Alltag, Kultur mit Kind, Schöne Dinge

5 Dinge, die eine werdende Mutter braucht – Werbung

Anzeige. Das ist der Versuch meiner Freundin Antje in der Schwangerschaft Tipps mit zu geben, die sie vielleicht brauchen kann. Und eine Kleinigkeit, die so niedlich ist, dass sie sich bestimmt drüber freuen wird.

 

Die Kleinigkeit ist von JAKO-O, wo es ganz wunderbare Dinge für kleine und große Kinder gibt,  die könnt Ihr am Ende auch gewinnen, aber zuerst mal zu Antje und mir.

 

Kinderlose Freunde

Meine Freundin Antje wird Mutter. Meine Freundin Antje, die ich schon kannte, als sie beinahe noch ein kleines Mädchen war. Antje, die nicht wirklich Antje heißt, und mit der ich viele Nächte durchgetanzt habe.

 

Als wir noch mit Männern unterwegs waren, von denen wir wechselseitig hofften, dass diese nicht bleiben und so ein bisschen Vorglühen noch eine Abendbeschäftigung war. Wir waren auf Studentenparties, auf denen es immer ein bisschen zu warm war, in  Clubs, wo die Türsteher meist freundlich waren und auch in Bars, wo ich mich gar nicht mehr genau erinnere, in welcher Stadt das eigentlich war: Immer war uns klar, dass das Familiending schon wichtig ist, obwohl es damals sehr weit weg war.

 

Ich hab den Vorsprung. 2013 hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in den Händen und spürte zum ersten Mal Tritte in meinem Bauch. Tritte, die auf so wunderbare Weise alles ändern sollten. Über vier Jahre bin ich nun schon Mutter und hab das Gefühl, dass ich ihr ein bisschen sagen möchte, was da vielleicht alles auf sie zu kommt.  So als wäre ich in einer Stadt, die sie demnächst bereisen will. Ich bin schon da und kann ihr sagen, worauf sie achten soll. Kann ich das?

 

Auf einen Versuch lasse ich es ankommen und schreib

meine 5 Mütter-Skills, die man brauchen kann

auf in einem kleinen Brief an Dich, liebe Antje:

 

1.) Das Erkennen von Freude und Sorgen:

„Nun werden Sie nie wieder sorglos sein“, sagte mein Frauenarzt, als wir gemeinsam auf das Ultraschall-Gerät schauen. Kennt mich der nicht, dachte ich? Ich mache mir immer Sorgen, Sorgen um liebe Menschen aus der Familie und im Freundeskreis, einen möglichen Stolperstein, oder eine Entscheidung, die von jemand anderen abhängig ist: Sorgepotenzial ist fast immer da.

 

Aber weißt Du, Antje, er hatte tatsächlich Recht damit, um die eigenen Kinder sorgt man sich anders. Der Schnupfen und das Fieber, das einem plötzlich nahegeht, aber auch die Freude: Alles ist plötzlich intensiv hoch 10. Das ist ok so, auf die Wucht hatte ich mich vorbereitet: Mach Du das am besten auch.

 

2.) Die Sache mit der Geburt:

Als ich zum ersten Mal schwanger war, wusste ich wenig : Ich kannte keinen einzigen Elternblog, las wenig Ratgeber und bis auf ein paar Details aus dem näheren Umfeld, ging ich recht unbedarft zur Geburt meines Sohnes.

 

Was alles sein kann/könnte und so weiter, nichts davon war Thema für mich : Wahrscheinlich hätte mich das eher belastet und deshalb würde ich Dir diese Überinformation auf nicht empfehlen. Nimm Dich aber vor gruseligen Geburtstorys aus dem Internet in Acht: Manches hätte mir, die ich keine Angst hatte, Angst gemacht. Wenn Du Dich informieren willst, würde ich Dir das Buch von Jana Friedrich zur entspannten Geburt empfehlen oder so tolle Geburtsberichte wie die von motherbirth: Die netten Blogger schreiben übrigens immer dazu, welche trigger-Elemente bei dem Geburtsbericht vorkommen könnten, das find ich sehr hilfreich, wenn Du tatsächlich mehr lesen willst.

3.) Bleib Du selbst:

Wahrscheinlich kann sich keiner vorstellen, wie viele gute Tipps plötzlich da sind, wenn man plötzlich Mutter wird. Wie man das Baby am besten bettet, gegen welche Kinderkrankheiten man gut schützen soll, wann es jetzt aber bitte genug ist mit dem Stillen und wie gegen den Wutanfall im Supermarkt am besten vorzugehen ist. Trottel gab es immer: Manche glauben sie müssen nun bei kleinen Kindern laut werden. So wünsche ich meiner Freundin Antje, dass sie immer sie selbst bleiben kann, sich nichts aufdrängen lässt und ihre Ratgeber selbst wählen kann. An dieser Stelle danke ich meiner Familie, meinen Freundinnen und lieben Menschen aus dem Internet, die mir immer wohl gesonnen waren.

4.) Freunde und Familie:

Ich hatte und habe das Glück, dass ich bis auf wenige Ausnahmen immer gute Berater hatte. Meiner Freundin Antje wünsche ich, dass sie immer gute Partner hat: den eigenen und die Anvertrauten. Und dass sie schnell erkennt, wie wichtig es ist, diese zu haben. Dass sie Mütter findet mit denen sie gerne Zeit verbringt und deren Kinder gerne mit ihren spielen und dass sie weiß, mit wem sie sprechen kann, wenn es Fragen gibt, die Google nicht beantworten sollte. Niemals mit einem fiebrigen Kind Google befragen: ein Hoch auf die Hebammen.

5.) Die Sache mit der Erstausstattung:

Apropos Google:Was ich wirklich verwirrend finde sind diese Unmengen an Listen, die da kursieren in diesem Internet: Erstausstattung. Alles was Du brauchen kannst, Antje, lass Dich nicht irre machen: Ganz vieles davon brauchst Du nicht. Am Anfang brauchten meine Babys vor allem Liebe und ein bisschen Brust. Weder den Kinderwagen, den ich unbedingt zum Termin schon haben musste, noch die dicken Klamotten für den ersten Ausflug und ganz viel Gimmick habe ich im ersten Jahr bei keines der Kinder gebraucht. Ganz wenig haben wir gebraucht, symbolisch schenke ich Dir hierzu die Babybox von JAKO-O und sag Dir mal schnell, warum ich genau diese ausgewählt habe.

 

Die Babybox enthält:

 

einen Mitwachsbody: der Dir zeigen soll, wie wahnsinnig schnell so ein Baby wächst und Dich daran hindern soll, ganz viel für die erste Zeit zu kaufen. Was mir mitunter echt gelungen ist: natürlich nicht immer. Was ich auch an dem Body mag: er ist geschlechtsneutral, auch nicht immer so einfach.

 

eine Mullwindel: die praktischerweise auch als Spucktuch oder Minidecke fungieren kann und: Unterschätze nie die Wichtigkeit vom Sonnenschutz.

 

einen Stoff-Wichtel: bevor Du wahrscheinlich in Bälde ganz viel Stofftiere erhältst, vieles braucht man ja am Anfang wirklich noch nicht so sehr. Ganz ohne Wichtel sollte so ein Baby auch nicht sein.

Lass Dich nicht zu sehr stressen. Ich freue mich für Dich. Und ich freue mich auf Dein Baby.

 

Für alle anderen: JAKO-O hat mir noch zwei Babyboxen zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Was Ihr dafür tun musst: Benennt eine Freundin, die demnächst Ihr Baby bekommt und gebt Ihr einen hilfreichen oder lustigen Tipp mit auf den Weg. Direkt im Blog oder auf den sozialen Medien (sobald dort sichtbar) Facebook oder auf Instagram: Jeder Kommentar gilt. Gelost wird am 1 Mai um 18 Uhr: Viel Spaß.

 

Das Gewinnspiel ist bereits beendet und die Gewinnerinnen benachrichtigt: Danke fürs Mitmachen.

Elternfragen, Kultur mit Kind

Minimalismus im Kinderzimmer: Eine Expertin gibt Tipps zum Wohnen

Eine kindgerechte und coole Wohnung: ist das tatsächlich möglich? Wie kann Minimalismus bei Kindern funktionieren, und welche Alternativen gibt es eigentlich zu Ikea? In den Elternfragen gibt Verena vom meinem Lieblings-Interior-Blog Hamburg von Innen ein paar Tipps.

 

 

Viele Eltern stehen am Wandel Ihrer Coolness der Wohnung, wenn sie Kinder bekommen: Designermöbel und Bobby Car lassen sich nicht immer gut vereinbaren. Was ist Dein Expertentipp, welche coolen unkaputtbaren Elemente kennst Du? 

 

Verena.

Ich denke, als allererstes sollte man sich als Eltern „locker machen“. Das ist natürlich leicht gesagt, wenn der Eames Lounge Chair 6000€ gekostet hat… Aber ich glaube, es ist wichtig, dass Kinder auch mit solchen Möbeln in Kontakt kommen dürfen und den Respekt und die Wertigkeit verstehen lernen. Und vermutlich sind Designermöbel, die aus hochwertigen Materialien hergestellt wurden, „unkaputtbarer“ als Pressspan.

 

Wir stehen zum Beispiel vor dem Problem das unheimlich viel Kleinkram unser Wohnzimmer bevölkert: Kleine Schleichfiguren, Matchbox-Autos und jede Menge Kinderbücher. Hast Du Tipps für tolle Aufbewahrungsmöglichkeiten?

 

Damit das Wohnzimmer nicht nach KiTa aussieht würde ich immer zu geschlossenen Aufbewahrungsmöglichkeiten raten. Also keine offenen Regale, in die alles einsortiert wird, sondern Schränke oder zumindest geschlossene Boxen oder Körbe, die zum Stil des Wohnzimmers passen.

 

Meine Kinder haben hübsche Kinderzimmer, aber einen leichten Überhang zum Ikea: Was ist Deine Empfehlung zum Aufpimpen der Kinderzimmer ohne Fahrt zum Möbelschweden?

Ikea hat natürlich den großen Vorteil, dass alle Möbel sofort verfügbar und meistens auch erschwinglich sind. Was Design und Individualität angeht gibt es aber sicher bessere Lösungen.

Beispielsweise finden sich bei den Kleinanzeigen online oftmals sehr schöne, alte Massivholzmöbel, die nicht nur sehr dekorativ und hochwertig sind, sondern auch nachhaltiger. Ein einzelner alter Bauernschrank z.B. kann im Kinderzimmer ein ganz anderes Ambiente zaubern und ist obendrein auch noch ein echtes Stauraumwunder!

 

Echtholzoberflächen sind ohnehin ein guter Weg, um Gemütlichkeit und Wertigkeit in einen Raum zu bringen. Verschiedene Texturen und Materialien sind hier der Schlüssel! Samtige Stoffe, Wolle, usw. lockern die meist doch recht glatten Lackoberflächen optisch auf. (Das gilt natürlich nicht nur für’s Kinderzimmer).

Falls es das Budget zu lässt, sind natürlich auch Designklassiker möglich, um dem „schwedischen“ Kinderzimmer etwas mehr Glamour zu verleihen. Dies ist zudem eine schöne Möglichkeit, den Kindern den Umgang mit hochwertigen Einrichtungsgegenständen ganz selbstverständlich beizubringen. (s. Frage 1)

 

Eine Anfrage einer Leserin zum Thema gibt es auch: Wie richte ich ein Zimmer für mehrere Kinder ein, so dass jeder Platz für sich hat?

©Bridgee Melling.

Grundsätzlich sollte sie darauf achten, dass wirklich jedes der Kinder seinen eigenen Rückzugsbereich hat, der auch räumlich abgetrennt ist. Je älter die Kinder sind bzw. je größer der Altersunterschied, desto wichtiger ist das. Dieser jeweilige private Bereich muss dann vom anderen auch respektiert werden.

 

Abhängig von der Raumgeometrie können die Lösungen ganz unterschiedlich aussehen. Manchmal bieten sich Einbaumöbel an, um ein stimmiges Gesamtkonzept zu erreichen und den Raum harmonisch zu gestalten. Hier kann es ratsam sein, einen Experten zu konsultieren. Meistens reicht aber schon eine Raumtrennung in Form eines Möbels, Vorhangs oder Paravents aus.

 

Natürlich sollte es für die Kinder in ihrem Zimmer auch einen größeren gemeinsamen Bereich geben, in dem sie zusammen spielen und toben können.


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Meine ganz persönliche Lieblingsfrage, Du hast die Kategorie „Wohndekoration“: Was ist Dein Tipp, der mit Kindern dekomässig fürs Frühjahr umsetzbar ist?

Oh, das hängt ja sehr von Alter der Kinder ab.

 

Ich bin seit Jahren großer Fan von japanischem Washi-Tape. Das gibt es in allen möglichen Farben und Dekoren und lässt sich leicht wieder ablösen. Damit kannst du mit deinen Kindern wunderbare Kunstwerke an die Wände zaubern, ganz ohne Farbgekleckse und Klebergematsche.

 

Und wenn ihr euch an euren Werken sattgesehen habt, könnt ihr sie einfach wieder entfernen und was Neues erschaffen.

 

Vielen lieben Dank, Verena. 

 

Wenn Euch das Thema interessiert: Jette hat mir in den Familienrollen erzählt, wie sie als sechsköpfige Familie auf 60 Quadratmeter wohnen kann.

 

Dieser Artikel enthält einen Amazon-Link: Wenn Du darüber ein Produkt kaufst, erhalte ich ein paar Cent, teurer wird es für Dich nicht.

Familienrollen, Kultur mit Kind, Nachgefragt, Unterwegs

Bloggen aus Kambodscha: „Da steht man inmitten von kleinen Kindern, die noch nie eine weiße Frau gesehen haben, mit einem schweineteuren Smartphone und filmt. Ich hab mich so schlecht gefühlt und geschämt, für das was ich habe.“

Leonie (Bloggerin auf dem hübschen Blog Minimenschlein.de) war als Botschafterin 10 Tage in einem Kinderdorf in Kambodscha: Was das bedeutet, was sie gelernt hat und welche Gedanken sie nun immer begleiten, das hat sie mir im Familienrollen-Interview verraten. 

 

Du warst als Botschafterin in einem Kinderdorf in Kambodscha: Mit welchen Gefühlen und Gedanken bist Du dort hingefahren? 

In erster Linie war ich anfangs einfach nur aufgeregt und hatte mich vor der Reise viel mit organisatorischen Fragen beschäftigt. Die Sache ist die: Ich war zuvor noch nie in Asien gewesen. Dann kam Anfangs letzten Jahres die Frage von AMIGO Spiele, ob ich mir eine Reise in ein Kinderdorf vorstellen könnte. AMIGO selbst engagiert sich seit Jahren für CFI Kinderhilfe, die als Partnerorganisation das Kinderdorf unterstützen. Doch kleine Hilfsorganisationen ohne Werbeetats haben natürlich weniger Aufmerksamkeit als die ganz Großen. AMIGO Spiele kam für meine Reisekosten auf, ich wiederum berichtete dann auf meinem Blog und in den Instagram Stories jeden Tag.

 

Es ist eben so ein Ding, wenn du noch nie in Asien warst: Anfangs beschäftigst du dich mit so banalen Dingen wie Wetter, welches Gepäck, wie viel Gepäck, welche Kleidungsstücke, Impfungen und so weiter. Auf meinem Flug nach Kambodscha, als alles organisatorische geregelt war, kamen dann die essentiellen Fragen: Wie werden die Kinder auf mich reagieren? Werden sie überhaupt reagieren? Besteht die Möglichkeit, auch eine Nähe aufzubauen? Ich hatte keine Ahnung, wie es werden würde. Und was ich dann erlebt habe, hat mir den Boden unter den Füßen weg gerissen.

 

Für ein paar Wochen vor Ort: Was war Deine Aufgabe in Kambodscha in Theorie und Praxis?

In erster Linie war meine Aufgabe, oder vielmehr mein Wunsch, nah und ehrlich zu berichten, wie es eigentlich so ist, in einem Kinderdorf. Natürlich habe ich auch Ecken von Kambodscha außerhalb des Kinderdorfes gesehen. Ich habe also innerhalb eines sehr armen Landes binnen weniger Stunden erlebt, wie es sich arm und wie es sich sehr arm lebt.

Was waren die prägendsten Erlebnisse in Deiner Zeit in Kambodscha?

Es gab sehr viele sehr prägenden Momente. Die große Armut des Landes, die hat mich ziemlich fertig gemacht. Zu sehen, wie kleine Kinder stundenlang am Straßenrand sitzen, im Dreck spielen. Dass viele Kinder in kleinen Dörfern so arm leben, dass sie stark mangelernährt sind. Dass sie niemals Zugang zu Bildung haben werden, weil ihre Eltern noch nicht mal einen Dollar am Tag zur Verfügung haben. Diese Kinder mit kaputten Zähnen und gesträhntem Haar – aufgrund ihres immensen Proteinmangels – , gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Das waren Momente, da wollte ich einfach nur meinen Tränen freien Lauf lassen.

 

Da steht man inmitten von kleinen Kindern, die noch nie eine weiße Frau gesehen haben, mit einem schweineteuren Smartphone und filmt. Ich hab mich so schlecht gefühlt und geschämt, für das was ich habe.

 

Abends saßen wir immer in der Gruppe zusammen, die Mädels von CFI Kinderhilfe, die andren Botschafter und Andi von AMIGO spielen. Unsere zentrale Frage in den Gesprächen war jeden Abend: Wie können wir alle zuhause so weitermachen, wie bisher nach dem, was wir hier gesehen haben?
Nach ein paar Tagen wurde mir bewusst: Erstens, ich muss diese Scham ablegen. Denn nur, wenn ich mit meinem Blog und meinen Videos bei Instagram in die Welt trage, was hier geschieht, kann ich auch etwas bewegen. Ich MUSS auf die Situation der Kinder in Kambodscha aufmerksam machen.

 

Nun, und dann gab es natürlich auch prägende Erlebnisse, die mich nachhaltig positiv bewegt haben. Und die spielten sich eben im Kinderdorf ab. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, was mit Spenden möglich ist. 400 Kindern wird im Kinderdorf „Light Of Hope“ die Chance auf Bildung gegeben, mit Kindergärten und einer Vorschule. Diese Kinder haben einfach eine Chance auf Leben. Gesundes Essen, das auf dem Gelände direkt angebaut wird und sehr sehr liebevolle Lehrer und Pflege-Eltern. Fast alle Lehrer, die hier arbeiten, waren selbst als Kind in diesem Kinderdorf. Sie konnten in der Hauptstadt studieren und kehrten zurück, um ihr Erlerntes zurück zu geben. Sie sind sehr dankbar, weil sie wissen, dass ohne Spendengelder das alles nicht zu wuppen wäre und haben keinen größeren Wunsch, als das Glück, welches ihnen widerfahren ist, zurück zu geben. Mit diesen Leuten zu sprechen war sehr beeindruckend für mich. Zu sehen, wie sie mit den Kindern umgehen, sie an die Hand nehmen, sie trösten und mit ihnen beim Spiel lachen. Da wusste ich: Es ist wichtig, diese Seite auch zu zeigen. Zu zeigen – Leute, schaut her, was man mit kleinen Spenden großes Bewirken kann!

Denn alle Kinder, die im Kinderdorf leben, haben ihre Eltern verloren. Viele haben die eigenen Eltern sterben sehen, fast alle unter ihnen haben schwere Traumas.

 

Nun hast Du dort viele Menschen getroffen, bist dort auch noch krank geworden: Wie begegnete man Dir dort?

 

Ich hatte eine Infektion im linken Bein und bemerkte immer mal wieder, dass der linke Fuß immer dicker wurde. Zwei Tage vor unserer Abreise schwoll dann mein Bein samt Fuß so dermaßen an, dass wir zu einem lokalen Arzt fuhren. Der sprach wenig englisch und war sich recht unsicher in allem. Er gab mir ein Antibiotika auf das ich kurze Zeit später heftig reagierte. An diesem Tag lag ich in unserer Unterkunft während die anderen unserer Gruppe im Kinderdorf waren. Obwohl ich lag, hatte ich das Gefühl, jederzeit in Ohnmacht zu fallen. In unserer Unterkunft bat ich dann um einen Krankenwagen. DRINGEND! Die hochschwangere Kambodschanerin, die auch nur etwas englisch sprach, gab mir zu verstehen: Es gibt keine Krankenwagen. Nirgendwo. Die einzige Chance die wir hatten: Drei Stunden zurück in die Hauptstadt zu fahren. Das haben wir dann getan. Sherree, die Leiterin des Kinderdorfs, und Andi von AMIGO begleiteten mich.

 

Wir kamen erst am frühen Abend in der Hauptstadt an. Da fragte mich Sherree: Kannst du es dir leisten, das wir in eine private Klinik fahren oder sollen wir in ein städtisches Krankenhaus? Ich hatte mehrere Kreditkarten dabei, auch die meines Mannes, weil ich zuvor auf anderen Blogs gelesen hatte, dass man mindestens zwei verschiedene Karten dabei haben sollte. Und natürlich sagte ich: Es ist mir egal, was es kostet. Ich hatte riesengroße Angst, weil ich einfach auch ultrastarke Schmerzen hatte. Ich wollte einfach nur zurück zu meinen Kindern.

 

Mit meinem Hausarzt war ich parallel ein Kontakt. Das war schwierig, weil er sich ja in einer anderen Zeitzone befand. Ich schrieb ihm Tag und Nacht und gab ihm durch, was die Ärzte hier empfahlen. Dann segnete er ab oder verneinte. Nach diesem Tag im Krankenhaus bekam ich dann noch eine Ohreninfektion. Ein Tag, bevor wir zurück fliegen sollten. Die ganze Nacht über schrieb ich E-Mails mit dem Malteser-Hilfsdienst, auch, um mich abzusichern: Ein Langstreckenflug mit Infektion im Bein und dann auch noch eine Ohrenentzündung? Wie sollte das gehen?

 

Am nächsten Morgen fuhr ich wieder zurück in diese Privatklinik und man gab mir weitere starke Medikamente, die etwa zwei Stunden vor dem Rückflug gut anschlugen. Die anderen aus unserer Gruppe reisten alle nach Frankfurt zurück und flogen zusammen. Ich hatte eine spätere Maschine allein, und dann auch noch mit Umweg über Dubai. Etwa 18 Stunden war ich unterwegs, reine Flugzeit. Meine Freundin Jassi hatte sich alle meine Stories angesehen und ahnte, wie es mir geht. Sie ist Reisejournalistin und kennt sich gut aus. Sie befahl mir: Du gehst jetzt an den Schalter deiner Fluggesellschaft, zeigst deine Krankenakte und bestehst auf einen guten Platz im Flieger und darauf, dass du immer genug zu Trinken bekommst. Das tat ich und es klappte. Vor den 18 Stunden Flug besann ich mich. Ich wusste, ich musste nun ganz ruhig werden. Ich musste meine ganzen Ängste jetzt ablegen, sonst würde ich diesen Flug – emotional – nicht überstehen. Ich hatte einfach so viel gesehen in diesen Tagen, so viel Leid und auch mal Glück, irgendwie war alles zu viel.

 

Auf Deinem Blog hattest Du geschrieben, dass Dir ein Arzt im Nachgang erklärt habe, Du könntest so auch nicht die Welt retten. Wie waren die sonstigen Reaktionen auf Deine Zeit in Kambodscha? 

 

Leonie mit dem Schuldirektor.

Ja genau, meine Ohrenentzündung kam ein paar Wochen später zurück und wurde zur Gehörgangs- und Trommelfellentzündung. Ich saß an Weihnachten damit beim Notdienst und dieser Arzt fragte, seit wann ich die Beschwerden habe. Ich erzählte ihm, dass sie in Kambodscha anfingen und so kamen wir ins Gespräch. Auf meine Ausführung in Bezug auf Kambodscha sagte er: „Ihnen ist aber schon bewusst, dass Sie nicht die ganze Welt retten können, oder?“ Das hat mich sehr verletzt. Ich möchte nicht die ganze Welt retten. Ich kann es gar nicht. Das ist und war nicht mein Ziel. Aber ich kann, und das können wir alle, mit kleinen Mitteln und ein paar Spenden KINDERLEBEN retten!

 

Viele Leute sehen das nicht, sie sehen nur sich und ihr Leben. Ich kann es nicht verstehen, aber muss es respektieren. In meinem direkten Umfeld gingen die Meinungen natürlich auch auseinander. Von „muss das denn unbedingt sein mit Kambodscha“, bis hin zu „da fährst du aber nie wieder hin!“, war und ist alles dabei. Für mich ist und war es aber wichtig. Ich wollte diese Erfahrung! Ich wollte sehen, ob und wie Spendengelder am anderen Ende der Welt eingesetzt werden. Und ich wollte unbedingt auch die Reichweite meines Blog nutzen, um darauf aufmerksam zu machen.

In der Zeit meiner Reise bekam ich zwischen 200 und 400 private Nachrichten, allein bei Instagram. Fast alle habe ich an den Abenden oder mal zwischendurch beantwortet. Diese Rückmeldung von Followern und Lesern hat mir gezeigt, dass es auch für andere relevant ist, was ich tue.

 

Was hat sich in Deinem Alltag durch die Erfahrungen in Kambodscha nun geändert?

 

Das erste, was ich getan habe: Eine Patenschaft für ein Kind abgeschlossen. Es sind 37 Euro im Monat, mit denen ich einem Kind dort Schule, also Bildung, Kleidung und gesundes Essen ermöglichen kann. 37 Euro sind nicht für jede Familie möglich aber für viele. Die ersten Tage und Wochen war ich wahnsinnig durch den Wind. Ich habe Kambodscha sehr vermisst. Ich wollte plötzlich zurück und noch mehr tun und überhaupt. Ich glaube, in dieser Zeit hat sich mein Mann sehr um mich gesorgt. Diese Reise hat mich verändert, sie hat viel mit mir gemacht – in allen Bereichen. Sie hat mir aber auch und vor allem gelehrt, dass ich mich nicht schämen muss für das Leben, dass ich hier führe. Ich muss mich höchstens dann schämen, wenn’s mir saugut geht und ich mit meinem Wissen und dem, was ich dort gesehen habe, NICHTS für die tue, denen es schlechter geht. Ich spende, ich habe eine Patenschaft und darf nun als ehrenamtliche Botschafterin immer wieder schöne Dinge mit CFI Kinderhilfe umsetzen. Das bedeutet mir sehr, sehr viel.

 

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Leonie. 

 

Falls Ihr Euch für das Leben im Kinderdorf interessiert, ist bestimmt das Interview mit zwei Jugendlichen aus einem Berliner Kinderdorf für Euch lesenswert.

 

Falls Ihr noch mehr über Leonie erfahren wollt: In einem Familienrollen-Interview hat sie bereits über ihre Patchwork-Familie gesprochen.

Elternfragen, Kaffeehauskultur, Kultur mit Kind, Nachgefragt, Unterwegs

Hannover: Highlights mit Kind

In fremden Städten fühle ich mich am besten aufgehoben, wenn mir jemand Tipps gibt, der genau dort wohnt, wo ich Urlaub machen will.  Deshalb geht es nun in den Elternfragen immer mal wieder um „Kultur mit Kind“, wie hole ich das Beste aus einem Kurzbesuch heraus. Den Anfang macht Saskia von liniert-kariert.de, die uns ihre Stadt vorstellt: Hannover. 

 

 

 Eine vierköpfige Familie ist für 24 Stunden in Hannover: Welche touristischen Stationen müssen sein?

Hannovers Altstadt.

24 Stunden sind entschieden zu kurz für einen Familienausflug nach Hannover. Aber unabhängig davon gibt es für Familien hier eine Menge zu entdecken. Da Cafes, Einkaufsmöglichkeiten und Museen anschließend genauer vorgestellt werden, gebe ich hier mal eine kleine Liste von hannovers familiären HotSpots.

Erlebniszoo Hannover (sehr schön, aber leider auch sehr teuer)
SeaLife
Tiergarten
– Maschsee (inklusive Bootsfahrten)
– Stadtrundfahrt (bei den Kopfhörern gibt es einen extra Kanal für Kinder)
– Herrenhäuser Gärten
– „der rote Faden“ (eine auf dem Boden gekennzeichnete Strecke, die an vielen wichtigen Sehenswürdigkeiten Hannovers vorbeiführt)
– Hannovers Altstadt

Extra aufführen möchte ich einige der unzähligen schönen Spielplätze, die Hannover zu bieten hat:

– Sonnenspielplatz (besonders im Sommer)
– WAKITU
– Spielpark Vahrenwald
– Spielpark Tiefenriede
– Hexenspielplatz

 

Kaffee und Kuchen, oder Nudeln für die ganze Familie: Welche kulinarischen Highlights in Hannover kannst Du empfehlen?

 

Cupcakes am Bertha von Suttner Platz.

Oh, das ist schwer, denn die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Und ich selbst könnte eine lange Reihe von Lieblingsrestaurants und Cafés nennen. Aber für Familien bietet sich sicherlich besonders „das rockzipfel“ ein. Ein Cafe speziell für Familien. Es ist absolut süß eingerichtet und hat eine sehr durchdachte Auswahl von Produkten.

Auch das Cafe Yunana ist besonders kinderfreundlich. Das Frühstück ist absolut empfehlenswert. Es liegt nahe dem Fiedelerplatz. Eine Gegend, die vor allem im Sommer für Familien eine gute Adresse ist.

 

 

Hannover und Museen: Welches ist mit Kindern besonders toll?

 

Maschsee.

Hannover hat bereits seit Jahren ein eigenes Kindermuseum. Seit 2014 hat das Kindermuseum Zinnober auch eine feste Adresse. Dort kann man auf überschaubarem und wunderschön gestaltetem Raum viel selbst ausprobieren. Besonders schön finde ich, dass z.B. Flüchtlinge freien Eintritt erhalten.

Ein weiteres Museum, das meine Kinder lieben, ist das Landesmuseum. Es ist bereits für meine Einjährige spannend, denn die ständige Ausstellung beginnt mit diversen Aquarien. Mein Großer erfreut sich eher an den Dinoskeletten. Das Museum liegt sehr zentral und ist preislich günstig. Das finde ich durchaus wichtig, denn gerade mit kleinen Kindern halten ja oft nicht mehrere Stunden durch. Es gibt auch ein kleines Cafe, in dem man wirklich gutes Essen und Trinken genießen kann.

Älteren Kindern könnte das Museum für Energiegeschichte(n) gefallen. Unsere Kinder wachsen in einer stark technisierten Welt auf. Ihre Entwicklung und die Hintergründe, sowie zum Teil kuriosen Erfindungen, kennenzulernen, ist nicht verkehrt. Meinen Schulklassen gefiel es dort immer gut.

Soweit zu dieser Auswahl. Es gibt nämlich noch viele weitere…

 

 

Shoppen als Familie: Wo lohnt sich ein Besuch?

Na, das ist ja mein Thema. Ich persönliche empfinde Hannover shoppingtechnisch als sehr familienfreundlich. Ich gebe mal eine kleine Auswahl:

Die Lister Meile liegt nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt und ist daher gut zu erreichen. Sie bietet viele Lädchen (für Groß und Klein) jenseits der großen Ketten. Unter anderem für Kinderbekleidung und Spielzeug. Hier fahren keine Autos und die Kinder können sich etwas freier bewegen. In einer Seitenstraße befindet sich direkt ein kleiner Spielplatz und Hannovers Kindercafe „das rockzipfel“.

In Linden findet man die Limmerstraße. Ebenfalls eine Einkaufsmeile mit Läden abseits des Mainstreams. In den unzähligen Seitenstraßen gibt es zusätzlich viele süße Geschäfte mit Kinderkleidung oder Einrichtungsgegenständen.

Wir selbst sind überwiegend in der Südstadt unterwegs. Am Bertha-von-Suttner-Platz gibt es einen wunderschönen und vom Verkehr abgegrenzten Spielplatz. Drumherum, also in direkter Sichtweite, befinden sich ein Spielzeuggeschäft, ein Secondhand-Laden für Kinder und ein weiterer für Große, ein Laden mit schönen Einrichtungsdingen in skandinavischem Stil und ein tolles Cafe/Restaurant mit sehr guten (und gehaltvollen) Cupcakes.

Außerdem findet man in der Südstadt die Buchhandlung „Cruises“. Sie ist Hannovers älteste Buchhandlung. Sie hat ein zusätzliches kleines Geschäft (auch an der Hildesheimer Straße) ausschließlich für Kinder- und Jugendbücher aufgemacht. Und psst, gleich nebenan gibt es eine wirklich süße Kinderboutique.

 

Pst, und nun: Wie kinderfreundlich ist Hannover wirklich?

Ich habe lange mit dem Umzug hierher gehadert. Ich kannte von dieser Stadt nicht viel. Nur, dass sie weder für Lifestyle, Schönheit noch Sicherheit bekannt ist.

Aber mit jedem Tag verliebe ich mich ein bisschen mehr. Es gibt so unfassbar viele wunderschöne Ecken und Viertel hier. Natürlich auch ein paar weniger schöne, aber ganz ehrlich, welche Stadt hat das nicht? Die Stadt ist überschaubar und bereits mein Dreijähriger kann sich gut orientieren. Vieles ist problemlos und schnell mit dem Fahrrad zu erreichen.

Ich persönlich empfinde die Stadt als überwiegend kinderfreundlich. Es gibt eine Vielzahl an Spielplätzen, unglaublich viel Grünfläche, Parks und einen riesigen Stadtwald. Die Auswahl an Sportvereinen ist groß. Durch den Maschsee auch im Bereich des Wassersports.

Ein nicht unwichtiges Manko sind einige der alten Stadtbahnen. Sie haben nur einen großen Eingang für Kinderwagen und sind prinzipiell sehr eng. Es klappt, aber ist nicht sehr komfortabel. In den neuen Bahnen gibt es dieses Problem nicht mehr. Abgesehen davon ist Hannover gut mit dem Kinderwagen zu bestaunen.

Ein paar strukturelle Schwierigkeiten gibt es hier, ebenso wie derzeit in vielen Städten. Zum Beispiel im Bereich der Geburtsversorgung und der Kinderbetreuung. Auch bei uns macht sich der Hebammenmangel und die negativen Arbeitsbedingungen bemerkbar. Geburtststationen werden geschlossenen und schwangere Frauen im Ernstfall von A nach B nach C geschickt.
Während die Vergabe von Kitaplätzen relativ sicher und gut verläuft, gibt es doch einen erheblichen Mangel an Betreuungsplätzen für 1-3-Jährige. Allerdings muss ich wirklich sagen, dass die zuständigen Stellen hier sehr kooperativ sind und sich engagiert kümmern. Und im Übrigen werden hier ab nächstem Jahr alle städtische KiTas kostenlos.
Diese Probleme sind aber natürlich nicht hannoverspezifisch, sondern ein übergeordnetes Problem. Ich selbst lebe mit meinen Kindern mehr als gern hier. Wir fühlen uns sehr wohl.

 

Vielen Dank, Saskia. 

 

Ihr liebt Eure Stadt auch sehr und wollt zeigen, was man dort alles erleben kann? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

Kultur mit Kind

Familienvater mit Depressionen: “ Ich schäme mich nicht dafür, dass ich ein Mann bin, der auch mal einen Arm braucht, der ihn hält.“

Markus kann gut mit Sprache umgehen, er wirkt recht empathisch und hat einen kleinen Sohn: Außerdem hat er auch noch Depressionen. Über sein Leben als „Depressionist“  bloggt er auf verbockt.com und in den Familienrollen erzählt er, was das Bloggen in ihm auslöst, was er macht, wenn ihm die Depression beim Familienleben in die Quere kommt und wie andere bei Depressionen helfen können. 

 

Du hast Depressionen, das vereint Dich mit vielen Leuten. Was allerdings nicht jeder macht: Du sprichst drüber. Wie kam es dazu?

 

Wissentlich habe ich seit circa 20 Jahren immer wieder depressive Episoden. Wahrgenommen habe ich das für mich aber in dem Rahmen nicht. Ich habe nur immer gemerkt, dass etwas mit mir nicht stimmt, wenn ich plötzlich zu nichts mehr Lust hatte, der Antrieb komplett weg war und ich kaum noch rausgehen konnte. Das Thema Depressionen kam das erste Mal auf, als ich 2009 in meiner zweiten Ausbildung war und mein damaliger Chef mich darauf angesprochen hat, dass doch mit mir was nicht stimmt. Ich würde zwar meinen Job gut machen, aber ich rede nicht mehr, ich lache nicht mehr und ich würde konsequent die Berufsschule schwänzen. Er hat mir den Hinweis gegeben, ich soll doch mal zum Hausarzt damit gehen. So bin ich am Ende zu meiner ersten Therapie gekommen.

 

2013 war ich nach einer zweiten Therapie und zwei abgebrochenen Therapien 16 Wochen in der Tagesklinik. Ich habe vorher schon meine Freunde informiert und eine lange Mail geschrieben, aber ich wollte sie mehr teilhaben lassen und habe den Blog unter einem Pseudonym am 01.05,2013 gestartet. Sie sollten lesen können, wie es mir geht, was mich bewegt und wie ich lebe. Ich wollte mich nicht mehr verstecken. Ein anonymes öffentliches Tagebuch. Das hat aber nicht lange gehalten. Es fühlte sich wieder wie verstecken an, wenn ich das nicht mit meinem Namen mache. Drei Blogbeiträge später wurde es „Herr Bock // Depressionist“. Ich nutze die sozialen Medien auch heute noch vorrangig nur, um meinem Kopf Entspannung zu verschaffen. Mein Blog ist mein Tagebuch, wo ich niemandem irgendwelchen Content abliefern muss. In den fast fünf Jahren habe ich aber verstanden, was ich mit meiner meiner Stimme und dem Schreiben bewirken kann. Für mich selbst, für andere und in der Gesellschaft. Aus meiner Not wurde eine Tugend. Und ich finde es einfach nur wichtig, dass wir über diese Thematik sprechen. Jeder aus seiner Sicht, mit seinen Auslösern, mit seinen Erfahrung. Die Krankheit und psychische Erkrankungen sind vielfältig.

 

 

Du bloggst, schreibst, podcast und twitterst über Dein Leben: Welche Dinge begegnen Dir?

 

Ehrlich? Bis jetzt ist mir auf jeden Fall nicht viel Negatives passiert. Es gibt keinen Bereich, in dem ich nicht damit konfrontiert werde. Das Thema gehört zu mir und es gibt kein Tabu. Gab es auch bei der Arbeit und bei Vorstellungsgesprächen nicht. Ich geh den Weg für mich ganz oder gar nicht. Das macht es sicher nicht immer einfacher, aber es ist der richtige Weg. Zumindest für mich. Ich empfehle keine Offenheit, das muss jeder selbst entscheiden. Mir begegnen viele tolle Dinge. Menschen, die sich in meinen Worten auch erkennen und diese an Bekannte, Partner, Freunde, Familie weitergeben, ohne sie selbst aussprechen zu müssen. Menschen, denen ich eine Stimme gebe, weil sie die Worte nicht finden. Auch Menschen, die sich damit nicht alleine fühlen. Leseabende sind da immer sehr bewegende Momente.

 

Da auch mal Rückmeldungen von Fachleuten, die sich für die tiefen Einblicke bedanken, weil ihre Patienten nicht mal so offen sind. Ich erreiche auch viele Angehörige, die einen anderen Blick und Bewusstsein für „ihre Liebe“ schaffen. Ich erreiche Menschen, die in Therapien sind, aber jetzt merken, dass sie die wirklich wichtigen Themen noch gar nicht angesprochen haben. Vor allem begegne ich aber mir. Ich stelle mich mit meinem Handeln meinen Ängsten, habe Mut, probiere mich aus und vertraue auf mein Können. Ich finde mit all dem auch einen Weg zu mir. In Gesprächen gibt es auch oft Anregungen für mich, die mich länger beschäftigen.

 

 

Wenn Du von Deiner eigenen Kindheit sprichst, wirkt es sehr traurig, wie Du darüber twitterst, dass Du gehofft hast, doch noch einmal bekuschelt zu werden, vorm Einschlafen. Selbst schreibst Du“ Ich ein ein erwachsenes Kind aus einer alkoholkranken Familie“: Wie ist der Kontakt zu Deiner Ursprungsfamilie heute? 

 

Ach herrje. Ja, es klingt traurig. Ich habe aber meiner Kindheit und meinen Eltern vergeben. Sie haben über zu lange Zeit zu viel Alkohol getrunken. Das prägt. Es prägt dich auch, wenn du ständig lügen musst oder Mist machen musst, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Da spielt sich dann eben das Programm auf der Festplatte im Kopf falsch auf. Sie haben zwar versucht, sich im Rahmen der Möglichkeiten um mich zu kümmern und haben auch viel möglich gemacht, aber dennoch gab es die Alkoholprobleme.

 

Wenn du als 16jähriger zu den anonymen Alkoholikern gehst, damit du Hilfe und Informationen bekommst, dann ist was. Ja, da bleibt auch Liebe und Geborgenheit auf der Strecke. Und wenn ich dann immer nur Ärger bekomme, weil ich Mist machen muss, dann ist das nicht hilfreich. Mein Leben lang war ich auf der Suche nach Liebe, Anerkennung, Wertschätzung, Nähe, Vertrauen, Geborgenheit. Bekommen habe ich sie nicht. Bekommen habe ich die emotionale Erpressung, Erwartungen und das Gefühl, nie irgendwas zu schaffen oder richtig zu machen. Aus der Spirale komm dann mal raus. Ich habe seit Jahren den Kontakt abbrechen wollen, habe Gespräche gesucht, Briefe geschrieben, mich erklärt, aber geklappt hat das auch nicht. Zu groß war der Wunsch nach dem einen Mal: „Markus, wir sind stolz auf dich.“ Das kam nicht mal bei der Geburt meines Sohnes.

Der Kontakt heute ist weg. Meine Mutter hat hier den Anrufbeantworter terrorisiert mit Vorwürfen und aberwitzigen Aussagen, dass ich hinfahren musste und ein für alle Mal Klarheit schaffen musste. Irgendjemand hat ihr meinen Blog ausgedruckt. Das Ergebnis? Hier: http://verbockt.com/2017/05/spieglein-spieglein/

Es gab auch noch zwei Vorfälle im Nachhinein, die einfach nur bestätigen, dass dieser Weg gut und richtig war. Ich bin frei und erwachsen geworden. Ja, manchmal suche ich noch die Nähe und Geborgenheit. Nur diesmal gesünder und vernünftiger.

 

Ich schäme mich nicht dafür, dass ich ein Mann bin, der auch mal einen Arm braucht, der ihn hält. Der wichtigste Halt – meine Omma – ist leider Ende Februar verstorben. Jetzt bin ich für mich allein und muss endgültig den Schritt machen, mir das zu geben, was ich so sehr gebraucht habe. Auch da zeigen die Reaktionen, dass es viele Menschen gibt, die durch irgendwelche Umstände keine so wundervoll behütete Kindheit hatten – oder eine sehr beschissene Kindheit. Es zeigt aber auch, dass wir immer noch Kinder sind und den Wunsch nach der Nähe haben.

 

 

Seit zwei Jahren bist Du selbst Vater: Wie häufig kommt Dir dabei Deine Krankheit in die Quere und wie gehst Du damit um?

 

Die kam mir in 2 1/2 Jahren nur ein Mal in die Quere. Ich konnte damit überhaupt nicht umgehen. Ich hatte 3 Wochen, wo ich kaum für meinen Sohn dasein konnte und es hat mich zu allen den anderen Dingen wahnsinnig gemacht. Ich war immer stolz darauf, dass mir das eben nicht passiert. Und dann doch. Es war wichtig. So haben wir hier als Familie doch funktioniert, weil meine Frau viel übernommen hat. Nicht alles, aber sehr viel.

 

Die Herausforderung ist, mich nicht komplett abzunabeln und zu verstecken, sondern mich auf meinen Sohn einzulassen. Ich weiß, wie viel es mir bringt, wenn ich mich auf sein Spielen, Reden, Lachen, Toben einlasse. Rückzug war die denkbar schlechteste Option, als bin ich präsent geblieben und habe jeden Tag damit gekämpft, die Gedanken abzustellen, dass ich kein guter Vater bin.

 

Die größte Herausforderung war und ist die Offenheit. Wie viel sagen wir? Was sagen wir? Am Ende gibt es nur eine Antwort: alles. Keine Geheimnisse. Wir sprechen darüber. Nur so kann er verstehen, was passiert, wenn es mir mal nicht gut geht. Und wir vermitteln es auch so, dass er nicht einmal Schuldgefühle haben muss. Ansonsten habe ich ein gesunde Stabilität entwickelt und ich möchte auch einfach nicht, dass mir die Krankheit bei ihm in die Quere kommt.

 

 

Depression: Was sagst Du, woran erkennt man eine Depression an sich selbst und an anderen. Und vor allem: Wie kann man helfen? 

 

Ich kann dir leider keine generalisierte Antwort geben. Hellhörig sollte man werden, wenn Menschen sich plötzlich zurückziehen, ihren Hobbys nicht mehr nachgehen, Gespräche aufs Wesentliche beschränken oder gar nichts mehr sagen. Das Ganze sollte länger als 2 Wochen gehen, dann wären Gespräche auf jeden Fall angebracht.

 

Die beste Hilfe: Reden. Angebote machen. Nicht weglaufen. Nicht in Ruhe lassen. Nicht bewerten, verurteilen, Arbeiten abnehmen, klein reden oder ähnliches. Ernst nehmen und respektieren. Das ist das A und O. Unterstützen und Angebote machen. Statt Nachrichten zu schreiben, einfach mal anrufen oder wieder hingehen. Und nicht locker lassen.

 

Manche Angebote klappen erst nach dem zweiten oder dritten Mal. Betroffene wünschen sich die Hilfe, aber es ist ihnen auch peinlich, diese anzunehmen, weil sie auch erstmal eingestehen müssen, dass sie bestimmte Teile gerade nicht können. Und wer macht das schon gerne? „Ach, ich kann im Moment nicht aufstehen, kann nicht duschen, schaffe den Haushalt nicht, kann nicht einkaufen, bitte hilf mir.“ Wer sagt das so? Fast niemand. Wenn überhaupt wer. Angebote zur Unterstützung machen. Das hilft.

 

Auch Angebote für das Wahrnehmen von Hilfen. Therapien, Notfallambulanzen, Selbsthilfegruppen, Kliniken, Tagesstätten, Mailberatung, Telefonseelsorge, Therapeuten. Nicht vorschreiben, sondern anbieten, mit hinzugehen. Stellen raussuchen, sich selbst informieren – aber! nicht mit Wissen prahlen, sondern einfach aufnehmen. Oder auch mal selbst zu einer Gruppe für Angehörige gehen, Menschen mit Blogs anschreiben – die meisten geben bereitwillig Auskunft, für beide Seiten.

 

Vielen lieben Dank für den Einblick in Dein Leben.

 

Ihr habt auch ein Thema das Ihr in den Familienrollen mal behandelt haben möchtet? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com

Äpfel
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Gezogener Apfelstrudel: Rezept aus dem Workshop

Dem geneigten Leser wird hier nicht entgangen sein, dass es sich bei uns um eine sehr kuchenaffine Familie handelt: Auch wenn ich seit dem Abstillen nicht mehr täglich Kuchen brauche, ganz wegzudenken ist er nicht. (Nicht nur) Mehlspeisentechnisch fühl ich mich Österreich sehr verbunden, deshalb nun also ein Apfelstrudel-Workshop.

 

Ja, so etwas kann man in Berlin tatsächlich machen. Rita, dialektfreie Österreicherin – sowas gibt es wirklich,  bietet das in ihrem Strudelka im Wedding an: In nur drei Stunden fabrizieren wir also unseren ersten eigenen Strudel.  Erstaunlich fand ich, dass fast jeder davon träumt mit seinem Backwerk fotografiert zu werden und dass auch der eigene Strudel sogleich gut schmeckt.

 

Hier habe ich mal in sechs Schritten aufgeschrieben, wie so ein Strudel gelingen kann. Die Zutaten gelten immer für zwei bis drei Strudel. (Einfrierfaktor)

Gezogener Apfelstrudel: das Rezept

 

1.) Die Zutaten vom Teig:

Man nehme 200 Gramm feines Mehl, ein Achterl handwarmes Wasser, ein bis zwei Esslöffel Öl, einen Essöffel Apfelessig und eine Prise Salz und vermischt das in einer Schüssel.

 

2.) Der meditative Teil:

Dann wird der Teig geknetet und geschlagen: und das ganze zwanzig Minuten lang. Wie irre, dachte ich. Wie entspannend, merkte ich. Zwanzig Minuten, die man sich hingebungsvoll dem Teig widmet: Fand ich super.

Der Teig wird zu einem Laiberl geformt und darf mit ein wenig Öl gut zugedeckt 30 bis 60 Minuten rasten.

 

3.) Die Fülle vom Apfelstrudel:

Man nehme 1kg möglichst sauer und fest, Saft einer Zitrone, wieder einen Esslöffel Apfelessig, ein bis zwei Esslöffel Zucker, einen Esslöffel Vanillezucker, einen halben Esslöffel Zimt und eine Prise Salz.

Außerdem ca. 100 Gramm Semmelbrösel, ca. 80 Gramm Butter für die Brösel und zwei Esslöffel Zucker für die Brösel und für später ca. 80 Gramm Butter zum Bestreichen.

 

Während der Strudelteig vor sich hin rastet, werden die Äpfel im Ganzen geschält und bei der Gurkenvariante des Schälers verkleinert. Zitronensaft, Essig, Zucker, Vanille, Salz und Zimt werden beigemengt und abgeschmeckt: Es sollte nicht zu süß schmecken.

 

Die Butter wird für die Brösel geschmolzen, Brösel mit Zucker und Zimt darin goldig geröstet.

 

4. ) Gezogen wie ein Strudelteig:

 

Der Strudelteig darf aus seiner Schüssel raus und wird gezogen: Ähnlich meditativ, aber schon mit größerem Risiko. Der Moment, wo sich so ein Workshop für den Apfelstrudel definitiv lohnt: Ich hab mich immer gefreut, wenn die Kursleiterin zur Begutachtung vorbei kam. Ärmel hoch bis zum Ellbogen, alles mit Mehlbestäuben und dann geht es los: Der Strudelteig wird gezogen und die scheinbar wichtigste Regel lautet: Bloß nicht die Krallen ausfahren. Auf einem Geschirrtuch wird der fertige Teig abgelegt. Abgelegt wird er auch immer vorher, wenn er zu reißen droht und im Idealfall sieht man die Karos durchschimmern.

 

5.) Die Befüllung vom Apfelstrudel:

Der fertige ausgezogene Strudelteig wird mit der flüssigen Butter bestrichen, und zwei Drittel der Fläche werden mit Bröseln belegt und darauf kommt die Apfelfülle. Anschließend werden die Ecken eingeklappt und das Ding wird gerollt und darf in den Ofen. Bei 180 Grad wird er goldbraun gebraten.

6.) Essenszeit:

 

Mit Puderzucker bestäubt und mit einem Klacks Schlagobers habe ich nach diesem Kurs festgestellt: der Apfelstrudel schmeckt tatsächlich (fast) genau so gut wie der Apfelstrudel meiner Kindheit.

 

 

Für alle die in Berlin sind und die drei Stunden Zeit haben, würde ich den Workshop empfehlen: Kurzweilig und nett. Der Nächster Termin ist 27. März um 18 Uhr 30 (Zeit stimmt):  im Strudelka,  Sparrstraße 18, 13353 Berlin.

 

Ich danke Rita für die Einladung zum Workshop.