Alltag, Meinung, Nachgefragt

Nachhaltigkeit: Was ist das eigentlich?

In der Fastenzeit wollte ich ich besonders der Nachhaltigkeit widmen. Denn mir ist schon klar, dass ich in dem Bereich gerne etwas tun möchte, aber auch, dass ich recht wenig Ahnung davon habe.

 

Seit Kurzem gibt es in den Supermärkten nur noch Papiertüten, die durchs Haus flattern, wohingegen ich mit dem Plastiksackerl vier/fünf Mal los gegangen bin: Ich merke, hier muss ich mir was überlegen.

 

Nachhaltigkeit bedeutet für mich also auch: Immer am Thema bleiben.

 

Um mehr über das Thema zu erfahren, habe ich Bloggerkolleginnen befragt. Fünf Fragen habe ich gestellt, 14 Kollegen haben geantwortet. In fünf Artikeln möchte ich Euch nun jede Woche ein Sammelsurium vorstellen.

 

Los geht es mit: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich?

Ich mag das Wort „Nachhaltigkeit“ eigentlich nicht so besonders, weil es inzwischen ein ziemliches Modewort ist, aber wenn wir ehrlich sind, man nicht ganz genau weiß, was es bedeutet. Ich verstehe darunter, dass die natürlichen Lebensgrundlagen für jetzige und folgende Generationen bei allem was wir tun bewahrt werden. Im Moment lebt die Menschheit über ihre Verhältnisse und zerstört damit den Planeten.

 

Am Ende wird vielleicht für uns und unsere Kinder nicht viel bleiben.

 

Ich will nicht glauben, dass der oder die Einzelne dagegen nichts tun kann und so versuche ich einen Weg für mich und meine Familie zu finden, der den Schaden, den wir Menschen anrichtet, nicht noch vergrößert. (Birgit von Fräulein im Glück, deren Blog wirklich eine Fundgrube zu dem Thema ist.)

 

Mehr Rücksicht auf unsere (natürlichen) Ressourcen zu nehmen, weniger Verschwendung, mehr Wiederverwertung, Reparieren statt wegwerfen und noch viel anderes. Darunter fällt auch, nur zu kaufen, was man braucht, nach Möglichkeit kein Essen wegzuwerfen und auch zB Plastik zu reduzieren. Ich bin allerdings nicht Vegetarier oder Veganer, esse aber nach Möglichkeit Fleisch und Gemüse aus der Region, bzw. Fleisch im besten Fall sogar direkt vom Bauern (weil man den Unterschied schmeckt). Ich schaffe es nicht immer (manchmal gibt es auch hier Avocado oder Wassermelonen – zu 100 Prozent importiert), aber ich bemühe mich.

 

Nachhaltigkeit ist für mich keine Modeerscheinung sondern eine generelle Lebenseinstellung. (Judith von Stadtmama)

 

Nachhaltigkeit bedeutet für uns auf der einen Seite Produkte zu verwenden, die kurze Transportwege zurücklegen und aus Materialien bestehen die biologisch abbaubar sind und aus nachwachsenden Ressourcen bestehen. Auf der anderen Seite bedeutet Nachhaltigkeit für uns aber auch, Dinge nach ihrer ursprünglichen Verwendung wenn möglich noch einmal Zweck zu entfremden und ihnen einen neuen Sinn zu geben. UPCYCLING und Second Hand sind hier die Zauberwörter für uns ( Vera von Hausnummersechs)
Mutter mit KindNachhaltigkeit bedeutet für mich, mich ressourcenschonend, sozial und ökologisch bewusst zu verhalten, damit es nicht nur mir gut geht sondern auch anderen Menschen und Lebewesen, jetzt und in Zukunft, ein gutes Leben in einer lebenswerten Umwelt haben. (Daija von liebevollerleben)

 

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, der nächsten Generation so wenig Altlasten zu hinterlassen wie möglich. Heißt: Qualität statt Quantität, auch mal selbstkritisch das eigene Verhalten hinterfragen.

 

Denn: HABEN-WOLLEN ist nicht gleich BRAUCHEN. (Birgit von Muttis Nähkastchen)

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, sich selbst reflektiert dem eigenen Konsumverhalten & den eigenen Umweltansichten zu begegnen. (Marleen vom Aufbruch zum Umdenken)

 


Die Welt so zu erhalten, dass auch noch nachfolgende Generationen gut leben können. Oder etwas poetischer: Unsere Welt enkeltauglich machen. Konkret heißt das weniger zu verbrauchen und zu konsumieren (Dinge) und etwas weiterzugeben (Wissen, Ideen). (Martin von  www.marthori.wordpress.com)

 

Dani
Dass wir diese Welt so gut es eben geht behandeln. (meine liebe Dani von Glucke und So)

 

Alles, was wir tun, wie wir leben und was wir konsumieren, hat auch Auswirkungen auf später. ( Svenja von Hauptstadtpflanze)

 

Nachhaltigkeit bedeutet für mich grundsätzlich erst mal, achtsam mit der Umwelt umzugehen, Abfall zu vermeiden und so gut es geht auf die regenerierbaren bzw. nachwachsenden Ressourcen zurück zu greifen. (Tanja von Tafjora)

 

Ressourcen zu schonen, nicht immer alles neu zu kaufen, Lebensmittel regional + saisonal zu kaufen, das ist mir besonders wichtig. (Michaela von littlebee)
In erster Linie bedeutet Nachhaltigkeit für mich, sich bewusst zu werden, was wir woher beziehen, ob wir es denn wirklich brauchen und wie lang es verwendet wird. Das beginnt beim täglichen Einkauf / dessen Planung und endet beim Spielzeug. Ich versuche so viel wie möglich gebraucht zu kaufen. Schi, Computer, Smartphone, Kinderkleidung und Spielsachen aber auch Kinderwagen und immer wieder auch Möbel. (Daniela von Die kleine Botin)
Der Schutz von Ressourcen (Wasser, Luft, Boden, Pflanzen- und Tierwelt, aber auch Zeit und Energie) (Susanne von Nullpunktzwo)

 

Für mich bedeutet es, keine Ressourcen zu verschwenden. Das gilt für Nahrungsmittel ebenso wie für alles andere. Bevor ich etwas kaufe, überlege ich:
Brauche ich das wirklich?
Kann ich es auch gebraucht/regional/biologisch/fair trade… erwerben?
Woher kommt es, wie wurde es erzeugt, und ist es (mir) das wert?

Auch die vegetarische oder vegane Ernährung zähle ich ein Stück weit dazu. (Tina von Jutima)

 

Und was bedeutet Nachhaltigkeit für Euch? Findet Ihr Euch in den Aussagen wieder?

 

Nächste Woche dreht sich dann alles um die Frage: Vor welchen besonderen Herausforderungen stehen Eltern in punkto Nachhaltigkeit?

Nina mit Kind
Familienrollen

Studium und Umbruch: „Das Leben ist zu kurz, um zu lange zu zögern“.

Mindestens 35 Jahre hat man mit 30 noch bis zur Rente: Wenn man seinen Job also ungern macht, warum nicht noch mal neu nachdenken? Nina war bei Siemens, bekam zwei Kinder und stellte fest: Eigentlich will ich ganz was anderes machen.

 

Heute studiert sie Medizin, und erzählt in den Familienrollen, warum sie zu mehr Mut rät.

 

 

Du bist Mutter zweier Kinder und Medizinstudentin. Das Ungewöhnliche daran: Vor der Geburt warst Du beruflich in einer ganz anderen Richtung unterwegs. Wie kam es zum Umbruch?

 

Ja, genau. Vielleicht hole ich kurz ein wenig aus, um meinen Umbruch etwas besser darstellen zu können.
Nach meinem Abitur im Jahr 2001 habe ich einen Platz für eine duale Ausbildung bei der Siemens AG bekommen. Ich habe eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht und parallel ein betriebswirtschaftliches Studium an einer FH absolviert. Anschließend war ich ca. 8 Jahre bei Siemens als Kauffrau in verschiedenen Unternehmensbereichen tätig.
Die Zeit war spannend und reiselastig. Hat mich aber nie ‚im Kern‘ berührt. Zwischendurch hatte ich immer mal wieder das Gefühl, dass das kein Job sei, in welchem ich alt werden möchte.

Nachdem unsere erste Tochter geboren wurde verschärften sich meine Gedanken um einen möglichen Jobwechsel. Um eine komplette Neuorientierung. Die erste Zeit mit unserer Tochter 2008 war wirklich nicht einfach für uns. Sie schrie viel. Wahnsinnig viel. Das hat uns als unerfahrenere Eltern oft an unsere Grenzen gebracht. Doch um das Gute daran zu sehen – oft stärken uns diese Grenzerfahrungen auch. Sie helfen uns, uns selber besser kennenzulernen.

Ich startete zwar zunächst wieder als Teilzeitkraft bei Siemens, begann aber auch, mich mit der Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive zu beschäftigen.

Nach langem, langem Hin und Her entschied ich mich im Jahr 2012 dazu (zu diesem Zeitpunkt war ich 30 Jahre alt und unsere Töchter waren 4 und 2 Jahre alt), eine 2-jährige Vollzeitausbildung zur Heilpraktikerin zu machen. Ich kündigte und genoss diese Ausbildungszeit. Ich traf viele neue, inspirierende Menschen. Erhielt viele neue Eindrücke. All das, bereicherte mich, und damit uns als Familie ungemein.

 

Nachdem ich meine Prüfung abgelegt hatte, brodelte da aber noch etwas in mir. Wissendurst. Hunger nach mehr Wissen über die Zusammenhänge in und um unseren Körper. Zwar bereitete ich mich schon auf eine Selbstständigkeit als Heilpraktikerin vor, wollte es parallel aber nicht unversucht lassen und es wenigstens einmal mit einer Bewerbung an der Uni für ein Medizinstudium probieren.

Natürlich hielt ich meinen Wunsch für ein Luftschloss, aber ich hatte ja nichts zu verlieren. Mein einziger Gedanke war: „Wenn du es nicht probierst, wirst du am Ende deiner Tage niemals Wissen, ob es eventuell nicht doch geklappt hätte.“ Also habe ich den recht aufwendigen Bewerbungsprozess auf mich genommen.
Und ja – es hat geklappt. Den Tag, an welchem ich die Zusage erhielt, werde ich bis ans Ende meiner Tage nicht vergessen. Nun bin ich schon im 5. Semester. Kaum zu glauben.

 

MailtextBestimmt hast Du Dir Deine Entscheidung nicht leichtgemacht: Wie lange hast Du mit Dir gehadert?
Puh. Das war tatsächlich eine schwere Entscheidung, die ihre Zeit brauchte.
Ich schätze, dass der Zeitraum, von den ersten Gedanken an eine mögliche Jobveränderung bis hin zur Kündigung, circa 3 Jahre betrug.

 

Die erste Frage die ich mir stellen musste war ja „Was willst du eigentlich?“. Ich befand mich lange Zeit in einem Raum aus Fragen: „Welcher Job würde dich denn glücklich machen?“, „Ist es nicht ein zu hohes Ziel, dass der Job glücklich machen muss?“, „Bist du nicht schon zu alt, um nochmal neu anzufangen?“.

 

Vor der Geburt unserer ersten Tochter begann ich neben meinem regulären Job ein Praktikum zu machen. Praktika sollten mir helfen, mich zu orientieren. Mir war klar, dass ich Dinge ausprobieren musste um zu wissen, wo mein Weg eigentlich hingehen sollte. So arbeitete ich, zum Beispiel, einige Monate in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung. Die Arbeit war spannend und gut. Dennoch war mir schnell klar, dass ein Studium der Sozialpädagogik (oder ähnliches) für mich nicht in Frage kommen würden.

 

Ich kann wirklich nicht sagen, dass die Zeit einfach war. Denn irgendwann ist es auch einfach nur noch frustrierend, keine Antwort auf die Frage „Wo willst du hin?“ zu finden.

 

Diese ganze lange Zeit, hat Björn (mein Mann), mich uneingeschränkt unterstützt. Er hat mit mir alle Szenarien durchdacht und keine meiner Ideen als „Hirngespinste“ abgetan. Ganz im Gegenteil. Ohne ihn, hätte ich vermutlich nicht die Kraft, vor allem aber nicht den Mut gehabt, auf volles Risiko zu gehen.

Skeptisch waren meine Eltern. Nicht immer. Aber manchmal. Aber eher positiv skeptisch. Damit gaben sie mir einen Raum, meine Ideen kritisch zu hinterfragen. Heute erfahre ich volle Unterstützung durch die Beiden.

 

 

Auf allen Kanälen machst Du auf mich den Eindruck: Ganz schön viel zu tun, aber irgendwie kommst Du Deinem Traum immer näher. Wie fühlt sich das Leben als Medizinstudentin und baldige Ärztin an? 
Ich denke, dass alle Eltern, die in der Mitte ihres Lebens stehen, ganz schön viel um die Ohren haben. Jede Familie steht vor eigenen Herausforderungen. Es ist laut und trubelig. Manchmal ermüdend. Meistens aber einfach eine große Feier des Lebens. Jeden Tag aufs Neue.

Insofern – ja, mit Sicherheit habe ich oft ‚viel zu tun‘. Aber mit Unterstützung ist das gut zu machen. Ich denke einfach, dass das A und O für ein glückliches Familienleben ist, dass die Eltern glücklich sind. Jeder zunächst für sich allein. Dann natürlich auch miteinander. Ist das gegeben, geht es auch den Kindern gut. Manchmal hatte ich Sorge, dass das eine egoistische Herangehensweise ist. Dennoch bin ich bis heute davon überzeugt, dass das auf uns so zutrifft.
StudentenIch bin definitiv glücklicher, wenn ich ‚meine eigene Spielwiese‘ habe. Mein Studium. Vielleicht wäre der Alltag weniger stressig ohne dieses. Aber er wäre auch definitiv weniger zufriedenstellend. Für mich. Und damit für uns, als Familie.

Bild 3 (Und wenn mal kein Kindersitter Zeit hat, dann kommen sie eben mit)

Das Leben fühlt sich gerade einfach wunderbar an, so wie es ist. Ich genieße die ‚Freiheit‘ des Studentenlebens. Tatsächlich fühlt es sich für mich noch nicht so an, als wäre ich bald Ärztin. Dafür ist der Weg noch zu lang. Ich genieße gerade einfach jeden einzelnen Schritt.

Nicht einen einzigen Tag lang habe ich es bereut, meinen alten Job an den Nagel gehängt zu haben. Ganz im Gegenteil.
Wie klappt die Sache mit der Vereinbarkeit? 

 

 

Vereinbar… Was? Na ja. So ganz schlimm ist es dann doch nicht.
Tja. Diese Vereinbarkeit. Ist ja so eine Sache für sich. Das klappt natürlich mal mehr, mal weniger gut. Sicherlich gibt es auch bei uns Tage, wo ich einfach alles nur noch hinschmeißen möchte. Tage an denen ich denke, niemandem mehr gerecht werden zu können. Zum Glück halten sich diese Tage aber in Grenzen.
Klar ist – ohne die Unterstützung von Björn, meinen Eltern und von Freunden, könnte und wollte ich nicht studieren. Uns war, zum Beispiel, wichtig, dass die Kinder nicht in eine Ganztagsschule gehen. Das schränkt unseren Zeitrahmen natürlich massiv ein. Meist sind die Kinder gegen 12 Uhr zuhause. Hungrig. Da bleibt einem am Vormittag nicht viel Zeit, um Dinge zu erledigen. Geschweige denn um zur Uni zu fahren.

Aber wir haben uns gut eingespielt.

Gerade jetzt, wo die Kinder schon etwas älter sind (6 (bald schon 7) und 8 Jahre alt), muss unsere Planung nur noch selten über den Haufen geworfen werden. Das war natürlich zu Kindergartenzeiten noch anders. Die Kinder waren des Öfteren krank (wie das eben bei kleinen Kinder so ist ;-)) und es gab Zeiten, wo sie nicht in den Kindergarten wollten. Solche Situationen sind natürlich dann mistig. Für alle Beteiligten. Da gab es schon mal den einen oder anderen Abend, an welchem ich einfach nur noch heulend auf der Couch saß. Das war aber durchaus während meines ‚alten Bürojobs‘ auch schon so.

Der einzige Vorteil den ich damals hatte, war – ‚wenn Feierabend war, war Feierabend‘. Meistens. Heutzutage gibt es natürlich immer irgendwie etwas zu tun. Lernen am Abend. Am Wochenende. Da muss man schon gut auf sich aufpassen, um sich genügend Zeit zum Durchatmen, zum Kopf lüften, zu nehmen. Ich kann nicht von mir behaupten, dass das meine Stärke ist. Zum Glück gibt Björn auch immer gut Acht auf mich und meinen Gemütszustand.

 

 

Nach der Geburt der Kinder das Leben noch einmal umdrehen: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Du mitgenommen hast?
Weniger Angst. Mehr Mut.
Es klingt so banal, aber das ist es, was meine Erkenntnisse schon auf den Punkt bringt.
Was ich mir außerdem aus der Orientierungszeit beibehalten habe ist mir regelmäßig die Frage zu stellen: Wenn das Schicksal dein Leben von jetzt auf gleich auf den Kopf stellt, sei es, weil jemand Liebes schwer krank wird oder verstirbt, was würdest du dann bereuen?
Dieser Frage hilft mir einfach ungemein, mich regelmäßig neu auszurichten. Meine Prioritäten klar zu stellen.

Macht’s einfach. Das Leben ist zu kurz, um zu lange zu zögern.

 

Mehr zu Nina findet Ihr auf Ihrem Blog Gedankenpotpourri.

 

Die Familienrollen gibt es immer am Donnerstag: Ihr seid auch eine Familie, die ich gerne mal vorstellen soll, oder habt Interesse über ein Familienmodell zu lesen, das hier noch nicht vorgekommen ist? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

Michelle
Elternfragen, Kultur mit Kind

Babyfotografie: “ Professionelle Kinderfotografen haben keinen Zeitdruck.“

Mit „Elternfragen“ möchte ich einmal wöchentlich mit Experten reden, Mythen hinterfragen und Antworten auf Fragen finden, die sicher viele beschäftigen. Fragen stellen finde ich nicht nur bei Kindern wichtig. 

Heute geht es um das Thema Fotografie. Was gilt es bei Babyfotos zu beachten, wie bereitet man ein Kind auf den Fotografen-Termin vor: Fotografin Michelle gibt Auskunft. 

 

Angeblich fotografiert man nie so häufig wie im ersten Babyjahr. Das beginnt bei der Geburt: Was hältst Du als professionelle Fotografin von sogenannten Krankenhaus-Shootings?

 

 

Nun, dass es im Krankenhaus Fotografenketten gibt, die nach der Geburt die Babys fotografieren, wissen die meisten Eltern. Schade finde ich nur, dass sich viele werdenden Eltern da einfach blind darauf verlassen oder gar nicht wissen, dass es Alternativen gibt.

Wenn Eltern die Bilder von den Krankenhausketten gut finden und sich bewusst dafür entscheiden, ist das völlig in Ordnung. Geschmäcker sind ganz unterschiedlich, und wem das gefällt, der ist kein potentieller Kunde von Fotografen, die sich auf Neugeborenenfotos spezialisiert haben und die Studios voller niedlicher Körbchen, Requisiten und Mützchen haben. Aber wie oft habe ich Kunden mit dem zweiten Kind, die sagen: “ach, hätten wir nur schon beim ersten gewusst, dass man mit dem Baby auch ganz andere Bilder als die im Krankenhaus machen kann!”. Das finde ich traurig.

 

Wichtig finde ich für Eltern zu wissen: Fotografenketten kaufen sich in Krankenhäuser ein.

 

Die Krankenhäuser bekommen eine Provision für die Bilder, und professionellen Kinderfotografen, die meist qualitativ wesentlich anspruchsvollere Arbeit abliefern, ist es untersagt, dort zu werben. Eltern wird also auch die Möglichkeit genommen, Vergleiche zu ziehen. Fotografen dieser Krankenhaus-Ketten werden in einem Wochenendkurs eingelernt und brauchen weder Fachwissen im Bereich der Fotografie, noch im Umgang und Posing von Neugeborenen, und schon gar nicht in der digitalen Nachbearbeitung. Die Shootings im Krankenhaus dauern wenige Minuten. Mal 10, mal vielleicht 20, wenn noch Geschwister dabei sind. Babys werden in die selbe, den Fotografen antrainierte Pose auf einer weißen Decke auf dem Krankenhausbett hingelegt, die Bilder sehen bei jedem Kunden gleich aus. Sie schicken ihre Speicherkarten mit den drei oder vier unterschiedlichen unbearbeiteten Dateien an die Zentrale und dort wird aus den Bildern qualitativ fragwürdige Massenware produziert: Viel unnützer Krempel wie Tassen, Schlüsselanhänger, Lesezeichen, … – das volle Programm eben, und alles in der (sich meist erfüllenden) Hoffnung, die verknallten Eltern kaufen das volle Programm unnützer Produkte – eben weil ihr Liebstes darauf abgebildet ist. Und automatisch finden Eltern Bilder unheimlich schön, weil ihr Kind darauf abgebildet ist, ganz gleich wie die Qualität der Bilder oder der Produkte zu bewerten ist. Hier wird einfach mit den Emotionen der Eltern gespielt.Kind schwarz weiß

 

Professionelle Babyfotografen arbeiten nicht im Krankenhaus (ich kenne sehr wenige Ausnahmen, diese Fotografen sind aber keiner Kette zugehörig!).

 

Ein Shooting hier dauert statt 20 Minuten auch mal 2-3 Stunden. Aber nicht,weil das Kind in anstrengende Posen geschmissen wird, sondern weil bedürfnisorientiert und ruhig gearbeitet wird.

 

Professionelle Kinderfotografen haben keinen Zeitdruck, räumen Stillpausen ein, wann immer es nötig ist, beruhigen und schunkeln die Babys selbst in den Schlaf, und das dauert auch mal alleine 1 Stunde, bis ein Baby so friedlich schläft, dass hochwertige Bilder möglich sind. Sicher wirkt die Vorstellung erstmal etwas unberechenbar oder unbequem, sich mit einem ganz frischen Baby (in der Regel finden die Shootings in den ersten 14 Lebenstagen statt) in ein Fotoatelier zu begeben.

 

Klappt das auch alles? Was, wenn das Baby weint? Im Gespräch mit dem Fotografen kann die Angst hier aber genommen werden. Noch kein Kunde ist aus meinem Atelier oder bei Kolleginnen herausgegangen und fand den Termin anstrengender als im Krankenhaus, im Gegenteil. Bei uns gibt es in der Regel sogar Kaffee und Kekse. Es gibt aber auch Kollegen, die Hausbesuche anbieten. Viele Kunden lassen sich zur Geburt statt dem 38. Kuscheltier oder dem hundertsten Strampler lieber Gutscheine bei mir schenken, weil sie damit bleibende Erinnerungen schaffen können. Wofür auch immer man sich entscheidet, wichtig ist nur, dass einem der Stil, die Bildsprache, die Farben, Accessoires usw. des Fotografen sympathisch sind – und man sich schon in der Schwangerschaft über seine Möglichkeiten informiert und euch bewusst seid:

 

Diese Bilder könnt ihr nie wieder nachholen. Sie sind alles, was in 3, 5 oder 20 Jahren aus dieser magischen Zeit übrig bleiben wird. Überlegt deswegen bewusst, was ihr euch für Erinnerungen vorstellt!

 

Sicherlich kennt jeder kennt jeder Familienbilder, die einem nicht gefallen: Verschreckte Kinder oder eine Gruppe von Personen, die künstlich in die Kamera lächeln. Was gilt es bei der Wahl des Fotografens zu beachten, dass man nicht in die Falle tappt?

Kind im RegenSchaut euch genau das Portfolio des Fotografen an. Spricht euch der Stil an, oder stellt ihr euch etwas ganz anderes vor? Werden perfekt lächelnde Familien vor weißen Hintergründen wie aus der Zahnpastawerbung gezeigt, und ihr wünscht euch aber lieber ausgelassene, ungestellte Fotos beim Picknick im Grünen, dann passt dieser Fotograf nicht zu euch – und umgekehrt. Nicht jeder Fotograf bietet alle Arten Fotos an.

 

Viele Fotografen geben vor dem Shooting wertvolle Tipps zur Vorbereitung. Meine wichtigsten (und leider auch unbeachtetsten) Tipps für eine auf beiden Seiten entspannte Fotosession bei Familien- und Kindershootings ab ca. 2 Jahren:
Erzählt Eurem Kind von dem geplanten Termin. Sagt ihm aber nicht, es „muss mitmachen“.

 

Es wird nicht wissen, was damit gemeint ist und verunsichert werden. Erzählt ihm lieber, dass es eine nette Zeit bei einer Frau mit Kamera sein wird und ihr euch darauf freut.

 

Kinder spüren Eure Aufregung. Kommt entspannt und ohne Hektik zum Termin. Ihr müsst Euch nicht Gedanken machen, wie ihr Euer Kind zum Lachen bewegt. Lasst das meine Sorge sein – bis ich Euch evtl. um Hilfe bitte. Kinder brauchen keine Dauerbespaßung. Hüpft die ganze Zeit jemand hinter mir herum und ruft das Kind die ganze Zeit beim Namen wie einen kleinen Hund – (ja lacht nicht nicht, ich erlebe das leider sehr häufig!!!), während ich versuche, mich mit dem Kind zu unterhalten, wird es zu viel. Da haben Kinder keine Lust mehr herzuschauen, die Eltern werden sauer und die Kinderlaune kippt. Also, lasst mich oder euren Fotografen einfach in Ruhe mit dem Kind sprechen. Entspannt euch!!! Ich beobachte Kinder gerne erstmal und bin ruhig – das macht manche Eltern nervös, weil sie wollen, dass ihre Kinder sofort lachen. Das erwarte ich nicht von Kindern, das braucht Zeit!

 

Ein erzwungenes Lachen ist und bleibt ein künstliches Lachen.

 

Als ich neulich Kunden hatte, die ihrem Kind immer wieder sagten, wenn es nun nicht lacht, gibt es kein Weihnachtsgeschenk, habe ich sie fast rausgeworfen. So kann man nicht mit Kindern umgehen und so bekommt man keine befriedigenden Ergebnisse (ehrlich glücklich lachendes Kind!).
Ihr müsst hinter mir also keine Tänze aufführen oder Lieder singen! Oft unterhalte ich mich auch mit Kindern während des Shootings. Das mache ich, um bestimmte, ehrliche Gesichtsausdrücke hervorzurufen. Mir geht es nicht um korrekte Informationen, sondern um spannende Gesichter und eine Interaktion mit mir. Habt keine Angst, dass Euer Kind nicht tut, was es soll, je verbissener man ein Lachen erzwingen will, desto weniger wird es funktionieren. Atmet durch!

 

 

Die ersten 365 Tage entstehen viele Fotos: Was rätst Du Eltern, dass sie die Zeit ideal festhalten? 

 

 

Oh ja, vom ersten Lebensjahr meines Sohnes gibt es auch ganze fünf Fotoalben! Die meisten Bilder darin haben auch bei mir keinen künstlerischen Wert und es sind auch viele Handyfotos dabei. Man sollte sich bei all der unglaublichen Fotografierlust und Bilderflut jedoch auch beim Auslösen angewöhnen, vorher mal zu überlegen: Was genau mache ich jetzt mit dem 80. Foto des selben Motivs? Wird es einfach irgendwo gespeichert und zu Datenmüll? Schaut sich das wirklich jemand irgendwann mal unter all den hunderten anderer Bilder an, oder hat das später einen Wert? Egal ob ihr mit dem Handy oder der Digitalkamera fotografiert, die Fragen solltet ihr dabei immer im Hinterkopf haben.

 

Manchmal ist es wertvoller, den Augenblick mit dem Kind vollkommen zu genießen, als ihn festzuhalten.

 

Wenn man Kinder hat – und noch dazu niedliche – macht man viele Fotos: Welche Motive dürfen Deiner professionellen Meinung nach nicht fehlen? 

Kind mit WassermeloneKlar, es gibt Momente, da freut man sich in vielen Jahren, dass man sie festgehalten hat. Das Ankommen zuhause nach dem Krankenhausaufenthalt. Das erste Greifen, Lächeln, die ersten Zähnchen, die erste Beikost (und das Gesicht dabei!), das erste Krabbeln, stehen, laufen!

 

Allerdings finde ich auch Alltagssituationen wunderschön: Papa liest eine Geschichte vor und Kind hört gebannt zu, Kind hilft mehlbeschmiert beim Backen…
Sicher geht es hierbei weniger um technische Perfektion als um emotionale Erinnerungswerte. Wer die Zeit so professionell und schön wie möglich festgehalten haben möchte, kann sich bei seinem Fotografen erkundigen, viele haben im Angebot Pakete, die das erste Lebensjahr begleiten, beispielsweise Shootings mit 3, 6, 9 und 12 Monaten. Abstände, die im ersten Lebensjahr Welten bedeuten und viele unterschiedliche Shootings ermöglichen!

 

 

All diese vielen schönen Fotos, die auf Rechnern virtuell rumflattern: Welche Foto-Geschenke empfiehlst Du? 

Wie viele Eltern schenken auch wir an Weihnachten Kalender. Nicht, weil wir so einfallslos sind, sondern, weil sich die Großeltern und Urgroßeltern das wünschen. Gesammelt sind die Kalender ein Best-Of und ergeben in einigen Jahren sicher auch eine tolle Dokumentation. Andere erstellen am Ende des Jahres jeweils ein Fotobuch aus dem vergangenen Jahr. Auch das finde ich sehr schön, denn jedes Foto in einem Buch oder in der Hand ist eines weniger, das in Vergessenheit auf irgendwelchen Festplatten gerät. Aber bei Fotogeschenken gehen die Geschmäcker doch sehr auseinander. Die einen finden Tassen, Magnete oder Handyhüllen super, die anderen irre kitschig. Da muss jeder schauen, was zu ihm passt, das Angebot ist riesig und es wird immer mehr. Mein persönlicher Favorit sind übrigens ein Holzblock mit Foto!

 

Vielen lieben Dank, Michelle.

Michelle ist mit Sternenregen rund um Karlsruhe unterwegs.

 

Ihr habt einen Wunsch zu welchem Thema ein Experte in der Kategorie Elternfragen Antwort geben sollt? Dann schreibt eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. 

Alltag, Kultur mit Kind

Kuchen und kränkeln: der 12. März in Bildern

Am vergangenen Freitag war ich mit meiner Geburtstagsfeierei beschäftigt: Gut war es. Durch die Erkältung, die wir tatsächlich alle haben, war am Samstag nicht so viel los. Auch der Sonntag war eher ruhig: Hier in 12 Bildern

 

Tasse

Der Morgen beginnt mit Kaffee.

Kein Sonntag ohne Süßes.

Baby in Trage

Abhängen

Treppenkuschler

Karotten.

Baby-Led-Weaning für alle.

Ein kleines Getränk.

Girlande

Die Faschingsdeko möchte abgenommen werden.

Lampe.

 

Babhyhände.

Mein Mädchen spielt nebenan.

Praktisch: Rumfliegende Gefährte auf die man nicht drauftreten kann.

Blumen

Ich liebe Schnittblumen.

 

Mehr 12 von 12 gibt es wie immer bei Draußen nur Kännchen, die diese Aktionen sammelt.

Außerdem machen wir damit beim Wochenende in Bildern von Geborgen Wachsen mit: Samstag gab es tatsächlich kein Bild.

 

Und wie war Euer Wochenende so?

Alltag, Kultur mit Kind

Geburtstag mit Familie, Freunden und Kuchen: die Freitagslieblinge

Diese Woche war toll. Wir haben Familie in Österreich besucht, mit neuen Projekten begonnen und heute bin ich mich ein bisschen am selbst feiern: Ich habe Geburtstag und gehöre zu den Leuten, die das gerne mögen.

Was war diese Woche so los? Was hat uns bewegt. 

 

1. Mein Lieblingsmoment mit den Kindern.

Nach einem kurzen schönen Wochenende in Österreich verbringen wir diese Woche viel Zeit zuhause und das ist gut so: Ruhe, spazieren gehen, malen und ein bisschen der nächsten Erkältung ausweichen.

2. Mein Lieblingsessen der Woche.

Kuchen. Bereits zum Frühstück gab es heute Kuchen. Und heute nachmittag kommen meine liebsten Freundinnen, zumindest all jene, die gerade in Berlin sind. Davor holen wir noch einiges an Süßigkeiten ab und hängen ab.

3. Mein Lieblingsbuch der Woche.

Aktuell lese ich recht langsam. Den Krimi von Tana French schleppe ich jetzt schon eine Weile mit mir rum, aber mittlerweile komme ich endlich rein. Der Ton war mir lange zu rotzig, aber irgendwie passt er doch ganz gut.

4. Mein Lieblingsmoment für mich.
Da gab es diese Woche einige: Die Treffen mit meiner Familie in Österreich, das Zusammensitzen mit den beiden Bloggerkolleginnen in Österreich und mein Geburtstagsfrühstück, zum Beispiel. Und die Glückwünsche der Twitter-Timeline, die mag ich auch.
 
5. Meine Lieblingsinspiration der Woche.
 Mit zwei Bloggerkolleginnen haben wir dieses Wochenende fixiert, dass wir im November ein Bloggertreffen in Salzburg machen wollen: Mehr Infos gibt es auf der Seite von K3. Das war ganz schön inspirierend, bzw. wird es bestimmt noch werden.
 
Und wie ist das bei Euch: Feiert Ihr auch so gerne Geburtstag, oder ist das für Euch eher Pflichtveranstaltung?
Mehr Freitagslieblinge gibt es wie immer bei Anna von Berlinmittemom.
Janina mit den Töchtern
Familienrollen, Kultur mit Kind

Zwei Kinder von zwei Vätern: „Ich habe keine großen Erwartungen mehr und verlasse mich lieber auf mich selber.“

Jeden Donnerstag erscheinen hier die Familienrollen, die eine andere Familie vorstellen. Diese Woche ist Janina (vom  Blog Perlenmama) zu Gast.

 

Mit einem Freund hat sie eine Tochter und schon mal in den Familienrollen davon erzählt. Nun ist sie wieder Mutter eines kleinen Mädchens geworden: Wieder alleinerziehend. Woher sie die Kraft dazu nimmt und was sie sich für ihre Mädchen wünscht: Das erzählt sie in den Familienrollen. 

 

In Deinem ersten Interview hast Du erzählt, dass Du mit einem guten Freund eine Tochter hast und auf der Suche nach der Liebe bist. Was hat sich seit dem getan? 
Seither hat sich einiges verändert. Nun habe ich zwei Töchter, bin jedoch noch immer Alleinerziehend. Im Februar lernte ich über’s Internet einen Mann kennen und wir dateten eine Weile. Das war erstmal nichts Besonderes, ich war damals auf einer Online-Dating-Plattform aktiv und ging des Öfteren mal auf Dates. Dieses Mal entwickelte sich aber relativ schnell eine intensive, aber relativ unverfängliche Romanze. Es war schnell klar, dass ich wohl etwas mehr darin investierte als er, doch irgendwie schreckte mich das nicht ab. Es fühlte sich gut an, war ganz anders als die Stories davor (er war ganz anders als alle Männer mit denen ich davor je zu tun hatte) und irgendwie ein Ausbruch aus meiner damaligen Situation. Aber eigentlich war das wohl auch eher ungesund. Nunja, irgendwann hatte diese Geschichte ein jähes Ende, ich fuhr mit meiner Perle und meiner Besten an’s Meer um den Kopf frei zu kriegen und danach mit frischem Elan weiterzumachen. Nunja, doch dann hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand und da stand erstmal alles wieder Kopf. Ich fing mich relativ schnell wieder, begann mein/unser Leben auf den Neuankömmling vorzubereiten. Das Verhältnis zum Miniperlen-Papa war teils eher sporadisch, aber immer freundlich. Natürlich stehen wir hier noch komplett am Anfang und keiner weiß wie sich das mal entwickelt, aber ich nehme es einfach Tag für Tag und hoffe, dass wir ein gutes Verhältnis beibehalten können.
Das Verhältnis zum Vater Deiner großen Tochter erschien im ersten Interview gut: Gab es durch die veränderte Situation auch hier Veränderungen? 
Janina mit Baby im TragetuchIn der Zwischenzeit haben wir durch einige Veränderungen die ein oder andere Bodenwelle in unserem Verhältnis gehabt. Das war mitunter sehr schwierig für mich und auch für die Perle. Seit der Geburt der Miniperle ist hier aber wieder etwas Ruhe eingekehrt, obgleich ich aber natürlich nicht sagen kann, ob das nur eine Art „Wochenbett-Waffenruhe“ ist oder ob wir da wirklich wieder auf einen grünen Zweig kommen.

 

Letzteres würde ich mir natürlich wünschen. Er ist neun Tage nach der Geburt der Miniperle auch noch einmal Papa geworden, vielleicht hat sich der Fokus (von uns beiden) auch einfach etwas verlagert. Es bleibt also auch hier abzuwarten wie sich das Ganze entwickelt.
Deine kleine Tochter, die Du auf dem Blog Miniperle nennst, ist erst wenige Wochen alt. Mit dem Vater bist Du nicht mehr zusammen, habt Ihr Eure Elternrollen schon gefunden?
Nein, gefunden haben wir uns sicher noch nicht. Ich noch nicht als Mama von zwei kleinen Mädchen, er noch nicht als Papa von zwei kleinen Mädchen (er hat schon eine Tochter im Alter der Perle) und wir uns noch nicht als Elternteam. Aber wir arbeiten daran. Romantische Gefühle gibt es bei uns nicht mehr, nein. Aber dafür zum Glück ein sehr freundlicher und respektvoller Umgang. Es ist manchmal etwas schwierig unsere Erwartungen jeweils anzupassen (ich glaube jedenfalls, dass dies ein Problem ist), aber ich denke, das lernen wir auch noch. Es gibt noch einige weitere Faktoren, die da mit hineinspielen, die ich aber nicht weiter ausführen kann und möchte, aber ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind. Noch ist alles neu, aber ich bin guter Dinge, dass sich alles finden wird. Ich glaube aber auch, dass ich dieses Mal etwas relaxter an die Sache herangehe, dass ich in meinem „Erwartungs-Management“ etwas schlauer bin und ich einfach weniger Energie dort hinein investiere (einfach, weil ich sie anderweitig, nämlich im Alltag, für die Kids und für mich selber brauche).
Du hast zwei kleine Töchter, möchtest im Herbst wieder arbeiten gehen und auch sonst geht es mitunter turbulent bei Dir zu: Bei alledem wirkst Du unglaublich tough, woran liegt das?
Janina mit beiden KindernDanke erstmal für das „tough“. Das freut mich zu hören. Ich weiß nicht woran es liegt. Vielleicht, weil ich das Ganze schon einmal durch habe und ich daraus viel gelernt habe. Ich habe keine großen Erwartungen mehr und verlasse mich lieber auf mich selber. Das hört sich vielleicht desillusioniert an, aber ich fühle mich gar nicht so. Ich fühle mich eher „empowered“. Es gibt einige Leute in meinem Umfeld, die warten quasi darauf, dass ich es nicht hinbekomme und sie mit einem Kopfschütteln und einem Seufzer sagen können „ja, aber das war ja abzusehen…“. Das ist einerseits traurig, spornt mich persönlich aber auch an. Es ist aber einfach auch unglaublich wichtig ein Netzwerk zu haben. Ich habe einen unglaublich tollen Clan. Auf meine Eltern, Familie und Freunde kann ich mich stets verlassen und das gibt mir sehr viel Kraft. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich würde das alles „alleine“ hinkriegen. Ich wünsche jedem/jeder Alleinerziehenden ein Netzwerk, dass sie auffängt. An schlimmen Tagen und in schlimmen Jahren. Ohne ist es einfach fast unmöglich.
Außerdem hilft es mir unglaublich mich mit anderen Alleinerziehenden zu vernetzen und gemeinsam für unsere Familienform einzustehen. Damit meine ich nicht die typischen „Der KV meiner Tochter ist so schrecklich“-Jammerrunden-Kaffeekränze (die meide ich, auch wenn ich mich auch gern mal aufrege), sondern eher die gesellschaftlichen und politischen Aspekte. Es gibt noch viel zu tun, Alleinerziehende haben, obgleich sie so zahlreich vertreten sind, noch immer mit Stigmata und allzu konservativen gesellschaftlichen Ansichten zu kämpfen. Das gehört geändert, für die Alleinerziehenden selbst aber auch für unsere Kinder. Wir sind so viele, aber oft zu geschlaucht vom alltäglichen Leben um uns noch für unsere Interessen einzusetzen. Daher müssen wir uns zusammen tun. Ich glaube, dass dies nicht nur gesellschaftlich und politisch wichtig ist, sondern auch jedem einzelnen von uns persönlich gut tut.
Was wünscht Du Dir für Deine Töchter für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass sie zu starken und unabhängigen Frauen heranwachsen. Ich möchte, dass sie wissen, dass sie alles schaffen können und ich hoffe, dass ich ihnen alle Möglichkeiten bieten kann, die sie brauchen und wollen. Ich möchte, dass sie sich allzeit geliebt fühlen und dass sie wissen, dass obgleich sie beide ziemlich chaotisch in mein Leben purzelten, dass sie dennoch erwünscht und genau richtig sind. Sie sollen wissen, dass sie das Beste sind, was mir je passiert ist und ich diesbezüglich nichts bereue. Außerdem wünsche ich mir für sie eine offene und tolerante Gesellschaft, in der sie die Lebensform leben können, die sie für sich wählen. Ob als Single, Hausfrau, arbeitende Frau, lesbische Frau, hetero Frau (oder sogar als Mann, sollte eine von ihnen sich als solcher fühlen) kinderreiche Frau, kinderlose Frau, alleinerziehende oder verheiratete Frau oder oder oder…es soll egal sein und keinen Unterschied mehr machen, gesellschaftlich, rechtlich, finanziell, steuerlich, etc. Diese Freiheit wünsche ich mir für die zwei…und auch für unsere Gesellschaft.

 

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Janina.

 

Noch mehr Interviews mit alleinerziehenden Müttern findet Ihr zum Beispiel hier.