Elternfragen, Kultur mit Kind, Unterwegs

Salzburg: Highlights mit Kindern

Auch wenn ich ein paar Jahre in Salzburg studiert habe und auch mit den Kindern schon einige Dinge entdeckt habe,  für „Salzburg mit Kindern“ wollte ich eine Expertin befragen. Zum Glück hat mir meine Bloggerfreundin Birgit von Muttis Nähkästchen in den Elternfragen ihre Highlights für den Städtetrip verraten. 

Eine vierköpfige Familie ist für 24 Stunden in Salzburg: Welche touristischen Stationen müssen sein?

24 Stunden? Das wird knapp … Salzburg hat nämlich jede Menge zu bieten! Ganz klar muss die Festung erklommen werden – zu Fuß oder in 40 Sekunden mit der Festungsbahn. Auch ein Muss ist natürlich ein Spaziergang durch Salzburgs berühmteste Gasse, die Getreidegasse mit all ihren Zunftzeichen.

 

Aber ihr solltet nicht schnurstraks durchlaufen (geht ohnehin nicht, weil sich zu viele Touristen dort tummeln), sondern immer wieder einmal links und rechts in die so genannten „Durchhäuser“ einbiegen. Da lassen sich nicht nur nette Cafes und Shops entdecken, sondern auch historische Innenhöfe. Dort hat sich so mancher Hausherr die schicken, neumodischen italienischen Arkaden geleistet, die sie an der Fassade nicht zeigen durften.

 

Wenn ihr etwas erleben wollt, das es sonst nirgendwo gibt, dann solltet ihr nach Hellbrunn fahren und die Wasserspiele besuchen. Auch ein kleiner Spaziergang durch den kostenlos zugänglichen Park lohnt sich – vor allem, wenn ihr bis nach hinten zum Steintheater geht. Das Steintheater ist wirklich sehenswert und ein wahrer Geheimtipp – kaum ein Tourist kennt das. Und das, obwohl es frei und legal zugänglich und eine wahre Rarität ist. Dort gab es die am 31. August 1617 die erste Freiluft-Opernaufführung Europas: “Orfeo” von Claudio Monteverdi.

Was man sonst noch so in Salzburg mit Kindern erleben kann, lest ihr bei mir am Blog: Salzburg mit Kindern: Insidertipps von Einheimischen.

 

Kaffee und Kuchen, oder Nudeln für die ganze Familie: Welche kulinarischen Highlights in Salzburg kannst Du empfehlen?

 

Das Aushängeschild, die Salzburger Nockerl, sind nur für Geduldige geeignet – da wartet man schon mal eine halbe Stunde drauf, denn sie müssen immer ganz frisch gemacht und können nicht vorbereitet werden. Aber es lohnt sich! Generell sind die Cafes und Gasthäuser immer sehr überlaufen in Salzburg.

 

Wer gutbürgerliche Küche mit kindgerechter Ausstattung will, sollte etwas außerhalb in den Gasthof Pflegerbrücke fahren. Unsere Kids lieben außerdem Burgerista in der Griesgasse und L’Osteria mit den Riesenpizzen in der Dreifaltigkeitsgasse.

 

Wenn ihr dort einen Platz im Freien ergattert, können die Kinder die Wartezeit beim Plantschen bei einem öffentlichen Brunnen – eigentlich ist es mehr ein Bach – verkürzen.

 

Salzburg und Museen: Welches ist mit Kindern besonders toll?

Das Spielzeugmuseum ist ein Hit! Alleine schon die Location ist sehenswert. Und dann gibt es noch jede Menge zu entdecken und auszuprobieren. Meine Kids gehen sehr gerne ins Haus der Natur. Besonders im Science Center kann man dort ausgiebig experimentieren und ausprobieren. Aber auch die anderen Museen haben sich meist gut auf Kinder eingestellt und haben sich mit eigenen Kinder-Audioguides und multimedialer Präsentation einiges überlegt.

Die Gurkerl im Festspiel-Bezirk.

 Shoppen als Familie: Wo lohnt sich ein Besuch?

Da bin ich ehrlich gesagt überfragt … Buchhandlungen gibt es fast an jeder Ecke, genauso wie sehr touristische Läden, die üblichen „Verdächtigen“ (Großketten und Edelmarken), aber auch kleine, feine lokale Shops.

 

Am Universitätsplatz gibt es täglich außer Sonntag einen Grünmarkt.

 

Einfach durch die Gassen streifen. Beim Flughafen gibt es ein großes Outlet-Center, wo man so manches Schnäppchen ergattern kann.

Pst, und nun: Wie kinderfreundlich ist Salzburg wirklich?

Ich finde, dass Salzburg sehr kinderfreundlich ist. So viele liebevoll gestaltete und gepflegte Kinderspielplätze findet man in kaum einer anderen Stadt. Am Mönchsberg – zwischen Museum der Moderne und Festung – kann man wunderbar dem Trubel in den Gassen darunter entfliehen. Es fühlt sich dort oben tatsächlich wie mitten im Wald und gar nicht wie mitten in der Stadt an.

 

Vielen lieben Dank für die Tipps, Birgit. 

 

Eure liebste Stadt fehlt noch? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

Tipps für andere Städte gibt es zum Beispiel hier: Münster, Hamburg, Hannover oder Wien.

Alltag, Familienrollen

Down-Syndrom: „Ich bin froh, dass ich es nicht früher wusste, denn ich hätte mich verrückt gemacht, alles gelesen und doch nichts gewusst.“

Am Donnerstag gibt es die Familienrollen: Heute erzählt Martina vom Leben mit ihrer Familie: Martina hat zwei Töchter, eine davon wurde mit dem Down-Syndrom geboren, wie sich das Leben entschleunigt und was Martina gelernt hat, davon berichtet sie. 

 

Du bist Mutter zweier Töchter, Deine kleine Tochter Jolina hat das Down-Syndrom: Deinen Blog hab ich dadurch kennengelernt, dass Du geschrieben hast, dass das Leben mit dem Down-Syndrom nicht so schlimm ist, wie oft manche glauben: Was genau meinst Du damit?

Als Außenstehender sieht man meist Dinge die anders sind als im eigenen Leben, oft kann man sich das für sich gar nicht vorstellen und glaubt es müsse ja ein schreckliches Leben sein.

Kleines Beispiel: Jolina lernt sehr langsam, sie spricht sehr schlecht und lernt jetzt mit 9 gerade mal das Zählen bis 20 und auch beim Lesen geht es gaaaanz langsam voran. Das erscheint auf den ersten Blick als ziemlich anstrengend und frustrierend.

Ganz ehrlich? Das wäre vor 10 Jahren auch eine Horrorvorstellung gewesen.

 

 

Durch das Leben mit meiner behinderten Tochter habe ich gelernt, das zu schätzen was sie erreicht, vollkommen ohne Ziele wie weit sie kommen muss. Die Freude über jedes gelesene Wort ist wie ein kleines Weihnachten. Oft erwartet man Fortschritte seines Kindes als selbstverständlich und der Zauber des Augenblicks fehlt.

Natürlich macht man sich Sorgen, Eltern machen sich ständig Sorgen, doch das Glück überwiegt.

 

Die Abtreibungsrate liegt bei Down-Syndrom geschätzt zwischen 90-95%, Grund ist die Schwarzmalerei von Ärzten, die nur die Defizite aufzählen und diese alten überholten Bilder im Kopf, dabei haben Menschen mit Down-Syndrom Stärken, die enorm sind. Die gut geförderte Generation, die gerade erwachsen wird. kann dies demnächst zeigen, wenn es nicht schon zu spät ist.

Diese über 90% müssen doch eine Horrorvorstellung von dieser Behinderung haben, dass sie oft Wunschkinder lieber als „Sternenkind“ betrauert, als sie anzunehmen als Kind, das ist wie es eben ist.
Für kein Kind gibt es Garantien, dass es unseren Vorstellungen entspricht und jedes Kind, egal wie viele Chromosomen kostet Zeit, Nerven, Tränen, Geld und die meisten Eltern werden sagen, dass das Glück dieses Kind zu haben alles aufwiegt, das sagen auch Eltern behinderter Kinder, vielleicht sagen die das sogar öfter als andere, weil Glück eine andere Dimension bekommen hat.

 

 

Wusstest Du bereits im Vorfeld, dass Deine Tochter mit dem Down-Syndrom zur Welt kommt und wie habt Ihr Euch darauf vorbereitet?

 

Unsere Geschichte ist etwas schräg und dauert länger sie zu erzählen, das habe ich im Blog getan und zwar in drei Blogposts, weil sie wirklich lang und ungewöhnlich ist.

Sagen wir so, es gab zwei Fruchtwasseruntersuchungstermine, die nicht stattfinden konnten, zum Glück.
Es gab Softmarker, die keiner der Ärzte beachtet hat, bis kurz vor der Geburt einer genau schaute.

Ich ahnte es deshalb zwei Wochen vor der Geburt und teilte dann dem Arzt mit, dass meine Tochter das Down- Syndrom hat und nicht er mir.

Ich bin froh, dass ich es nicht früher wusste, denn ich hätte mich verrückt gemacht, alles gelesen und doch nichts gewusst. Diese 14 Tage waren schon mit Dauergoogeln ausgefüllt.

Jeder Mensch mit Down-Syndrom ist anders, die Diagnose alleine hilft nicht viel und du weißt nie welche Besonderheiten, die dieser Chromosomenüberschuss haben kann, dein Kind betreffen.

 

Eines kann ich jetzt hier schreiben, was ich in meinem Blog nicht kann.

Als ich vor den geplanten Fruchtwasseruntersuchungen bei meiner Schwiegermutter die Aussage machte „Down Syndrom wäre kein Grund zur Abtreibung“ war die Antwort: „Das kannst Du nicht machen, schließlich hast Du noch ein anderes Kind an das Du denken musst!“ Ich habe es ihr nie vergessen.

 

Auf Deinem Blog schreibst Du, dass Deine Tochter Jolina Euer Leben entschleunigt hat: Kannst Du das an einem Beispiel benennen?

Die heutige Menschheit krankt daran, dass alles so schnelllebig ist. Es muss immer mehr sein, oder besser und schneller. Gutes Beispiel ist der Mütterwettkampf „Mein Kind kann schon….“.

Es ist nicht so, dass ich keine Ziele und Wünsche für mein Kind hätte, aber die sind recht entspannt.
Ich wünsche mir, dass Jolina mal gut lesen kann, um zum Beispiel eine Speisekarte lesen zu können und, dass sie soweit rechnen kann, dass sie nicht versucht mit 10 Euro in der Tasche einen Einkauf von 50 Euro zu tätigen.

Das ist das Ziel, wann sie das erreicht ist egal, irgendwann wird sie ankommen, in ihrem Tempo.

 

Genau das haben wir für uns übernommen, wir leben viel mehr im Jetzt und genießen den Augenblick, als von Übermorgen zu träumen. Ein langsames Leben lässt Zeit für den Blick auf Kleinigkeiten, die man beim schnellen Vorübereilen gar nicht bemerkt.

Meine Große war ja so ein Turboentwickler, da habe ich Entwicklungsschritte gar nicht mitbekommen, weil ich vielleicht mal kurz in der Küche war, Jolina hat das schon bis zum Extrem gedehnt.

Wie im Lehrbuch hat sie jeden Zwischenschritt durchlaufen, den man zum Laufen lernen macht. Und als wir dachten, das geht nie weiter, da auf dem Stand bleibt sie wohl auf ewig stehen, dann ging es meist weiter.
Ich bin eigentlich ein sehr ungeduldiger Mensch, das hat ganz schön Tempo bei mir raus genommen.

Aktuell bist Du nur nebenberuflich berufstätig: Warum habt Ihr Euch dafür entschieden?

Ich bin gerne Mutter, auch wenn es manchmal nervt. Mit „Produktion“ von Kind 2 habe ich mich dann auch gewaltig unter Druck gesetzt, denn ich hatte keinen Plan B. Ich hatte schon nach 2 Jahren in Elternzeit beschlossen, dass es für mich nicht funktionieren würde an 2 Fronten zu kämpfen. So habe ich nachdem ich zwei mal 3 volle Jahre zu Hause war meinen Job als Banker gekündigt, 3 Monate vor meiner 25 jährigen Betriebszugehörigkeit.

 

Meine silberne Nadel des Genossenschaftsverbandes habe ich deshalb genau nicht erhalten, doch es gibt wirklich Schlimmeres.
Ich wusste was mein Arbeitgeber an Einsatz verlangt, den hätte ich nur mit Einbußen für die Familie leisten können.

Sagen wir mal so, früher war mein Luxus durch meinen Beruf 1 mal im Jahr 3 Wochen auf die Malediven zu reisen und zusätzlich 3 Wochen in die Karibik, heute ist mein Luxus nicht zu arbeiten und mich als Mutter und Bloggerin auszuleben, dafür waren wir auch mal in der Jugendherberge in der Eifel in Urlaub, was ich keinem über 40 empfehlen kann, Rücken usw…..

Ich habe die Entscheidung nicht eine Sekunde bereut. (Also nicht die mit dem Eifelurlaub, die zu Hause zu bleiben)

Auf dem Blog ist Deine große Tochter nicht so zentral: Spielt die Tatsache, dass ihre kleine Schwester das Down-Syndrom hat, eine große Rolle in ihrem Leben, oder ist das eher ein Aspekt unter vielen?

Ursprünglich war der Wunsch anderen Eltern zu zeigen, dass Down-Syndrom eigentlich ein total normales Familienleben zulässt, im Laufe der Jahre änderte sich der Blog. Klar, man schreibt über das was man gut kann und inzwischen bin ich zum Fachmann für Down-Syndrom geworden, bei einer 12 jährigen in der Pubertät bin ich genau so ratlos wie alle anderen Mütter in der Lage auch.

Trotzdem hat auch Louisa einen festen Platz im Blog, zum Beispiel als mein Lieblingsmodell, sie kann auf Kommando lächeln und gibt sogar inzwischen mir Anweisungen was heute so angesagt ist.

 

Sie tobt sich eher auf ihrem YouTubeKanal aus, den ich ihr erlaubt habe, wenn ich den Daumen drauf habe, das heißt, ich habe nicht nur einen Blog, sondern betreue ach noch den recht erfolgreichen Videokanal meiner Tochter, die das jetzt ganz langsam lernt, anstatt mit 16 in diesen Sumpf zu stolpern und sich auszuliefern.
Sie ist reifer durch die Behinderung ihrer Schwester und sie kämpft für sie wie eine Löwin, fährt anderen über den Mund die „Ey das ist ja voll behindert…“ benutzen und macht Videos, dass es ganz normal ist eine Schwester mit Down-Syndrom zu haben.

Doch sind wir mal ehrlich, so sehr sie ihre Schwester liebt wünscht sie dieses blöde Zusatzchromosom manchmal zur Hölle.

Was wünscht Du Dir im Umgang mit Jolina?

Ich wünsche mir einfach Normalität und weniger Berührungsängste. Ich tue dafür schon alles was ich kann. Man darf mich alles fragen, ich gehe an die Öffentlichkeit, ich zeige, dass anders sein normal ist. Unsicherheit kommt einfach aus dem mangelnden Umgang mit Behinderten.

Das ging mir genau so, ich schaute lieber weg, anstatt etwas falsch zu machen.
Jolinas Behinderung hat mich geöffnet, ich sagte mal zu einem Mädchen im Rollstuhl: „Hey, was hast du für coole Bilder da auf deinen Rädern, wow!“ Der Mutter sah man ihr Erstaunen und Freude über diesen normalen Umgang so an, sie leuchtete von innen.

Ich leuchte auch, wenn jemand Jolina so nimmt wie sie ist. Helfen kann hier nur die Inklusion, dass Kinder schon in Kindergarten und Schule lernen, dass es auch Menschen gibt, die eine Beeinträchtigung haben, so wie es blonde und dunkle gibt, Mädchen und Jungs. Jeder ist wie er ist.

Ich wünsche mir, dass die Menschen in Jolina eben das Mädchen Jolina sehen, nicht das Kind mit dem Down Syndrom.

 

Was wünscht Du Dir für die Zukunft Deiner Töchter?

 

Für beide wünsche ich mir einfach, dass diese Welt ein bisschen friedllicher wird und weniger egoistisch.
Ich wünsche mir, dass sie glücklich werden, jede auf ihre Art.

Für Louisa wünsche ich mir, dass sie ihre Träume verwirklichen kann, oder wenigstens ein paar davon.
Die Berufswünsche schwanken zwischen Tanzpädagogin, die auch mit behinderten Kindern arbeitet und Hauptberuflichem YouTuber *hüstel*

Für Jolina wünsche ich mir, dass sie ein eigenständiges Leben führen kann, dass sie nicht in ein Leben gedrängt wird das sie nicht will. Wir werden nicht ewig leben und für sie da sein können, ich muss darauf vertrauen, dass es Menschen geben wird, de es gut mit ihr meinen.

Ich wünsche mir, dass meine Töchter ein ewiges Band verbindet und sie immer füreinander da sein werden, ohne den Druck einer Verpflichtung, sondern aus Liebe.

 

Vielen lieben Dank, Martina.

Hier geht es zu Martinas Blog.

 

Alltag, Kultur mit Kind

Fußball: Ein Krimi zum Thema

Ganz kurz noch dann beginnt wieder das Fußball-Fieber in Deutschland. Im ortsansässigen Supermarkt kann man sich gut darauf einstellen: Fußballkarten erfreuen meine Kinder. Deutschland-Fahnen an anderen Häusern erschrecken die Mutter.

Fußball und ich? Das ist eine nette Bekanntschaft. Meist ist es mir relativ wurscht und das obwohl ich neben einer fußballaffinen Familie in meiner Jugend auch Fußballfans als Freunde hatte, so ganz hat es mich nie gepackt. Ausnahme: WM, EM und alles – außer den Fahnen an den Autos – was dazugehört. Alle zwei Jahre werde ich zum Teilzeit-Fan: So jetzt wieder. Auch wenn ich immer noch nicht wirklich verstanden habe, was „Abseits“ denn eigentlich bedeutet: Ich freue mich, wenn in wenigen Tagen die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt.

Ein Krimi zum Thema Fußball

Vielleicht ist es dieses Teilzeit-Fußball-Fantum, das mich zum Buch hat greifen lassen. Noch wahrscheinlicher ist es aber, dass ich in die Autorin ein bisschen vernarrt bin. Mara Pfeiffer hat schon über die Liebe geschrieben und über Zwillinge: Außerdem ist sie seit 12 Jahren meine Internetfreundin.

[amazon_link asins=’3955422887′ template=’ProductAd‘ store=’radfamilie-21′ marketplace=’DE‘ link_id=’665d038a-6afa-11e8-bf10-35c5cbbfb42f‘]Für Mara lese ich also Fußball-Geschichten. In „Schatten der Arena“ erzählt sie von der alleinerziehenden, dem Trinken nicht ganz abgeneigten, Johanna die plötzlich ihren besten Freund und Journalisten-Kollegen verliert. Der Kollege war Sportjournalist und irgendwie hingen seine Recherchen mit dem FSV Mainz 05 zusammen.

War es wirklich Zufall, dass er, der vorsichtige Fahrer, kurze Zeit später einen Autounfall hatte? Und wie soll Johanna bloß ihrem Sohn beibringen, dass ihr bester Freund, der auch ihm wertvoll ist, plötzlich nicht mehr am Leben ist? Dass ich von Fußball wenig Ahnung habe, scheint mir die Autorin Mara zu verzeihen, denn – auch wenn vieles im Milieudes FSV Mainz 05 spielt – hat man auch als Laie einen guten Zugang: Ich mag die Geschichte von Johanna. Ich mag es wie sie die Rituale mit ihrem Sohn pflegt, sich ihrer eigenen Vergangenheit stellt, ihre Freundschaften pflegt und den Lokaljournalismus-Alltag zeigt. Auch finde ich gut, wie sich dem Thema Korruption und Verschwiegenheit im Fußball nähert und wie immer finde ich Maras Sprache toll. Dass ich über das Ende nicht glücklich bin, werde ich aus Spoiler-Gründen nicht zu sehr ausweiten.

Nur so viel: Es ist so verzeihenswert, dass ich mich schon auf eine Fortsetzung freue. „Im Schatten der Arena“ könnt Ihr übrigens gewinnen: Dazu müsst Ihr mir nur sagen, wie steht Ihr zu Fußball? Ihr könnt direkt auf dem Blog kommentieren oder bei Facebook und Instagram. Gelost wird kommenden Sonntag, den 17. Juni 2018, um 16 Uhr kurz vorm ersten Deutschland-Spiel. Der Verlag war so nett mir zwei Bücher zur Verfügung zu stellen.

 

Das Gewinnspiel ist bereits beendet und die Gewinner sind benachrichtigt.

 

Der Affiliate Link bedeutet, dass bei einem Kauf darüber wenige Cent an mich gehen: Mehrkosten entstehen für Euch nicht.

Elternfragen, Kultur mit Kind, Unterwegs

Wien: Highlights mit Kindern

[nextpage title=“Wien: Highlights mit Kindern“]Wien mag ich sehr: Dennoch war ich schon lange nicht mehr dort. Kann also über Wien mit Kindern wenig sagen, zum Glück hat mir Daniela von die kleine Botin in den Elternfragen ihre Highlights verraten. 

 

Eine vierköpfige Familie ist für 24 Stunden in WIEN: Welche touristischen Stationen müssen sein?

Schloss Schönbrunn – hier gibt es ganz viel kaiserliche Gemächer zu sehen, einen tollen Tiergarten und richtig viel Platz an der frischen Luft.

[nextpage title=“Kaffee und Kuchen, oder Nudeln für die ganze Familie: Welche kulinarischen Highlights in der Donaustadt kannst Du empfehlen?“]

Food & Location

Lunch mit Family ist gut im Marks! Moderne Küche und ganz viel Geduld und Liebe für Kinder gibt es mitten im 7. Bezirk, unweit von coolen Shops. Eine original Sacher-Torte genießt man am besten in der Innenstadt im traditionsreichen, gleichnamigen Hotel.

[nextpage title=“Wien hat so viele Museen: Welches ist mit Kindern besonders toll?“]

Das Naturhistorische- und das Kunsthistorische Museum zählen zu den größten und bedeutendsten Museen der Welt. Sie sind in spiegelbildlich angelegten, historischen Gebäuden untergebracht. Davor ist ein wunderschöner Park, in dem vor Weihnachten ein stimmungsvoller Adventmarkt schon Tradition hat.

[nextpage title=“Shoppen als Familie: Wo lohnt sich ein Besuch?“]

Nahe der größten Einkausmeile Wiens, der Mariahilferstraße gibt es unzählige feine Shops für Kleine und Große. Goldkind.wien, Herr & Frau Klein, Daantje, Dotkind sind nur ein paar davon, die man unbedingt kennen sollte.

[nextpage title=“Pst, und nun: Wie kinderfreundlich ist Wien wirklich?“]

Ich finde Wien ist sehr kinderfreundlich – nicht umsonst ist sie schon acht Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt worden! Besonders viele Grünflächen und das gute öffentliche Verkehrsnetz machen Ausflüge auch spontan mit der ganzen Familie möglich. Innerhalb von 20-30 Minuten kann man die Innenstadt, Lärm und Beton hinter sich lassen und findet sich auf der Donauinsel oder in einem der großen Parks ausserhalb des Gürtels wieder!

Bei Daniela auf dem Blog gibt es auch noch einen kostenfreien Familycityguide für Wien Darin sind noch viel mehr Wien-Tipps.

 

 

Vielen lieben Dank für die vielen Tipps. Wien-Kenner, fehlt Euch noch was?

 

Tipps für andere Städte gibt es zum Beispiel hier: Münster, Hamburg, Hannover oder Freiburg 

 

Eure liebste Stadt fehlt noch? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

 

Alltag, Familienrollen, Kultur mit Kind

Tourette-Syndrom: „Da meine Frau recht geräuschempfindlich ist, gibt es Situationen, in denen sie dann manchmal von den Tics genervt ist.“

[nextpage title=“Tourette-Syndrom: „Da meine Frau recht geräuschempfindlich ist, gibt es Situationen, in denen sie dann manchmal von den Tics genervt ist.“]

Nach kurzer Pause gehen die Familienrollen nun weiter: Thomas hat das Tourette-Syndrom. Er erzählt, was das genau bedeutet, wie seine Frau damit umgeht, was er seinen Kindern davon erzählt und welche Rolle es in seinem Job als Lehrer spielt. 

Du hast das Tourette-Syndrom und gehst zumindest auf Twitter offen damit um: Was bedeutet das heute im Alltag für Dich?

Bevor ich genauer auf die Frage eingehe, möchte ich zunächst sagen, dass ich mittlerweile nur noch eine milde Form des Tourette-Syndroms (TS) habe, die im Alltag den allermeisten Leuten überhaupt nicht auffällt. Dadurch bin ich einerseits in der Lage mich als Betroffener zu meinem TS äußern zu können, andererseits habe ich aber auch das Privileg, dass ich mich aufgrund des geringen Ausprägungsgrades als TS-Betroffener unsichtbar machen kann. Diese Möglichkeit haben viele Betroffene aufgrund ihres Ausprägungsgrades nicht.

 

Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um eine so genannte zentralnervöse Bewegungsstörung, die auf eine Störung des Stoffwechsels zurückzuführen ist. Eine von mehreren Erklärungsansätzen geht dabei von einem gestörten Dopaminhaushalt aus. Es äußert sich durch motorische Tics (z.B. Augenzwinkern, unwillkürliche Bewegungen der Muskulatur oder der Mimik) sowie vokale Tics von Grunz-, Schnauf-, Quitsch-, Hüstel- oder Räuspergeräuschen über z.B. eine gedehnte Aussprache von Vokalen bis hin zur schwersten Ausprägungsform der Koprolalie (Ausstoßen obszöner oder situativ unangemessener Begriffe).

 

Einen Tic kann man je nach Training und Ausprägungsform eine gewisse Zeit unterdrücken, bevor man dem Druck nachgeben muss und den Tic ausführt. Das Empfinden dabei ist vergleichbar mit der Notwendigkeit zu Niesen oder einem starken Juckreiz nachzugehen.

Ich hatte eine mittelschwere Ausprägung (motorische und vokale Tics ohne Koprolalie) bis ich etwa 17 war und seitdem nur noch eine milde Ausprägungsform mit phasenweise stärkeren und schwächeren Symptomen. So merkt man mir monatelang überhaupt nichts an, während es auch Monate gibt, in denen manchen Leuten ein leichtes Augenzwinkern, Muskelbewegungen und Schnaufgeräusche auffallen.

 

Im Alltag spielt mein TS auf der bewussten Ebene eher eine untergeordnete Rolle. Damit meine ich, dass es den allermeisten Leuten im Umgang mit mir nicht auffällt, da die Tics oft stundenlang überhaupt nicht auftreten. Dies ist insbesondere während meiner Arbeit als Lehrer der Fall. Nachdem ich nachmittags nach Hause komme, entladen sich dann je nach Erschöpfungszustand die Tics mal mehr und mal weniger ausgeprägt. Wohler fühle ich mich dann dabei, wenn ich unbeobachtet bin.

 

Allerdings gibt es auch immer wieder Phasen in denen ich merke, dass das TS stärker ist und ich eine gewisse Konzentration aufbringen muss, um es einzudämmen. So habe ich es beispielsweise gelernt, manche motorischen Tics nur anzudeuten, ohne sie ausladend auszuführen und das Augenzwinkern so lange zu unterdrücken, bis ich mich unbeobachtet fühle. Durch meinen Job als Lehrer stehe ich natürlich ständig im Mittelpunkt, was natürlich die Frage aufwirft, wie ich mein TS thematisiere.

 

Hier habe ich für mich die Lösung gefunden, dass ich es nicht von Anfang an thematisiere, um zu verhindern, dass ich auf mein TS reduziert werde oder dass ich unter ständiger Beobachtung stehe. Meistens ist es den Schülerinnen und Schülern auch nicht aufgefallen. Meistens thematisiere ich es nach einigen Wochen oder Monaten, wenn man mit der Klasse abseits des eigentlichen Unterrichtsinhaltes ein Gespräch führt.

 

So ergibt sich manchmal die Situation auch etwas von sich und seiner Vergangenheit zu erzählen. Allerdings gibt es auch Klassen, in denen sich das Thema trotz eines guten Verhältnisses einfach nicht ergeben hat. Gegenüber Kolleginnen und Kollegen und Freunden oder auch Fremden bin ich ganz offen.

 

Im privaten Bereich spielt mein TS eine größere Rolle als im beruflichen Bereich. So registriert meine Frau kleine vokale oder motorische Tics viel besser als alle anderen. Grundsätzlich bringt sie ein hohes Maß an Empathie für mein TS mit, jedoch verlaufen die Herausforderungen, die mein TS gelegentlich mit sich bringt nicht immer ganz konfliktfrei.

 

Da meine Frau recht geräuschempfindlich ist, gibt es Situationen, in denen sie dann manchmal von den Tics genervt ist. Dies ist beispielsweise das Zusammensitzen auf dem Sofa nach einem anstrengenden Tag. Sie ärgert sich dann oft selbst über sich, dass sie genervt ist und ich werfe ihr hin und wieder vor, nicht genug Verständnis für mich aufzubringen.

 

Ansonsten bestehen hier aber keine Konflikte. Meine Freunde wissen ebenfalls über mein TS bescheid und stören sich nicht weiter daran.

 

Für mich persönlich habe ich irgendwann die Entscheidung getroffen, dass ich mein TS kontrollieren möchte und nicht mein TS mich. Das bedeutet, dass ich versuche meine Tics weitestgehend unsichtbar zu machen, was gelegentlich viel Konzentration und Anstrengung benötigt. Oft habe ich mich gefragt, ob es das wert ist und ich meinen Tics nicht einfach freien Lauf lassen sollte. Ich weiß aber genau, dass ich mich dadurch nicht besser fühlen würde, auch wenn dies für andere Betroffene möglicherweise zutreffen könnte. Für mich war und ist meine weitestgehende Kontrolle meines TS immer ein Akt der Selbstermächtigung und der Freiheit gewesen, den ich unter keinen Umständen missen möchte.

 

Dabei sehe ich mein TS nicht als Feind, ja noch nicht einmal als Krankheit an, die es zu bekämpfen gilt. Vielmehr ist es eine Eigenschaft von mir, die mich entscheidend (und wie ich meine im positiven Sinne) geprägt hat.

[nextpage title=“Als Jugendlicher war das Syndrom bei Dir ausgeprägter: Was half Dir damit umzugehen?“]

Als Kind und als Jugendlicher war mein TS in der Tat deutlich ausgeprägter. So hatte ich eine Vielzahl motorischer und vokaler Tics, die ich nur zeitweise (beispielsweise in der Schule) und teilweise unterdrücken konnte. Der Umgang mit meinem TS zu dieser Zeit war recht schwierig.

 

In erster Linie versuchte ich die Tics so weit wie irgendwie möglich zu unterdrücken und es mir nicht anmerken zu lassen, was natürlich nicht wirklich funktionierte. Oft haben mich meine Mitschülerinnen und Mitschüler darauf angesprochen oder mich nachgeäfft. Meine Reaktion darauf war, dass ich so getan habe, als ob ich überhaupt nicht wüsste von was sie überhaupt sprechen. Waren die Tics so offensichtlich, dass ich sie anderen gegenüber nicht leugnen konnte, habe ich gesagt, es handele sich um eine „schlechte Angewohnheit“.

 

Dieses Erklärungsmuster hatte ich von meinen Eltern übernommen, die mein TS anderen Leuten ebenfalls so erklärten. Durch mein TS war ich in meiner Klasse natürlich in einer gewissen Opferrolle und wurde oft ausgegrenzt. Neben dem Verleugnen meines TS war es für mich eine wichtige Strategie mich in anderer Hinsicht in der Klasse zu profilieren.

 

Aufgrund meiner Außenseiterrolle hielt ich den allergrößten Teil meiner Mitschülerinnen und Mitschüler für „Idioten“, denen ich es mal richtig zeigen wollte. Dies tat ich, indem ich die anderen spüren ließ, dass ich mich selbst für viel schlauer hielt als sie. Ich lernte viel und war in manchen Fächern der Klassenbeste.

 

Ich versuchte Diskussionen über Themen anzufangen über die sich meine Mitschülerinnen und Mitschüler noch niemals Gedanken gemacht haben und wollte sie spüren lassen, dass sie dumm seien, wenn sie das nicht verstünden. Diese Diskussionen wurden von den anderen immer als „Besserwisserstunde“ bezeichnet. Dies war eine Bezeichnung, die ich dann selbst auch für mich übernahm. Dies war mir lieber, als nur als „Spinner“ wahrgenommen zu werden, der irgendwelche psychischen Probleme hat.

 

Apropos psychische Probleme: Für mich war es immer am verletzendsten, wenn mir mein TS als psychisches Problem ausgelegt wurde, da es eben keine psychische Erkrankung ist, sondern auf einer Stoffwechselstörung basiert. Damit möchte ich psychische Erkrankungen nicht kleinreden oder mich in irgendeiner Form abfällig darüber äußern. Ich muss aber sagen, dass es für mich als Kind und Jugendlicher wichtig war, mich davon klar abzugrenzen.

 

Seit etwa meinem siebten oder achten Lebensjahr war ich wegen meines TS in Behandlung. Zunächst wurde ich diversen Tests unterzogen, um den Ursachen meines Verhaltens auf den Grund zu gehen.

 

Vielen Ärzten war Anfang der 90er das TS völlig unbekannt. Daher dauerte es einige Monate bis das Ergebnis feststand. Ich bekam dann mit 7/8 Jahren relativ heftig wirkende Medikamente (ich weiß nicht mehr welche), die mich ziemlich antriebslos und traurig werden ließen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mich nicht mehr als mich selbst gefühlt und viel geweint habe.

 

Nach einigen Monaten setzten meine Eltern die Medikamente ab, was zwar wieder zu einer Zunahme der Tics aber auch zu einer Besserung meines Gemütszustandes führte. Danach fing ich mit neun Jahren eine kinderpsychologische Spieltherapie an. Zunächst konnte ich den Sinn dieser Therapie nicht ganz begreifen, fühlte mich dort aber bald sehr wohl. Ich traf meinen Kinderpsychologen einmal in der Woche und spielte mit ihm Brettspiele. Dies triggerte meinen Ehrgeiz, die Spiele unbedingt gewinnen zu wollen und ließ mich auch manchmal emotional werden.

 

Dieses Setting ermöglichte es dann, gute Gespräche zu führen und mich emotional zu stärken. Denn auf eine solche Ich-Stärkung war diese Therapie ausgelegt. So lernte ich im Laufe der Zeit, die komischen Blicke oder Bemerkungen der anderen nicht mehr auf mich zu beziehen und sie einfach weitestgehend zu ignorieren. Das ließ mich viel entspannter werden, was auch zu einer Verbesserung der Symptome beitrug. Denn das TS hat zwar körperliche Ursachen, kann aber in Stresssituationen stärker werden, da dann die Kontrolle einfach viel schwieriger wird.

 

So haben mich Bemerkungen der anderen natürlich in Stresssituationen gebracht, die wiederum meine Tics verstärkt und dadurch noch mehr Bemerkungen nach sich gezogen haben. Meine vierjährige Spieltherapie zur Ich-Stärkung hat mit sehr geholfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Ich würde sagen, dass ich noch heute von dieser Therapie und den eingeübten Verhaltensweisen profitiere. So gelte ich in vielen Situationen nämlich als ausgesprochen ruhig und gelassen.

 

Etwa zeitgleich mit dem Beginn meiner Spieltherapie ging ich mit meinen Eltern zu einem Homöopathen, den ich überhaupt nicht leiden konnte. Es kam mir schon komisch vor, dass mir meine Eltern sagten, dass ich meinem Kinderpsychologen nichts von der homöopathischen Behandlung erzählen sollte, da dieser offenbar homöopathiekritisch eingestellt war. Dieser Homöopath redete in meiner damaligen Wahrnehmung endlos auf mich ein, verbot mir Fernsehen zu schauen und bestimmte Lebensmittel zu essen, was ich ziemlich ätzend fand. Am Ende der Sitzung bekam mein Vater dann immer fünf/sechs Kügelchen in einem Briefumschlag und musste dafür 100 Mark zahlen. Irgendwie kam mir das ganze Prozedere schon damals sehr merkwürdig und nicht nachvollziehbar vor.

 

Im Nachhinein war es für mich dann natürlich ein Fest, als ich Jahre später herausgefunden habe, dass die gesamte Homöoptahie völlig unseriös ist und keine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung aufweisen kann… Kurz nach der Homöopathiebehandlung gingen meine Eltern dann mit mir zur Akkupunktur, die aber auch nicht die erhofften Resultate aufweisen konnte. So blieb es also bei meinen erlernten Verhaltensweisen aus der Spieltherapie…

 

Im Abstand von vielen Jahren ist es sehr krass, wenn ich es mir bewusst mache, dass ich sehr wenige Bezugspersonen hatte, mit denen ich wirklich offen über mein TS gesprochen habe. Neben meiner Familie, die sich allerdings nicht wirklich in meine Situation hineinversetzen konnte, habe ich nur mit meinem Kinderpsychologen über mein TS gesprochen und habe den Rest mit mir selbst ausgemacht. Dies würde ich heute sicherlich anders machen und stärker auf ein Netzwerk aus guten Freunden und verständnisvollen Lehrerinnen und Lehrern bauen.

 

Allerdings fuhr ich mit der damals angewendeten Strategie nicht schlecht und konnte ab etwa 13 feststellen, dass sich meine Tics langsam aber kontinuierlich abschwächten und ich die verbliebenen immer besser kontrollieren konnte bis sie sich mit 17 auf dem jetzigen Niveau einpendelten. Der Grund für diese Abschwächung ist aber natürlich nicht nur die Therapie und Training, sondern vielmehr hatte ich einfach Glück, denn bei einem Teil der Betroffenen schwächt sich das TS sowieso im Verlaufe der Pubertät ab. Der Grund dafür liegt wohl in der Veränderung des Stoffwechsels, der das TS oft schwächer, in manchen Fällen aber auch stärker werden lässt. Im Laufe dieses Verbesserungsprozesses sprach ich dann auch häufiger mit anderen Leuten über mein TS und ging insgesamt offener damit um.

 

Später half mir insbesondere das Online-Informationsangebot der Tourette-Gesellschaft Deutschland beim Verständnis meines TS weiter. Gefühlt verbreitete sich hier das Internet für mich aber etwa fünf Jahre zu spät, da ich sehr viel dafür gegeben hätte, diese Informationen schon Mitte der 90er zu bekommen. Damals war es aber fast unmöglich irgendwo etwas jenseits von medizinischer Fachliteratur über das TS zu erfahren.

[nextpage title=“Was empfiehlst Du anderen, um Menschen, die vom Tourette-Syndrom betroffen sind, gut zu unterstützen?“]

Im Umgang mit TS-Betroffenen empfehle ich vor allem Neugier, Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft sich mit den Ursachen für das Verhalten der TS-Betroffenen auseinanderzusetzen. Die meisten Leute haben schon mal vom TS gehört, haben aber eine völlig falsche Vorstellung davon. Sie gehen davon aus, dass TS gleichbedeutend mit Koprolalie, also dem Ausstoßen obszöner oder situativ unangemessener Begriffe ist.

Dies ist insbesondere auf die Darstellung in manchen Filmen (z.B. Lammbock) zurückzuführen.

 

Ich fühle mich durch die Darstellung in den Filmen nicht verletzt, empfinde es aber manchmal als etwas mühselig, dieses schiefe Bild geradezurücken. Ich verlange natürlich nicht, dass sich jeder Mensch genauestens über alle Hintergründe des TS informieren soll, dies müsste dann ja schließlich für viele andere Erkrankungen ebenfalls gelten. Was ich mir aber erhoffe, ist einfach die Bereitschaft, sich mit dem TS auseinanderzusetzen, wenn man Betroffenen begegnet.

 

Ganz konkret bedeutet das, dass man offensichtlich Betroffene ganz normal behandelt und nicht etwa beschämt wegschaut oder die Betroffenen mitleidig ansieht. So verschiedenen wie die Menschen generell sind, so verschieden sind natürlich auch die TS-Betroffenen. Die meisten dürften sich jedoch wünschen, dass man ihren Tics keine allzu große Aufmerksamkeit schenkt. Dabei geht es nicht darum, das TS mit seinen Tics zu ignorieren, sondern eher darum, sich auf den Menschen hinter den Tics zu konzentrieren.

Freunde von TS-Betroffenen sollten meiner Meinung nach wie eine Art Bollwerk fungieren und gegenüber anderen klarstellen, dass abfällige Bemerkungen oder Mobbing nicht geduldet werden. Diese Klarstellung bzw. das ständige Erklären des TS kann im Jugendalter nämlich eine sehr anstrengende Angelegenheit sein. Es geht hier nicht darum, dass die Freunde den Betroffenen in Watte packen, sondern nur darum, dass er sich auf seine Freunde verlassen kann und somit einen Rückzugsraum besitzt.

 

Für Eltern ist es sehr wichtig, sich mit den genauen Gründen des TS auseinanderzusetzen und zu versuchen, sich in ihr Kind hineinzuversetzen. Nur dann können sie nachvollziehen, was das TS für ihr Kind bedeutet und wie sie ihm helfen können. Auch kann der Austausch mit anderen Eltern von TS-Betroffenen durchaus sinnvoll sein. Am wichtigsten ist es aber, dass die Eltern ihr Kind so annehmen wie es ist und dies auch immer wieder deutlich machen. Die Kommunikation der Eltern mit der Schule ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe. So ist eine gute Aufklärung der Lehrerinnen und Lehrer sehr wichtig, um den Schulalltag für das betroffene Kind möglichst angenehm zu gestalten und ihm die Unterstützung geben zu können, die im stressigen Schulalltag notwendig ist.

[nextpage title=“Tourette-Syndrom: Wie erklärst Du sowohl Deinen eigenen Kindern das Syndrom und sind diese auch betroffen?“]

Mit meinen beiden Töchtern (bald fünf bzw. bald drei) habe ich bisher noch nicht über mein TS gesprochen, da hier bisher der Anlass gefehlt hat. Entweder sind ihnen meine eher unauffälligen Tics noch nicht aufgefallen oder es ist einfach nicht so wichtig für sie. Wenn sie mich irgendwann danach fragen, werde ich es ihnen genau erklären. Ansonsten werde ich es bei einer passenden Gelegenheit mal thematisieren.

 

Mein dreizehnjähriger Stiefsohn hat mich das erste Mal mit etwa acht Jahren (ich kenne ihn, seitdem er sechs ist) darauf angesprochen. Ich habe es ihm genau erklärt und er findet es seitdem in keiner Weise merkwürdig. Mein TS bietet mir im Umgang mit ihm auch die gute Möglichkeit, dass ich mich ganz gut in seine gelegentlich auftretenden Ausgrenzungserfahrungen in der Schule hineinversetzen kann. Meine Erfahrungen bieten dadurch immer wieder eine gute Grundlage, um sich mit ihm über solche Ausgrenzungen oder Mobbing auszutauschen.

Meine Töchter sind bisher nicht von TS betroffen und es ist auch nicht davon auszugehen, dass sie Symptome entwickeln werden. Beim TS gibt es möglicherweise eine Variante mit einer erblichen Komponente und eine Variante ohne erbliche Komponente. Welche Variante ich habe, lässt sich nicht so ohne weiteres sagen. Sollte ich die erbliche Variante haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass meine Töchter TS bekommen zwar schon höher als durchschnittlich zu erwarten wäre, insgesamt gesehen aber trotzdem noch sehr gering, zumal Mädchen deutlich seltener betroffen sind als Jungen.

Was wünscht Du Dir im Hinblick auf den Umgang mit der Krankheit für Dich und andere Betroffenen?

Wie ich an anderer Stelle schon sagte, wünsche ich mir in allererster Linie Respekt und die Bereitschaft, den Menschen hinter den Tics zu sehen. Hierbei geht es mir auch darum, dass das Tourette-Syndrom nicht nur als Krankheit, sondern als ein Teil der Persönlichkeit wahrgenommen wird, in dem auch unglaublich viel Kraft und Potential steckt. So gibt es einige Betroffene, die diese Kraft auch zu verschiedensten Höchstleistungen im kreativen, sportlichen oder wissenschaftlichen Bereich genutzt haben.
Wichtig ist mir ebenfalls, dass ich und auch andere Betroffene sich nicht ständig erklären müssen und auch an schlechten Tagen mit vielen Tics in erster Linie als Persönlichkeit wahrgenommen werden.

Vielen lieben Dank für Deine Offenheit, Thomas. 

 

In den Familienrollen stelle ich immer verschiedene Familienmodelle vor: Du hast auch eine Geschichte, die Du erzählen möchtest? Dann schreib eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. Vielleicht kommen wir ins Gespräch. 

 

In den Familienrollen wird jeweils die Geschichte einer Person bzw. einer Familie erzählt: Was für den einen gilt, muss nicht für alle gelten – die Interviews bitte als das verstehen, was sie sind – Erfahrungsberichte. 

Elternfragen, Kultur mit Kind, Nachgefragt, Unterwegs

Münster: Highlights mit Kindern

Von Münster habe ich schon viel Schönes gehört: Dort war ich noch nie.  In den Elternfragen verrät mir Leila von Münstermama, warum und wo sich dort ein Besuch besonders lohnt. 

Eine vierköpfige Familie ist für 24 Stunden in Münster: Welche touristischen Stationen müssen sein?

In Münster herrscht so eine wunderbar beschauliche Gemütlichkeit. Diese Stimmung ist besonders und bringt sicherlich allen Familienmitgliedern gute Laune! Hier erkundet man die Stadt am besten per Leeze (Masematte für Fahrrad). Für Familien mit kleinen Kindern eignen sich die Lotte und Lasse-Lastenräder prima. Die kann man sich sogar kostenfrei ausleihen! Ansonsten gibt es an vielen Stellen in der Stadt Leihräder. Mit der Münstercard kann man aber auch die ÖPNV nutzen und viele Attraktionen vergünstigt oder ganz kostenfrei nutzen!

 

Als Must-See Stationen würde ich die Gute Stube, unseren Prinzipalmarkt an erster Stelle nennen. Das ist Münster wie man es über die Stadtgrenzen hinweg kennt. Hier unter den Arkaden lässt es sich flanieren und über den westfälischen Frieden philosophieren. Wenige Meter weiter an der Rothenburg entlang gibt’s ein lustiges Glockenspiel genau gegenüber vom Kuriositätenladen „Luftschloss“. Auf der anderen Seite des Prinzipalmarkts warten die Käfige der Wiedertäufer am Lambertikirchturm von dem die Türmerin der Stadt die Nacht hindurch stündliche Signale tutet.

 

Natürlich gehört zum Münster-Besuch auch ein Abstecher zum Aasee. Das ist Münsters grüne Lunge auf der im Sommer die Segel- und Tretboote mit den Kormoranen und Möwen um die Wette gleiten. Das Solarschiff schippert von den dicken Beton-Bowlingkugeln an den Aasee-Terrassen bis zum Mühlenhof hoch.

 

Ganz anderes Flair und um einiges großstädtischer erlebt man am Hafen oder dem Hawerkamp. Dort reihen sich Künstlerateliers und Szenegastronomie an futuristische Bürogebäude und alternative Szene-Hallen. Ein Blick in die Hafenkäserei direkt am großen Kran bietet durch den offenen Glasbau interessante Einsichten in das Bio-Handwerk.

Was bei Kindern auch immer gut ankommt ist die Promenade. Der Fahrrad-Highway der Stadt befindet sich auf der Strecke der ehemaligen Stadtmauern, rund um das Herz der Stadt. Alle paar Meter gibt es hier spannende Skulpturen und Spielplätze zu entdecken. Wer ganz genau hinschaut findet auf den Balkonen der angrenzenden Altbau-Villen manchmal sogar Spiderman und andere bekannte Persönlichkeiten!

 

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