Alltag, Kultur mit Kind

Fürstliches Essen, feiern und Fete de la Musique / Unser Wochenende in Bildern vom 19.-21-06.15

Unser Wochenende beginnt bereits am Freitag. Wir bekommen österreichischen Besuch. 
Stolz präsentiert das frühe Vogerl seinen Kreisel. 
Am Nachmittag geht es nach Friedrichshain in eines der besten Lebensmittelläden: das Frischeparadies. 
Ein paar alte Bücher geben wir beim Mittagessen ab. 
Zum Nachmittagssnack sind wir wieder zuhause. 
Aus Mitte haben wir uns etwas Gutes mitgebracht. 
Bei der Post liegen Bücher aus, die nicht weniger zu werden scheinen. 
Das Abendessen schmeckt sehr gut. 
Mit dem Besuch geht es am Abend in die Natur. 
Einer freut sich besonders. 
Aber auch der Besuch ist angetan.
Später macht der Besuch Babysitter-Dienst und wir fahren wieder nach Friedrichshain. 
Es gibt österreichische Getränke in unserem Lieblingsclub, der dieses Wochenende das letzte Mal geöffnet hat und es sogar in die Zeit geschafft hat.
Der Samstag ist für die meisten eher gemütlich. 
Einer von uns ist zum Radeln in ein anderes Bundesland gefahren. Wir anderen sind nur zum Einkaufen sind wir kurz unterwegs. 
Dort haben wir auch Blumen gefunden. 
Am Sonntag bin ich irgendwie müde, aber es ist Fete de la Musique in der Stadt. 
Berlin hat einen Österreichpark, den wollen wir sehen. 
Musik ist angesagt und einige Foodtrucks stehen rum. 
Beim Schnitzeltruck gibt es Almdudler. 
Und natürlich auch ein bisschen Klischee im Park. 
Und Schnitzel-Kult. 
Ein Spielzeug findet sich auch. 
Sogar die Blumen sind patriotisch. 
Zuhause gibt es Joghurt. 
Und der Hund freut sich, dass wir wieder da sind. 

Schön war unser Wochenende und bei Euch so?

Mehr Bilder findet Ihr wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen
Kaffeehauskultur, Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Laut lesen

Kürzlich war ich aus. Abends alleine. Mit zwei Freundinnen. Wir haben diese Art von Ausflug gemacht, die wir früher zwei bis drei Mal im Monat gemacht haben. Kultur wollten wir sehen. Das Gute an der Dezimierung solcher Treffen ist, dass – wenn man sie nicht mehr so häufig macht, die Auswahl strenger wird. Wir entschieden uns für eine Lesung mit der großartigen Marlene Streeruwitz in der österreichischen Botschaft.

Botschaftsgebäude

Und nun ja, es war ganz nett. Das Davor und Danach mit den Mädels war toll. Aber die Lesung selbst war leider, trotz wirklich, wirklich toller Autorin etwas langweilig. Wie ein etwas ödes Pro-Seminar an der Germanistik. Mit genervten Kollegen, die wenige, aber dumme Fragen stellen. Eine Moderatorin, die sehr bemüht war, dem Publikum zu zeigen, dass sie wirklich alles von der Autorin gelesen hat. Im Anschluss gab es Chips und Wein. Und das Gefühl zwischen den ganzen grauköpfigen Menschen in einem Klischee gelandet zu sein. An dem Ort, an dem Menschen, die nicht hundertprozentig für Literatur brennen niemals landen. Ich brenne hundertprozentig für Literatur, deshalb war das schon okay so. Aber ich möchte gerne mal wieder auf einer Lesung landen, die auch Menschen begeistern könnte, die dort überraschend stranden. Und gleich vorweg, pointiertes Es-darf-gelacht-werden der Lesebühnen-Schreiberlinge mag ich auch nicht so wirklich. Ein bisschen was mit Event-Charakter, meinte meine Freundin, die hier sicher nicht zitiert werden möchte. Fakt ist: Ich suche eine wirklich tolle Berliner Lesung, gerne eine Bühne einen Ort, und freue mich unbändig über Empfehlungen von lesenden Berlin. Habt Ihr was für mich?

Kultur mit Kind, Meinung, Nachgefragt

Die Sache mit den Trends / Eine Reise in die 90er mit den Bilderfrauen

Meine vier Bloggerkolleginnen Alina (Liebling – Ich Blogge, Jetzt), Alu (Grosseköpfe), Bella (familieberlin), Dajana (Mit Kinderaugen) und ich haben das Projekt Bilderfrauen ins Leben gerufen: Jede Woche stellen wir uns Fragen, die uns zu Mode, Beauty und Lifestyle durch den Kopf gehen.

Dieses Mal wollte ich wissen: Wie steht Ihr eigentlich zu Mode-Trends?

Mein Trend der 90er: Dauerwelle. Trendgeber: Meine Cousine.

Das kam so: Vor ein paar Tagen war ich beim Friseur. Der Naturzustand meiner Haare musste wieder hergestellt werden. Und da sowas immer ein paar Stunden dauert, brachte der Friseur jede Menge Heftchen. Oberthema: Klatsch und Mode. Das Durchblättern der Mode-Strecken hat bei mir seit Jahren den gleichen Effekt: A-Ha. Noch nie dachte ich mir:“Ah, das Outfit von Seite 15 muss ich haben.“ Oder gar: „Sternchen XY trägt rote Strähnchen, können wir schnell meine Farbe vom Kopf waschen und nachjustieren?“

Fakt ist aber, dass ich Menschen kenne, die darauf anspringen. Schlaue Menschen. Spritzige Menschen. Schöne Menschen. Verstehen tue ich es nicht.
Als Kind, das (elternberufsbedingt) viel in Modezentren unterwegs war, war mir früh klar, dass Mode einen zentralen Stellenwert hat und das es nicht egal ist, was Du trägst. Und wenn es denn egal ist, dass das dann auch ein Statement ist.
Ich liebe Kleider. Liebe ihre Farben, liebe ihre Stoffe, war berufsbedingt mal näher an der Sache dran als heute, aber meistens habe ich bestimmt was mir gefällt. Den einen schrecklichen Abend, als ich mit einem pinken Bauchtop auf einem Stuhl verbrachte, das Glas vor den Bauch gedrückt, verdränge ich. Genau so wie den Abend an dem ich nicht tanzen konnte, weil meine superengen Schuhe mich nicht mehr tragen wollten.
Allerdings war es nie eine Zeitschrift, die mir etwas aufdrängte oder ein Trend der sein muss. Eher noch Menschen. Denn ich bin empfänglich für Impulse. Auch heute: Auf dem Weg zum Friseur bin ich beim wunderbaren Heimspiel-Laden kurz eingekehrt, um auch so eine tolle Stoffhose zu haben wie Bella. Eine Hose. Ich. Das Retrokleid von Alu hätte ich neulich ungefragt sofort genommen.

Mit der trocknenden Farbe auf dem Kopf komme ich zu der Erkenntnis, dass ich einfach ein echtes Problem habe mit zusammengestückelten Dingen, die mir vorgekaut werden, aber gerne neue Sachen entdecke. Also zeigt mir Dinge, die ich sehen will. Deshalb hier ein Steckbrief meines Kleiderschrankes.

Ich habe
Strickwesten: unzählbar
Kleider: 33
Strumpfhosen: 23
Röcke: 15
Hosen: 4 (und das ist ok so)
Aber ein echtes Defizit an Oberteilen.
Ich mag bunte Farben und natürliche Stoffe. Und freue mich, wenn Ihr mir Blogs und Produkte zeigt, die mir gefallen könnten. Für: T-Shirts. Blusen. Pullis. Ob die trendy sind, ist mir dabei völlig egal.

Und das haben die Mädels auf die Trendfrage geantwortet:

Alina von Liebling – Ich blogge, Jetzt

Trends sind so eine Sache. Sie geben die Richtung vor. Spiegeln das Zeitgenössische der Mode wider und geben vor im Geschehen angekommen zu sein. Ein Mitreißen mit dem Strom oder aber auch ein Zeichen anders zu sein, noch individueller – je nach Auslage des Trends der jeweiligen Person.
Ich war nie ein Mensch der auf Trends geachtet hat. War immer diejenige die sich ihr eigenes Ding zusammengebastelt hat.
Habe mich überall inspirieren lassen und meinen Trend draus entwickelt – mal besser, mal schlechter.

Alina früher

Wenn ich heute die Bilder von früher sehe, denke ich oft: Oh, mein Gott. Aber was soll es, wenn ich mich in diesem Moment wohl gefühlt habe, war es das doch schließlich wert, oder?
Obwohl ich immer mit meinen rosa Nägeln und rosa Sandalen so aussah, als ob ich einfach auf dem breiten Strom der Masse folge, war das nie so. Ich bin immer meine eigenen Wege gegangen, habe das gekauft was mir gefiel und habe viele Dinge meiner Mutter zu einem mir passenden Stück umfunktioniert.
Ich mochte es bis zu der Geburt meines Sohnes gepuzzelt und bequem. Immer hatte ich eine nette Bluse, ein nettes Kleid oder ein weites Oberteil mit einer bequemen farbenfrohen Leggins an. Auf Figur habe ich weniger geachtet nur auf eng und na-ihr-wisst-schon.

Seit Samuel da ist, hat sich mein Style verändert. Ich bin ruhiger geworden. Greife mehr zu Jeans, Blusen, Tuniken und schlichten Pullovern. Ein schlichter Trenchcode und schon sitzt das Outfit.
Ich habe meine Ballarinas alle aus meinem Schrank verbannt, da sie einfach stinken und der frauliche Gang auf ihnen ist einfach nicht schön: Man stampft wie eine Bäuerin durchs elegante Großstadtviertel. Nicht schlimm? Richtig, aber bequem waren sie auch nicht und deswegen habe ich sie letztendlich gegen Birkenstocks eingetauscht und bin damit wahnsinnig zufrieden.
Wenn es einmal etwas schicker sein soll, setzte ich inzwischen auf Absatz und kombiniere jegliche Schuhe zu meinem schlichten, dezenten Outfit, oder aber ich setzte auf Lippenstift.
Früher habe ich mich ein wenig wegen meiner vollen Lippen geschämt, doch heute betone ich sie mit ganz viel Farbe, wenn schon der Rest in schlichten Tönen gehalten ist. Ein toller Rotton auf den Lippen peppt jedes Outfit zu einem Highlight auf. Das sind meine Trends.
Und als mein Freund kürzlich zu mir sagte“ Du kommst immer mehr an an Deinen Stil“ wusste ich das ich auch hier langsam, aber sicher, meinen eigenen Weg finde.

Alu von Grosseköpfe

Liebe Bettie,

Die 18-jährige Alu

ich bin mit einer der Textilexpertinnen dieses Landes aufgewachsen. Bereits in meiner frühesten Kindheit habe ich Textilmuseen und Ausstellungen besucht, um die Geschichte der Mode zu verfolgen und verschiedenste Materialien kennenzulernen. Dabei konnte ich nicht nur viel über gute und schlechte Stoffe lernen, sondern für mich bereits in früherer Jugend feststellen, dass mir Kleider und Röcke einfach gut stehen! Sicher, ich kann auch in Hosen das Haus verlassen, aber so richtig „fesch“ und sexy fühlte ich mich schon eher mit Beinfreiheit. Als ich 13 Jahre alt war, dachte ich den Stil meiner Tage gefunden zu haben. Ja, ich wurde sogar von einer großen Boulevardzeitung interviewt und als neue Hippie Generation mit Bildern vorgestellt. Dieser „innere“ Trend legte sich jedoch nach

einem London Besuch recht schnell wieder und ich wurde Fan vom „Farbenlook“. Dieser Trend hat

sich bis heute gehalten. Manchmal wirft man mir merkwürdige
Blicke zu und auch im Büro wurde ich bereits des Öfteren auf meinen ausgefallenen Stil angesprochen, mir ist das ziemlich egal! Ich trage das, was mir (nach meiner Meinung) steht und in dem ich mich wohlfühle. Einige Modetrends wie Muster, oder Strickjacken kommen mir entgegen, ergänzen aber eher meinen eindeutig ZU KLEINEN KLEIDERSCHRANK. Im Übrigen warte ich immer noch auf ein Modelangebot von BLUTSGESCHWISTERKING LOUIE und MADMOISELLE YEYE denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es jemanden gibt der mehr Liebe für diese Firmen empfindet als ich ; )
Deine Alu

Bella von familieberlin

Es gab eine Zeit, da habe ich jeden Trend ausprobiert, sofern es denn möglich war. Denn auf dem

Dorf ist nicht alles sofort verfügbar und wir reden von einer Zeit fernab des Online- und Sofortversands. Demnach hing ich manchen Trends auch etwas hinterher, denn wenn ich alle paar Monate mal in die große Stadt zum Shoppen kam, war mitunter die Zeit der Schlaghosen schon vorbei. Trotzdem versuchte ich, so gut es geht „mitzukommen“, um irgendwie dazu zu gehören. Ich war nie der Trendsetter, eher so der Mitläufer.

Davon habe ich mich mittlerweile verabschiedet, weswegen ich nicht mehr versessen auf Trends bin. Ich ziehe an, was mir gefällt. Klar, ich richte mich auch nach der aktuellen Mode, mag Maxikleider oder Slipper. Aber ich weiß mittlerweile auch, was mir steht. So quetsche ich mich nicht mehr in ein bauchfreies Top oder Plateau-Highheels. Für wen? Für mich sicher nicht. Aber für diese Erkenntnis habe ich einige Zeit gebraucht. Wichtig ist für mich, dass ich mich wohlfühle. Ich darf nicht an mir „rumzuppeln“ oder immer nach der passenden Sitzposition fürs Outfit suchen. Mein Credo mittlerweile: viele zeitlose Stücke. Besondere Blazer, schlichte Blusen und Hosen, auffällige Kleider. Alles mit den passenden Accessoires verbunden und ich fühle mich jedem Trend gewappnet. Und mal ehrlich: kommt nicht alles immer wieder?

Dajana von Mit Kinderaugen

Ich bin wirklich überhaupt nicht der Mode und Fashion Typ. Obwohl ich jobbedingt bereits auf der Fashion Week in Berlin und der Fashion Week in New York war und schon sehr viele modeaffine Texte geschrieben habe, ist das nicht so mein Gebiet. Ich jage auch keinen Mode Trends hinterher. Ehrlich gesagt weeß ick nicht mal was aktuell „in Mode“ ist.

Die 14-jährige Dajana

Als ich jünger war bin ich mal ein paar Modetrends gefolgt. Beziehungsweise wechselte ich meinen persönlichen „Modestil“ jährlich. 1994 waren kaputte Jeanshosen mordern. Da war ick 14 (siehe Foto) und trug das natürlich auch. Auch diese weiten Wittboy und Pash Hosen waren total angesagt. Die Pash Hosen gab es in allen erdenklichen Farben. Meine war tintenblau und ick war so cool. Mit 16 lief ick rum wie ne typische Tussi. Enge Hosen, geschminkt und riesige Ohrringe. Mit 17 wie ein Skater. Vans und Dickies Hosen – wat fühlte ick mich wohl. Mit 18 war mein Modestil eher alternativ. Blaue Springerstiefel, Palituch, weite Hosen (gerne Cord) und komische Wollpullis (siehe Foto). Ich stand auf Nirvana. Das erklärt meinen damaligen Modestil. Irgendwann mit Anfang/Mitte 20 hatte ich meinen Stil dann gefunden.

Alternativer Modestil – früher

Heute trage ich das was mir gefällt. Ob das dann modern ist oder nicht ist mir ehrlich gesagt vollkommen schnuppe. Kann sein, dass ich dann auch ein gerade sehr aktuelles Teil erwische. Bewusst mache ich das aber nicht. Mein Stil ist sportlich und ich muss mich wohlfühlen.

Um es also kurz zu machen liebe Bettie: In meinen Leben durchlief ich bereits ein paar modische Highlights und ich kenne auch Begriffe wie Color Blocking, A-Linie und Avantgarde und auch den Unterschied zwischen Ankle Boots und Pumps, aber besonders modeaffin bin ick nicht. Im echten Leben trage ich das was gefällt und das muss vor allem sportlich und bequem sein.

Nun kennt Ihr unsere Meinungen. Und wie steht Ihr so zu Trends?

Kaffeehauskultur, Kultur mit Kind, Unterwegs

Das liebste Kindercafé im Norden von Berlin: Das Rosinchen

Berlin ist voller Kindercafés. Und auch wenn das Gewusel dort nicht zu unterschätzen ist: Ich möchte sie nicht missen. Der Prenzlauer Berg ist voller Kindercafés deren Speisekarte mich meistens aber nicht umwirft. Etwas nördlicher ist es da besser.

Mein Lieblings-Kindercafé ist das Rosinchen im Berliner Norden, in Karow. Da wir bekennende Autofahrer sind, hat sich die Frage nach der Erreichbarkeit noch nicht gestellt. Aber sogar eine Busfahrt könnte sich lohnen, schon alleine wegen dem freundlichen Personal und der Karte. Und es ist das einzige Kinder-Lokal Berlins, das tatsächlich schon um neun geöffnet hat.

Bereits als mein Sohn ganz klein war, waren wir hier gerne zu Gast. Stillen war auch mit Rückzugsort möglich. Denn: Auch wenn es schön ist, wenn man überall stillen kann, möchte man das vielleicht – gerade in der Anfangszeit –  nicht?  Der frühe Vormittag zu Beginn der Woche ist im Rosinchen sehr zu empfehlen, da es da oft überraschend ruhig zugeht.

Der Mini-Fuhrpark, die Rutsche und die
kleine Küche begeistern die Kinder. Mittlerweile isst mein Sohn dort eigenständig Würstchen und geschnittenes Gemüse. Und immer wieder auch ein Obstquetschie. Ich freue mich über die Fritzlimonade, den Rosinchen Toast und diese Becherkuchen, die, glaub ich, einen Teil dazu beigetragen haben, dass ich in der Stillzeit kurzzeitig mehr-statt-weniger wurde.

Der Text ist entstanden, weil mir Bella von familieberlin unterstellt hat, täglich ein Kindercafé aufzusuchen. Das ist keine Rechtfertigung, sondern eine Erklärung, warum das tatsächlich manchmal vorkommt. Nicht täglich, aber desöfteren.

Und Eure Erfahrungen mit Kindercafés? Habt Ihr welche und wenn ja, mögt Ihr sie?

Kultur mit Kind, Nachgefragt

„Wie schlimm ist eine Insolvenz gemessen an dem Verlust lieber Menschen?“ Interview mit Bea von der Tollabox

Vor Kurzem ging ihre Idee der Tollabox insolvent: Ihre Euphorie scheint ungebrochen und sie bloggt munter weiter. Im Interview erzählt Béa, warum sie mit schlimmen Situationen umgehen kann, woher sie ihre Kraft nimmt und ein bisschen strahlt ihre Kraft auch aus ihren geschriebenen Worten: eine beeindruckende Frau. 

Als ich Dich kennenlernte, ging gerade die Meldung von der Insolvenz der Tollabox durch alle Medien. Trotzdem warst Du sehr positiv und voller Tatendrang. Woher nimmst Du Deine Energie? 

Tollabea

Als ich ganz klein war, bin ich in eine riesige Tasse mit Espresso gefallen. Ja, ich werde darauf oft angesprochen. Ich bin einfach ein positiver Mensch und glaube, dass alles immer irgendwie gut wird. Vielleicht kommt das daher, dass ich meine Eltern früh verlor: Meinen Vater starb als ich 12, meine Mutter als ich 15 war. Das war in Ceausescu-Rumänien. Meine Geschwister aus der ersten Ehe meines Vaters haben es geschafft, mich rauszuholen. Mit viel Bestechen und Drähte ziehen, von Deutschland aus. Denn man munkelte damals, dass Vollwaise, die gut in der Schule waren, in Kaderschmieden landeten. Dass ich in die freie Welt rauskam hat mir – so traurig sich der Anlass anhört – gezeigt, dass in den schlimmsten Situationen der Welt Lösungen und Rettungen möglich sind. Und seitdem vergleiche ich jede noch so doofe Situation damit: Wie schlimm ist eine Insolvenz gemessen an dem Verlust lieber Menschen?

Beschreib doch mal das Projekt der Tollabox .

Founderteam der Box

Die Tollabox war eine monatliche Bastel- und Experimentierbox für Familien mit 4-10jährige, sowas wie ein dreidimensionales Kindermagazin. Wir haben sie als Abo angeboten. Das Problem war, dass Eltern doch zu gestresst waren, die Boxen mit ihren Kindern zusammen zu spielen, und so stapelten sich die Boxen leider als Mahnmal für das schlechte Gewissen: Geld ausgeben und keine Zeit fürs Kind haben. Natürlich war das nicht überall so! Die Tollabox hat auch viele begeistert und wir haben zum Schluss 3700 Abonnenten. Aber in Januar ist uns eine Finanzierungsrunde geplatzt – und so blieb uns nichts anderes übrig als zum Insolvenzverwalter zu gehen. Wer mehr erfahren möchte, ich habe hier für Impulse mehr zusammengefasst. Wir hatten dann noch mal drei Monate, um einen Retter zu finden und mit neuer Kraft weiter zu machen – diese Hoffnung hat sich leider zerschlagen.

Was bedeutet Spielen für Dich? 
Spielen ist für mich ein Lebensprinzip. Es ist der Weg, wie Kinder lernen. Es ist die ursprünglichste Form, Wissen und Fähigkeiten zu erwerben. Viele reden von Gamification, ich reden von Playification: Frei ausprobieren, experimentieren, Welt entdecken – ohne Regeln und Punktesystem. Das möchte ich fördern, dafür setze ich mich ein! Auch für Erwachsene. Wie oft könnten wirangespannte Situationen mit einem spielerischen Ansatz lösen – mit Heiterkeit und Humor, mit Neugier und Phanatasie? Gerade das Bildungssystem sieht das so nicht vor.

Bea mit Tochter Carina

Viele Eltern junger Kinder kennen Dich durch die Tollabox, außerdem bist Du super vernetzt in der Elternblogger-Szene. Aber was für eine Mutter bist Du selbst eigentlich? 
Meine Tochter ist 25. Ich bekam sie im Studium und wir sind zusammen groß geworden und große Kinder geblieben. Ich war eine junge, unbeschwerte Mutter, ich habe meine ganze Familie und Freunde eingespannt. Ich war jung, verspielt und habe mir um wenige Dinge einen Kopf gemacht: Sie ist ein toller Mensch geworden.
Dennoch: Ich glaube nicht, dass ich so anders als die Mütter und Väter, die ich heute erlebe. Ach doch: Wären die Möglichkeiten damals da gewesen, hätte ich garantiert einen Blog gehabt. Und wäre mit allen über Social Media vernetzt gewesen. Wir hatten Anfang der 1990er nicht mal ein mobiles Telefon auf den Spielplätzen.

Welche Pläne hast Du in naher Zukunft? 
Ich versuche mich zu zügeln und nicht zu ungeduldig zu unüberlegt Neues loszutreten. Ich blogge erstmal als Tollabea weiter, um die Ideen und die Tolla-Welt noch zu den Kindern und Eltern zu bringen, die sie vermissen würden. Du weisst nicht, was ich für herzzerreißende Briefe und Mails immer noch bekomme! Ich checke und rechne jetzt Optionen im Bereich digital publishing, Kinderapps und auch in der Bloggerszene. Dazu arbeite ich als Beraterin in meinem altern Metier Markenstrategie und Marktforschung, du weißt schon für: #mietezahlenkuehlschrankfuellen

Und meine Lieblingsfrage: Wie entspannst Du? 
Schlafen, lesen, abhängen, malen, zeichnen und – ganz wichtig – kochen. Ich liebe es, in der Küche zu stehen und zu schnippeln, braten, zischen, riechen und zu schmecken. Das ist besser als Meditation und Yoga zusammen.

Dankeschön.

Die Bilder wurden freundlicherweise von Béa zur Verfügung gestellt.

Ihr habt auch ein Kind, interessiert Euch für Kultur und möchtet darüber reden? Schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

Eine Übersicht über alle bisher geführten Interviews findet Ihr hier
Alltag, Kultur mit Kind

Schwüle Hitze und schöne Tage / Wochenende in Bildern (13. u. 14.6.)

Dieses Wochenende ist schwül. So, dass es weder draußen noch drinnen wirklich erträglich ist. Ich hab so meine Probleme mit dem Sommer, aber ein bisschen schön finde ich es doch.

Am Samstag frühstücken wir relativ spät. 
Dann steht Gartenarbeit am Programm. 
Im Biomarkt verwerfe ich den Grundsatz „Das-Kind-nicht-im Wagen-füttern“ und bereue. 
Mittags gibt es Eis und etwas anderes. War nicht so wichtig, ich habe es tatsächlich schon wieder vergessen. 
Bei 100 Grad fahre ich nach Berlin Friedrichshain zum Friseur und lese wirklich dumme Dinge in einer Frauenzeitschrift. 
Kaffee gibt es auch. 
Und billige Weisheiten. 
Aber so rumliegen hat auch was Schönes. 
Zumal sich hier angeblich alle die Hände waschen. 
Im Anschluss fahre ich zu einem Fahrradladen und wundere mich über die Menge an Puppensitzen. 
Ich kaufe Schläuche für den Kinderwagen und Erwachsenenquetschies für meinem Mann, der sich skeptisch zeigt. 
Im Supermarkt mache ich ein müdes Selfie. Von meiner neuen Frisur. Falls Ihr keine Veränderung erkennt: Die Naturhaarfarbe ist wieder da und der Pony ist kürzer.

Zuhause gibt es Terrassen-Radler. 
Der Abend geht nicht lang. Das Wetter ist dagegen. 
Sonntagmorgen gibt es Babymilch.
Bei der Hunderunde führe ich meine neue Hose aus. Samstagseinkauf <3
Ich ernte Erbsen. 
Wir kriegen Grillbesuch und es gibt Salat. 
Dem Hund ist sehr warm. 
Nachmittags esse ich die weltbesten Chips. Wirklich. 
Nachmittags wird gepiklert. 
Abends gibt es Pizza.

Mehr Wochenenden gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen.

Und wie war Euer Wochenende so?