Katzenohren
Alltag, Kultur mit Kind

Kindergeburtstag und Faschingstrubel: Unser Wochenende in Bildern

Dass dieses Wochenende aufregend werden würde, wussten wir schon im Vorfeld: Mein Junge hat Geburtstag und wir wollten das mit zwei Parties gebührend feiern.

Muffins

Dazu habe ich mich bereits am Freitag in der Königsdisziplin versucht: Kuchen backen mit Baby und Kleinkind. Auf der Suche nach Minimuffins legt mir eine Twitter-Bekanntschaft ihr Rezept mit bunten Muffins nahe. Das war ganz gut: Einfach zu bewerkstelligen und schmeckte auch ganz gut. Leider werden sie am zweiten Tag im Mund immer mehr.

Am Samstagmorgen herrscht große Aufregung, die wir mit Kuchen ganz gut in den Griff kriegen.

 

Nackte Sachertorte.

Bis zum Nachmittag ist noch viel zu tun. Besonders irre: Am Samstag Lebensmittel einkaufen. Machen in Pankow irgendwie alle, wir bekommen alles, was wir brauchen: Gibt aber auch viel Blödsinn.

 

Wer kauft so etwas?

Einer wurde für die Party ausquartiert. So kinderlieb er ist bei einer großen Anzahl von Kindern ist uns sein Überschwang dann manchmal doch zu viel.

Er posiert fürs Foto.

 

Die kleinen Gäste kamen und vor lauter Datenschutz – und Aufregung – gibt es kaum Fotos. Es gab Kuchen, Essen und Spiele. Eine wichtige Motivation für die Spiele waren Süßigkeiten.

Noch immer recht voll.

 

Besonders eifrig machten sich die Kinder ans Kostüme raten.

Katzenohren

Eine wurde allerdings tatsächlich nicht erraten.

 

Das lag daran, dass sie sich zum Zeitpunkt des Spiels bedeckt hielt.

Am Abend sind wir alle ein bisschen erledigt.

Irgendein Kind baut ein Bett.

Am heutigen Sonntag feiern wir weiter.

Allerdings bleibt der Kindertisch heute leer.

 

Unsere Familien wohnen ja nicht in Berlin und können nicht zum Geburtstag meines Jungen kommen. Das haben wir vorgefeiert und feiern das auch noch nach. Heute aber kommen die erwachsenen Freunde meines Jungen. Ja, so etwas  hat der auch.

Und mit wem habt ihr den dritten Geburtstag Eures Kindes gefeiert: Wisst Ihr das noch, oder steht das bei Euch vielleicht grad an?

 

Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen.

Familienrollen, Kultur mit Kind

Rotz ’n‘ Roll Radio: „Das Verständnis von Kinder-Unterhaltung verändert sich Richtung Familien-Unterhaltung.“

Jeden Donnerstag erscheinen hier die Familienrollen, die eine andere Familie vorstellen.  

 

Mein Sohn ist fast drei Jahre alt: Bisher finde ich fast alles an Kindermusik schrecklich. Und dann haben wir durch eine Freundin Rotz ’n‘ Roll Radio kennengelernt: Was ist Dein Geheimnis und hat Berlin etwas damit zu tun?

 

 

Kai LüftnerAls mein Sohn zwei war, hab ich angefangen ihm vorzulesen – und war teilweise entsetzt. Wahnsinn, was es für Schrott gab und gibt. Vor allem, da man uns als Eltern nich nur nich auf der Mütze hat, sondern offensichtlich auch vergrauen will. Das fand ich derart übel, dass ich mich gefragt hab: was mach ich jetz. Da is mir eingefallen, dass ich sowieso immer Schriftsteller werden wollte. Und Musiker. Und dann hab ich damit angefangen, das zu machen, was ich schon immer machen wollte und hab vor allem ein Kriterium gehabt: Es muss mir selber gefallen! – Und siehe da, es gab und gibt offenbar einige Eltern, denen es genauso geht. Die lesen meine Bücher (vor) und hören (mit ihren Kindern gemeinsam) meine Musik. Ich weiß nich, ob und wenn dann warum, das eventuell in Berlin besonders gut funzt. Vielleicht, täuscht das nur, weil ich von hier komme.

 

 

Du bist eigentlich Sozialpädagoge. Ab 2012 liest man allerdings vermehrt von Deiner Musik, Deinen Kinderbüchern und Hörspielen: Hat die Geburt Deines Sohnes all das ausgelöst?

 

 

Ja, mein Sohn war und ist schon maßgeblich an all dem was hier grade los is beteiligt. Es fühlt sich so sinnvoll und richtig an, für den wichtigsten Menschen in meinem Leben endlich das zu tun, wovor ich mich jahrelang gedrückt hatte. Aus Angst zu scheitern vielleicht.

 

 

Du schaffst Kultur für Kinder: Ist Dein eigener Sohn Dein größter Fan und Dein schärfster Kritiker?

 

Er ist entsprechend alles in Personalunion. Bisher war es auch extrem einfach mit seinem Feedback umzugehen, da er recht bedingungs- und kritiklos meinem Schaffen gegenüber war. Das wird nun anders. Sein letztes Statement war: Ich mag was du machst, aber es ist mir auch manchmal ein bisschen zu einfach. Und dann setzt sich dieser siebenjährige Stöpsel hin und schreibt sein eigenes Zeug – oder gründet mal eben ne Band, die „ED AND THE MASHINEGUNS OF NOISE“ heißt.

 

 

Was ich an Deiner Musik so mag. Ich hab das Gefühl, Du willst Kultur für Eltern UND Kinder schaffen. Das Feld ist noch recht leer, find ich. Was denkst Du da drüber?

 

 

Ich denke, da passiert grad viel. Der Zenit der meisten „Recken“ im Kinder-Entertainmentbereich is wohl einfach überschritten. Mit dem Internet und den nach zweitausend geborenen Virtual-Nativs kommt wohl ein anderer Schlag Menschenkinder auf die Welt. Keine Ahnung, aber ich denke,

 

wenn man als Vorschulkind schon zwölftausend Videos und Fotos von sich selbst, animierte Trickfilme vom Schlage Pixar, Harry Potter oder sonstwas gesehen, gelesen, konsumiert hat, haut einen Michel aus Lönneberga, die Kinder von Bullerbü oder Rolf Zuckowskis Weihnachtsbäckerei vielleicht nicht mehr so schnell um.

 

Ich kann mich täuschen, aber so empfinde ich das bei meinem Kind. – Auch wenn einige Klassiker wohl für immer bleiben werden… Und das ist auch gut so. Und ich denke, das Verständnis von Kinder-Unterhaltung verändert sich Richtung Familien-Unterhaltung. Was vielleicht gar nicht so neu, sondern eher eine Umkehr zu einem alten Bedürfnis ist.
Was wünscht Du Dir für Deine Musik für die Zukunft?

 

 

Ich wünsch mir die große Bühne. Kein Dasein außerhalb des Wahrnehmungsradars der Medien, sondern ein ernst nehmen. Kinder-Unterhaltung führt ein Schattendasein in Spartensendern und Nischen-Programmen. Das ist doch bekloppt. Ich will und werde das ändern. Wie weiß ich noch nich, aber auf jeden Fall volle Pulle!

 

Die große Sause findet am 28. Mai in der Kindl-Bühne Wuhlheide statt.

 

Zu Kais Musik und Büchern geht es hier.

 

Neue Familienrollen gibt es wieder kommende Woche: Wenn Ihr auch ein Familienkonzept habt, über das ihr gerne sprechen möchtet, dann schreibt mir doch unter fruehesvogerl@gmail.com.

Doula Anne mit Baby
Kultur mit Kind

Geburtsbegleitung mit einer Doula: Was macht die eigentlich?

Mit „Elternfragen“ möchte ich einmal wöchentlich mit Experten reden, Mythen hinterfragen und Antworten auf Fragen finden, die sicher viele beschäftigen. Fragen stellen finde ich nicht nur bei Kindern wichtig. 

Heute geht es um den Beruf der Doula: Anne aus Dresden hat erzählt, warum sie sich dazu entschieden hat, eine Doula zu werden und was eigentlich genau deren Aufgaben sind. 

 

Auf der Suche nach einer Doula hat mir Nora Imlau (Experteninterview zum Thema Schlaf) Deinen Namen genannt. Die einfachste Frage zuerst: Was macht eine Doula eigentlich genau? 

 

Das Wort „Doula“ leitet sich aus dem griechischen „doleia“ ab, und bedeutet „dienen“ oder „betreuen“. Eine Doula ist eine Frau, die eigene Kinder geboren hat, und über fundiertes Wissen rund um die Geburt verfügt. Sie hat aber keine spezifische medizinische Ausbildung und ersetzt deswegen weder Hebamme noch Geburtshelfer, übernimmt keine medizinische Funktion, greift nicht in medizinische Belange ein, ist also immer zusätzlich zur Grundversorgung dabei. Das heißt, eine Doula bietet auch keine „Vorsorgen“ oder „Nachsorgen“ an, sie leitet keine Geburt.
Dadurch kann sie sich nur auf die Frau konzentrieren und ihr einfühlsame kontinuierliche Unterstützung geben, denn sie versteht und kennt die emotionalen Bedürfnisse von Gebärenden.
Eine Doula wird von der Frau privat engagiert, sie ist bei keiner Klinik oder Hebamme angestellt. Andererseits ist die Doula auch nicht die Freundin der Gebärenden oder eine nähere Angehörige. Bei beiden Möglichkeiten würde der Effekt „verpuffen“.

 

 

Die meisten Doulas bieten ihre Begleitung in einem so genannten Paket an:
Bereits in der Schwangerschaft lernen sich Schwangere, ggfl. Ihr Partner und Doula bei 3Treffen kennen, besprechen Wünsche, Sorgen und Vorstellungen der Schwangeren. Das wiederum heißt, bei der Geburt braucht dann nicht viel gesprochen werden. (Was wichtig ist, damit sich die Frau auf die Geburtsarbeit konzentrieren kann.) Die Rufbereitschaft erstreckt sich 10Tage vor und 10Tage nach dem errechneten Termin. Eine Exklusivzeit, denn i.d.R. Nimmt die Doula nur eine Frau pro möglicher Rufbereitschaft an. In dieser Zeit wird auch häufiger telefoniert, um den Kontakt zu halten. Während der Wehen begleitet die Doula ohne Schichtwechsel und geht erst, wenn nach der Geburt Mutter & Kind versorgt sind. Nach der Geburt gibt es zwei weitere Treffen im Wochenbett, bei denen die frisch gebackene Mutter einerseits nochmals Massagen erhält, andererseits können Fragen geklärt und auch das Geburtserlebnis besprochen werden.

 

 

Durch die Kontinuität der Begleitung können bei den Frauen Ängste abgebaut werden, zugleich mehr Selbstvertrauen und Zuversicht bezüglich der Geburt entwickelt werden. Auch der werdende Vater profitiert von der Begleitung durch eine Doula, da er in einer für ihn völlig unbekannten (und vielleicht beängstigenden) Situation nicht allein für die Unterstützung seiner Partnerin zuständig ist. So sinken Stress und Anspannung.

Kann etwas so Simples so wirksam sein? Die Antwort wurde wissenschaftlich untersucht:
Es konnte gezeigt werden, dass diese zusätzliche kontinuierliche Begleitung durch eine Doula während der Geburt die Kaiserschnittrate, die Geburtsdauer, die Verabreichung von Wehenmitteln, die medikamentöse Schmerzbekämpfung, den Einsatz der Geburtszange und die Nachfrage nach einer Periduralanästhesie signifikant reduziert. Außerdem zeigte sich, dass nach einer Geburt mit Doula wesentlich mehr Babys voll gestillt wurden und weniger Ernährungsprobleme auftraten. Psychologische Tests zeigten bei den Müttern weniger innere Unruhe oder Anzeichen von Depressionen, aber mehr Zufriedenheit in der Partnerschaft. (Klaus, Kennell, Klaus;1993, Hodnett et al, 2003)

 

 

In meinem Verständnis sollte eine Frau gestärkt aus ihrem Geburtserlebnis hervor gehen, egal wo sie nun ihr Kind zur Welt bringt. Das möchten Doulas prinzipiell unterstützen. Aber nicht jede Frau braucht diese Art der Begleitung.
Es ist eine alte neue Art der Begleitung, denn bis zur Verlegung von Geburten in Krankenhäuser gab es immer geburtserfahrene Frauen die der Gebärenden zusätzlich zur Seite standen. Neu ist der Name, die Anpassung an die Geburts-/ Gesellschaftssituation und deren Berücksichtigung (Geburtenrate, Lebenslauf und -schwerpunkte von Frauen, Geburtsort, Interventionen &Möglichkeiten, Väter bei der Geburt, …) und daraus resultierend eine Ausbildung dazu. Inhaltlich machen wir aber das gleiche wie früher.

 

 

Wie kam es dazu, dass Du Dich dazu entschlossen hast, eine Doula zu werden? 

 

Bevor meine Kinder zur Welt kamen, lernte ich Gärtnerin. Ein schöner Bezug, denn es geht um Leben, pflegen, Leben erhalten, Kreisläufe. Nach der Geburt meiner zweiten Tochter mit meinen ganz eigenen Erfahrungen und einigen sehr guten Büchern ergriff es mich. Ich war jung & begeistert (und bin es noch immer), machte mich auf die Suche nach Ausbildung, wog permanent ab: Doula – Hebamme… saß nach einem Praktikum irgendwann im Vorstellungsgespräch für die Hebammenausbildung – es kam zum Rückzieher. Stattdessen stand nun fest entschlossen die Doula auf dem Plan. Das hatte Identifizierungsgründe.
Die Ausbildung fand ich bei der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, Familienbildung & Frauengesundheit in Berlin, ich war aber noch zu jung. Also wurde ich zunächst Stillberaterin, Geburtsvorbereiterin, Familienbegleiterin, Kursleiterin (ebenfalls bei der GfG in Berlin), mit allem was sich noch dazu bot wie Rückbildung, Babymassage, Shiatsu, Trageberatung, Ätherische Öle, … wie ein Schwamm sog ich alles Gute auf, engagierte mich ehrenamtlich in Leitung von Selbsthilfegruppen als auch auf Bundesvorstandsebene. Habe Petitionen unterstützt, Demos und eine Tagung organisiert, habe referiert, gab viele Kurse (vor allem FABEL, Babymassage), Workshops, wurde gebucht.
Als Praktikantin im Kreißsaal und auf der Wochenstation sammelte ich die wichtige Erfahrung auch des Perspektivwechsels, der mir viel persönliches Verständnis brachte. Und auch immer wieder die Bestätigung mich für das Richtige entschieden zu haben, obwohl es das Angebot zur Hebammenausbildung erneut gab. Dann endlich war es soweit: die Doula-Ausbildung mit noch mal knapp 720 Unterrichtsstunden… und habe nicht nur liebe Kolleginnen, sondern auch Freundschaften und erneute Selbstreflexion dazu gewonnen. Danach ein persönliches Highlight, die Doulas Islands in Rejkjavik kennen zu lernen und einen Workshop dort zu ätherischen Ölen zu geben, sich auszutauschen.
Vor 1Jahr habe ich mir einen kleinen beruflichen Traum erfüllt: noch zu seinen Lebzeiten wollte ich Dr. Michel Odents Doula-Seminar erleben.
Ich bin dankbar, noch all das alte bewährte Wissen bei so wunderbaren Lehrmeistern gelernt zu haben, hüte es, lasse mich davon nicht abbringen.
Die größten Lehrmeister waren und sind doch aber meine eigenen Kinder.
Denn auch wenn ich einige Jahre beruflich sehr aktiv war, zu mir gehört auch ein Privatleben mit meiner Familie, mit Gartenarbeit, draußen sein in der Natur, mit Freunden und alternativer Szene in der ich mich ebenfalls ein wenig engagiere. Das erdet mich bei meiner angeschlagenen Gesundheit und ist mittlerweile wieder der Hauptteil meines Alltags.
Prinzipiell möchte ich gern international arbeiten, da das im Moment nicht so möglich ist, meinte eine Klientin zu mir wortpassend: „so international comes to you Anne, also a good perspective.“

 

 

In meiner Wahrnehmung sind Doulas noch wenig bekannt: Welche Frauen suchen Dich auf?

 

 

WochenbettDas kommt ganz auf die Region in Deutschland an, wie bekannt Doulas sind. Natürlich werde ich oft gefragt, was das denn sei, eine Doula. Tatsächlich bewerbe ich diese Tätigkeit kaum. Eher ist es so, dass ich mich finden lasse von den Frauen, die eine Doula möchten und für sich brauchen. Am häufigsten sind das Frauen, die ein unschönes oder gar traumatisches erstes Geburtserlebnis hatten und nun gestärkt nach Begleitung für ihren eigenen Weg suchen. Aber auch Erstgebärende und häufig Frauen aus Nachbarländern die noch ein völlig anderes Verständnis von und andere Erfahrungen mit Geburtshilfe haben. Eine wunderbare Bereicherung.
Am häufigsten insgesamt sind geplante Krankenhausgeburten aus den verschiedensten Gründen, aber auch Haus- und Geburtshausgeburten. Hälftig sind die Partner ebenfalls bei der Geburt dabei und werden eingebunden (oder ein älteres Geschwisterkind) oder sie sind eben nicht dabei. Ich begleite keine geplanten Alleingeburten, das habe ich im Doula-Kodex unterschrieben.

 

 

Was waren die bewegendsten Momente Deiner Arbeit als Doula?

 

KinderfussGeburt ist Bewegung. Für mich ist jede Geburt eine bewegende, besondere, das Fest das sie sein sollte. Meine Familie fiebert bei jeder Rufbereitschaft mit. Der Ablauf ist immer variativ der gleiche. Aber jede Frau ist anders, hat eine andere Geschichte und schreibt eine eigene neue Geschichte. Bisher hatte ich Glück und durfte wunderbare Geburten von wirklich starken Frauen begleiten. Es wird viel Oxytocin ausgeschüttet und auch ich habe Pipi in den Augen, wenn dann ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblickt… Die Zeit steht still, ein ganz eigener Zauber.
Ich bedanke mich bei den Frauen und Familien, dass ich dabei sein durfte in ihren privatesten Stunden. Wir haben zusammen gewartet, gelacht, geschwiegen, geschwitzt, uns bewegt, ich habe massiert, gekocht, gehalten, gewogen, gestreichelt, auf den Kopf geküsst, auf Wunsch fotografiert, gestrickt, mit ausgehalten, geschwiegen, mich zurück genommen, motivierende oder tröstende liebe Worte gesprochen, den Partner mit eingebunden, Gesichter abgewischt, Haare zusammen gebunden, immer zu Trinken gegeben, zur Toilette gebracht, auf warme geerdete Füße geachtet.
Aber das Wichtigste: mit all dem habe ich der Frau nur beigestanden, ihren eigenen Weg der Geburt zu gehen. Und das völlig unabhängig von dem, was mein persönlicher Weg wäre und auch unabhängig davon, was die Frau vorher alles wollte und geplant hatte. Sie alle haben es ganz allein geschafft und sie können sehr stolz auf sich sein! Frauen sind stark auf ihre eigene Art, nennen wir es göttlich, und das bewegt mich.

 

 

Wie beurteilst Du die Situation der Geburtenhilfe in Deutschland aktuell? 

 

Elternprotest DresdenOh, ich könnte Seiten zu diesem Thema füllen, weil es einfach derart komplex ist und versuche mich auf mal weniger beachtete Aspekte zu konzentrieren…
Wir wissen alle um die seit „ewigen Jahren bis Jahrhunderten“ Situation der Geburtshilfe in Deutschland, die sich einfach in einem Dilemma befindet. Gern möchte ich die Frage ummünzen: Was bedeutet die Situation für die Frauen und Familien?

 

 

Im 20.Jahrhundert haben nur „Risikoschwangere“ von ihrem Gynäkologen eine Überweisung zur Krankenhausgeburt erhalten, ähnlich wie das Modell in den Niederlanden. Erst der zweite Weltkrieg führte in Deutschland aufgrund von Wohnungsnot zur Verlagerung der Geburt von daheim ins Krankenhaus. Damit begann spätestens die Wandlung der Geburt als physiologisch natürliches Ereignis zu einem medizinischem mit grundsätzlichem Misstrauen in das Gelingen. Denn interventionsfreie Geburten gibt es ja nur noch selten seit dem, auch wenn uns die medizinischen Möglichkeiten natürlich auch einen großen Segen brachten. Jede Medaille hat zwei Seiten.

 

 

Wütend macht mich die Tatsache, wie derzeit Grundrechte von Frauen umgehend ausgehebelt werden, weil mit Abschaffung der Grundversorgung auch die Wahlmöglichkeiten abgeschafft werden. Es ist keine Ausnahme, wenn eine Frau bereits in der Schwangerschaft keine Nachsorgehebamme mehr findet. Frauen aus dem Umland können ihren Geburtsort nicht mehr frei wählen, außerdem schließt ein Kreißsaal nach dem nächsten.
Und warum werden Geburten schon immer verschieden vergütet? Je mehr Interventionen, umso mehr zahlt die Kasse. Dabei muss jeder Kreißsaal immer auf Notfälle eingerichtet sein, es kostet viel das immer parat zu haben. Die Müttersterblichkeitsrate steigt in Deutschland signifikant zu schlechterer Hebammenversorgung und Zunahme der Kaiserschnittrate an. Der Kaiserschnitt war einmal dafür gedacht, genau das zu verhindern.
In Großbritannien werden Hausgeburten inzwischen wieder gefördert, denn das entlastet die Kassen. Die Hebammen dort hatten wie überall hier ähnliche Probleme, haben sich aber in einer EU-Allianz zusammen gefunden, um die Versicherung tragen zu können. Was es mit der Versicherung auf sich hat, das ist sehr komplex. Dazu gehört auch, wie sich unsere technischen Möglichkeiten erweitert haben und immer mehr zu früh geborenes Leben mit viel höherem Risiko natürlich mit versichert werden will.

 

 

Als auf Sylt (betrifft nat. auch auch die anderen Inselkliniken) die Geburtenstation schlossen und auch keine Hausgeburt mehr angeboten wurde, schnellte die Kaiserschnittrate der ausgelagerten Sylterinnen zunächst auf 100% in die Höhe. Das war beinah zu erwarten und ist nicht nur besorgniserregend, sondern auch gesundheitsschädlich. So wie die gesamte Situation. Denn die trägt nur weiterhin dazu bei, dass auch Gewalt in der Geburtshilfe stattfindet. Ein weiteres Tabuthema, das auf den Tisch gehört.
Diese Punkte zu klären ist eindeutig Aufgabe der Politik, die bisher nur vertröstet und den langsamen Tod von Grundrechten (ich unterstelle:) bewusst veranlasst!

 

 

Ich weiß aber z.B. aus anderen Gegenden Deutschlands, dass Geburtshäuser aus Mangel an Nachfrage schließen müssen. Das spiegelt auch die Frage wider: Was wollen die Frauen? Beispielsweise beobachte ich, wie bei steigendem Gendering und etablierter Emanzipation die Frauen ihre Selbstbestimmung dann bei der Geburt wiederum mehr und mehr abgeben. Frauen werden weiterhin verunsichert und dieses System unterstützt das.
Nun hatten wir hier in Deutschland geburtsbezogen zwar alles und vieles davon auch immer schwebend, verlieren es zeitgleich doch wieder. Ja, vor 3 und 2 Jahren sind auch wir als Eltern auf die Straße gegangen für unsere Rechte und diese zu erhalten, Petitionen waren im Umlauf. In Dresden haben wir ebenfalls die Elternprotest-Demo mit viel Aufklärungsarbeit, Vernetzung und Presseinterviews organisiert. Filme und Beiträge wurden gar europaweit gedreht und vorgeführt. Der Verein Happy Birthday hat sich gegründet, Mother Hood ebenfalls, Roses Revolution bereichert uns mit einem weiteren wichtigen Baustein, Green Birth ist schon sehr lange aktiv und sicher gibt es noch einige mehr. Gefüllt werden muss es mit Menschen die diese ehrenamtlichen Tätigkeiten auch ausführen. Es kann den Eltern und damit der Gesellschaft nach wie vor keiner abnehmen, für ihre Rechte einzutreten, sich für sich und ihre Kinder einzusetzen. Schon unsere Eltern sind dafür auf die Straße gegangen und konnten damit Dinge bewegen. Das war auch die Rennaissance der Doulas.

Wir wissen nicht was die Zukunft bringt, das kann keiner sagen. Elisabeth Geisel (u.a. Gründerin von ENCA – European Network of Childbirth Associations) forderte vor Jahren, was nun beantragt wurde: die Geburt als Weltnaturerbe.
Vielleicht bricht das ganze System zusammen, vielleicht auch nicht. Vielleicht organisieren sich die Menschen aus der Not heraus und vielleicht übernehmen wieder die Frauen die Geburt für sich. Ein Trend aus England zur Alleingeburt zeigt diesen Weg auf. Alles in allem sollten deswegen nach wie vor die Frauen entscheiden und diese Entscheidung in die Hand nehmen, wo und wie sie gebären wollen und ob sie zusätzlich eine Doula brauchen oder nicht.
Das darf dennoch keine Grundversorgung aushebeln wie sie gesetzesgemäß zusteht, hier aber der Fall ist.

 

 

Steht die natürliche Geburt im Mittelpunkt der Überlegungen, brauchen wir aber weder darüber nachzudenken ob es zusätzlich Doulas geben soll, noch über Konkurrenzen die nicht einmal vorhanden sind, denn die evidenzbasierten Studien sprechen kommentarlos für sich.

 

 

 

Egal was passiert, ich habe mich dafür entschieden, Teil einer positiven Veränderung zu sein, an dem Platz bin ich genau richtig.
Ich wünsche mir für meine Töchter, so sie Kinder gebären wollen, dass sie ihren Weg gehen können und jede Unterstützung erhalten die sie dafür brauchen. Das wünsche ich auch jeder Frau!

 

Alle Bilder wurden mir von Anne Weidlich zur Verfügung gestellt. Mehr Infos zu Anne und ihrer Arbeit als Doula findet ihr auf ihrer Homepage.

 

Bisherige Experten-Interviews zum Nachlesen:

Schlaf mit Nora Imlau

Trotzphasen mit Katja Seide

Reitpädagogik mit Miriam Neudeck

Stillen mit Anna Hofer

Eltern und Sex mit Katja Grach

Musikpädagogik bei Kindern mit Vivien Müller

 

Ihr seid auch Experte in einem Thema, oder Euch beschäftigt eine Frage zu der ihr gerne mal einen Experten hören würdet? Dann meldet Euch doch unter fruehesvogerl@gmail.com bei mir.

Alltag, Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Dänemarks Westküste: Unsere Freitagslieblinge aus dem Urlaub

Fast zwei Wochen waren wir an der Westküste Dänemarks und genau davon handeln diese Woche auch die Freitagslieblinge.

 

Was war diese Woche so los? Was hat uns bewegt. 

 

 

1. Mein Lieblingsmoment mit den Kindern.

Das Schönste an einem Winterurlaub am Strand? Das sind die Strandspaziergänge, die auch für beide Kinder meistens toll waren. Nicht so empfehlenswert ist es: ein kleines Mädchen bei Schneegestöber in die Trage zu packen, wenn man das gelernt hat: Wunderbar. Jeden Tag waren wir unterwegs. Das war toll.

 

2. Mein Lieblingsessen der Woche.

Räucherfisch. Und Kuchen. Und wieder von vorne.

 

3. Mein Lieblingsbuch der Woche.

Wahrscheinlich gibt es genau eine Woche im Jahr, in der ich kein Buch lese. In Dänemark habe ich tatsächlich nichts gelesen, aber zum ersten Mal seit Ewigkeiten mal wieder den Polizeiruf geschaut. Kann man machen, muss aber auch nicht regelmässig sein.

 

 

4. Mein Lieblingsmoment für mich.
 Wir hatten wirklich Glück mit dem Wetter. Mit Ausnahme von An- und Abreise war es immer schön. So schön, dass wir am Strand wanderten und ein bisschen vom Weg abkamen. Aus dem schönen netten Schlenkern zum Ferienhaus wurde plötzlich ein steiler Aufstieg: Mit meinem Mädchen vorm Bauch und panischer Höhenangst war das eher suboptimal. Zumal mein Junge ja auch nicht merken sollte, wie doof ich das eigentlich finde. Als es endlich wieder bergab ging, war ich schwer erleichtert und verzeihe meinem Mann diese Wegwahl.
 
5. Meine Lieblingsinspiration der Woche.
Gelesen habe ich diese Woche nicht viel. Inspirierend fand ich vor allem das Leben. Was ich in einer dänischen Schwimmhalle unter lauter Nackten gelernt habe, darüber habe ich zum Beispiel diese Woche auf dem Blog geschrieben.
 Und für den Fall, dass ihr es noch nicht gelesen habt, möchte ich Euch das Familienrollen-Interview dieser Woche ganz besonders ans Herz legen: Dort schreibt Tomma, warum sie sich vor ein paar Jahren gegen ihre Beziehung und für den Kinderwunsch, der immer noch unerfüllt ist, entschieden hat. Warum ich das Interview so wichtig finde? Weil Tomma so mutige Antworten gibt und damit ein Tabu bricht.
Während Ihr das hier lest, sind wir übrigens schon wieder in Deutschland und haben hoffentlich keinen Nach-Urlaubs-Blues: Kommt gut ins Wochenende.
Mehr Freitagslieblinge gibt es wie immer bei Anna von Berlinmittemom.
Tomma, lachend
Familienrollen

Kinderwunsch: „Die Liebe aufzugeben für ein Kind, von dem ich nicht weiß, ob ich es je haben werde?“

Jeden Donnerstag erscheinen hier die Familienrollen, die eine andere Familie vorstellen. Heute erzählt Tomma, warum sich ihre Familienplanung noch nicht umgesetzt hat und welche Pläne sie hat, wen sich ihr Kinderwunsch in den nächsten Jahren nicht erfüllt.

Im Rahmen Deiner Agenturarbeit (Rabach Kommunikation) hast Du viel mit Elternbloggern und Unternehmen, die sich auf Familien spezialisiert haben, zu tun. Beruflich sind Kinder also immer großes Thema. Du selbst hast (noch) keine Kinder. Welchen Stellenwert nimmt Familienplanung in Deinem Leben ein? 
Tomma KidsFamilie – und da gehören für mich die besten Freunde mit dazu – kommt für mich an erster Stelle! Und ich bin wahnsinnig stolz (für mich) behaupten zu können, dass ich die beste Familie der Welt habe. Ich bin aufgewachsen mit dem Wissen, dass, was auch passiert, meine Familie hinter mir steht und für mich da ist. Dieses Wissen und das damit einhergehende Gefühl bedingungsloser Liebe und Zusammenhalt, gibt mir eine unglaubliche Sicherheit und Stärke – selbst in herausfordernden Momenten. Und genau dieses unbezahlbare Glück möchte ich weitergeben: an meine Patenkinder, meine Nichte/meinen Neffen, die/der im Sommer auf die Welt kommt, und eines Tages auch an meine eigenen Kinder.

Ich kann mir ein Leben ohne Kids nicht vorstellen. Wohlwissend, dass es Situationen geben wird, in denen ich meine mir aktuell mögliche Spontaneität, das ohne Rücksicht auf jemanden einfach nur in den Tag leben können oder die kompromisslose Flexibilität durchaus sehr vermissen werde. Aber welchen Stellenwert hat das im Vergleich zu einem Kinderlachen? Oder dazu, die Welt (wieder) mit Kinderaugen sehen zu können? Eine Sicht, die vieles so klar und so „einfach“ erscheinen lässt. Die so logisch ist und gleichzeitig so herzlich. So bedingungslos ehrlich. Und die uns immer wieder einen notwendigen Spiegel vorhält.

 

Wie kommt es, dass du bislang auf eigene Kinder verzichtest?

 
Tomma in AgenturEhrlich gesagt habe ich mich viele Jahre auf meine berufliche Karriere konzentriert. Insbesondere mit dem Start in die Selbständigkeit vor fünf Jahren bekam dies eine neue Dimension. Andererseits war die Intensität meines Fokus’ auch bedingt durch meine privaten Umstände. Denn wie heißt es so schön? It takes two to tango … In meiner letzten Beziehung kam bei meinem Freund irgendwann der Punkt, an dem für ihn feststand, dass er (doch) keine eigenen Kinder möchte. Das zu akzeptieren und nicht die falsche Annahme zu verfolgen, der andere würde seine Meinung schon ändern, wenn er erst einmal sein Patenkind im Arm hält etc., hat mehr als ein Jahr gedauert.

 

Selbstverständlich habe auch ich darüber nachgedacht, ob ich meine Einstellung zugunsten der Beziehung ändern kann. Eine Entscheidung, die ich, und die wir, in unserer langjährigen Beziehung nicht „mal eben so“ getroffen haben. Die Liebe aufzugeben für ein Kind, von dem ich nicht weiß, ob ich es je haben werde? Wie sich wieder neu verlieben, wenn man doch eigentlich „den Richtigen“ an der Seite hat? Als lösungsorientierter Mensch habe ich sehr lange nach einem Happy End gesucht. Aber bei der Entscheidung pro oder contra Kinder gibt es keinen Kompromiss. Und so hat es mehrere Jahre gedauert, bis wir uns schließlich zugunsten unserer jeweiligen Kindereinstellung gegen eine gemeinsame Zukunft entschieden haben.

Wenn jedoch „nur“ eine konträre Meinung, wenn auch zugegebenermaßen eine sehr Entscheidende, der einzige Trennungsgrund ist, sind damit nicht zeitgleich auch die Gefühle ebenso Geschichte. Es hat knapp zwei Jahre gedauert, bis ich wieder bereit war, mich überhaupt gedanklich wieder auf eine „neue Zukunft“ einzulassen.

Wie waren die Reaktionen auf deine Entscheidung?

 
Während wir Ex-Partner unsere Entscheidung auch heute noch als einzig faire und respektvolle Entscheidung dem anderen gegenüber verstehen, haben wir beide in unserem Umfeld zum Teil sehr großes Unverständnis geerntet – Vorwürfe inklusive.

 

Ich wurde darüber hinaus immer wieder gefragt, warum ich nicht „einfach schwanger“ geworden bin? Und das sowohl von meinem privaten, als auch beruflichen Umfeld. Von Frauen und Männern. Klar habe auch ich mich irgendwann gefragt, ob ich wirklich „zu blöd“ war? Und warum ich nicht jetzt „einfach“ schwanger werde.

 

Habe mich gefragt, ob ehrlich zu sein, die richtige Entscheidung war. Und ja: alles andere ist in meiner Wahrnehmung ein absoluter Vertrauensbruch. Ich habe den romantischen Gedanken, dass sich zwei Menschen bewusst für ein Kind entscheiden – wobei das nicht zwangsläufig in einer klassischen Konstellation sein muss.

 

Mit eigenem Kinderwunsch täglich das Thema Familie präsent: Ist das schwierig für Dich, oder kannst Du da gut differenzieren?
Mittlerweile kann ich das. An den meisten Tagen sogar sehr gut. Aber klar gab und gibt es auch Tage, in denen mir das nur bedingt gelingt. Kurz nach der Trennung waren Fragen wie „Und? Hast du eigene Kinder?“ ein absoluter Stich ins Herz. Insbesondere, wenn ich danach gefragt wurde, warum ich es nicht einfach hab drauf ankommen lassen bzw. „nicht einfach“ schwanger geworden bin? Sei doch egal, dass der Partner nicht wollte.

Wenn ich die süßen Facebookposts von Elternbloggern sehe, Familienzeitschriften durchblättere und Themen für unsere Kunden bearbeite – dann steigert das an guten Tagen die Vorfreude auf die eigene Elternzeit, während ich im nächsten Moment meine Flexibilität genieße. An „schlechten“ Tagen stürze ich mich einfach auf unseren zweiten Themenschwerpunkt: die Food-Kunden oder skype mit meinem zweieinhalbjährigen Patenkind.

 

 

Du bist beruflich erfolgreich und hast derzeit keine Beziehung. Wahrscheinlich spielt bei Dates die Familienplanung schon früher eine Rolle als bei 20-jährigen Studentinnen: Wie offensiv gehst Du mit Deinem Kinderwunsch um, und wie ist die Resonanz?? 
Das Thema ist definitiv präsent und für mich entscheidend. Und ich gehe damit sehr offen um. Ich mag keine Zeit mehr investieren, wenn für mich wichtige Aspekte nicht übereinstimmen. Das gilt für mich nicht nur in Bezug auf einen Partner und so gehört für mich auch nicht nur die Kinderfrage zu dieser Einstellung. Ich bin glücklich, in einem Alter zu sein, in dem ich meine Wünsche klar formulieren kann und ebenso deutlich ausdrücken kann, was ich nicht möchte. Das erspart Missverständnisse, unerfüllte Erwartungen und am Ende auch viel Herzschmerz.

Gleichzeitig nimmt das Thema ganz klar die Leichtigkeit, in der 20-Jährige einander kennenlernen. Vor allem, wenn wir Frauen die biologische Uhr immer lauter ticken hören. Das wird noch einmal verstärkt durch das Umfeld, das dir wohlwollend Tipps gibt, aber dadurch auch unbewusst den Druck und die Zweifel an dir selbst erhöht. Scheitert ein Beziehungsversuch, ist es neben dem Verlust des Menschen, der dich traurig stimmt, zusätzlich wie ein Fall auf den Boden der Tatsachen, dass damit auch der eben noch zum Greifen da gewesene Traum einer eigenen Familie erst einmal auf Eis liegt. Sich von all diesen Einflüssen ein Stück weit zu befreien, ohne das Ziel und damit auch das realistische Zeitfenster aus den Augen zu verlieren, ist ein Balanceakt und nicht selten eine Achterbahn der Gefühlswelt.

 

Welche Pläne für die Familienplanung hast Du, wenn sie das mit dem passenden Partner in den nächsten Jahren nicht einstellt? 
Tomma mit RaubtierIch habe in den vergangenen zwei Jahren sehr intensiv darüber nachgedacht und mich über verschiedene Möglichkeiten informiert und intensiv dazu ausgetauscht: Ob der Besuch in einer Kinderwunschklinik, Beratung rund um das Thema Social Freezing, Gespräche über Adoption, der Austausch über Co-Parenting oder die Überlegung doch „einfach“ schwanger zu werden … Im Freundeskreis haben wir darüber gescherzt, gemeinsam einen Spender zu suchen, in ein großes Haus zu ziehen und zusammen Geschwister großzuziehen. Wäre es kein solch emotionales und persönliches Thema, könnte ich mit meinen Erfahrungen mehrere Bücher füllen und ein eigenes Comedy-Programm schreiben. Aber dieser „Spaß“ ist dann doch persönlichen Gesprächen vorbehalten.

 

In den vergangenen Monaten habe ich häufiger darüber nachgedacht, „Familie“ und Beziehung voneinander zu trennen. Klar ist für mich Plan A, ein klassisches Familienmodell, noch immer meine Wunschvorstellung. Ich bin aber aufgrund meines Alters und auch meiner lösungsorientierten Persönlichkeit realistisch genug, parallel den Weg für Plan B zu ebnen. Beide Wege führen zu meinem großen Traum: eine eigene Familie. Auch ein aktuell für viele sicherlich ungewöhnlich scheinender Weg muss am Ende kein steiniger sein. Und wenn doch: Werde ich gemeinsam mit meiner Familie genau daraus etwas Schönes bauen.

 

Kürzlich hast Du beim Blog Runzelfüsschen über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie  in Deiner Funktion als Agenturchefin geschrieben. In Bezug auf die Vereinbarkeit und auch gesamt gesehen: Hast Du ein Ideal, welche Mutter, Du selbst einmal gerne sein möchtest?
Ich mag ungern von einem Ideal sprechen. Auch ohne selbst Mutter zu sein, bekomme ich (nicht zuletzt durch meinen Job) mit, welchen Druck sich Mütter (und auch Väter) unnötig machen und welchen Druck sie noch viel mehr untereinander ausüben. Wie Mütter sich gegenseitig verurteilen, weil die eine ihr Kind länger stillt, als die andere, weil die eine es gar nicht tut. Weil der Vater sich eine Auszeit nimmt, während der andere den Staat nicht zusätzlich belastet. Weil die einen Eltern ein Familienbett haben, die anderen für eine strikte Bettentrennung sind. Weil die eine Mutter die andere angreift, weil diese relativ schnell wieder arbeiten geht, während sie selbst all’ ihre Bedürfnisse hinten anstellt.

Tomma_Patenkind_HandIch habe viele klare Vorstellungen davon, wie ich meine Kids erziehen würde, was ich ihnen mit auf den Weg geben möchte, in welchen Bereichen ich streng bin; in welchen Situationen entspannter. Aber ich bin Realist genug (oder durch den Kontakt zu vielen Eltern ein gebranntes Kind? ;-), zu wissen, dass sich das Thema Erziehung im Zweifel an der ein oder anderen Stelle anders entwickeln wird, als die Pläne es zunächst vermuten lassen.

Daher lass mich die Frage etwas offener beantworten: Ich für mich möchte es hinbekommen, mich selbst nicht zu verlieren, mich nicht ausschließlich über meine Mutterrolle zu definieren und dennoch oder gerade deshalb eine großartige Mami zu sein. Mir ist es wichtig, dass meine Kids wissen, dass sie sich, komme was wolle, immer auf mich verlassen können. Dass ich bedingungslos hinter ihnen stehe. Dass ich aber auch ein „eigenes“ Leben habe: mit Freunden und Hobbys, mit beruflichen Zielen, mit Freiräumen für mich selbst und – sofern Plan A funktioniert – für uns Eltern als Paar. Und mit all dem mag ich meinen Kindern vorleben, wie wichtig es ist, dass sie sich genau dieses selbständige Leben auch erarbeiten – mit Köpfchen und einer großen Portion Herz. Dass sie für sich individuelle Ziele finden, dass sie sich Zeit nehmen, ihre Akkus aufzutanken – auf ihre ganz eigene Art – und voller Neugierde, Wissensdurst, Zuversicht, Herzenswärme, Selbstvertrauen und Selbständigkeit und nicht zuletzt Optimismus durchs Leben gehen.

Wenn du gezielt nach einem Ideal fragst, dann kann ich sagen: Wenn ich auch nur einen Bruchteil von dem weitergeben kann, was mir meine Eltern mitgegeben haben (und es noch immer tun), dann hab ich mehr als meine Vorsätze erreicht.

Und bis dahin arbeite ich daran, die coolste Patentante und beste Tante der Welt zu werden.

Vielen lieben Dank, Tomma.

 

Ihr habt auch eine Geschichte, die Ihr gerne in den Familienrollen erzählen wollt? Dann meldet Euch doch unter fruehesvogerl@gmail.com bei mir.

Alltag, Kultur mit Kind

Nackt in der Jugend: Eine Ausflug durch verschiedene Zeiten

Mit einem schüchternen Lächeln öffnet sie mir die Tür. Sie ist nackt. Ihr Busen sitzt auf einer Höhe, wo jeder Busen mal anfängt zu sein. Zu einer Zeit, in der man noch gar nicht weiß, ob die gesamte Größe schon erreicht ist. Sie ist vielleicht 17. Hat lange rotblonde Haare bis zum Po.

 

Und sie ist wunderschön. Wahrscheinlich weiß sie es nicht. Wenn ich ihr Lächeln richtig deute, weiß sie es sogar ganz bestimmt nicht.

 

Wir sind in einer dänischen Schwimmhalle. Und ich bin etwas perplex von all der Nacktheit mit der ich da grad konfrontiert werde. Kurz vorm Eintritt zu den Becken ist der Duschbereich: Hier sind ungefähr zehn Frauen, die alle vollständig nackt sind. Einige sind verstörend schön. Körper, ohne eine einzige Delle. Bäuche ohne die kleinste Wölbung und dann sind da noch ein paar Frauen darunter, die ein bisschen anders aussehen: Solche mit bunten Tattoos, welche mit unglaublich viel Körperbehaarung und einige haben ein paar Kilo mehr drauf und tragen draußen die hier üblichen Schwimmkleider. Hier nicht.

 

Sie sind alle so verschieden und sich nur darin grad ähnlich, dass sie sich auf sich konzentrieren. Manche von ihnen lächeln. Manche schauen gedankenverloren umher und einige wirken so, dass man lieber wegschaut.

 

 

Mir ist recht warm. Ich bin bIchereits umgezogen, das heißt ich muss hier nicht duschen. Ich warte hier nur. Auf dem Arm habe ich meine Tochter, die grad mal ein halbes Jahr ist und die gleich zum ersten Mal schwimmen geht. Und schön langsam dämmert mir, dass das da auch ein Part ist, der dazu gehört zum „Mädchenmama sein“. Sich nicht nur damit auseinandersetzen, ob meine Tochter irgendwann Barbie kriegt, wie ich Elsa und Anna finde, sondern auch mit der eigenen Nacktheit klarkommen und ihr das beibringen.

 

Selbstreflexion

Mein Badeanzug ist noch aus der ersten Schwangerschaft, ich habe noch mindestens acht Kilo zu viel und wie eine Grazie komme ich mir auch grad nicht vor. Aber „Hey, ich habe zwei Kinder geboren und beide Kinder ernährt. Eines sogar immer noch.  Ich futtere Rund um die Uhr Schokolade und Kuchen. Und es ist wohl der Moment zu erkennen, dass das wohl nun mal so ist. Jetzt. Irgendwann muss ich mich damit auseinandersetzen, wie ich wieder in einen Bikini passe, der auf der Seite nicht gerafft ist. Muss überlegen, ob ich die Kleidergröße 36 so attraktiv finde, dass ich sie tatsächlich zurück möchte und andere Dinge. Aber nicht jetzt. Jetzt zählen andere Dinge.

 

Mir fällt eine kluge Frau aus meiner Familie ein, die mir mit 23 sagte, dass mir gar nicht bewusst ist, wie jung ich eigentlich bin. Und wie schön das ist. Ich sag mir, dass auch ein bisschen für jetzt gilt. Für jeden in diesem Raum. In diesem Raum voller nackter Menschen. Wie schön, wie bunt und wie gleichgültig die Faltenlosigkeit eigentlich ist.

 

Das nackte Mädchen lächelt mich an, grad so als wäre ihr auch aufgegangen, dass ich grad kruden eigenen Gedanken entstiegen bin. Am Ende der Schlange hält sich eine Frau ein bisschen bedeckter. Ihre Beine sind durchzogen von blauen Adern. Ihr Bauch wirft sich in drei Falten. Ihr Gesicht ist voller Sommersprossen.

 

 

Sie lächelt. Sie lächelt mein Mädchen an, zu dem sie wahrscheinlich rund 70 Jahre trennen. Später beim Nachhausegehen stelle ich überrascht fest, dass das Mädchen am Eingang und die alte Frau am Ende wohl Enkelin und Großmutter sind. Beide ausgestattet mit diesem Lächeln.

 

Ich ziehe meiner Tochter ihren rosa Anzug und ihre blaue Mütze an, und glaube, dass da noch eine Menge auf uns zu kommt. Nicht immer finden sich so viele Antworten wie in Mitten einer Gruppe dänischer Nackte.

 

Was denkt Ihr: Kennt Ihr diese Gefühle?

 

*Natürlich ist ein gesundes Körperempfinden auch für Jungs wichtig, das soll hier nicht untergehen.