.

Du bloggst als Frühlingskindermama über Dein Leben als Mutter, und warum Du Dir manche Dinge anders vorgestellt hast. Was waren Deine Vorstellungen vom Mutter sein und wie ist die Realität?

Da wir nach einer Fehlgeburt eine sehr lange und schmerzhafte Kinderwunschzeit durchstehen mussten und uns ein Kind wahnsinnig wünschten, waren meine Vorstellungen vom Kinderhaben sicherlich etwas idealisiert. Außerdem hatten wir keinen direkten Kontakt zu Babys und Kleinkindern im Freundeskreis. Ich dachte, das Muttersein, gerade nach der langen Wartezeit, würde mich total erfüllen und glücklich machen. Ich meinte auch, es würde mir leichtfallen, mich und meine Bedürfnisse zurückzustellen und anfangs ausschließlich für das Kind zu leben.
Unser Sohn war leider ein Schreibaby vom ersten Tag an und stellte uns vor immense Herausforderungen, die uns lange Zeit an den Rand unserer Kräfte und Nerven brachten. Doch auch bei meiner pflegeleichteren Tochter empfand ich in der Babyzeit nicht die große Erfüllung. Ich denke, ich bin einfach keine Baby-Mama.

Jetzt, wo sie älter sind, man mit ihnen kommunizieren und viel mehr anfangen kann, ist es für mich immer schöner und einfacher geworden. Außerdem habe ich durch meine Kinder viel über mich selbst gelernt, über meine Grenzen, meine Bedürfnisse, mein Wesen und das, was mir wichtig ist. Zum Beispiel gehe ich jetzt viel lieber arbeiten als früher, weil die Arbeit ein guter Ausgleich zum Zusammensein mit den Kindern ist. Beide Bereiche fordern völlig unterschiedliche Kompetenzen, manches überschneidet sich auch, in jedem Fall möchte ich keines von beiden ausschließlich haben. Insgesamt würde ich sagen, dass mein Leben komplett auf den Kopf gestellt wurde, seit ich Kinder habe und ich brauchte lange, um damit klarzukommen und eine positive Herangehensweise zu bekommen. Wenn ich an die lange Kinderwunschzeit zurückdenke und dann meine beiden niedlichen, oft natürlich auch anstrengenden Kinder sehe, bin ich trotz aller Probleme sehr dankbar.

Welche Momente funktionieren bei Euch als Familie so gut, dass Du Dich zu einem Tipp hinreißen könntest?

Unser Alltag ist gut strukturiert und auch Unvorhergesehenes ist eingeplant, so dass wir alles ganz gut im Griff haben und nicht ins Strudeln kommen, wenn ein Kind krank wird oder ein Termin dazwischenkommt.
Da wir keine Familie in Berlin haben, müssen wir uns da komplett selbst organisieren. Deshalb versuchen wir, auch am Wochenende mal allein was mit den Kindern zu unternehmen, damit der andere Elternteil etwas Freizeit hat. Manchmal klappt es sowieso besser, wenn nur einer für die Kinder zuständig ist, weil sie dann wissen, an wem sie sich orientieren müssen. Als unsere Tochter geboren wurde (der Sohn war gerade 26 Monate alt), teilten wir uns ziemlich strikt auf: ich war für das Baby und mein Mann für den Großen zuständig. Das hat gut funktioniert und ist zum Teil bis heute noch so. Was ganz wichtig für Familien mit kleinen, oft die ersten Jahre schlecht schlafenden Kindern ist: gestaltet die Schlafsituation so, dass alle den größtmöglichen Schlaf kriegen. Wie, ist individuell verschieden, aber die Hauptsache ist, jeder schläft soviel wie möglich. Und ermöglicht euch gegenseitig Auszeiten, und zwar nicht erst, wenn der Partner darum bittet. Fordert Hilfe aktiv ein oder bezahlt für Entlastungen wie Putzfrau, Babysitter, Lieferservices etc., wenn ihr euch überfordert fühlt. Das alles kommt euch und damit wiederum den Kindern zugute.

Was macht Ihr als Familie gerne zusammen?

Da wir einen Pachtgarten am Stadtrand haben, verbringen wir im Sommer die meiste Familienzeit dort. Das gefällt allen und ist stressfreier und preiswerter als teure Ausflüge. Wir fahren gern in den Tierpark Germendorf nördlich von Berlin, eine Mischung aus Tier-, Freizeit- und Dinopark mit Badesee und Grillmöglichkeiten. Im Winter besuchen wir oft die in unserer direkten Umgebung gelegenen drei Kindertheater, ein Kindermuseum oder Indoorspielplätze. Unter der Woche gehe ich nach der Kita mit den Kindern auf Spielplätze, in den nahe gelegenen Park oder den Kinderbauernhof. Wir haben in unserer Umgebung wirklich viele schöne Möglichkeiten und das möchte ich keinesfalls missen.

Und meine Lieblingsfrage: Wie entspannst Du? 

Richtige Entspannung, woraus ich auch Kraft tanke, finde ich nur allein. Deshalb ist es für mich wichtig, auf regelmäßige Auszeiten zu achten. Dann lese ich, schreibe für meinen Blog und komme einfach zu mir. Der Blog gibt mir die Möglichkeit, meine Gedanken und Erinnerungen zu ordnen, die oft wie wild durch meinen Kopf rauschen. Und den Austausch mit Gleichgesinnten möchte ich nicht mehr missen. Aus schönen Familienunternehmungen kann ich aber durchaus auch Kraft ziehen, durch tolle Erlebnisse, gemeinsames Lachen und Erinnern an besondere Momente. Ich würde gern wieder mehr verreisen, das Entdecken fremder Städte/Länder/Kulturen hat mir früher viel bedeutet und Energie gegeben. Es wird auch wieder die Zeit kommen, wo ich wie früher durch Museen und Ausstellungen streifen kann, und ich freue mich schon darauf, meinen Kindern meine Interessen und Leidenschaften näherzubringen.

Alle Bilder wurden freundlicherweise von der Bloggerin Frühlingskindermama zur Verfügung gestellt.

Ihr habt auch ein Kind, interessiert Euch für Kultur und möchtet darüber reden? Schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. 

Eine Übersicht über alle bisher geführten Interviews findet Ihr hier

Alltag, Kultur mit Kind

Ein österreichisches Wochenende / WIB vom 24. – 26. Juli 2015

Bei traumhaften Wetter hatten wir ein wunderschönes Wochenende in Österreich. 
Am Freitagmorgen teilen sich Hund und Kind eine Brezel. 
Wir machen einen Ausflug und stellen fest, dass in meiner Heimatstadt die Stadtbücherei immer noch das Zuhause hat. Wie vor 20 Jahren. Das ist auch gut so. Immerhin hat uns einer danach gefragt.
Auf dem Weg zum Großcousinstreff, sehen wir ein altes Auto. 
Beim Treffen selbst vergesse ich das fotografieren, und denke erst in der Natur wieder dran. 
Abends ist Schanigarten-Action angesagt. 
Dank Babyphone können wir lange sitzen. 
Samstags wird angebadet. Einer nicht ganz freiwillig. 
Im Anschluss wird getanzt. 
Das frühe Vogerl liebt seine Tante. 
Der Hund ist beim Onkel. Und die Mutter läuft ein bisschen durch die Gegend. 
Es wird kalt. Doch Omis Socken helfen. 
Grillen steht immer hoch im Kurs. Auch in Österreich. 
Abends sind wir alle etwas k.o. 
Vor dem nächsten Ausflug gibt es Frühstück. 
Hund und Kind erobern sich das Terrain. 
Könnt Ihr erkennen in welcher Stadt wir sind?
Wasserspielchen sind an der Tagesordnung. 
Zwischen Grillerei und Traumdessert gibt es einen kleinen Snack. 
Schmuck und Brille fallen ein bisschen öfter runter. 
Gebadet wird natürlich auch. 
Und der Nachtisch war traumhaft. 

Unser zauberhaftes Wochenende in Österreich neigt sich dem Ende zu. Wie war es bei Euch so?
Mehr Wochenenden in Bildern findet Ihr wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen
Familienrollen, Kultur mit Kind

„Es ist alles gut und ich freue mich über jeden neuen Erdenmenschen“. / Kinderwunsch und das Leben mit der Kinderlosigkeit in den Familienrollen

Wie fühlt es sich an, wenn alle im Freundeskreis Kinder kriegen, man selbst aber nicht? Welche Fragen da auftauchen und was sie sich von ihrem Umfeld wünscht, hat mir Eni verraten: 38, 12 Jahre verheiratet und kinderlos. 

Auf Deinem Blog schreibst Du Berührendes über Deinen Alltag. Du schreibst von Deinem Leben als Frau, die im Job engagiert ist, verliebt in den Mann und in das Leben. Du schreibst auch darüber, dass Eure Familie nur aus zweien besteht. Du bist kinderlos. Warum?

Foto: Eni Nexyt

Das Leben zu zweit ist großartig! Aber ein Leben zu zweit kann man noch steigern, indem man aus Zweien vielleicht Drei macht. So dachten wir. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, erst spät Kinder in die Welt zu setzen, da war ich etwa 35. Nun, drei Jahre später, wissen wir, dass es nicht sein soll. Einiges haben wir probiert, aber das Schicksal wollen wir nicht weiter herausfordern. Manche Dinge sollen einfach so sein, wie sie sind. Und da wir es nicht besser wissen: Das Leben zu zweit wird auch weiterhin wundervoll sein 😉 Und wer weiß – unverhofft kommt ja bekanntlich oft.

Wir haben uns erst einmal gesehen, aber damals ist mir aufgefallen, dass Du sehr liebevoll zu kleinen Kindern bist. Wie lebst Du diese Kinderliebe, die ja zweifelsfrei vorhanden ist, in Deinem Alltag aus?

Bis auf zwei, haben all meine Mädels mittlerweile Kinder – das ist toll und ich bin sehr glücklich darüber, dass Mutter Natur es so gut mit meinen Liebsten meint! Nicht ganz uneigennützig behaupte ich, dass das meine kleine Spielwiese ist. Ich bin stolze Patentante einer großartigen kleinen Maus, bin eng mit familieberlin befreundet und miniberlin ist eine echte Kumpeline geworden . Außerdem habe ich Nichten und Neffen. Also: Ich bin sehr gut versorgt.

Frauen ab 30, die keine Kinder haben, werden ja meist relativ häufig darauf angesprochen, wie es denn nun aussieht mit der Familienplanung. Wie gehen Du und Dein Partner damit um?

Unsere Freunde fragen das nicht, weil wir mit ihnen ganz offen über das Thema sprechen. Sie wissen, dass es schwierig ist. Es ist keine Schande, keine Kinder zu haben – egal aus welchem Grund. Und dass es nicht klappt, ist keine Schwäche. Mutter Natur hat es bis jetzt einfach nicht für uns vorgesehen. Problematischer ist da schon die Familie. Sie fragt andauernd: Wann ist es denn endlich soweit? Ihr seid ja mittlerweile schon viel zu alt! Und so weiter und so fort. Das nervt schon manchmal. Ehrlich gesagt wissen sie nicht so genau, wie es um „unsere Situation“ steht. Das ist irgendwie zu emotional. Für meine Eltern wird das unvorstellbar sein, denn ich komme aus einer sehr fruchtbaren Familie 😉 Und wenn mich ferne Bekannte oder Fremde  fragen sage ich meist: Ich habe ja noch Zeit.

Du hast schon mehrmals darüber geschrieben, dass die meisten Deiner Freundinnen nun Kinder haben. Vor welche Herausforderungen stellen Euch diese unterschiedlichen Lebensmodelle?

Foto: Eni Nexyt

Da sprichst Du ein wichtiges Thema an. Wir haben einen großartigen und liebevollen Freundeskreis: Ich treffe meine Mädels sehr regelmäßig, mein Mann ist mal hier und mal dort unterwegs. Dass fast alle  Kinder haben, teilweise sogar schon das zweite, ist zauberhaft! Und natürlich ändern sich die Freundschaften. Alles andere wäre gelogen. Nicht unbedingt zum Negativen, es ist nur anders. Die Mädelsabende finden nun nicht mehr wöchentlich statt, das Planen wird zu einem „Lass mal den Termin anpeilen und dann schauen wir.“ Bis hin zu spontanen Absagen. Das ist nicht schlimm, darauf stellen wir uns ein. Was ich sehr bewundernswert finde: die Mädelsabende laufen so ab wie früher: Keine „über-Baby-Gespräche“, sondern die Mädels tauchen in ihr „früheres Leben“ ein und es ist, als wäre nichts gewesen. Trotzdem merke ich eine Veränderung, und zwar in mir: Obwohl sich alles ganz schön und richtig anfühlt, sind es nicht die Mädels, deren Situation sich geändert hat, sondern meine. Ich bin nun „die andere“. Die, die keine Kinder hat und die Verständnis für all das haben muss und glücklicherweise hat. Dennoch ertappe ich mich dabei, dass ich mich manchmal nach Freunden ohne Kind sehne. Der alten Zeiten wegen? Vielleicht. Bei meinem Mann ist das irgendwie anders. Ich glaube, Männer nehmen die Veränderung von Freundschaften mit Kindern anders wahr.

„Du hast ja keine Kinder, das verstehst Du nicht“. – Es gibt sicher eine Menge Dinge die Eltern ihren kinderlosen Mitmenschen sagen. Manches kränkt Dich vielleicht. Welchen Umgang würdest Du Dir wünschen?

Darüber denke ich oft nach. Natürlich verstehe ich viele Sachen aus Sicht der Eltern nicht, woher auch. Wir haben ja keine Kinder. Andersrum hätte ich mehrere Wünsche: Schaut mich nicht so mitleidig an – für mich geht die Welt nicht unter, nur weil ich keine Kinder habe. Das Leben ist auch so lebenswert und wunderschön. Und fragt nicht ständig, wie ich mich fühle, wenn im Freundeskreis wieder ein wundervolles Baby geboren wird. Es ist alles gut und ich freue mich über jeden neuen Erdenmenschen. Schließlich kann ja keiner was dafür, dass es bei dem einen klappt und bei dem anderen nicht. Ich bin trotzdem „eine von euch“ und möchte als solche auch gesehen werden.

Welche Pläne hast Du für die Zukunft? 

Zukunftspläne zu schmieden gehört nicht zu meinen Stärken. Ich lebe gern im Jetzt. Obwohl – nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Wir lieben das Reisen, die Welt will entdeckt werden. Unsere Reisen gehen wir etwas perspektivischer an, aber auch nur mit Blick aufs nächste Jahr. Es ist doch viel spannender, NICHT zu wissen, was kommt. Und was den Job betrifft – ich habe keine langfristigen Karrierepläne. Weiß aber, was ich nicht machen möchte und in welchem Metier ich mich wohlfühle. Erst wenn die Zeit fühlbar reif für was Neues ist, plane ich meine nächste berufliche Veränderung. Aber wer weiß, vielleicht ist Mutter Natur ja doch noch gnädig 😉

Hier geht es zum Blog thirty-ehrlich. Bilder wurden freundlicherweise von Eni zur Verfügung gestellt. 

Jeden Freitag wird hier nun ein Interview zum Thema „Außergewöhnliche Familienmodelle“ unter dem Schlagwort #familienrollen. Ihr kennt auch jemanden auf den das zutrifft, habt selbst eine Geschichte oder eine Idee, was Ihr unbedingt mal gerne lesen möchtet? Dann schreibt mir unter fruehesvogerl@gmail.com.