Familienrollen, Kultur mit Kind

„Ich bin nicht sein Püppchen, was manche denken, wenn ein älterer Mann eine jüngere Frau hat.“ / Familienrollen Interview zum Altersabstand mit der Supermom

Immer am Freitag gibt es die #Familienrollen. Die bloggende Super Mom Jette ist zum dritten Kind schwanger. Ihr Partner ist 15 Jahre älter. Warum sie das bestimmt nicht stresst, welche Vorteile ältere Väter haben und was sie sich wünscht, das erzählt sie im Interview. 

Du bist mit Deinem dritten Kind schwanger. Vor ein paar Tagen hast Du einen bezaubernden Text darüber geschrieben, dass Dein Umfeld oft merkwürdig darauf reagiert. Ein wichtiger Punkt war, dass Dein Partner um einiges älter ist als Du. Welchen Vorurteilen begegnetet Ihr als Familie durch den Altersunterschied? 

Der Super Dad und ich sind seit etwas mehr als fünf Jahren zusammen. Als wir uns kennen lernten war ich 28 und er 43 Jahre alt. Uns trennen also 15 Jahre. Das wusste ich anfangs nicht und interessierte mich nicht. Stefan legte auf, ging zu Fußballspielen, feierte gern und sah wesentlich jünger aus, auch heute noch. Wir beide hatten nie ein Problem mit dem Altersunterschied.

Es ist eher die Sorge aus dem Familienumfeld, was mal wird, wenn wir älter werden und Stefan mit 70 körperlich nicht mehr so fit ist wie ich mit 55. Hinzu kam, dass eine entfernte Bekannte, deren Mann 17 Jahre älter ist, genau das beklagt. Es ist also kein Vorurteil, eher die Sorge, dass wir im Alter nicht mehr recht was gemeinsam machen oder ich früh Witwe werde. Naja. Ich kann auch morgen vom Bus überfahren werden.

Du wohnst im Prenzlauer Berg: In meiner Wahrnehmung ist Eure Alterskonstellation dort keine Seltenheit. In Deiner auch?

Ich persönlich stelle das nicht so fest, da ich das Alter bei anderen immer so schlecht schätzen kann. Es wird mir aber in der Kita oder beim Kinderarzt oder jetzt bei der Frauenärztin immer bestätigt, dass viele Männer erst sehr spät Vater werden, aber eben auch die Frauen älter sind. Da gehören wir sogar noch zum jungen Eisen.

Für uns gab es immer die Grenze, dass wenn der Mann nächstes Jahr im August 50 Jahre alt wird, Schluss ist mit Nachwuchs. Wir haben zwei tolle Mädchen (2 und 4 Jahre alt) und haben nicht auf Teufel komm raus auf ein Drittes hin gearbeitet. Wenns passiert, passierts. Ab Januar wollten wir an dieser Einstellung, aber was ändern und dann auf gar keinen Fall mehr schwanger werden. Bin ja nun doch vor dieser Deadline schwanger geworden.

Alle sagen zwar, es ist egal wie alt der Mann ist, Hauptsache die Mutter ist es nicht, aber das sehe ich anders. Ein Vater gehört auch zum Leben des Kindes dazu und Stefan möchte seine Kinder so lange es geht begleiten. Er ist sehr aktiv und körperlich sehr fit (Ich bin immer die, die es lange aus den Latschen haut mit irgendwelchen Krankheiten) und wir gehen einfach davon aus, dass es lange so bleiben wird. Vielleicht wäre ein jüngerer Vater länger ein Opa, das weiß ja keiner, denn auch wenn ich hoffe, wir leben noch bis ins sehr hohe Alter gesund du glücklich zusammen, so weiß man eben nie, wie es kommt im Leben.

Wenn ein Mann ein gewisses Alter hat, und noch keine Kinder geht man als Ausstehender häufig davon aus, dass das eine bewusste Entscheidung ist. Wie schnell war die Familienplanung bei Euch Thema? 

Hm, ehrlich gesagt habe ich mir darüber nie Gedanken gemacht, warum irgendwer keine Kinder hat. Ich denke tatsächlich oft: Vielleicht hat es noch nicht geklappt, vielleicht war die Richtige einfach noch nicht dabei. Der Super Dad war schon einmal verheiratet, aber sie ist einfach nicht schwanger geworden. So ziehen einige Jahre ins Land und man bleibt kinderlos.

Wir lernten uns ein oder zwei Jahre nach seiner Trennung kennen und wussten schnell, wir wollen Kinder. Aber nicht auf Grund seines Alters, sondern weil wir uns sagten: Wir können zehn Jahre glücklich zusammen sein, bekommen ein Kind und trennen uns nach einem Jahr, oder wir genießen ein Jahr unsere Beziehung, bekommen ein Kind und trennen uns nach zehn Jahren. Dann hat das Kind wenigstens zehn Jahre eine intakte Familie. Ich wusste von Anfang an, dass ich mit ihm Kinder haben möchte und umgekehrt war es genauso.

Es hat dann auch sehr schnell geklappt. Seine Ex-Frau ist mit ihrem neuen Mann ebenso schnell schwanger geworden. Bei den Beiden hat es wohl nicht sollen sein. Daher ist es schwierig zu unterstellen, man trifft die Entscheidung bewusst, aus Karrieregründen. Stefan hätte gern früher Kinder gehabt, es hat nur nicht geklappt. Außerdem denke ich, gibt es kein perfektes Alter für Kinder. So wie es nie den perfekten Zeitpunkt geben wird. Man hat einfach eine persönliche Grenze was den Altersabstand betrifft oder bis wann man Kinder bekommen möchte und dann kann man nur schauen, was das Leben dazu sagt und ob es mitspielt.

Welche Besonderheiten – abseits von klassischer Vorurteile – ergeben sich aus Euer Alterskonstellation: Für Euch als Paar? Für Euch als Familie?

Es ergeben sich keinerlei Besonderheiten, weil viele Stefan viel jünger schätzen. Ich bin manchmal ganz erschrocken, wenn ich Männer in seinem Alter treffe, die alt aussehen und auch alt sind, wie sie so leben. Er ist ein Kindskopf, bringt mich zum Lachen, liebt es Musik aufzulegen und zu seinem Verein zu gehen, würde sicher immer noch in Clubs gehen und nächtelang mit mir in Bars rumhängen, wenn die Kinder nicht wären.

Er ist auch nicht physisch eingeschränkt oder kommt nicht hinterher. Wir sind uns ebenbürtig und ich bin nicht sein Püppchen, was manche denken, wenn ein älterer Mann eine jüngere Frau hat. Dazu hab ich eine viel zu große Klappe. Und man merkt ihm an, dass er weiß, dass er nichts verpasst. Also klar sind andere Frauen attraktiv und ich lege für niemanden die Hand ins Feuer, dass er oder sie nie fremd geht, aber er hat so eine Lebensgelassenheit. Been there, done that.

Heißt nicht, dass er ein zahmes Schäfchen ist und faul auf dem Sofa rum hängt, aber der neuste Club interessiert einfach nicht mehr so. Das geht mir aber genauso und ich finde, es ist wahnsinnig entspannend zu wissen, dass sich die Welt auch weiter dreht, wenn man nicht jedes hippe Restaurant besucht oder bis morgens um sechs durchtanzt. Das war zumindest bei mir früher anders. Ich hätte keine Kinder haben wollen als ich 25 war und tief im Inneren glaube ich, war der Mann in seinen späten Dreißigern auch noch nicht bereit.

Manchmal glaube ich sogar, dass ältere Väter auch Vorteile mit sich bringen. Stefan ist in vielem sehr viel ruhiger und geduldiger. Er spielt stundenlang auf dem Spielplatz, baut Legotürme und Eisenbahnschienen. Er ist einfach gelassener. Zum einen ist er so ein Typ, zum anderen ist es auch die Lebenserfahrung. Ihn stresst nicht so schnell etwas, wo ich schon in Panik verfalle.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Ach das sind tatsächlich die „normalen“ Wünsche unabhängig vom Alter: Dass wir gesund bleiben, dass Superbaby3 fit und fröhlich das Licht der Welt erblickt und dass wir uns lange als Familie und Paar durchs Leben begleiten können.

Da ich aus meinem engsten Umfeld das Altersthema eher als Sorge, denn als Vorurteil auffasse, kann ich auch nicht behaupten mir zu wünschen, die Welt müsste etwas toleranter werden. Tatsächlich glaube ich, dass große Altersabstände heutzutage schon gar nicht mehr so selten sind. Klar finde ich 30 Jahre auch etwas verrückt, da kommt mir einfach der Gedanke, die könnten Vater und Tochter oder Mutter und Sohn sein, aber ganz ehrlich, keiner weiß, was passiert.

Vielleicht muss ich zu zeitig von der Welt abtreten und der Mann wird hundert Jahre alt. Ich glaube, ein wenige Gelassenheit und Vertrauen darauf, dass es gut wird, täte uns allen gut. Denn klar kann es sein, dass ich mit fitten 65 einen 80-Jährigen pflege, aber dann geh ich eh nicht mehr ins Berliner Nachtleben. Dann wird uns eben dieser Abschnitt begleiten.

Wir haben uns gefunden, uns ineinander verliebt und wir passen zueinander. In den letzten 5,5 Jahren hat uns das Alter persönlich nie gestört, es fällt weder uns noch unserem Umfeld im täglichen Leben auf. Und Lästerschnuten finden eh immer was, zur Not die Tattoos oder den Hund als Thema.

Vielen lieben Dank, Jette, für Deine Offenheit und die Bilder. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mal an fruehesvogerl@gmail.com. 

Alltag, Kultur mit Kind

Weihnachtlicher Ausflug nach Österreich und Winterkränkeln / Unser Wochenende in Bildern vom 5. + 6.12.2015

Am Freitagmittag fuhren wir los in ein vorweihnachtliches Wochenende nach Österreich.

Zuhause gibt es keinen Fernseher, das ist dann natürlich woanders besonders spannend.
Ich liebe österreichische Christkindlmärke und den alljährlichen Familienausflug dorthin: Dieses Mal fuhren einige zum ersten Mal Zug.
Ponyreiten war uns zu früh.
Aber schauen waren wir.
Auch gruselige Dinge gab es.
Und die ewige Frage: Christkind, oder Weihnachtsmann?
Essen wird auf österreichischen Christkindlmärkten groß geschrieben.
Während wir eine Kutsche beobachten, entdecken wir dort zufällig den Großcousin: Kleinstadt eben.

 

Was ich ebenfalls sehr mag: die österreichische Küche.
Sonntagmorgen packen wir: Im Bild die restlichen zwei Tüten.
Wir sind ein bisschen ko: Denn wir sind alle drei krank.
Es geht heimwärts: Hier ein kurzer Zwischenstopp.
Auch Animation gibt es.

 

Weil jemand viel schläft, lese ich viel: Ein gutes Buch.
Am späten Nachmittag sind wir wir wieder in Berlin und entfremden die Weihnachtsdeko.
Schurkenbeardie blieb in Berlin und wirkt erschöpft.
Wir packen einen Teil unserer Süßigkeiten aus.
Jetzt kümmern wir uns aber allem unsere Genesung.

Und wie war Euer Wochenende so? Habt Ihr Euch auch schon eine Erkältung eingefangen?

Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen.
Alltag, Kultur mit Kind, Meinung

Mein erster Monat Vereinbarkeit als Workingmum

Manchmal gehe ich nun tatsächlich mit Regenschirm raus. 

Anfang November klingelte mein Wecker zum ersten Mal nach 22 Monaten wieder um halb fünf. Es ist ja nicht so, dass ich die letzten zwei Jahre immer durch geschlafen hätte: Bewusstes Aufstehen ist aber nun wieder neu.

Meine Elternzeit endet. Die meiste Zeit hatte ich auch in der Elternzeit frei geschrieben, für den Blog und auch andere Dinge. Nun war ich aber auch wieder jeden Morgen von 6 bis 10 Uhr in einer Medienagentur, in der ich mit vielen anderen Geisteswissenschaftlern recherchierte. 
Also ein völlig anderes Thema, dass ich aber von vor der Elternzeit schon kannte. Ich hatte mich irgendwie gefreut, mittags wieder bei meinem Sohn sein, und nebenbei noch ein bisschen schreiben können: Soweit die Theorie. 
Die Praxis
Die ersten Tage dachte ich eigentlich immer nur eines: Warum bin ich bloß so müde? Und ich möchte trotzdem nicht um 8 ins Bett gehen. Mittlerweile scheine ich meinen Rhythmus gefunden zu haben.

Es ist noch dunkel. 

Ich stehe meistens problemlos auf (zu früh raus gehen und fünfzehn Minuten auf die Bahn warten, bilden hier die Ausnahme). Während ich mir meinen zweiten Kaffee trinke,  machen sich Mann und Sohn fertig für die Kita. Und das klappt toll: Auch die Hunderunde absolvieren die beiden gemeinsam. 

Wir hatten kurz überlegt, dass ich das nun morgens machen, aber – einstimmig – beschlossen, dass das um kurz nach vier nicht so eine gute Idee ist. 
Das Internet
Meine Internetzeit ist ein bisschen anders geworden. Viele Blogger nutzen die Bahnzeit zum Vernetzen oder Schreiben, meines ist das meistens nicht. In der Bahn lese ich: Diesen Monat sechs Bücher und vier Zeitschriften. Am Bahnhof beoboachte ich Menschen: Warum trinken Montagmorgen so viele Bier? Und wer ist diese Frau, die jeden Tag vor dem selben Bürogebäude eine raucht und dann immer im Dunklen verschwindet.
Der Rhythmus
Recht schnell ist er wiedergekehrt und taucht nun fast täglich auf, mein alter Freund, der Mittagsschlaf. Gemeinsam mit meinem Sohn genehmige ich mir ein Stündchen und bin dafür am Nachmittag das, was ich gerne sein wollte: entspannt. Für die Blogzeit und die Schreiberei bleibt mir der Abend, meist, wenn mein Mann das Kind ins Bett bringt. Und dann ist immer noch ein bisschen Zeit zu Zweit. Ausgeschlafen bin ich ja schon. 
Dass das nicht immer so leicht ist, mag ich schon erahnen. Aber bis jetzt fühlt es sich gut an, das liegt vor allem an den Beteiligten. 
Wisst Ihr das noch, wie bei Euch der Wiedereinstieg war, oder steht Euch das noch bevor?

Kultur mit Kind, Nachgefragt

„Unsere Welt wird immer kleiner, dennoch oder vielleicht deshalb werden die Unterschiede zwischen Kulturen immer deutlicher.“ / Kultur mit Kind Interview mit einer Expat Mutter in der Slowakei

Mit Mann und siebenjähriger Tochter lebt Nina (Blog: timbaru) für eine befristete Zeit in der Slowakei. Wie es ihr dort gefällt, warum ihre Familie in der ganzen Welt verstreut lebt und was sich ihre Tochter aus allen Kulturen mitnehmen soll: Das erzählt sie im Kultur mit Kind – Interview.

Nina über dieses Bild: „Auf diesem Foto sehe ich sehr finnisch aus.
Vor allem zu erkennen an der Nase. ;)“

Du bist Halbfinnin, Dein Mann ist Bulgare und Ihr lebt mit Eurer Tochter in der Slowakei. Wie kam es zum Wohnort? 

Mein Vater hat meine Mutter in Finnland während eines Urlaubes kennengelernt. Nachdem die beiden geheiratet haben, nahm mein Vater sie mit nach Deutschland. Mein Mann und ich haben uns in der Disko getroffen. Zwei Jahre später heirateten wir. Meine Mutter hatte kurz die Sorge, dass ich nun, wie sie damals, meinem Mann in seine Heimat folgen würde. Doch das kam für uns gar nicht in Frage. Ich arbeitete und er studierte in Deutschland. Also blieben wir. Mittlerweile arbeitet mein Mann in einem deutschen Unternehmen.

Vor zwei Jahren  kam dann die Anfrage, ob mein Mann sich vorstellen könne, in Bratislava eine neue Abteilung aufzubauen. Er konnte. Meine Tochter und ich waren nur geringfügig begeistert. Doch für meinen Mann war es ein wichtiger Schritt. Die Alternative eine Fernbeziehung für zwei, drei Jahre zu führen, kam für uns aber auch nicht in Frage. So hat es uns in die Slowakei verschlagen.

Auf Twitter hast Du mir erzählt, Eure Familien sind über den ganzen Erdball verstreut. Was hält Euch zusammen?

„Zuhause ist es am schönsten.“

Das ist echt schwierig. Leider hat meine Mutter mich nicht zweisprachig erzogen. Daher spreche ich kein Finnisch. Das ist total schade, weil ich zum Beispiel meine Urgroßeltern noch kennengelernt habe, mich aber nicht mit ihnen unterhalten konnte. Meine Großeltern konnten beide Englisch. Meinen Großvater habe ich das letzte Mal vor vier Jahren gesehen, als wir in Finnland Urlaub machten. Normalerweise machen wir aber in Bulgarien Urlaub und besuchen die Familie meines Mannes.

Zu meiner finnischen Familie habe ich eigentlich nur noch über meine Mutter Kontakt, da sie viel mit ihren Verwandten telefoniert. Am nähesten fühle ich mich meiner ältesten Cousine, mit der ich mir ab und zu über Facebook schreibe. Sie selbst lebte lange in Wales, in Vietnam und nun in Paris. Sie besucht einmal im Jahr meine Mutter. Ich versuche dann auch hinzufahren. Zu den anderen Cousinen habe ich keinen Kontakt, wobei ich mit einer noch über Facebook befreundet bin. Meine Mutter telefoniert regelmäßig mit meinem Großvater und mit meinem Onkel, der mit seiner chinesischen Frau in Saudi-Arabien lebt. So erfahre ich dann die neuesten News.

Als meine Großmutter gestorben ist, bin ich nach Finnland geflogen und war etwas geschockt, wie groß eigentlich meine finnische Familie ist. Und wie wenige ich von ihnen kenne oder von ihnen weiß.

 

Auch von meiner deutschen Familie kenne ich nur meine Großtante und die Cousine meines Vaters, die auch meine Patentante ist. Das liegt daran, dass meine Großeltern väterlicherseits bereits gestorben sind, als mein Vater noch ein Kind war. Mit meiner Großtante versuche ich regelmäßig zu telefonieren oder sie zu besuchen, wenn wir in Deutschland sind. Mit meiner Patentante maile ich hin und wieder.

Mein Mann skypt viel mit seiner Schwester. Die lebt in Venezuela. Seine Mutter wohnt in Spanien. Auch mit ihr wird geskypt. Mit dem Neffen und dem Schwager meines Mannes haben wir Kontakt über Skype oder Vyber und Facebook.

Auch mein Schwiegervater lebt in Bulgarien. Mit ihm sowie dem Opa meines Mannes telefonieren wir. Wir fahren jedes Jahr nach Bulgarien. Wir machen dann eine Woche nur „Vater, Mutter, Kind“-Urlaub. Die restliche Zeit besuchen wir Tanten, Onkels, Cousinen und Cousins und natürlich meinen Schwiegervater sowie den Schwager und Neffen meines Mannes.

Es ist nicht einfach mit allen Kontakt zu halten. Doch wir versuchen es, so gut es geht. Ach ja, mit meinen Eltern telefonieren und mailen wir. Doch die sehen wir noch am häufigsten.

Was bedeutet der Begriff Heimat für Dich?

Es ist für mich eher ein Gefühl, dass ich jedoch meistens mit Orten verbinde. Ein Gefühl von innerer Ruhe. Als wir im Sommer in Deutschland waren, habe ich in unserer Wohnung die Fenster geöffnet und auf das Siebengebirge geschaut. Sofort stellte sich dieses Gefühl ein. In Finnland habe ich das auch. Ich brauche mir nur vorzustellen, wie ich in einem Ruderboot auf einem See umgeben von Bäumen sitze, und ich werde ruhig.

Die Slowakei fühlt sich nicht wie Heimat an. Daher bin ich sehr froh, dass wir nur für eine begrenzte Zeit hier sind. Ich werde so oft gefragt, ob es mir in Bratislava und der Slowakei gefällt. Das bringt mich immer etwas in Verlegenheit. Meine Standardantwort ist dann: „Es ist ok, aber es ist nicht zu Hause.“

Welche Dinge aus welchen Kulturen möchtest Du Deiner Tochter unbedingt mitgeben?

„In Bulgarien bedeutet Gastfreundschaft immer auch gemeinsames Essen.
Im Sommer wird schnell der Grill angeworfen und ein Salat zu bereitet.
Meistens mit dem Gemüse aus dem eigenen Garten.“

Die Bulgaren leben sehr im „Hier und Jetzt“. Zu langes im Vorausplanen liegt Ihnen nicht so sehr. Bis zu einem gewissen Grad finde ich das toll. Da wird nicht erst lange überlegt, welche Konsequenzen etwas hat oder ob man es in fünf Tagen vielleicht noch besser machen könnte, weil dann evtl. die Situation anders ist. Das ist es etwas, was ich mir für meine Tochter von ihren bulgarischen Wurzeln wünsche.

Der deutsche Teil in mir meldet sich direkt und wünscht sich aber noch den Blick für’s Ganze. Also auch für die Konsequenzen. Ich schätze auch die deutsche Verlässlichkeit. Das alles wünsche ich mir für meine Tochter. Am besten gepaart mit finnischer Gelassenheit, der Liebe zur Natur und dem Humor, der einem auch erlaubt, mal über sich selbst zu lachen.

Wie gestaltet sich Euer Alltagsleben in der Slowakei? 

Unser Aufenthalt in der Slowakei ist befristet. Wahrscheinlich kommen wir nächstes Jahr schon wieder zurück. Wir wohnen in der Nähe der Altstadt, was großartig ist. Auch die Schule meiner Tochter ist in unmittelbarer Nähe. Ich bringe sie morgens zur Schule. Sie bleibt dort über Mittag und macht dort auch Hausaufgaben. Es ist eher ungewöhnlich, sich nachmittags noch zu verabreden.

Das erlebt man meistens nur unter den deutschen Kindern. Daher darf ich sie nie zu früh abholen, denn ihre Spielkameraden sind alle noch in der Ganztagsbetreuung. Während sie in der Schule ist, arbeite ich, wenn ich gerade einen Auftrag habe. Ich arbeite als selbstständige Trainerin und als Coach. Für meinen größten Kunden erstelle ich ELearning-Einheiten. Das kann ich wunderbar auch in der Slowakei machen.

Das Coachen fällt hier allerdings weg. Ich nähe, schreibe für meinen Blog und treffe ich mit Freunden. Am Nachmittag hole ich dann meine Tochter ab. Dann tauschen wir uns aus und spielen oder basteln oder lesen. Irgendwann kommt dann mein Mann nach Hause. Das genießen wir sehr. In Deutschland kam er auch häufig so spät, dass unsere Tochter schon im Bett war. Wir haben hauptsächlich deutsche Freunde hier.

Ich bin aber auch mit einer Italienerin befreundet. Nur der Kontakt zu Slowaken hält sich leider in Grenzen. Am Wochenende versuchen wir möglichst viel zu sehen. Wir waren schon in Wien, Budapest und einigen Orten in der Slowakei. Prag steht noch auf unserer Liste.

Nun habt ihr so viele Einflüsse, KITA und nun Schule findet in der Slowakei satt: Deckt sich dort alles mit Euren Erwartungen, oder gab es da Überraschungen?

Ich bin mit kaum Erwartungen hierher gekommen. Ich habe erwartet, dass wir als Familie weiter zusammenwachsen. Das hat sich erfüllt. Es ist ein schönes Gefühl zu merken, dass wir es überall schaffen können, solange wir zusammen sind. Außerdem habe ich erwartet, dass mein Mann öfter zu Hause ist. Das hat sich am Anfang voll und ganz erfüllt. Doch jetzt ist er wieder häufiger auf Reisen und arbeitet auch wieder mehr.

Eine Erwartung, die mein Mann hatte, hat sich gar nicht erfüllt. Er hat erwartet, dass meine Tochter sich hier schnell wie zu Hause fühlen würde und dass sie bald nicht mehr viel an ihre Freunde zu Hause denkt. Sie hat hier neue Freundschaften geschlossen, sich gut eingelebt und ist auch die meiste Zeit sehr fröhlich. Doch wenn man sie fragt, sagt sie sehr klar, dass sie zurück will. Das Einzige, was sie hier halten würde, wäre ein eigenes Pony und die Aussicht, dass sie dieses mit nach Deutschland nehmen kann, sobald wir dorthin zu Besuch fahren.

Der Aufenthalt hier hat mich vieles gelehrt und tut es noch, zum Beispiel was für tolle Freunde ich habe, wie wichtig Familie für mich ist, wie gut es uns eigentlich geht. Mir ist das erste Mal bewusst geworden, wie unterschiedlich zum Beispiel Werte in verschiedenen Ländern sein können. Wie wichtig also auch unsere Herkunft ist, indem was uns prägt und ausmacht. Für all diese Erkenntnisse bin ich sehr dankbar.

Was wünscht Du Dir für Deine Tochter? 

Ich wünsche mir für meine Tochter, dass sie spürt, wo ihre Wurzeln liegen. Dass sie daraus Kraft schöpfen kann, um dann neugierig in die Welt hinauszugehen. Unsere Welt wird immer kleiner, dennoch oder vielleicht deshalb werden die Unterschiede zwischen Kulturen immer deutlicher.

Ich wünsche mir für meine Tochter, dass sie von diesen Unterschieden lernt. Gleichzeitig hoffe ich, dass sie die Gemeinsamkeiten sieht und spürt. Egal wem sie begegnen wird, es wird ein Mensch sein, der letztendlich die gleichen Gefühle hat oder kennt. Sie äußern sich eventuell anders.

Vielen lieben Dank für das Interview, Nina.

Die Bilder wurden freundlicherweise von Nina zur Verfügung gestellt.

Ihr habt auch ein Kind, dem ihr Toleranz beibringt und wollt darüber reden? Schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. 

Alltag, Kultur mit Kind

Haare ab, Weihnachtsgewerke und Netflix-Party / Unser Wochenende in Bildern vom 28. bis 29. November 2015

Unser erstes Adventwochenende war weihnachtlich und wunderbar.

Eine Freundin von uns hat ein Baby gekriegt. Vor acht Monaten. Am Samstagmorgen bringen wir spontan, und etwas spät, das Geburtsgeschenk vorbei. 
Wir machen einen Ausflug in unsere alte Heimat Friedrichshain. 
Dort gehe ich zum Friseur. 
Es gibt Tee, weil ich Hunger habe, mit Honig. 
Die zwei Jungs holen mich ab. 
Wir gehen vietnamesisch essen. Es gibt ein Aquarium. 
Der kinderfreundliche Kellner empfiehlt für das Kind ein Getränk. Es ist allerdings doch ein bisschen zu süß. 
Ach ja, meine Haare sind jetzt übrigens um die Hälfte kürzer. 
Am Nachmittag backen wir. 
Leider habe ich vergessen das Ergebnis zu fotografieren: Aber Mehl gepanscht haben wir auch. 

Abends kriegen wir Besuch und es gibt Nudelpfanne. 
Der Sonntagmorgen beginnt mit dem geschenkten Buch vom Samstagsbesuch und Kaffee. 
Ich schreibe einige Weihnachtskarten für die Familie. 
Nach dem Frühstück beginnen wir endlich mit der Weihnachtsdekoration. 
Vorher müssen wir aber noch alte Deko abmontieren. 
Ein verhuschtes Selfie aus dem Auto. Wir sind auf dem Weg zum Netflix-Weihnachtsevent #netflixmas. 
Einer von uns hält im Auto Mittagsschlaf. 
Wir sind in den Wedding gefahren. Dort gibt es jede Menge Handy-Läden, aber auch schöne alte Gemäuer. 
Im Erdgeschoss zeigt ein Schild den Weg. 
Neben Basteleien und Bäckereien gibt es ein tolles Buffet. 
Und ein bisschen Streaming: Für das frühe Vogerl ist es  das erste Fernseherlebnis und kommt ganz gut an. 
All der Bastelkleber muss von den Händen gewaschen werden. 
Die Räumlichkeiten waren in jeder Hinsicht zauberhaft. 
Vater und Sohn können sich für eine Süßigkeit begeistern. 
Jede Menge Wurfmaterial. 
Einen Schrank hätte ich gerne mitgenommen. 
Und wahnsinnig scharf war ich auf diese Bilder. Ich liebe die Glücksbärchis. Abgöttisch. Wirklich. Schweren Herzens habe ich sie aber dort gelassen. 
Abends gibt es die ersten Maroni des Jahres. 

Bevor es morgen wieder früh raus geht, freuen wir uns noch ein bisschen am schönen Wochenende und versuchen es mal wieder mit dem Tatort.

Und wie war Euer erstes Adventwochenende? Auch schon geschmückt und gebacken?
Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen. 
Familienrollen, Kultur mit Kind

„Niemand will nur ein halbes Kind.“ / Familienrollen Interview mit Teilzeit-Mama Marie von Little Years

Immer am Freitag gibt es die Familienrollen: Diese Woche erzählt Marie vom Magazin Little Years, wie es ihr damit geht eine „Teilzeit-Mama“ zu sein, was sie nicht hören kann, was gut klappt und was ihr immer noch weh tut. 

Du bist eine der beiden Köpfe von Little Years. Dort schreibst Du unter anderem von Deinem Alltag mit Deinem zweieinhalbjährigen Sohn Junio. Du lebst mit dem Vater Deines Kindes nicht mehr zusammen, sondern Ihr teilt Euch die Erziehung. Wie gut funktioniert das Modell „Teilzeit-Mama“ für Dich?

Das 50/50-Modell haben wir erst seit Kurzem. Wenn ich ganz ehrlich bin, fällt mir das schon schwer. Mein Sohn war ein Jahr alt, als der Vater und ich uns getrennt haben. Nach der Trennung war mein Sohn mehr bei mir, eher im 70/30 Modell.

Sein Vater wollte allerdings die Hälfte der Zeit, sodass wir Schritt für Schritt die Tage beim Papa verlängert haben und die Tage bei mir verkürzt, bis wir eben jetzt bei 50/50 sind. Es gibt klare Vorteile bei dieser Lösung: Beide Eltern haben eine innige Beziehung zum Kind. Der Papa ist nicht nur Wochenend-Papa. Obwohl ich mich da revidieren muss – auch in nur zwei Tagen kann man eine gute Beziehung zum Kind haben, ich will da nichts ent- oder bewerten. Hart wird es für mich nach den ersten drei Tagen Trennung.

Jedes Mal fange ich dann an zu zählen, wann der Kleine endlich wieder bei mir ist. Man verhärtet irgendwie innerlich, versucht sich abzulenken, die Leere zu füllen. Ich merke jedes Mal wie ich aufblühe, wenn er wieder bei mir ist.

In der Süddeutschen gibt es regelmässig Texte einer Teilzeitmutter, die oft Anfeindungen ausgesetzt ist. Wie reagiert Dein Umfeld auf Euer Modell?

Ja, das Umfeld ist so eine Sache. Aber ich denke wenn unterschiedliche Lebensmodelle gelebt werden, kommt es immer zu Reibungen. Jeder will ja für sich sein Modell rechtfertigen. Ich habe über die Sprüche, die einem nach einer Weile aber schon nerven vor Kurzem auf Little Years geschrieben.

Am meisten stört mich das „Ich könnte das nicht!“ Man nimmt das als eine stille Kritik wahr – Warum hast du dich als Mutter nicht mehr angestrengt, dein Kind zu behalten? Und es ist eben auch ignorant: Ich denke JEDE Mutter kann das eigentlich nicht: Die Kinder die Hälfte der Zeit nicht sehen. Es tut weh. Das war nicht der Plan. Niemand will nur ein halbes Kind.

Wie klappt der neue Alltag für Deinen Sohn? 

Der Alltag klappt jetzt gut. Mein Sohn hat sich daran gewöhnt und dank FaceTime kann dolle Sehnsucht nach Papa oder Mama erstmal ein wenig gestillt werden. Wechsel ist immer vor dem Wochenende – damit man erstmal richtig viel Zeit miteinander hat. Seit der 50/50-Regelung schlafen wir wieder in einem Bett, wir beide brauchen es total unsere Mama-Sohn-Batterien aufzufüllen. So viel und eng zusammensein wie es geht. Die Zeit ist seit der neuen Regelung noch intensiver geworden. Wir versuchen aber auch mindestens alle zwei Wochen mal etwas zu Dritt zu unternehmen, damit der Kleine weiß, dass auch wenn wir nicht zusammenwohnen, wir eine Familie sind.

In einem Beitrag habe ich gelesen, dass Du möchtest, dass Euch Euer Sohn immer noch als Familie wahrnimmt. Wie gut lässt sich das realisieren? 

Foto: @Lina Grün.

Genau, wie schon gesagt, dass ist die Idee. Organisatorisch klappt das natürlich nicht immer. Und klar, es gibt ja auch Gründe warum wir uns getrennt haben, zu viel Zeit kann man da auch nicht miteinander verbringen. 🙂 Ich wünsche mir aber, dass mein Sohn merkt, dass Papa und Mama eine Einheit sind. Deshalb auch FaceTime – Telefonate und ab und zu gemeinsame Ausflüge oder Abendessen. Wenn neue Partner kommen wird das natürlich noch mal eine ganz andere, größere Herausforderung. Ich hoffe aber, dass wir das Verständnis und den Respekt, die wir uns in den letzten Monaten wieder hart für einander erarbeitet haben auch dann nicht verlieren.

Welche Tipps könntest Du anderen Frauen mitgeben, die über das Modell nachdenken?

Auch wenn man das als Mutter eines kleinen Kindes nicht hören will und es weit entfernt ist von dem gerade so stark empfundenen Bedürfnis sein Kind nicht herzugeben: Mehr Zeit ohne Kind heißt auch mehr Zeit für einen selbst. Und das kann manchmal auch ganz gut sein. Und: Man bleibt immer die Mama. Egal was passiert.

Vielen lieben Dank, Marie, für Deine Offenheit und die Bilder. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mal an fruehesvogerl@gmail.com.