Familienrollen, Kultur mit Kind

Magersucht: „Ich verlor immer mehr an Gewicht und empfand mich als unfassbar stark.“

Sonja ist eine attraktive und selbstbewusste Frau, die in ihrer Jugend Magersucht hatte. Wie sie zu einem positiven Körpergefühl fand, ihre Essstörung überwunden hatte und was sie ihren Söhnen vermitteln möchte, davon erzählt sie in den Familienrollen

 

Heute sehe ich eine hübsche Frau mit guter Figur, die zudem sehr ausgeglichen wirkt. Als Jugendliche warst Du allerdings magersüchtig. Wie kam es dazu?

 

Oh danke, da werde ich ja fast ein bisschen rot. Einen richtigen Auslöser dafür gab es nicht. Es war ein sehr schleichender Prozess. Wir fingen in unsere Clique alle zusammen mit einer Diät an. Ich war zwar immer „normalgewichtig“, aber eben auch kein Typ mit Modellmaßen. Anfangs machte es Spaß zu sehen das die Jeans besser sitzt, die Oberschenkel schlanker werden. Welches Mädchen mit 13 findet das nicht schön? Alle anderen beendet die Diät nach einigen Tagen, nur ich nicht. Ich fand es spannende so viel Kontrolle über mich zu haben, meinen Körper so intensiv zu spüren.

 

Zuhause merkte lange Zeit niemand etwas. Meine Mutter fragte mich eines Tages ob es jetzt dann nicht genug wäre, aber das war das einzigste Mal wo wir darüber sprachen.

Irgendwann erfand ich Ausreden, um nicht mit meinen Eltern mitzuessen. Ich gab vor bei einer Freundin gegessen zu haben, an einem anderen Tag fühlte ich mich nicht gut und irgendwann nahm ich mein Essen mit auf mein Zimmer (um nach dem lernen zu essen) und spülte es später die Toilette runter.

Ich verlor immer mehr an Gewicht und empfand mich als unfassbar stark. Diese Schmerzen auszuhalten, den Hunger. Ich verlor jegliches realistisches Maß und fand den Gedanken „einfach zu verschwinden“ indem ich dünner und dünner wurde immer interessanter.

 

 

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Krankheit reagiert? 

 

Als mir wirklich nichts mehr passte fing ich an zwei Jeans übereinander zu tragen um meine Figur zu verstecken. Ich trug mehrere Kleiderschichten und zog mich immer mehr zurück.

Eines Tages brach ich im Pausenhof meiner Schule zusammen und wurde mit dem Krankenwagen abgeholt.
Der Arzt der mich damals untersuchte sah sofort was los war. Zu diesem Zeitpunkt wog ich 41kg.
Meine Eltern wollten lange nicht wahrhaben das ihre Tochter krank ist. Jetzt mussten sie hinsehen.

 

Mein Umfeld war total überfordert und einige taten es als „Jugendstreich“ ab. So einfach war das allerdings nicht. Vermutlich ist es wie mit allen psychosomatischen Erkrankungen: für viele Menschen sind das keine Krankheiten.
Einen Satz den ich in diesem Zusammenhang nie vergessen werde kam von unserer damaligen Nachbarin“dass ich jetzt meinen großen Auftritt gehabt hätte und jetzt wieder essen soll“.

Was hat Dir letztlich am meisten geholfen, die Magersucht zu bewältigen?

 

Kurz nach meinem Zusammenbruch kam ich in eine psychosomatische Klinik für Essgestörte. Bei Ankunft wog ich unter 38kg. Eine stationäre Therapie war für mich das Beste was mir zu diesem Zeitpunkt passieren konnte.
Erst dort habe ich verstanden das ich in absehbarer Zeit sterbe werde, wenn ich nicht wieder anfange zu essen. Diese Einsicht hat mir mein Leben gerettet.

Deine Krankheit liegt in der Vergangenheit. Bestimmt hat sie Dich aber sehr geprägt. Wie geht es Dir heute damit?

Mir sagte eine Frau während meines Aufenthalts in der Klinik:“Einmal essgestört, immer essgestört“. Ich finde diese Aussage grausam und sehr verletzend und für mich kann ich sagen, dass sie eben auch nicht korrekt ist.

Ich bin heute gesund. Ich bin nicht essgestört und werde es hoffentlich nie wieder sein. Heute, als Mutter, habe ich ein gutes Körpergefühl, ich spüre meinen Körper sehr intensiv, ich achte auf ihn.

Klar ärgere ich mich wenn die Hose nach den Feiertagen zwickt, aber das ist okay. Von Diäten halte ich nichts und das würde ich mich auch nicht mehr trauen. Meine Magersucht begann mit einer Diät…

 

 

Was können wir alle tun, um uns für ein Frauenbild einzusetzen, dass Essstörungen entgegenwirkt. Hast Du da eine Idee?

 

Eine Idee dafür habe ich nicht. Mir ist es wichtig, dass jeder Körper das Recht auf Unkommentiertheit hat.
Allerdings würde ich Photoshop aus der Werbung verbannen.

 

Was für ein Körperbild vermittelst Du Deinen Kindern?

Ich glaube nicht, dass das bei Jungs anders ist. Was für Mädchen size Zero ist, ist für Jungs der Sixpack. Unsere Kinder sollen wissen, dass sie gut sind so wie sie sind. Das sie Stärken haben, aber auch Schwächen und, dass das okay ist. Ich möchte das unsere Kommunikation konstant bleibt. Das ist für mich das A und O.

 

Sie sollen sehen und spüren das wir glücklich sind mit unseren Körpern, das gemeinsames Essen etwas schönes ist und eben so viel mehr als nur Nahrungsaufnahme.

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Sonja. 

Sonja möchte anonym bleiben, liest aber hier mit und freut sich bestimmt über Kommentare und Nachrichten.

 

Ich freue mich, wenn Ihr das Interview teilt, weil sichtbar machen wichtig ist.

 

Wenn Ihr ein Thema habt, dass Ihr gerne mal in den Familienrollen behandelt haben möchtet, dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.

Kultur mit Kind

Listen machen: Erlebnisse „Ausprobieren oder Wegradieren? – Werbung

 Anzeige. Wie kann man sich eigentlich gut auf schlechtes Wetter vorbereiten? Zum einen kann man schauen, dass man bei strömendem Regen grad nicht unterwegs ist, zum anderen kann man sich natürlich gute Regenklamotten besorgen. Beides reicht aber nicht immer: denn der Berliner Sommer war anders.

 

Es schüttete und hörte an manchen Tagen gar nicht auf. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, dass ich mal so massiven Regen erlebt habe und ich habe immerhin sowohl in Salzburg als auch in Hamburg gelebt und nur dort regnet es ja quasi immer. So dachte ich, bevor ich den Sommer 2017 in Berlin erlebt hatte.

 

Für den Herbst, der ja sicher auch noch ein paar Regentage aufbewahrt hat, wollten wir uns gut vorbereiten und haben eine Bucketlist erstellen: eine Liste der Dinge, die wir unbedingt machen wollen, wenn es wieder los regnet und vielleicht so gar nicht aufhört. Lässt sich bereits ganz gut machen an einem Tag, an dem es regnet: wir erstellen eine Liste. Wir testen die FriXion Stifte mit den FriXion Colors, und den Limited Editions von PILOT und malen los, um bei Regen gut gewappnet zu sein und ein kleines Nachschlagewerk zu haben.

 

Auf die Liste kommen Dinge, die wir ausprobieren wollen, wenn es regnet: Schnell sind wir beim Kulinarischen – einen Kuchen backen, einen Kuchen essen, Pudding oder einfach Kekse zaubern. Es gibt so viel und hatten wir nicht neulich erst von Großeköpfe bei den Regentipps in Berlin vom Picknick im Wohnzimmer gelesen?

 

Wir wollen die Tische bekleben und malen, Geschenkpapier herstellen und natürlich Bücher lesen.

 

Wenn es nicht zu arg regnet, wollen wir rausgehen: Wir lieben das Berliner Technikmuseum und auch im Puppentheater, könnten wir mal wieder vorbeischauen. Außerdem kennen wir immer das Mitmachmuseum immer noch nicht und haben so viel Gutes davon gehört und eine Busfahrt hat mitunter auch was Schönes.

 

PILOTAmbitioniert starten wir und im Nu ist das erste Blatt voll, und das zweite, von Kinderhand etwas abstrakter, ist  ebenfalls schnell bemalt. Besonders gut: die Stifte sind zum Ausprobieren und Wegradieren. Wir können also, wenn wir den Kuchen lediglich essen wollen, schnell die Liste optimieren und dann steht da nur noch Kuchen.

 

Diese tollen Stifte könnt Ihr übrigens auch gewinnen. Wenn Ihr bis zum 15.10. auf www.aktion.frixion.de ein Foto Eurer „Ausprobieren“- und „Wegradieren“-Momente aufmalt oder aufschreibt. Zu gewinnen gibt es 80 Stiftepakete und jede Menge Gutscheine.

Wir hoffen jetzt erstmal, dass es mal nicht so schnell wieder regnet und sonst halten wir uns an unsere Liste: Wie ist das bei Euch – was macht Ihr bei Schlechtwetter am liebsten?

Alltag, Elternfragen, Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Kunsttherapie: „Zwar heißt es KUNSTtherapie, doch geht es hier nicht um Kunst.“

Wie hilft die Kunsttherapie bei Selbstliebe, warum kann das positive Körpergefühl für Mütter besonders wichtig sein und wie funktioniert das ohne Esoterik? Kunsttherapeutin Julia gibt in den Elternfragen Antwort.

 

Wenn man mit dem Thema noch nie in Berührung gekommen ist, kann Kunsttherapie medizinisch, wenn nicht sogar esoterisch, klingen. Ich war in einem Deiner Kurse: Es ist nichts davon. Erzähl doch mal: Was genau kann und will Kunsttherapie?

 

Oh, das ist ein weites Feld! Kunsttherapie kann sehr wohl medizinisch sein, nämlich dann, wenn sie im klinischen Bereich (oft im Rahmen der Ergotherapie) eingesetzt wird, z.B. auf einer Station für psychosomatische Erkrankungen oder auch Depressionen. Andersherum kann sie auch esoterisch sein – in meinem Falle ist sie aber weder medizinisch noch esoterisch.

 

Kunsttherapie ist eine Methode, mit der man z.B. an unbewusste Themen und Gefühle herankommt, um damit arbeiten zu können. Es geht auch viel um „Ressourcen“: welche Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnisse etc. habe ich eigentlich – und welche davon können gestärkt werden oder liegen momentan total brach?

 

Für gewöhnlich bringe ich meine Klienten mit einer Meditation oder Phantasiereise erstmal zu sich selbst, also in ihren Körper und ihre Gedanken. Und das, was dabei entsteht – Gefühle, Gedanken, Träume, Ideen – wird im Anschluss mit verschiedenen Mitteln gemalt und besprochen. Vielen von uns fällt es schwer, bestimmte Gefühle oder Emotionen in Worte zu fassen. Aber mit Pinsel oder Pastellkreide geht das erstaunlich gut!

Was mir aber immer wieder wichtig ist, zu betonen: Zwar heißt es KUNSTtherapie, doch geht es hier nicht um Kunst: Es richtet sich nicht nur an angehende Picassos, sondern an alle, die einen Stift halten können und die gerne mehr über sich erfahren möchten. Es braucht dazu natürlich etwas Offenheit von Seiten des Klienten – denn zaubern kann ich nicht. Und „heilen“ übrigens auch nicht: In der Kunsttherapie finden wir gemeinsam einen Weg, dein Potential auszuschöpfen – denn das Material dafür ist bereits in dir vorhanden!

 

 

Der Kurs, den ich bei Dir besucht habe, handelte vom Thema Selbstliebe: ein spannendes Thema. Manche haben seit der Kindheit Schwierigkeiten damit, die im Verborgenen liegen. Wenn ein Frauenkörper zum Mutterkörper wird, verändert sich oft auch noch mal die Wahrnehmung. Wie kann Kunsttherapie helfen, wenn die Selbstliebe Nachhilfe braucht?


 

Da gibt es sehr viele verschiedene Ansätze. In dem Workshop, den du besucht hast, habe ich verstärkt mit dem Thema „Selbstakzeptanz“ und dem „inneren Kritiker“ gearbeitet:

 

Was finde ich an mir blöd, was finde ich gut – und wie kann ich diese beiden Seiten von mir als zusammengehörig akzeptieren? Welche Möglichkeiten gibt es, mir auch im Alltag Selbstliebe und Mitgefühl entgegenzubringen?

 

Ich denke, viele junge Mütter setzen sich verstärkt unter Druck, wenn sie denken, sie müssten in allen Bereichen perfekt sein und dabei auch noch blendend aussehen. Aber Kinder kriegen und großziehen ist nicht immer einfach und auch ohne Kinder fordert uns dieser Drang nach Perfektion oft viel zu viel Energie ab!

 

Ein wichtiger Schritt ist es also, die Dinge, die sich nicht oder nicht sofort ändern lassen, etwas entspannter zu betrachten und vielleicht sogar einfach zu akzeptieren. Ich mochte meine große Nase noch nie gerne, aber sie wird nunmal nicht mehr kleiner werden – wieso sich also weiter darüber grämen? Wenn der „innere Kritiker“ mal wieder laut wird und darüber meckert, dass man nichts auf die Reihe bekommt und dabei auch noch ungewaschen aussieht, darf man ihm ruhig widersprechen! Diesen Dauernörgler in unserem Kopf kann man in einer Kunsttherapie sehr gut aufdecken und gemeinsam erarbeiten, was man ihm entgegensetzen kann. Ebenso lässt sich mit so genannten „Körperbildern“ oder „Gefühlsbildern“ herausfinden, wie der aktuelle Stand der Selbstliebe ist und woran man diesbezüglich arbeiten könnte.

 

Nun hat nicht jeder die Möglichkeit einen Kurs zu besuchen: Wie kann man sich mit einem Blatt Papier in den eignen vier Wänden vielleicht im Bereich der Selbstliebe schulen?

 

Selbstliebe klingt für viele nach einem so großen Begriff, der viel Aufwand beinhaltet und Zeit braucht – doch Selbstliebe beginnt im Kleinen: Wenn ich das Schmutzgeschirr für eine Weile schmutzig sein lasse und mich stattdessen (z.B. weil das Baby gerade Mittagsschlaf macht) für ein paar Minuten mit einer Tasse Kaffee auf den Balkon setze. Wenn ich mich nach dem Duschen mit einem gut riechenden Körperöl einreibe oder mir eine Viertelstunde in der warmen Badewanne gönne. Natürlich kann man sich auch hinsetzen und z.B. sein momentanes Bauchgefühl malen, aber ohne therapeutische Nachbearbeitung bleibt das vielleicht ohne Ergebnis.

 

Doch empfehle ich immer wieder folgendes: Jeden morgen, noch im Bett, gehe ich meine mentale Liste all der Dinge durch, die ich heute zu erledigen habe. Und überlege dann, welche Sachen ich weglassen und an welchen Stellen des Tages ich bewusst etwas für mich tun kann. Wer Zeit hat, schreibt abends alles vom Tag auf, was unter das Stichwort „Selbstliebe“ fällt – dazu gehören auch liebevolle Gedanken gegenüber mir selbst.

 

In welchen Bereichen können sogar schon Kinder von Kunsttherapie profitieren und vielleicht bei Problemen wie Mobbing oder Schüchternheit Hilfe finden?

 

Ich bin keine Expertin in Sachen Kunsttherapie mit Kindern, doch wird diese auch schon bei jungen Menschen eingesetzt: Auch hier wird ein Thema z.B. erst spielerisch eingeführt und dann mit verschiedenen Materialien zu Papier gebracht. Kinder malen ja noch viel ungezwungener und unmittelbarer und ihre Bilder haben oft eine besonders starke Ausdruckskraft, die man als Therapeut leicht interpretieren kann. Zusammen mit dem Kind könnte man dann schauen, wie man sein Selbstbewusstsein stärkt, damit es sich gegen Mobbing wehren kann oder wie es die Angst vor fremden Situationen verliert.

 

Viele waren vielleicht mal richtig künstlerisch begabt, doch oft liegt es brach: Wie holt man – vielleicht gemeinsam mit den Kindern, den Künstler in sich raus?


 

„Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben“ – das Zitat von Picasso finde ich sehr treffend! Bei Kindern kann man sich da einiges abschauen – oder hast du schon mal ein Kind „Ich kann aber doch gar nicht malen…“ sagen hören? Eine Möglichkeit wäre z.B., ein großes Blatt Papier oder eine Papierrolle auszulegen und dann gemeinsam mit Fingerfarben über die weiße Fläche zu panschen – Kindern macht das großen Spaß und bisher habe ich auch nur Erwachsene kennengelernt, die nach anfänglichen Hemmungen ebenso aus sich herausgegangen sind… Aber wie gesagt: Bei Kunsttherapie geht es nicht um Kunst, sondern darum, sich mit künstlerischen Mitteln auszudrücken. Wie das Bild am Ende aussieht, ist völlig egal. Wichtig ist, was das Malen und das Anschauen bei dir auslöst!

 

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Julia. 

 

Julia ist kein Neuling auf dem Blog: Warum sie in Farben sieht und von ihrer Leidenschaft für Yoga hat sie mir schon berichtet: Noch mehr von ihr erfährt ihr auf ihrem Blog Fräulein Julia.

 

Mehr zu den Kursterminen für Yoga und Kunstherapie findet ihr auf Julias Seite seelenweise.com.

Mehr Elternfragen gibt es hier.

Alltag, Kaffeehauskultur, Kultur mit Kind

Prenzlauer Berg und Kuchen: unsere Eckpfeiler beim Wochenende in Bildern vom 1. bis 3. September 2017

Freitagnachmittag starten wir das Wochenende mit einem Kuchendate im Prenzlauer Berg.

Mit Begeisterung stellen wir fest, dass am Wochenende ein Musikfestival stattfindet: Wir werden es nur am Rande mitkriegen. #regen

Mutter und Tochter hängen am Samstag im selben Farbschema ab.

Immer wieder treffe ich auf Sprüche, die ich wirklich gut finde.

Seit vergangenen Freitag ist unser Zweitblog radfamilie.de online: ein Grund auch in dem Bereich zu recherchieren.

Der Sonntagmorgen beginnt mit einem Tattoo.

Mittags gibt es Nudelauf mit viel Gemüse.

Wir gehen zu einem Kindergeburtstag und da bleibt das Telefon in der Tasche.

 

Und wie war Euer Wochenende so? Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen.

Familienrollen, Kultur mit Kind

Wohnen in Berlin: „Die ganze Familie auf 15 Quadratmeter: Da ist der Frühsport inklusive, wenn man den Raum verlassen will.“

Die Familienrollen sind aus der Sommerpause zurück: Jeder kennt mindestens eine Familie, die in Berlin in einer zu kleinen Wohnung lebt oder ist sogar selbst betroffen. Jette erzählt, wie sie zu sechst auf engen Raum hausen, was sie empfehlen kann und ob eine Änderung ansteht. 

 

 

In Berlin ist Wohnraum knapp. Ihr bewohnt knapp über 60 Quadratmeter. Ihr das sind: Drei Kinder, zwei Erwachsene und ein Hund. Wie gut klappt das?

 

Als wir hier in die 3-Raum-Wohnung gezogen sind war ich mit Melina, meinem ersten Kind, schwanger. Ob und wie viele Geschwister sie kriegen sollte, war damals noch unklar. Sechs Jahre später sind sie nun zu dritt. Es klappt aus zwei Gründen: Familienbett und einer Freizeit, die hauptsächlich draußen stattfindet. Und ein Vorteil hat es tatsächlich: Bevor die Kinder was neues zum Spielen holen, müssen sie das alte aus Platzgründen wegräumen.

 

Kürzlich habe ich auf Twitter gelesen, dass Ihr Euch nun doch vergrößern wollt: Warum?

 

 

Tomaten wachsen am Fenster: einen Balkon gibt es nicht.

Fakt ist, wir müssen umziehen. Bei uns ist einfach jeder Zentimeter in der Wohnung genutzt. Solange Bosse noch bei uns schläft, geht es irgendwie. Aber der Winter steht vor der Tür und damit kommt die Zeit, in der man wieder mehr drinnen ist. Auf Dauer ist das „irgendwie“ kein akzeptabler Zustand. Wir haben nicht mal Platz für ein eigenes Bett für Bosse. Zwei Wohnungen haben wir uns angeschaut, mit gefühlt 300 anderen Leuten. Eine passte vom Schnitt her nicht, die andere ist ein Traum. Ein toller Schnitt auf 126 Quadratmetern. Und das Glück war auf unserer Seite: Wir haben die Wohnung tatsächlich bekommen!!

 

 

Da Du über Deinen Alltag bloggst, kriegt man immer wieder mit: Als Familie seid ihr viel unterwegs. Wie sieht das ideale Wochenende bei Euch aus?

 

 

Am Wochenende sitzen wir morgens recht lange zusammen: Mein Freund und ich essend und lesend am Tisch, die Kinder spielend auf dem Boden. Die ganze Familie auf 15 Quadratmeter. Da ist der Frühsport inklusive, wenn man den Raum verlassen will.
Samstags geht es zu erst meist in die Bibliothek und einkaufen, nachmittags gerne in die Schwimmhalle in Schöneberg oder wenn keine Sommerpause ist zum Prenzlkasper. Ein Abstecher in die Buchbox muss da natürlich auch sein. Am Sonntag fahren wir am liebsten in den Tierpark. Denn es gibt nicht viele Ausflugsmöglichkeiten für Kinder und Hund.

 

 

Vor Kurzem hast Du einen Text darüber geschrieben, dass ein viertes Kind für Dich nicht ganz auszuschließen ist, auch wenn vieles dagegen spricht. Habt Ihr diese Entscheidung nun schon getroffen, oder bleibt die noch ein paar Jahre offen?

 

 

Prinzipiell ist die Entscheidung getroffen. Es wird kein viertes Kind geben. Wohnraum ist einfach ein Argument dagegen. Nicht gegen das zweite und für uns auch nicht gegen das dritte. Aber irgendwann muss bzw darf die Vernunft entscheiden und beim vierten ist es nun so weit. Mich stimmt das nur irgendwie traurig und mich wurmt dieses „nie wieder schwanger sein“. Wir wollen aber nicht ins Umland ziehen oder ein Haus bauen

 

 

Viele haben nicht die Wohnung ihrer Wunschgröße, was rätst Du anderen, die vielleicht nicht das Glück haben, das Passende zu finden?

 

 

Vieles steht schon in doppelter Reihe: Deshalb geht es immer öfter in die Bibliothek.

Wir haben viele Dinge von Ikea, die uns helfen. Pax-Schränke in Übergröße, Schuhregale, die man endlos übereinander stapeln kann, Bettkasten für das Verstauen von Dingen, Kisten, die Kleinkram verschwinden lassen. Unser Boden ist sehr hell und die Möbel nahezu alle in weiß. Das macht den Raum freundlicher. Außerdem sollte man regelmäßig ausmisten. Zieht man wirklich alles an, was im Schrank liegt? Spielen die Kinder noch damit?

 

Leseratten empfehle ich, sich in der Bibliothek anzumelden. Diese Umstellung fiel uns recht schwer, denn wir lesen beide gerne viel und mögen den Anblick von Büchern im Regal. Aber es spart nicht nur Geld, sondern eben auch Platz, wenn man diese nach dem Lesen wieder angeben kann. Und auch die Kinder lieben es, sich Bücher, CDs und Filme dort auszuleihen.
Familien sollten sich eine spannende Aktivität in ihrer Nähe suchen und sich eine Jahreskarte gönnen. Wir haben eine für den Tierpark, wodurch wir gerne und oft dahin gehen, auch im Winter. Nicht jedes Mal Eintritt zahlen zu müssen, erleichtert das natürlich.

 

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Jette. 

 

Jette bloggt übrigens auf motzmama.de über ihren Alltag und bestimmt auch bald über ihren Umzug.

 

Wenn Du selbst eine Familiengeschichte hast, die gut in die Familienrollen passen würde, dann meld Dich doch bei mir unter fruehesvogerl@gmail.com.

Alltag, Kultur mit Kind, Meinung

Pekip, Babyschwimmen und Co.: Warum ich in Babykurse gehe

Niemals würde meine Bloggerkollegin Andrea von Runzelfüßchen in einen Babykurs gehen, hat sie mir erzählt und auch ich hatte in der Tat schon schwierige Kaliber: Einen Pikler Kurs brach ich ab, weil die Leiterin sich für einen unerkannten Guru hielt und Babyschwimmkurse hatten wir zwar motiviert besucht, aber mehr als ein Kurs in Folge wurde es nie: Das Konzept des Untertauchens war einfach nie so mein Fall.

 

Bei meinem Jungen hatte ich die Mädels aus meinem Rückbildungskurs, die mich völlig immun gegen jeglichen neuen Babykurs machten: bei meinem Mädchen begann ich sie plötzlich mehr zu schätzen, vor allem als die kleine Freundin (Schwester der Rückbildungsfreundin des großen Bruders) mit ihrer Familie gen Süden zog.

 

Deswegen:

Andere Kinder: Meine Tochter geht noch in keine Kita und die Möglichkeit andere Einjährige, die ähnliche Interessen kennenlernen sind nun mal begrenzt: Babykurse sind ein sogenannter Place to be. In unserem Sing-und-Klatsch-Kurs im Prenzlauer Berg – Hallo Klischee! – hat meine Tochter Spaß und auch wenn ich mal nicht so Lust auf Gesellschaft habe, das Stündchen tut ihr gut.

 

Mit netten Leuten können wir im Anschluss Macarones teilen, zum Beispiel.

Andere Eltern: Diese Kurse gibt es eigentlich nur für die Eltern, sagen die einen. Diese Kurse wären ja ganz lustig, wenn die anderen Eltern nicht wären, sagen die anderen. Es gibt schreckliche Miteltern: Solche, die gleich zu Beginn nach den U-Ergebnissen fragen, oder die voller Stolz berichten, was ihr Kind alles nicht darf und ein paar, die sind einem schlicht und ergreifend egal.

 

Aber es gibt auch andere, die netten, mit denen man gerne quatscht und: Ein Kind braucht wahrscheinlich nicht zwingend gleichaltrige Spielkameraden, aber es ist für die Mutter auch nett, jemanden zu haben der zu ähnlichen Tageszeiten Zeit hat.

 

 

Kein Spielplatz: Viele Leute verbringen eine große Zeit auf Spielplätzen. Kann ich nicht nachvollziehen, ich mag es dort nicht sonderlich. Rutschen, schaukeln, klettern sind mir selbst so fremd, dass ich das wenig transportieren kann und meine Kinder auch nicht grad übergehen vor Begeisterung, wenn es uns denn mal auf einen verschlägt. Sportliche Motivation in Form eines Babykurses funzt bei uns: Spazieren und Garten auch.

Statt Spielplatz sind wir zum Beispiel mehr fürs Lesen.

 

 

Fester Zeitpunkt: Ich stehe unglaublich auf Rituale: Am Montag das Spieldate für Donnerstag für meinen Jungen zu kennen, zu wissen welche Familie uns am Wochenende besucht und wann wir Babykurs haben: ich mag das. Für Flexibilität bleibt Zeit genug.

 

 

Geschwisterkurs: Sind das Ding, ehrlich. Wir machen so etwas im musikalischen Bereich und wir finden es – und das kam echt überraschend – alle richtig gut.

Das einzige Problem, dass nahezu immer auftaucht: Die Fotografiererei. Ich hasse es, wie schon hin und wieder erwähnt, wenn fremde Menschen meine Kinder fotografieren, muss ich da einschreiten. Das gilt auch bei Babykursen und wird nicht immer von jedem gleich verstanden.

 

Allerdings sage ich es dort einmal, auf Spielplätzen stelle ich mir das ungleich schwieriger vor und bin schon gespannt, was Andrea dazu sagt: die es ja ähnlich schätzt, wenn ihre Kinder auf fremden Bildern landen.

 

Andreas Text in dem sie erzählt, warum sie niemals einen Babykurs besuchen würde, findet ihr übrigens hier.

 

Und was sind Eure Erfahrungen: Babykurse ja oder nein – oder seht ihr das auch ein bisschen als Prozess?